Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 25 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692819-2692844--07744-2702842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
f Nr. 25 Gelle 4. „Wir fordern jedermann zur Zeichnung von Anteilscheinen der Jüdischen Verlagsgeseklschaft auf, die im Betrage von 40 Kronen ausgegebcn werden, und denen eine s«chr günstige Verzinsung mit Bestimmtheit vorausgesagt werden darf." Krakau. Die Wahlkampagne nimmt für die Juden an manchen Orten bedrohliche Formen an. Besonders die Allpolen und ihre Presse ergehen sich in Versammlungsreden und Zeitungsartikeln, deren Tenor an die Blütezeit des berüchtigten Antiscmitcnpaters Stojalowski erinnern. Die Mlpolen benützen die Wahlkampagne zum Vorwände, um überhaupt zum Boykott gegen die Juden zu Hetzen und den letzteren mit Pogromen zu drohen, wenn sic den Gegnern der Allpolcu Gesolgschast leisten würden. Unter solchen Umständen sehen die Juden, besonders in denjenigen Bezirken, wo die Allpolen um ihre Mandate erbitterte Kämpse zu führen habe» werden, den weiteren Wahlcreignissen mit großer Besorgnis entgegen. Jarosla«. Der strafweise nach hier versetzte Professor Kaniowski erlaubt sich vor seinen Schülern die häßlichsten judenfeindlichen Aussprüche und chikaniert seine jüdischen Schüler auf jede Weise. Das Verhalten dieses antisemitischen Jugendbildners veranlaßte den Hochschüler Adolf Lippcs, ihm einen Brief zu schreiben. Wegen dieses Brieses wurde 5b. klagend. Und die Folge: Mle Schüler bis auf eine», einen allpolnischen Antisemiten, bestätigten die Anschuldigungen. Dafür wurden sie nun von der Schuldirektion strenge bestraft, und zwei jüdische Schüler, Laut Turnheim und Gabriel Bratspieß, welche sich in sechs Tagen der Maturitätsprüfung unterziehe» sollten, wurden ausgeschlossen. Dieses Vorgehen der Professorenkonferenz. rief die hellste Empörung der gesamten Oefsentlichkeit hervor. Wie ungerecht und parteiisch die Schulleitung auch sonst ist, erhellt aus der Tatsache, daß zweihundert Jaroslauer Bürger noch vor Wochen ein Memorandum an den Landesschulrat richteten und die Versetzung Kaniowskis sotoic eine Sanierung der unhaltbaren Zustände verlangten. Die ganze Affäre ist zum Gegenstand einer parlamentarischen Interpellation gemacht worden welche vom Abg. Breiter cingebracht wurde. Linoleum } einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 nun J Omi U Bei grösseren Quanten Extraofferten. Gm Kupsehf Frankfurt a. JL, Altegasse 27/29. Ringfreie Tapeteniodustrie. Rußland. Petersburg. Der zur Zeit hier tagende Kongreß russischer Aerztc und Naturforscher. nahm eine Resolution an, die die Abwanderung russischer Studenten nach dem Auslande als Folge der engherzigen reaktionären Regicrungspolitik hinstellt und gegen die Russen hetze an den ausländischen Universitäten protestiert. Der Kongreß drückte gleichzeitig die Hoffnung aus, „daß die freiheitlichen Traditionen des deutschen Volkes schließlich über die kleinlichen nationalistischen und Standcsintcrcfscn d.cn Sieg davontragen werden." Wichtiger noch als diese Resolution Ivar eine andere Kundgebung. Unter stürmischer Znstimmung nahm der Kongreß eine Resolution an, die gegen den Beilisprozess; und die damit verbundene Ritnalmordhetze scharfen Protest cinlcgt. Petersburg. Der angesehene Fortschrittler Konowalow behandelte in der Duma in sehr energischer Weise die vcrnunftswidrige Judenpolitik der Regierung, durch die dem russischen .Handel ständig die größte» Schädigungen zugcfügt würden. Kiew. Die Anklageschrift gegen B eilis enthält nicht einmal den geringsten indirekte» Beweis gegen ih.n. Die ganze Beilis-Afsäre erweist sich als die niederträchtigste Ausgeburt von Judenfeinden; sie ist eine russische Dreysus-Affärc. Die Anklageschrift nimmt den Ritualmord bei den Juden als Tatsache an; sie will so, selbst wenn Deilis freigesprochen werden muß, eine ständige Waffe gegen die Juden geschmiedet haben. Holland. Middelburg. Hier wird am 2. Juli eine interessante Feier stattfinden: die Wiedereinweihung des alten jüdischen Friedhofes, aus dem auch der unvergeßliche Manasse Ben Israel begraben ist. Bor einigen Jahren hat nämlich die Gemeinde auf Veranlassung des englisch-jüdischen Historikers Isidor Harris, der auf dem Friedhöfe Studien machte, den uralten Gottesacker restaurieren und auf dem Grabe Manasse Ben Israels einen neuen Gedenkstein errichten lassen. Auch die übrigen Gräber und Grabsteine wurden aufgefrischt und der Friedhof im allgemeinen wieder in Ordnung gebracht. Auf die historische Bedeutung dieses Friedhofes hat Isidor Harris in einem Referat, das er im vorigen Jahre in der jüdisch-historischen Gesellschaft hielt, hingewiesen. Universität®-Cafe BDCw”?temer Erstklassiges Familien-ßafö. _ WM- XSsslge Preise. "MW Besitzer: Ernst Dunkolm Frankfurter ZfraeMsches Aamillenblatt. Palästina. Jaffa. Ephraim Deinard, ein bekannter jüdischer Gelehrter und Palästinafreund, der in diesem Jahre von Amerika nach Palästina übersiedelte,- hat bei Ra ml eh Terrain erworben. Er will Ramleh, das ein vorzügliches Klima hat und im Mittelpunkt mehrerer Kolonien liegt, zu einer städtischen Siedlung machen. Wie Herr Deinard versichert, könnten dort jüdische Schlosser, Tischler, Schuhmacher, Uhrniacher und auch andere Handwerker ausreichende Beschäftigung finden. Er erklärt sich auch bereit, für die Erbauung einer Schule und Volksbibliöthek unentgeltlich Boden und außerdem den Betrag von 1000 Frcs. und seine Büchersammlung, bestehend aus 6000 Bänden, zur Verfügung zu stellen. — Herr Deinard t)at and) die Herausgabe,des wertvollen Buches von S. Rafaeli über die altjüdischen Münzen, das demnächst erscheinen wird, finanziell gefördert. Amerika. Washington. Im Repräsentantenhaus legte Moore eine R e s o l u t i o n vor, die den Staatssekretär aufsordert, mitznteilen, ob 3t u in ä n i e n den Berliner Vertrag betreffs der 3iechte der Juden beobachte. Offenbaeber Druckluft - Anlage Qffanbach a. HL Telefon 123. (Anachloas mit Frankfurt). Bewährteste Tspplchralntgvng, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinigung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Tarnopol. In dem Dorfe Kupczinze ereignete sich folgender Fall: Der Schenker Hirsch Kraus weigerte sich einigen Bauern, die bereits „überfüllt" waren, noch cinzuschenken, und empfahl ihnen, nach Hause zu gehen. Ob diesen guten Rates waren' die Trinker sehr erbittert. Einer der Bauern beschloß, dasür Rache zu nehmen und wollte die Familie in der Nacht überfallen. Er wollte sich durch eine Oefsnung in den Keller, hinnntcrlassen, doch gelangte er in eine Klemme, aus der er weder vor noch rückwärts konnte, so das; er mir Hilfe rufen mußte. Er wurde dann von der Polizei abgeführt. Wie«. Im Anschluß an den XI. Zionistenkongreß findet eine Gesellschaftsreise nach Palästina statt. Näheres: Palästina-Informationsbüro, Wien II, Karmeliterplatz 1. A«S der Lehrerwett. Breslau. Herr Goldberg lGollaninl-Berlin erhielt für das Bordeten an den hohen Feiertagen in dem Zwciggottesdicnste Konzerthaus 1000 JL Honorar. Damit ihn nicht eine andere Gemeinde wcgcngagiert, mußte ihm die hiesige Gemeinde für die nächsten hohen Feiertage 1500 JL Honorar bewillige». Kattowitz. Rabb. Dr. Cohn feiert am 9. Juli den 70. Geburtstag. Budapest. Rabb. Dr. JgnatzPfeifer inSümeg ist nach Stockholm bcrnscn worden. — Die jüdische Realschule in Vagujhely, die einzige in Ungarn, feierte ihr 50j ä h r i g cs Best ehe». — Der „Tiferct Bachurim" - Verein in RagY - Tapol - csan 1) wählte Herrn Josef Griinfcld -Prcßburg zum Vereinsrabbincr. Budapest. Das Abgeordnetenhaus nahm ein Gesetz an, das den Seelsorgern, die eine achtkl rissige Mittelschule absolvierten, eine staatliche Altcrszulage gewährt und hinsichtlich der, anderen Seelsorger das ,/Ob" und das „Wie" einer Mtcrszulage dem Belieben des Kultusministers überläßt. Zu der letzteren Art Seelsorger gehören auch die meisten Rabbiner. Prag. Rabb Prof. Dr Alexander Kisch erhielt das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens. Czeruowitz. Eine Deputation jüdischer Studentenverbindungen erschien beim Rektor und unterbreitete die Wünsche der jüdischen Studentenschaft bezüglich der Sistierung der Vorlesungen an jüdischen Feiertagen. Der Rektor erklärte jedoch, den bestehenden Gesetzen gemäß die Wünsche von 10 Prozent der Hörerschaft zurzeit n i ch t d u r ch führen zu könne». Jerusalem. Das hiesige hebräische Gymnasium hat sich — unter Wahrung seiner Selbständigkeit hinsichtlich seiner inneren Verwaltung.— dem Schutze Frankreichs u nterstcllt. Jaffa. Die vor drei Jahren von Frau Sulamith Ruppin begründete Musikschule zählt heute ca. 100 Schüler und Schülerinnen und nimmt ca. 10000 Frcs. Schuldgeld pro Jahr ein. Die im Interesse der Schule entstandene „Jüdisch- Musikalischc Gesellschaft" gab jüngst einen „Beethoven- Abend", dem ii. a. der Gouverneur von Jerusalem und der Kaimakam von Jerusalem beiwohnten. Aus der „Agudas Jisroel"-Bewegung. Taruow (Galizien), 16. Juni. Gestern nachmittag fand hier eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, der zwei Vertreter des provisorischen Komitees aus Deutschland anwohnten. Dieser Umstand, in Verbindung mit einer im Anschlüsse an die Versammlung vorgesehenen Vertrauensmännerversammlung hatte aus fast allen - größeren galizischen Gemeinden Delegierte nach Tarnow geführt. Die große „Schinrstnbc" mit allen ihren Rebenräumen war denn bei' Beginn der Versammlung auch längst überfüllt. Hunderte, die keinen Einlaß mehr finden konnten, “ mußte man auf eine am Abend stattfindende zweite Versammlung vertrösten. Kopf an Kopf — von Schulter konnte keine Rede sein — standen die Besucher, als sich die ehrwürdige Gestalt des Rabbiners Schnur erhob, um Worte der Begrüßung zu sprechen. Als erster Redner nahm Bankier G. H. Loewy Rawitsch das Wort, um die Versammlung im Namen des Provisorischen Komitees zu begrüßen. Das eigentliche Referat über „Zweck und Ziele der Agudas Jisroel" hatte M. A. L o e b - Berlin übernommen. Es sprach dann der Knltnsvorsteher Baron, der seiner Freude darüber Ansdruck gab, -eine solche Versammlung in seiner Gemeinde tagen zu sehen und diesem Gefühl durch eine Spende von 100 Kronen zu Gunsten der Aguda Ausdruck verlieh. Einen außerordentlichen Eindruck hiutecließen die Worte des Herrn Isaak Thumim-Przcmysl. Dieser, einer alten berühmten Gelehrtenfamilie angehörende, selbst als Zierde der Orthodoxie und als Gelehrte in ganz Galizien geachtete Kaufmann, der niemals bisher an die Ocfsentlichkeit getreten war, und gerade wegen seiner Zurückhaltung in ösfcntlichcn Dingen bekannt war, trat mit seiner ganzen Persönlichkeit für die Ziele der Aguda ein. Wer seine drastischen Darstellungen der Bedeutung der Aguda' als „das Judentum in ungeteilter und ungetrübter Form" hörte, der wurde von seiner Begeisterung mitgerisscn, zumal sie von geistreichen, exegetischen, witzigen, die Verhältnisse beigalizischen Judenheit kraß beleuchtenden Bemerkungen gewürzt war. Agudas Jisroel betrachte er als die Vereinigung, wo sich die scheinbaren Gegensätze zwischen Ost und West, zwischen Reich und Arm ansheben, wo aber auch die innerhalb der einzelnen frommen Gemcindemitglicdcr bestehenden Unterschiede beiseite gelegt Ivcrden. Dr. Munk-Lemberg, der sich der Organisation der Tagung mit außerordentlichem Eifer angenommen hatte, machte dann noch eine Reihe von Mitteilungen geschäftlicher Natur. Das Schlußwort nahm Rabbiner Schnur, der an die Anwesenden die Frage richtete, ob sie gewillt seien, der Aguda beizutretcn. Ein einstimmiges Ja war die Antwort. Bor Schluß der Versammlung wurde noch bestimmt, daß für Hunderte, die keinen Einlaß gefunden hatte», am Abend in der „Saurer"*) Klans; eine neue Versammlung stattsinden werde. Ein Bild, würdig des Pinsels eines Rcmbrandt war es, das uns am Abend empfing, als ivir die alte, geweihte Stätte betraten. Schon im Vorhofe stauten sich die Massen, durch die kaum ein Weg zu bahne» gelungen wäre, wenn nicht die chrivürdigc Gestalt des Herrn Rabbiner Schnur vorangeschritten wäre. In der Klaus, einem alten, bei. aller Einfachheit stilvoll wirkenden! Bau drängte sich Kopf an Kopf die Menge. Sogar ans die Brüstungen der Fenster ringsum hatten sich unternehmende Jünglinge geschwungen, um von dort her den zu erwartende» Rede» zu lauschen. Erwartungsvolle Spannung lag über de». Ganzen, und für uns Gäste, die wir auf dein Almenwr Platz gefunden hatten, war es ein tief in die Seele eindringcilder Anblick, diese durchweg schönen, geistvolle» Gesichter zu sehen, von denen die meisten den Stempel tiefer, innerlicher Religiosität sichtbar trugen. Die ans mächtigen Wandrcgalen stehenden, zahlreichen stark benutzte» Sforim zeugten dasür, daß die Klans; nicht nur eine Stätte des Gebets, sondern auch eifrigen Lernens ist. Hier konnte man auch einmal sehen, welch' malerische Tracht der im Westen so verpönte „Schubcz" abgibt, wenn er aushört, eine Ausnahme zu sein, — und wer, der für malerischen 9teiz nur im geringsten empfänglich ist, hätte aus den feingeschnittcncn Charaktcrkövfen der Männer, von den blühenden Gesichtern der Kinder die so viel genannten „Pajes" hinwcgwünschcn mögen? Nach Verrichtung des Minchagcbets nahmen Rabbiner Schnur, Isaak Thumim, M. A. Loeb nsw. das Wort zu feurigen Einsprachen. Stimmungsvoll, wie diese Versammlung, wenn dieser Name noch dafür angebracht ist, begonnen, klang sie aus. Nach dem Gebete sammelte sich draußen, auf eine», großen freien Platze, die nach vielen Hunderten zählende Menge, um dort gemeinsam die Nenmondsweihe zu be-: gehen. Wie der sich immer einende Mond das Symbol Israels ist, das ans allen Stürmen und Gefahren in Jugendfrische anftancht, so darf es für die Aguda i» Galizien als günstiges Omen gedeutet werden, daß ihre erste Tagung ans galizischem Boden mit dieser Weihe [ abschloß. Das „Scheker-Bilbul". Von C. Berg. <20. Fortsetzung). Der Wärter blieb respeftvoll an der Tür stehe», um einen fremden Herrn und den Amtsrichter dürchz»- lassen, denen der Bürgermeister Hartmann und der j Referendar Hirschthal aus dem Fuße folgten. Der erfahrene Richter erkannte auf den ersten Mick, daß Perez seine Absicht wieder leid geworden war. Auch der j *) Sancer — Abkürzung von Sander.