Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 23 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. ..- » ' k. - . " " ' . ‘ ■ len und den gebührenden Dank erstatteten. Noch mehr: Wir hätten uns sogar damit abgefunden, daß diese Aktion in erster Linie Frankreich, dem Lande des Allianeesitzes, zugute Wind und erst in zweiter Linie uns Juden. Nur darf aber die Aktion der Alliance ausschließlich auf das materielle Gebiet, aus den Erwerb des Bodens, nicht aber auf den des.Geistes, auf das Gebiet des Schulw esens, gerichtet sein! Die Schule muß denen überlassen bleiben, die die Erhaltung des Judentums unter allen Umstünden anstreben, die eine Gesundung, eine Renaissance des Judentums betreiben, und die endlich das Judentum in allen seinen Gebieten kennen und darin aufgehen. Was uns an -er Sinnesänderung der Alliance bange macht, ist das gleichzeitig bekanntgewordene Bestreben Frankreichs, als Entgelt für seine „guten Dienste" von der unglücklichen Türkei das Protektorat über die Schulen Palästinas zu erlangen... Wdran die jüdische Kolonisation und zum Teil das Mische Schulwesen Palästinas krankt, ist der fr a nzösische — mcht geringer auch der russische — Einfluß. Das französische Wesen mag vielleicht in seinem Stammlande gut sein, allein in fremden Ländern — und dazu noch im Orient — kann es nur vom Heb el sein, in der dortigen Schule kann es nur zersetzend wirken! Jedenfalls wäre es für die nationaljüdische Schule ein direktes Unglück, ein Ruin! 3. Die Parteien im zionistischen Lager. Der 11. Zionistenbongreß naht heran, und die Auseinandersetzungen im zionistischen Lager haben begonnen. Er ist natürlich, daß hart von einem Kongreß eine Bilanz der geleisteten Arbeit und eine Inventaraufnahme vvrgenonimen werden, — und was gibt es da natürlicheres als das Einsetzen einer gesunden Kritik??' Einer „gesunden Kritik! Dies ist der Mastst ab normaler .Zustände. Wie sieht es aber damit im zionistischen Lager aus? Trifft unsere ZÄraussetzung für einen normalen Gang der Dinge zu? Leider nicht! Der Kritik^ die bis dato von Seiten der Oschosition an der gegenwärtigen Leitung geübt wurde, hastet der Fehler der Subjektivität an, der Wille, unter allen Umständen etwas auszusetzen! . . Die Opposition im zionistischen Lager beruht in erster Linie auf Animosität, auf persönlichen Antipathien, nicht aber auf wesentlichen Differenzen und grundlegenden Meinungsverschiedenheiten.. Die gegenwärtige Opposition kommt nicht aus den breiten Massen, sondern ist eine Opposition der Oppositionsführer, der Offiziere gegen die Offiziere. . . Diese Ansicht vertraten wir auch angesichts der Streitereien vor dem 10. Kongreß, — und der Stand der Sache hat sich von damals bis heute nicht wesentlich geändert. Was inzwischen neu hinzugekommen ist, sind die Fehler, die die leitenden Männer der einen Seite begangen haben, die aber ebensogut von der anderen Seite hätten begangen werden können, wäre sie äm Ruder? ... Doch wie ist. dem abzuhelfen? Wir Meinen durch eine Verständigung der beiden Parteien auf der Basis, daß eine jedePartei fünf ihrer besten .und fähigsten Männer insEngere A.-K. bringt und die Leitung aus 10 statt .aus 5 Männern besteht. Der Zionismus steht vor großen Schwierigkeiten, besonders sind es die Schwierigkeiten von Seiten der offenen und versteckten Kinde, der bewußtein und unbewußten Assimilation, — und er kann sich daher unmöglich den Luxus einer unsachlichen Opposition gönnen! Es ist endlich an der Zeit, sich zu v erständigen und zu einen. Eine solche Einigung sollte nicht schwer fallen, da doch die Führer beider Parteien das Beste des Zionismus wollen. Melleicht bringt die Sitzung ant 18. Juni diese glückliche Lösung. Melleicht? Frarckfurter Israelitisches Familienblatt. Brief aus der Türkei. Se. Exzellenz Reschid Savset Bey, Direktor des Privatkabinetts des Finanzministeriums, sandte an den Großrabbiner folgenden Brief: „Ich habe Ihren liebenswürdigen Brief und die fünfzig Pfund für die armen Muselmänner in Adrianopel empfangen. Diese rührende Hochherzigkeit, die ich bei Ihrer Eminenz, Ihren ottomanischen wie ausländischen Glaubensbrüdern bei dieser Gelegenheit begegnete, veranlaßt mich, Ihnen öffentlich meine Dankbarkeit auszudrücken. Seit langem habe ich gelernt, die sozialen Eigenschaften Ihrer Rasse zu bewundern, die — ohne sich in die zänkische Politik einzumischen, ohne sich nwrderischer Arme zu bedienen und ohne ihren öifersüchtischen Verleumdern und eingewurzelten Feinden einen moralischen und materiellen Vorwand zu geben — nicht anders als durch ihre Arbeit und Ausdauer die hohe Stelle, die sie in der Welt jetzt einnimmt, zu erobern wußte. Jüngste Ereignisse und persönliche Erfahrungen haben mir bewiesen, wie sehr — Mehr als alle anderen — sie (die Mische Rasse) nicht nur in religiösen und humanen Angelegenheiten tolerant, sondern daß sie auch von Natur aus in Moral und Kultur vollkommen ist. Die Tatsache selbst, daß sie seit Jahrhunderten, ohne nach Gewaltmitteln zu greifen,' sich erhalten konnte, beweist schon genügend ihre Kraft und ihren höheren Grad .von Zivilisation. Besonders als Türke will ich hier den Juden unsere tiefe Anerkennung für ihre Trelue, die sie unserem Reiche zu beweisen nicht aufgehört haben, und M ihre Aufopferung aussprechen. Der Großrabbiner seinerseits war so edel, die Tätigkeit der Regierung in den jetzigen Augenblicken dürch Einmischungen und Beschwerden weder zu stören noch zu belästigen. Wir schätzen bis zu einem solchen Punkte die unerschütterte Treue, Nützlichkeit und den friedlichen Charakter Ihrer Glaubensgenossen, daß wir sehr betrübt sein werden, das Element von Zivilisation, Reichtum und Fortschritt, welches sie in Rumänien bilden, für unser Reich zu verlieren. Die Eigenschaften von privater Initiative, Einigkeit, Ausdauer in der Arbeit, Geschmeidigkeit und Ehrsamkeit in den Geschäften haben bewirkt, daß Ihre Rasse, — trotz dem unermüdlichen Bestreben derer, die tausenderlei Vorwände suchten, sie zu vertilgen. — sich in den Jahrhunderten erhalten hat und entwickeln konnte ohne die Unterstützung einer nationalen Regierung, ohne eine Macht einer Armee und ohne fremde Hilfe. Diese Eigenschaften sollten als Beispiel und Ermunterung für die unglücklichen Nationen, die zwar iroch eine feste Regierung und Nationalität besitzen, dienen!" Antebi, der Vertreter der Alliance Jsraettte Universelle in Palästina. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums", das führende Organ der Reform und eine rückhaltlose .Anhängerin der von fcer Leitung der Alliance Jsraölite Universelle befolgten Politik, bestätigt unseren Artikel über die Missionsschulen und das Verhalten des gehässigen jüdischen Antisemiten Antebi, der leider seit Jahren der Vertreter der Alliance in Palästina ist. Das Blatt schreibt: „.. . . Ganz besonders groß ist die Zahl der Mischen Mädchen, die die katholische Missionsschule der Nonnen zum Heiligen Josef besuchen, wo ihnen zugleich die Vorzüglichkeit des katholischen Glaubens gepredigt wird. Da gerade der Einfluß dieser'Schule am schlimmsten war, so war die Erbitterung der öffenllichen jüdischen Meinung um so größer, als bekannt wurde, daß auch Herr Antebi, der Direktor der Gewerbeschule der Alliance Jsraslitö Universelle, seine Töchter zu den Schwestern .des Helligen-Josef-Stistes schickte, und daß seine engeren Freunde, die in Geschäftskreisen eine Mehr oder weniger geachtete Stellung einnehmen, durch sein Beispiel ermutigt, auch ihre Töchter -er Schule zum Heiligen Sbfef anvertrauten. Das „Komitee zur Bekämpfung der Missionsschulen" hatte beschlossen, die Eltern, deren Kinder die Missionsschulen besuchten, brieflich aufzufordern, ihre Kinder aus den Missionsschulen zu . ' . „ /,_Nr. 23 entfernen und zu einer Versammlung zu kommen, auf der über Mittel und Wege zur Bekämpfung der Missionsschulen beraten werden sollte.' Dieser Brief war durchaus sachlich gehalten und vom Chachambaschi (O.berrabiner) unterschrieben. Ein solcher Brief wurde nun auch Herrn Antsbi durch den Diener des Komitees zugestellt. In welcher Weise aber Herr Antebi auf diese Zuschrift reagierte, zeigt ein in der hiesigen Tageszeitung „Haor" vom 2. Jjar erschienener Protest des gesamten Vorstandes des Komitees, der folgenden Wortlaut hat: „Geehrte Redaktion, wir bitten Sie, in den Kolunrnen Ihrer Zeitung die Einzelheiten eines beschämenden und aufregenden Vorganges zu veröffentlichen, den sich ein Mann zuschulden kommen ließ, den viele unter uns für einen Volkssührer halten, und den die große Menge als den Sauerteig der palästinensischen Kolonisation ansieht. Am Freitag den 11. Nissan dieses Jahres (= 18. April 1813) brachte unser Bote, der Sefardi Jakob Hakohen Eschkhade dem Herrn Antsbi einen Brief, der an alle Eltern, deren Kinder die Missionsschulen besuchten, gerichtet und vom Chachambaschi unterzeichnet war, da auch Herr Antsbi seine Kinder bislang in die Schule des Heiligen-Josef-Stifts schickte. Der genannte Sefardi hat lediglich den Auftrag seiner Auftraggeber erfüllen wollen, hatte! aber zum Inhalt des Briefes keinerlei Betziehung. Beim Empfang des Briefes, erzählt unser Botegeriet Herr Antebi in großen Zorn, zerriß den Brief in Stücke, überfiel ihn, den Jak. Hakohen Eschkhade, versetzte ihm kräftische Faustschläge, warf ihn zu Boden, trat ihn mit Füßen und konnte sich nicht eher beruhigen, als bis er seinen Schuh auszvg und ihn damit schlug. Jeder Kommentar ist überflüssig. Die Tatsache spricht von selbst und ist geeignet, ein wahres Bild der geistigen .und Moralischen Persönlichkeit des Herrn Antsbi zu geben. Gegen diese schändliche, Tat sprechen wir unsere vollste Erbitterung und Verachtung aus. Im Namen der Abteilung des Lehrerverbandes: Ch. L. Zuta, Salamon Schiller, Chaje Braude. Im Namen des Komitees zur Bekämpfung der Missionsschulen: Jehudä Schnior, Elazar Pinsker, L. A. Orrloff, I. Burlä, A. Nosnitzki, Abiezer. Pellin, I. Riwlin." Ob die Leitung der Alliance in Paris nun endlich diese gefährliche Giftpflanze Antsbi unschädlich Machen wird? Neues über die Falaschas-Beweguug. Wie bekannt und seinerzeit von uns veröffentlicht, hatte das Pro Falascha - Komitee beschlossen, Dr. Faitlovich zum 3. Male nach Abessinien zu senden. Dort sollte er zunächst eine von ihm in a m h a r i s ch e r Sprache verfaßte Schrift verbreiten, die dazu geeignet ist, die Falaschas im Glauben zu stärken und in dem ihnen von der christlichen Mission aufgezwungenen Kampfe zu ermutigen. In der Schrift ist ferner oie 'Ankündigung enchalten, 'daß demnächst eine S ch u l e in Erytrea eröffnet werden soll, in der jüdische Falaschas in der jüdischen Religion und in der von ihnen so sehr gewünschten hebräischen Sprache Unterricht erhalten werden. Es sollte ferner die Aufgabe Dr. Faitlovichs sein, unter den Falaschas eine Anzahl begabter junger Leute ausznwählen, die gewillt wären, sich! zu Lehrern auszubilden. Mitte Dezember konnte Dr. Faitlovich Europa Verlässen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Alexandrien, wo er ebenfalls propagandistisch mit Ersolg "tätig war, begab er sich nach, Jerusalem, wo in der Schule des Hilfsvereins der deutschen Juden der junge Falascha Jeremia Getie ausgebildct wurde, und holte diesen ab, damit er ihn auf seiner Reise begleitete. Die italienische Regierung zeigte auch dieses Mal das größte Entgegenkommen und stattete Dr. Faitlovich mit ausgezeichneten Empfehlungen an die Behörde der Kolonie aus. Der Gouverneur von Erytrea erklärte sich! auch bereit, den Grund und Boden für die zu Gunsten der Falaschas zu errichtende Schule unentgeltlich zu gewähren. Ueber den Ort, an dem die Schule errichtet werden soll, konnte zunächst noch keine Einigung erzielt werden, da Dr. F. genötigt war, nach dem Innern von Abessinien zu gehen, ehe dort die Regenzeit anbrach. Bei seiner Ankunft in Asmara fand Dr. Faitlovich ein Schreiben der Falaschas vor, in dem sie seine lange Abwesenheit aufs tiefste beklagen und ihn beschwören, so rasch wie möglich wieder in ihren Gemeinden zu erscheinen, sie aufznrkchten und nicht länger zu dulden, daß sie zum Spielball der christlichen Missionare werden. Die beiden Vertreter des Pro Falaschas-Komitees begäben sich unter dem Eindruck dieser Schreckensnachricht sofort auf die Reise und beschleunigten sie so sehr, wie das