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Neue jüdische Presse · 1913-06-20 · Heft 24 (20.6.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 24 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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(Sette 4. , Warckfurter ZsraeWsches KumiWnLKüt. , Rr. 24 ich in Asmara zurück zu sein. In Eryträa angekommen, beabsichtige ich nach Tekul zu geben, nur mit - den dortigen Falaschas zu konferieren und dort unsere Schule zu gründen, die, sobald wir die Konzession der Regierung haben, noch innerhalb dieses Jahres wird funktionieren können. ... Es ist bereits ein moralischer Erfolg zu verzeichnen. Die Falaschas hüben angefangen, ihr Selbstbewußtsein wiederzugewinnen und ihre jüdischen Gefühle wieder zu beleben. Sie fühlen keine Furcht und Schwüle mehr, sich als Falaschas auszugeben; die Apathie verschwindet langsam, und ihre Beständigkeit gewinnt jeden Tag an neuer Kraft. Der Gedanke, dem auserwählten Volke anzugehören und nicht mehr, wie sie glaubten, ein armseliger und verlassener Rest Israels zu sein, erfüllt sie mit Stolz und Hoffnung in eine .bessere Zukunft. Meine vorhergegangenen zwei Reisen in Abessinien haben nicht nur geholfen, die jüdischen Gefühle der Falaschas zu stärken, sondern auch ihr Ansehen bei ehren Landsleuten anderer Konfessionen zu heben . . . Mein Eintreten für die Falaschas in Abdis-Abeba vor vier Jahren hatte damals den gewünschten Effekt. Der Kaiser Menelik versprach mir, einen Erlaß zu ihrem Schutz zu veröffentlichen. In den verschiedenen Provinzen von Abessinien wurde in den Atärkten der Städte und Dörfer von öffentlichen Aralden der Erlas; ausgeschrien: Er lautet: „Höret alle den Befehl des Königs der Könige! Das Reich sagt: Es ist verboten, den Leuten beleidigende Zunamen zu geben; wer meine Worte Übertritt, werde bestraft; bringt ihn zu mir, und ich werde Gerechtigkeit widerfahren lassen. Es ist verboten, die Falaschas durch Verleumdungen zu beschimpfen und ihnen einen schlechten Ruf zu machen; wer sie durch beleidigende Zunamen beschimpft, wird be st rast werden und muß vor meine Gerechtigkeit gebracht werden. Daß niemand den Nächsten arbeiten lasse ohne die Zustimmung der Interessierten. Dies befehle! ich und will, daß meineWorte befolgt werden." Sie können sich die Freude der Falaschas vorstellen, als sie mich diesmal sahen. Jetzt bin ich nicht mehr nur der „Meister Paekub"; sie sehen in mir ihren Vormund und Beschützer, und so strömen sie von allen Seiten herbei, um.mich zu bitten, ihre Klagen zu verteidigen. Diese Situation setzt mich in nicht geringe Verlegenheit. Ich bin gewiß .glücklich und stolz über den dmnalS bei dem Reich zugunsten dieser armen Brüder errungenen Erfolg; aber da ich vorläufig ihren Wünschen nicht entsprechen kann, fühlen sie sich in ihren Hoffnungen enttäuscht. Sie aber gedenken des guten Gelingens meines Eintretens im Jahre 1908, hallen mich für allmächtig Und möchten mich wieder mit einer Mission bei der Aethiopischen Regierung betrauen. Die Dinge haben in Abessinien keine Stabilität, die Situation wechselt oft, und die Autoritäten, auch die höheren, der einzelnen Provinzen vergessen oft die vorhergegangenen Kaiserlichen Befehle. Nach den mir von den Falaschas mitgetellten Nachrichten, hat sich ihre Situation, besonders die der Maurer und Tischler, in den letzten zwei Fahren wieder verschlechtert. Sie werden wieder gezwungen, gegen chren Willen Arbeiten zu verrichten. Die.Landhäuptlimge haben ihre alten Gewohnheiten wieder ausgenommen und die Tributarbeit wieder eingesetzt. Deshalb Litten mich die Falaschas,. wieder für sie einzutreten und ihre Klagen der Zentralregierung vorzubringem. Mein in den Verhältnissen, in denen sich jetzt Abessinien befindet, kann ich diesbezüglich nichts ausrichten. Ich muß diese Aufgabe für ein anderes Mal verschieben. In Europa zurückgekehrt, werde ich Ihnen auseinandersetzen7 welche, meiner Meinung nach, die wirksamsten Mittel zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Falaschas seien. ... In meiner großen Genugtuung konnte ich feststellen, daß die Bekehrungsbewegung eingehakten hat. Die Propagandatätigkeit, die vor meiner Ankunft in Abessinien an ihnen nagte, macht keinenFortschritt. Die Missionare sehen sich von den Gemeinden, in Lenen sie früher reich ernteten, weggestohen und suchen sich jetzt in den Gemeinden der ferneren Provinzen Tätigkeitsfelder aus, in der Hoffnung, irgend welche Ernte machen zu können. Die besten Daten über die jetzige Unwirksamkeit der christlichen Mission unter den Falaschas werden Sie in den nach Europa von den hiesigen Missionaren gesandten Briefen in der Januar-Nummer 1913 der Rundschau „Der Freund JsradE"; Organ der Basler Mission, finden. Mein Werkchen, das ich für die Falaschas geschrieben habe, wird überall mit Enthusiasmus und Dankbarkeit empfangen, und sein Inhalt begegnet der allgemeinen Anerkennung. Ich habe überall, wo ich vorbeiging, das Werkchen verbratet' und sende Exemplare durch Kuriere in die entferntesten Gemeinden. Zu dieser Stunde haben fast alle Falaschas von meiner Sendung Kenntnis genommen . . . "Ihr ergebener Dr. Jacques Faitlowitsch." Dies der Inhalt des Berichtes des unermüdlichen Kämpfers für die Hebung der traurigen Notlage der Falaschas. Die Arbeit Dr. Faitlovitsch's fordert große materielle Opfer. Bis jetzt hat aber unser jüdisches Publikum den vielen Aufrufen nur spärlich geantwortet. In Frankfurt a M. ist der großherzige Philanthrop Julius Gold sch midt für die Sache der Falaschas tätig. Hoffentlich gelingt es ihm, das Interesse unserer Frankfurter Glaubensgenossen für das jüdische Werk zu gewinnen und so zur Lösung der Falascha-Frage tatkräftig beizutragen. Ben-David. 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Dem soll die Neugründung abhelfcn, indem sie den von der Krankheit Genesenen Pflege und gute Luft gewährt. ~- Frau Neustadter hinterließ ferner je IM 000 Dollar für die „Vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsinstitutionen" und das „Mount Sinai Hospital", 50 M0 Dollar für die Erziehungs-Alliance und noch eine Reihe Beträge von 20 M0 und 10 000 Dollar. Die jüdische Abteilung der Newyorker öffentlichen Bibliothek zählt jetzt 20M0 Bände, darunter 522 Bücher, die die jüdische Frage, den Antisemitismus und den Zionismus, 11M Bücher, die die Jargon-Literatur und 696, die Kunst und Wissenschaft betreffen. Die sehr tvertvolle Tissot - Sammlung von 3M Aquarellbildern des alten Testaments befindet sich im Besitz der Bibliothek. Die jungen Leute in den Manusakturwarengeschäften in der Gegend 60. Ostseite gingen letzten Samstag abend in Streik. Sie arbeiten am Sonntag statt am Samstag und wollen daher am Samstag abend nach Ausgang des Sabbats nicht mehr tätig sein. Der Streik endete sehr schnell, denn die Prinzipale gingen aus die Forderung ein. Nathan Straus, der bekannte Philanthrop; ist erkrankt,' dürfte jedoch voraussichtlich in einigen Wochen wieder hergestellt sein. N a h u m S o k o l o w, das Mitglied des zionistischen Engeren Aktionskomitees, wird am 24. Juni nach Europa zurückfahren. ä O ni ' 3.75 Schneiderei Crössmann Kaisonatpaamo tOa, Entrosol. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kieider- Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. JU&5 aller Well. Deutsches Reich. Berit«. Die Sammlungen für die Missionsgesell» schäften zu dem Regiericugsjubiläum unseres Kaisers haben den Freunden und Mitglieder» des H i l f s v e r - eins der Deutschen Juden Veranlassung gegeben, den Hilfsvcrcin zur Sammlung eines verwandten Fonds für sein Schulwerk im Orient anfzufordcrn. Der Hilfsverein ist dieser Anregung nachgekommen und hat bereits eine Reihe ansehnlicher Spenden erhalten, die für einen Kaiser Wilhelm-Jubiläumsfonds des Hilfsvereins, der zum Ausbau des Schnlwerks im Orient verwendet werden soll, bestimmt sind. Weitere Spenden werden bis zum 1. Juli erbeten, da an diesem Tage die Sammlungen abgeschlossen werden. Berlin. Im Reichstag gab es Mittwoch wieeer einmal eine Keine Judendebatte. Graefe (kons.) war schuld daran. Er sagte nämlich: Wir haben gottseidank ein homogenes Osfizierkorps, und wir wünschen keine fremden Elemente (Zurufe rechts: Juden!) und keine Leute vom Gefolge des Berliner Tageblattes und anderer svzialistenfreundlicher Blätter . . . Sie finden in unserer Kvlonialgeschichte immer die gleichen Namen wieder, die auf den Kriegerdenkmälern stehen. Aber keinen Cohn und keinen Manasse habe ich unter diesen Namen gefunden. (Großer Beifall rechts. Lärm links.) Unter den Fliegern finde ich auch keinen Juden . . . Ihm erwiderten Schöpf!in (Soz.) und Müller- Meiningen (Fortschrittl. Volksp.). Schöpflin: Ein paar Witze über die Juden mußten natürlich kommen. Wenn man selbst nur dem.Briefadel angehört, sollte man das nicht sagen. Wieviel Adlige gehen in die liberalen Zeitungen und suchen sich dort ihr reiches Rebeckchen (Große Heiterkeit). So mancher große Name muß ftisch vergoldet werden. Ein paar Tropfen semitischen Blutes wären sehr gut zur Auffrischung unseres Adals (Große Heiterkeit . . . Müller: Nichts ist so charakteristisch für das ganze Sinnen der jetzigen konservativen Partei als die antisemitische Hetze. (Sehr richtig! links.) Es ist nicht schön, daß der Sohn eines liberalen Mannes, wie Herr Gräfe, solche antisemitische Reden hier hält. Herr v. Stahl, der geistige Vater der Konservative::, .stammt ja selber von Juden, und er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er das hörte. (Ledebour ruft: Er dreht sich schon seit zehn Jahren in: Grabe herum.) (Große Heiterkeit.) Er dreht sich schon viel länger. Herr von Gräfe hat gemeint, die Juden hätten nichts im Heere geleistet. Wenn Sie die Juden sernhalten, wie sollen sie da etwas leisten? Die letzten verunglückten Luftschifser waren Juden; aber davon wissen die Konservativen nichts. Emin Pascha, der größte Kolonialforscher, war auch ein Jude. (Hört, hört! links.) Der erste Deutsche, der gegen die Herero fiel, war ein Jude. Er war bayerischer Reserveoffizier. Gört, hört! links.) Herr Gräfe, wolle:: Sie so viel Mut haben und ■ das zurücknehmen, was Sie gegen die Juden in diesen Punkten gesagt haben? (Lebhafte Zustimmung links.) Oesterreich-Ungar». Stavislau. Bei dem jüdischen Kindertag ereignete sich der folgende ' peinliche Vorfall: Sind. Liebes:::ann u::d»Frl. Goldschlag begegneten dem Oberleutnant Turek, der 40 Heller spendete, worauf Fräulein Goldschlag dem Offizier die Schleife anheftete. Plötzlich fragte der Oberleutnant, welchem Zwecke das gesammelte- Geld diene, und als er die Antwort erhielt, daß man für arme jüdische Ferienkinder das Geld sammle, erklärte er: „Es i st eine Unverschämtheit, von Offizieren Geld für jüdische Zwecke zu verlangeLiebesmann griff in die Tasche und bot dem Offizier seine Spende von 40 Heller zurück, der aber die Rücknahme verweigerte. L. verlangte die Visitkarte, und der Oberleutnant erklärte, er werde ihn ' arretieren lassen. L. - ließ sich das nicht gefallen und sagte in kaltem Tone: „Sie sind ein Rotzbube!" — Eine Stunde später entsendete der Regimentskommandant zwei Offiziere zu den: Bürgermeister, 7um im Namen der Herren Offiziere des Regiments das Bedauern über den Vorfall anszusprechen und zu erllären, daß die Offiziere mit dem Benehmen des Oberleutnants Turek sich nicht solidarisch erklären. Montag darauf hat in der Reitschule ein Duell stattgefundcn, bei welchem die beiden Gegner leicht verletzt wurden. Großbritannien. London. Bei Baron Leopold de Rothschild fand ::::ter Vorsitz Israel Z a n g w i l l' s eine Beratung der Auswander::ngs-Abteil::ng der „Jto" statt. Jakob H. Schiff-Newyork referierte über die jüdische Auswanderung über Galveston. Es sei in Texas noch Platz für zwei Millionen Juden. Die „Jto" halle die Galveston-Arbeit in idealer Weise geführt; oie Arbeit möge daher nicht der „Jca" übertragen werden. Allerdings brauche die „Jto" erhebliche Mittel, — und er dürfe nach dem amerikanischen Gesetz für die Tätigkeit der „Jto" in Rußland nichts geben, sondern könne nur für den Teil des Auswanderungs-Werkes, der sich in Amerika abspielt, die Kosten auch weiterhin tragen. Daraufhin erllärte Leo Brodsky-Kiew, er wolle die Hälfte der Kosten der Galveston-Tätigkeit in Rußland auf 'sich nehmen und diese auch für die Zukunft sichcrstellen. Baron Leopold de Rothschild gab für sich und seine Brüder die Erllärung ab, die zweite Hälfte der Kosten zu übernehmen. Schweiz. Basel. Dem Berichte des hiesigen Auskunftsbüro für jüd. Auswanderer entnehmen wir folgendes: In: Jahre 1912 passierten 5482 jüd. A:wwa::derer (im Vorjahre 5084) Basel. 949 Auswanderer sprachen in dem Büro vor; davon hatten zum Reiseziel 492 die Vereinigten Staaten, 225 Kanada, 201 Argentinien und 41 Paris und London. Neu eröffnetT Cafö Corso Ecke Kaiserstrasse and Moselstrasse. Franx Kr ist* ES iFmiffefon. ES 6 das „Scheker-Vilbnl". Bon C. Berg. (19. Fortsetzung). Nelly und Christine faßten die Hände des jungen Mannes und überschütteten ihn mit Beifallsbezeugungen und Freundlichkeiten. Der Amtsrichter sah mit Unlust ihr Gebühren und rief verdrießlich: „Bravo! Bravo! Die Feindseligkeiten wären eröffnet. Ich wünsche Dir Glück, mein kleiner Philipp. Für ein erstes 'Debüt ist der Fall interessant genug. Und dank der mangelnden Rechtsgrürcke werden die Sympathien der /Damen auf Deiner Seite sein. Christine, willst Du nun endlich nach Hause kommen. Es ist beinahe zehn Uhr." „Nein, ich will nicht. Ich gehe jetzt auf der Stelle zur alten Röschen und unterrichte sie über das Schicksal ihres Sohnes." „Laß das nur lieber sein!" „Wenn Sie die Frau umbringen wolle:: . ." „Nein, Herr Doktor, das werde ich nicht. Mütter sterben nicht, wenn ihre Kinder in Gefahr sind." „Wie dramatisch!" spottete der Amtsrichter. „Mir ahnt, daß die Me einen Ausweg wissen wird, ihren Sohn zu entlasten."

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