Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 26 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3 Aus Leu Ereiguiffe« des Tages. Zum 6. Deutsch-Israelitischen Verbandstag. „Die gesamte jüdische Lehrerschaft Deutschlands", sagte Rektor Feiner in seinen«: Korreferate, „«vird nicht eher das Feld der öffentlichen Erörterung räumen, als bis die Frage der Begründung und Erhaltung jüdischer Volksschulen, die für sie eine Lebensfrage geworden ist, ihre Lösung gefunden hat." Dies ist ihr gutes Recht. Tie Lage eiires Teiles der jüdischen Lehrer Deutschlands ist schier unerträglich. Mit Gehältern von 800—1000 Mk. jährlich kann keine Fainilie existieren! Dazu kolnmt noch das Uebel der Unverbindlichkeit vieler kleiner Gemeinden gegenüber ihrem jüdischen Lehrer, nicht zu reden von der bisiveilen geistigen Abhängigkeit, kurzum : dies ist ein «inhaltbarer Zustand, und unsere volle Sympathie ist selbstverständlich! auf Seiten der Lehrer, des Lehrers, von dem unsere Weisen sagen: „Jehi «näuro Rabcho kemäuro schomae jim, .Die Furcht vor deinem Lehrer möge «vio die Furcht vor dem Himmel sein!" Dem jüdischen Lehrer soll ««nd M««st geholfe«« «verden! Je gesicherter, .je unabhängiger, sowohl «nateriell als auch geistig — geistig betont, da gerade an der gei stig e n Abhängigkeit unserer Lehrer das westeuropäische I udentum.kr ankt! — der Lehrer gestellt ist, desto gesicherter ist sein Erfolg. Doch wodurch soll den« jüdischen Lehrer geholfen «verden? Durch die konfessionelle Schule! Deshalb sollen überall konfessionelle Schulen gegründet werde««. Deshalb! Nur deshalb? Wie aber, wenn den Lehrern auf eine andere Weise geholfen werden könnte, «vie, wenn das Heist ersehnte und in der Phantasie unserer Liberalen in Bälde zu erwartende goldene Zeitalter des Liberalismus beginnt, da die jüdischen Lehrer an den christliche«« Schulen Anstellungen finden? Was.dann? Dann hat die jüdische konfessionelle Schule zu verschwinden, dann ist sie überflüssig! Sagt doch der Antrag Feiner — der, nebenbei bemerkt, auf dein Börbandstag die entschiedenere Richtung vertrat, während die Mehrheit der jüdischen Schule am liebsten den Garaus gemacht hätte und für deren Errichtung in Großge- «neinden überhaupt nicht zu haben ist — ausdrücklich: „Der 6. Gcmeindeverbandstag erklärt sich im Prinzip für die paritätische Volksschule. Angesichts des Umstandes, daß in den «««eisten deutschen Bundesstaaten die Volksschulen einen rein konfessionellen C h a r a k t e r t r a g e n, hält er im Interesse ««««serer staatsbürgerliche«« Gleichstellung und iin Interesse der jüdischen Erziehung unserer Jugend die Errichtung jüdischer Volksschulen neben den bestehenden protestantischen und katholischen für wünschenswert." Man sieht also, daß die jüdische Schule nur „a««gesichts des Umstandes", und .so weiter . . . An einer anderen Stelle sagte auch Rektor Feiner, ««achden« er den schlagenden Beweis gefiihrt hat, daß von einer paritätischen Schulform heute nirgends die Rede sein kann und die Staatsschulen für die jüdischen Lehrkräfte nahezu gesperrt sind, ungefähr folgendes: „Da ist es. verständlich, daß die jüdische Lehrerschaft in der Gelvißheit, daß die ersehnte Aera dös Liberalismus noch lange auf sich warten lassen «vird, sich auf die Stärke des uns selbsteigenen Kulturgedänkens besonnen hat." Es ist klar, daß die Besinnung auf die Stärke des uns selbsteigenen Kulturgedankens sich lediglich nur „angesichts des Umstandes" ergibt. Sobald aber die Umstände andere geworden sind und die liberale Aera eingezogön ist, dann ist es aus «nit unserem Kulturgedanken! .... Und was noch weit schüinmer: ein so geschautes Judentum Lann nur ein Trutzjudentum zutage fördern! „In den christlichen Schulen werden unsere Kinder christianisiert", stellte Sanitätsrat Dr. Apfel-Köln fest. Dies bedarf keines Beweises, und somit ist die jüdische Schule nicht nur „angesichts des Umstandes" nötig, sondern für jetzt und für alle Zeiten! „In der christlichen Schule werden unsere Kinder christianisiert", fraglos! Doch diese unumstößliche Tatsache hätten wir nicht aus dem Munde des Herrn Sa nit äts rat hören sollen, sondern aus dein des Herrn Rektor'Feiner. Schneiderei Crössmann Kaisonatnaamo tOa, Entnosol. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kleider> Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. Brief aus Italien. Obwohl der „Bund der jüdischen Geil« ein den in Italien" erst vor einigen Jahren gegründet «vordcn ist, hat er sich schon manche positive Verdienste erivorben. Wir erirmern n««r an die Organisation der kleineren Gemeinden — wie Pitigliano, Einigaglia usw. —, die — einst gut eingerichtete Gemeinden — im letzten Jahrzehnt infolge der Mißwirtschaft einiger sogenannter Administratoren der Auflösung nahe «varen. Auch hat der Gemeindebund eine große politische Tätigkeit zu Gunsten «inserer Brüder im Orient entwickelt. Was «««an aber dein Gemeindebunde bisher vorwarf, ist, daß er keine öffentliche Institution sei. Alle Arbeit — wenn Man sie auch zu würdigen wußte — «vurde hinter geschlossenen Türen ausgeführt. Die Oeffentlichkeit.bekam von Zeit zu Zeit „Communiques" zu lesen, in denen die Resultate der Sitzungen mitgeteilt «v «irden; über die Verhandlungen selbst -vurde kein Wort berichtet. Auf die Kritiken, die an diesem System geübt wurden, antworteten die Herren dös Gemeindebundes stets, daß die Zeit noch nicht für eine öffentliche Diskussion der Genreindeangelegenheiten „reif" sei. Es müsse zuerst lange vorgearbeitet «verden, und viele Mißstände der Administrationen müssen erst beseitigt werde««, bevor «na«« an eine öffentliche Diskussion herantreten könne. Nu«« scheint es, daß «vir „reist' geworde«« sind, denn in« letzten Communique des „Gemeindebundes" wird bekannt gegeben, daß der „Bund" den Beschluß gefaßt habe, ««ächsten A u g u st in Rom die jüdische«« Gemeinden zu e«««öM ersten öffentlichen Kongreß einzubörufen. In demselben Communique «vird uns auch die erfreuliche Nachricht gegeben, daß der „Bund" sich schließlich entschlossen hat, sein Augenmerk auch der Falascha-Sache — für die er bis jetzt ««ichts tun wollte — z«r «vidiNen. Für diesen Zweck habe er sich auch «nit de««« unerinüdlichen Vorsitzende«« des „Falascha-Komitees" Oberrabbinör Dr. S. H. M a r g u l i e s-Floreuz. in Verbindung gesetzt. Unter den modernen Herrschern ist der König von Italien «vohl derjenige, der dem Judentum die größte Synrpathie bekundet. Bekannt ist auch seine Stellung zu««« Zionismus, dessen Bestrebungen er immer zu würdigen wußte. Hcrzl fand in ihin einen wahren Bewunderer, und noch heute spricht der Kö««ig über Herzl mit großer Ehrerbietung und Anerkennung. Mit besonderer Sympathie verfolgt er die Fortschritte der jüdischen Kolonisationstätigkeit im Lande unserer Väter, und dies hat er auch in der letzten Audienz, die er den Leiter«« des „Bundes" gewährte, erklärt, wie «vir seinerzeit berichtet haben. Bor einiger Zeit enipfing der König den bekannten amerikanischen Staatsmann Oskar Straus, ««nd a««ch mit diesem unseren hervorragenden Glaubensgenossen besprach ör die Lage der Juden i«« Palästina. Der König gab bei dieser Gelegenheit wiederholt seinem Mitleid über die traurigen Verhältnisse der Juden Rußlands Ausdruck und ließ sich Näheres über den letzten russisch-amerikanische«« Konflikt berichten. Auch die Lage 8er In den in R««- Manien und in Saloniki wurde besprochen. Einige Tage später empfing der König auch den neuen Rabbiner der römischen Gemeinde. Dr. Angela Sacerdoti in halbstündiger Audienzmit de«n er besonders die Lage der Juden in Italien besprach, und bei dem' er sich nähere Jnformatione«« über die Rabbiuatsverhältnisse sowie über die jüdischen Schulen in Italien erbat. Bei dieser Gelegenheit drückte der König seine besondere Synrpathie für die Jugendbewegung ans. Ei««e angenehme Ueberraschurig brachte uns florentinischen Juden das letzte Schowuoth-Fest: das energische, öffentliche Eintreten Oberrabbiners Dr. S. H. Margulies für-den Zionismus. In der startbesuchten hiesigen Hauptsynagoge hielt der hervorragende Leiter des italienischen Rabbinerseminars eine Predigt über folgendes 'Thema: „Ist das Judentum eine Nation oder bloß eine religiöse Gemeinschaft?" Mit hinreißendem Schwung und an der Hand von geschichtlichen Tatsachen rviderlegte er die Meinung derjenigen, die in« Judentum nichts lveitör als eine Religion sehen. Und mit «niltiger, offene«: Entschiedenheit bekannte er sich zum Zionismus. Der Eindruck, den diese Rede auf die zahlreichen Hörer «nachte, ivar überaus' groß. Dieses offene Eintreten des florentinischen Rabbiners ist iin Hinblick auf seine „offizielle" Stellung sehr bedeutsam._Ben-David. eiäiir Bsstaninst nnri Eat» Inh.: Anton Pfeiffer FrieUergsr Ldstr. 420. Tat. 49071 empfiehlt seine prachtvollen, schattigen Gärten, Terrasse, Saal, sowie diverse separate Gesellschaftszimmer. ...Fär Sommerfeste vorzüglich geeignet. ----- Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Das dom Reichstag angenommene Staatsa »ge Hörigkeitsgesetz enthält statt des Ausdruckes „Kirchengemeinde" der Regierungsvorlage, den Ausdruck „anerkannte Religionsgescllschaft" nach Vorschlag des Abg. G r o e b e r (Ztr-). Hierdurch wird es auch den jüdischen Gemeinden erleichtert, ausländische Kultusbeamre in ihren Dienst zu stellen, insofern die Bestätigung ihrer 'Anstellung durch die Behörden ebenso als Einbürgerung zu gelten hat, wie wem« die christlichen Religionsgesellschaften Ausländer in ihren Dienst stellen. Berlin. Tie Generalversammlung des » Arbeitsamt für jüdische Akademiker beschäftigte sich mir der Aeuwahl des Vorstandes, der Statutenänderung, einer Vereiusachung des Verwaltungsapparates und mir einigen anderen die Organisation und Verwaltung betreffenden Fragen. Aach Erstattung des gedruckt vorliegenden Berichtes über die ersten drei Jahre der Tätigkeit des Arbeitsamtes wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der § 2 des bisherigen Statuts erhält die Satzung: „Mitglied kann jeder unbescholtene Jude werden." Der Zweck dieser 'Aenderung ist, den Kreis der Mitglieder des Arbeitsamtes nach Möglichkeit zu erweitern und ihm dadurch in Zukunft größere materielle Mittel für seine umfangreiche» Ausgaben zu verschaffen. Die bisherige Leitung des Arbeitsamtes durch eine» zwülfgliedrigeu Vcrwalningsansschuß und einen auS 31 Mitgliedern zusammengesetzten Gesamtausschuß hat sich als unpraktisch erwiesen. Es wurde daher beschlossen, an die Stelle dieser beiden Körperschaften einen fünfgliedrigen Vorstand zu setzen. In diesen Vorstand wurden gewählt: Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki (1. Vors.), Dr. ing. Max Bcrlvwitz, Dr. med. Erich Rosenkranz, Chefredakteur I. Land a u und Dr- M. G i n s b e r g. Da der bisherige geschäft-führende Sekretär infolge beruflicher Ueberlastung sein Amt niederlegeu mußte, wählte der neue Vorstand an seiner Stelle Herrn Dr. Georg H e r l i tz. Ihm wurde der spezielle Auftrag erteilt, eine umfassende Propaganda für das 'Arbeitsamt in die Wege zu leiten. Berlin. Den« Halbjahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft d e s I n d e » t u in s entnehmen wir folgendes: An. die Mitglieder ist das neue Jahrbuch für j ü d i s che Geschichte und Literatur zur Verteilung gelangt, und in einigen Wochen «vird der interessante Vortrag, den Prof. Dr- Ludwig Blau-Budapest in der Generalversammlung gehalten hat, an die Mitglieder versandt werden. Die Gesellschaft hat zur Zeit zwei wichtige Werke im Druck, de» zweiten Band des u ms assenden M a i m o n i d e s w e r k e s, dessen erster Band seiner Zeit von der wissenschastlichen Weit ebenso wie vom gebildeten Publikum mit Aufnicrksamkeit und Beifall begrüßt ivurde, und die Geschichte des Synagogen!n ltns von Dozent Dr. I. Elbogen-Berlin. 'Dieses Werk verdient im Hinblick auf die religiösen Kämpfe der Gegenwart, bei denen es sich .ja vielfach um die Erhaltung des traditionellen Gottesdienstes oder seine Umgestaltung handelt, die größte Beachtung, und seilt,Erscheinen .wird daher vielfach mit Ungeduld erwartet. Um die Vorarbeiten für die geplante kritische M i s ch n a - A n s g a b e abznschließen, wird Dozent Dr. E. Baneth-Berlin voraussichtlich demnächst eine Studienreise nach England machen, um an Ort und Stelle die Mischna - Fragmente der Genisa zu sammeln und für die Edition noch zu vertverten. Der Ausschuß hat gm «7. Juni eine Sitzung abgehalten. Dieser Sitzung ist in der vergangenen Woche eine Sitzung der Kommission für das Corpus Tannaiticum gefolgt, und ihr wird sich in stürze eine Sitzung der Normal School Bovano ( Wasarstr. 7. 5MvdM-WM0KlWw. Tal. 12428.1 Privat-Zirkel- und KlassenunterricM. H Besondere Zirkel fBr Damen besserer Kreise. ■ Oeffenti Probesfcunden Mittwochs um 11,5,7 u. SHJhr. W