Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 22 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 16 Frankfurter ZsraeWsches Fmnildnblatt. Nr. 22. Und das jüdische Pflichtleben ist nicht so ein-- fach, wenn es ganz geübt sein will. Es verlangt, sich, Gott und der Mitwelt gerecht. zu werden. Sich gerecht zu werden durch Kenntnis des jüd. Pflichtlebens, wie sie nur durch ständiges Studium von Thora und Talmud erworben wird; Gott gerecht zu werden, indem mün ihm auch in den schwersten Augenblicken seines Lenins treu vertraut; und dem Mitmenschen zu genügen, ihn als Bruder zu empfinden. Dieses Judentum hat Dr. Israel Roos s. A. verkörpert. ®r vermehrte ständig seine Kenntnisse in den Büchern unserer Lebensweisheit, sodatz Hcirr Rabb. Dr. Breuer ihn der Verleihung des „Morenu"- Titels, des Titels eines jüdischen Gelehrten, würdig erachtete, — und so ward Dr. Roos am . Grabe neben der stummen Ehrung durch die Masse der Leidtragenden noch diese Ehrung, die den späteren Geschlechtern noch von ihm Kunde geben und den Kindern ein Sporn, in seinem Sinn ihr Dasein zu gestalten, werden wird. Kunde für die Dauer der Zeiten wird aber auch sein Wirken von ihm /JjeBot, das sich besonders auf die Israelitische Religionsgesellschafterstreckte. Erst in den letzten Monaten ist wiederum eine Institution der RÄigionsgesellschast von ihm vorbereitet worden, denn.von den 600,000 Mark, die bisher für das Krankenhaus gezeichnet worden find, hat er die ersten 300,000 Mark ganz und die anderen zum guten Teil aufgebracht. Auch das Schäare-Zedek-Hospital in Jerusalem, ein modernes, großes Krankenhaus, zu dem der Heimgegangene die Menschenliebe des ganzen Erdkreises aufiief, wird noch den fernsten Geschlechtern davon erzählen, welche Ideale diesen Mann beseelten. Es ließe sich in diesem Rahmen noch erzählen, wie er keinen Gottesdienst versäumte, wie tausende und abertausende Hilfesuchende bei ihm erreichten, was sie begehrten. Und nun. fassen wir alles noch einmal zusammen, was Dr. Israel Roos' Leben die Nachwelt lehrt! Es ist dies die Lehre: Menschliche Größe, ein vollwertiges Leben ist nur abhängig von dem richtig geleiteten, nach Gottes Gesetz gemeißelten Willen. Jüdische Jugendpflege ju Darmstadt. In unserer Nachbarstadt D a r m st a d t hat sich vor einem Jahre der Verein „Jüdischer Kinderhort gebildet, dessen segensreiches Wirken die Anerkennung weiterer Kreise verdient. Der Verein begann seine Fürsorgetätigkeit zunächst mit den Kleinen, denen er in hübschen Räumen Pflege und Aufficht ängedeihen läßt. Eine Anzahl sozial gesinnter Domen teilen sich in die Arbeit der Ueberwachung der Schulaufgaben, der Leitung fröhlicher Spiele und der Darreichung von Milche und Brot. Eine "Bibliothek geeigneter Jugendschriften sucht der Verbreitung wertloser Lektüre systematisch cntgegenzuwirken. — Auch auf die häuslichen Verhältnisse der Kinder übt der Verein einen günstigen Einfluß aus, indem' die Damen bei Hausbesuchen Rat und Aufklärung erteilen. In einer eigens zum Zwecke der Auskunftsertcilung eingerichteten Sprechstunde werden Informationen über die verschiedensten Erziehungsfragen erteilt. Auch auf dem Gebiete der Fürsorge für schulentlassene Mädchen hat der Verein, der den Bereich seiner Wirksamkeit immer weiter ausdehnt, schon Ersprießliches geleistet. Wie Frau Gretel Gold st ein, deren Initiative die ganze Organisation entspringt, in ihrem Jahresbericht hervorhebt, konnten diese günstigen Resultate nur infolge des Entgegenkommens der städtischen Behörden, der Starkenburg-Loge, ärztlicher Ratgeber und privater Wohltäter erzielt werden. Der Bericht betont noch, daß Vorstände und Mit- „ glieder beiderjüdischen Gemeinden in freudiger Hilfsbereitschaft die Ziele und Zwecke des „Jüdischen Kinderhortes" fördern. So konnte denn Frau I o h a im a Simon, welche den Kassenbericht erstattete, auch von einem verhältnisniäßig, günstigen finanzielle» Status berichten, wenngleich der Verein, der zur Zeit 180 Mitglieder zählt, durch die Jahresbeiträge allein noch nicht lebensfähig, sondern auf hie Spenden edler Menschenfreunde . angewiesen ist. Mögen alle, die an diesem Werke sozialer Hilfsarbeit beteiligt sind, sich auch weiterhin mit der derselben Hingabe und dem gleichen Geschicke ihrer Aufgabe widmen. Personalien tu Kleine Mitteilungen. Berlin. Im Rechnungsjahr 1912/13 gelangten in den 7 Synagogen und 20 Betlokalen der jüdischen Gemeinde 32148 Plätze im Nominalwerte von 325 766,50 JL zur Vermietung. Mcht verausgabt wurden 400 Plätze im Näminalwcrtc von 9656 Jk Berlin. Kommerzienrat Katzenstein, Inhaber der Firma A. Licbmann, erhielt das O f f i z i e r k r e n z d e s B r a u lisch w eigischen Löwcnordens. Wiesbaden. Der Kaufmann J o s e f B a u m, Präsident der Gesellschaft, für Kaufmanns-Erholungsheime, erhielt den Titel „K o m m e r z i c n r a t". Heydekrug. Heydekrng hatte bisher keine Synagoge, Am 8. Juni wird die nunmehr errichtete Synagoge, ein stattliches Gebäude, ei »geweiht werden. Prag. Am 31. Mai beging David Lieben, Präsident der Chewra Kadischa, feinen 70. Geburtstag. Seit 25 Jahren steht er an der Spitze des Vereines, der unter seiner Leitung einen bedeutenden Aufschwung genoimnen hat und durch die Eröffnung des neuen Straschnitzer Friedhofes sowie auch, durch die Umbauten im Assanierungsrayon große Aufgaben zu erledigen hatte, die durch die unermüdliche Arbeit David Liebens, der sich, auch um die Erhaltung des alten Friedhofes große Verdienste erworben hat, 'in ausgezeichneter Weise ersüllt wurden. Jarosla« lGaliziem. Eine herzzerreißende Szene spielte sich dieser Tage in unserer Stadt ab. Aus vier Wagen, wie Zigeuner zusammengepfercht, passierten 40 Personen unsere Stadt» Juden, die auf Grund der letzten unmenschliche» Maßnahmen aus Kiew iu Rußland vertrieben wurden. Diese Karawane jüdischen Elends befindet sich schon seit zwei Monaten auf der Wanderung. Ueber die Pesachfeiertage weilten sie in Czernowitz, wo zu ihren Gunsten mehrere Wohltätigkeits-Veranstaltungen stattfanden, aus deren Ergebnissen für die armen Vertriebenen Wagen und Pferde gekauft wurden, um auf diese Weise ihre Reise bis Wien sortsetzen zu können, von wo ein Teil nach Kanada und ein Teil nach Palästina befördert werden wird. Die Leute hatte» seit Jahrzehnten in Kiew gewohnt, die meisten von ihnen wurden auch dort geboren, und der Ausweisungsbefehl traf sie üm so härter, als er unvorbereitet kam und sie daher sticht iu der Lage waren, ihre Habe in Ruhe entsprechend zu verwerten. Petersburg. Der dieser Tage verstorbene Herr Koppelmann hinterließ 42500 Rubel für wohltätige Zwecke. — General v. R e n n e n k a m p f, Kommandierender des Wilnaer Militärbezirks, hat in einem Befehl den Offizieren verboten, sich öffentlich in Gesellschaft jüdischer Bekannter zu zeigen. Lissabon. Dr. Emitio Enrico Franco, ordentl. Professor für Bakteriologie an der hiesigen Universität, wurde zum Kavalier des italienischen Kronen-Ordens ernannt. Franco ist erst 30 Jahre alt. Chicago. Max P a m erhielt wegen seiner Bulgarien während des Krieges geleisteten Dienste das Ritterkrenz des Ordens vom heiligen Cyrillus undMethodius. Rew-Aork. Der Century Club, einer der vornehmsten und angesehensten Clubs des Landes, hat den berühmten Forscher Professor Jacques Loeb nicht ausgenommen, weil er Jude ist. Ans der Lehrerwett. Rew-Aork. Die „Orach Chajim" - Gemeinde, deren 92 Mitglieder streng den Sabbat halten, hat Dr. Moses H y a m s o n, den Dajam der Vereinigten Synagogen Londons, auf Lebenszeit mit einem Gehalte von 5000 Dollar als Rabbiner berufen. Cincinnati (Amerika). Dr. Kaufmann Köhler, Präsident des Hebrew Union College und einer der Führer des amerikanischen Reformjudentums, feierte den 70. Geburtstag. Dr. Kohler-Cincinnati ist aus Fürth (Bayern) gebürtig. Seine Mutter, eine geborene Löwcmnaher, entstammte einer alten Rabbinersfamilic. Er lernte bei den Rabbinern Simon Bamberger-Fürth, Lazarus Ottensoser- Höchbcrg, Dr. M. Lehmann-Mainz, Jakob Ettlinger-Altona und Samson Rafael Hirsch. Sodann kam er unter den Einfluß Abraham Geigers, und auf der Universität nahm ihn, um noch ein Uebriges zu tun, die Wellhanscnschle Theorie ganz gefangen. Ans der zionistischen Bewegung. Berlin. Der „Jüd. Nationalfonds, Centrale für Deutschland" teilt folgendes mit: „Als neuen Zweig der Sammeltätigkeit für den N.-F. machen >vir sie auf die B e r s i ch ctuiigcn zugunsten des N.-F. aufmerksam. Es wird möglich sein, viele Freunde der Palästinaarbeit zu einer Versicherung zu veranlassen, deren Betrag dem 1>?.-F. ganz oder teilweise zugeführt wird. Insbesondere weisen wir Sie darauf hin, daß bereits bei Abschluß anderweitiger Versicherungsverträge bei jeder .beliebigen Gesellschaft eine Klausel ausgenommen werden kann, nach der bei Auszahlung der Versichern» gssurmne ein Betrag von Jk 205.— zur Eintragung des Versicherten in das Goldene Buch, des I. N. - F. gezahlt werden soll. Die dadurch entstehende Erhöhung der Prämie ist so geringfügig, daß sie bei dem Versicherungsabschluß gar keine Rolle spielt. Eine derartige Zusatzversicherung bedeutet für den einzelnen keine fühlbare Belastung, das Sammelmittel eröffnet aber dem N.-F. eine Einnahmequelle, aus der ihm mit der Zeit sehr ansehnliche Beträge zuflicßen Iverden." Köln. Das Hauptbüro d es Jüd. Nationalfonds erläßt folgenden Aufruf: Sijum des Goldenen Buches. „Das Goldene Buch das Nationalfonds wird immer mehr zu einer Chronik des jüdischen Volkes. Alle tragischen und freudigen Ereignisse, die in irgend einer Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft stehen, werden zum bleibenden Andenken in diesen: Buche niedergelcgt, das später dem künftigen Jüdischen Museum im heiligen Lande übergeben werden soll. Vom ersten Baseler Kongreß über die Gräber von Kischmcw bis Drohobycz, von dem düstern Tage, da Theodor Herzl von uns ging, bis zu den Jahrzeittagen, die jüdisHe^Pietät rihren Lieben widnict, — vorbei an den Marksteinen, welche die Tagungen der Zionisteil in allen Ländern..in uiiserer. Geschichte darstellen,- die?sreudigen Ereignisse der grpßen Gemeinschaft'.und der jübifD» Familie, — all dies findet seinen Ausdruck in den Blattern des Goldenen Buches." So : schrieben wir -in unsqxepi Bericht zum letzten Kongreß. Wie sehr die Änziehuiigskräst des Goldenen Büches ungeschwächt' fortwirkt, beweist' die Tatsache, daß der erste B a n d mit 5000 E i n t ru gungenin -wenigen Monaten seinen Abschluß f i n d c t. Aus diesem Anlaß ist uns von vielen Seiten die Anregung zugegangen, die letzte Eintragung des e r st e ii Bandes und die e r st e des neuen Bandes für einen Wettbewerb auszuschreiben. Wir bemerken, daß der zweite Band sich bereits in Vorbereitung befindet und daß in der Kunstgeiverbeschule Bezalel ein prächtiger, künstlerisch ausgestatteter Einband hergestcllt wird. Beide Bände des Goldenen Buches werden voraussichtlich gelegentlich des Wiener Kongresses ausgestellt werden. Der obigen Anregung entsprechend, eröffnet, nunmehr das Hauptbureau einen Wettbewerb unter folgenden Bedingungen: Teilnahmeberechtigt sind diejenigen Personen und Körperschaften, die vom 1. Juni ds. I? ab bis zum Tage der Auslosung, 6. September 1913, den Mindestbetrag von Lstr. 10.— Jk 205.— — Kr- 240.— für eine Golden-Buch°Eintragung gespendet haben und erklären, an der Auslosung teilnehmen zu wollen. Die Auslosung selbst erfolgt auf dem 11. Kongreß in Wien und ihr Ergebnis wird daselbst öffentlich verkündet. Diejenigen Teilnehmer an diesem Wettbewerb, welche nicht, zu den beide» Ansgelosten gehören» werden auf den e r st e n Seiten des neuen Goldenen Buches in der Reihenfolge der Höhe der für jede Eintragung gespendeten Sumnie eingetragen werden. — Wir hoffen, daß die Beteiligung an deni Wettbewerb recht rege fein wird und auf diese Weise der Nationalfonds einen Teil der großen Mittel erhalten wird, deren er heute dringender als je zuvor bedarf. Lemberg. Anläßlich der demnächstigen Kultuswahlen hat sich die Partei des Knltusvorstandes mit den Zionisten verständigt.. Die Zionisten erhalten zwei. Mandate. Sie': haben Dr.' A lex an der Hain s - mann und Direktor Siinon>Qrangic nominiert.: Rew-Aork. Nah um So ko low, das Mitglied" des Engeren Aktionskomitees, hat auf feister Reise durch unser Land große E r f o l g e f ü r d e n Zion i s ist u s zu verzeichnen. AUS den Vereinen. Berlin. Im Anschluß an die Generalversammlung des nunmehr über 1200 Mtglieder zählenden „Neuen Jüdischen Geineindeverei n s" sprach am 22. d. M. Dr. S. Hirsch, Rechtsanwalt am Kammergericht, über das Thema: „Wie führt der Centralverciu deutscher S taatsb ürger j'üdischen Glaube ii s den Kampf f ü r d i e Rechte der deutschen In de ii heit? Der Redner ühte scharfe Kritik an einer Reihe praktischer Abwehrmaßnahmen des Ceiitralvereins, ging namentlich eingehend ans die As faire Mugdan ein-und geißelte vor allem scharf die Annahme der Zionistenr e s o l u t i o n, ein Vorgang, durch den der Centralvercin das Recht verwirkt habe, länger als Vertreter der deutschen Gesanitjudenheit zu gelten. In der sehr lebhaften Diskussion, in der in Bezug aus Einzelheiten, so die Art der Bekämpfung des dentschnationaleu Hanoluiigsgehilfen-Verbandes, eine von der Ansicht des Redners abweichende Anschauung vertreten wurde, ergab sich völlige Uebereinstimmung unter den Rednern der verschiedensten Richtungen darüber, daß die Annahme der antizionistischcn Resolution durch den Cciitralverein eine schwere, nicht wieder gut zu machende Schädigung der deutschen Inden darstelle, die vom Standpunkt der Tendenzen des „Neuen Jüdischen Genieindevereins", der im Dienste des Einheitsgedankeiis stehe und alle Juden Großberlins im Dienste der Erhaltung des Judentums einen wolle, besonders scharf zu verurteilen sei. Frankfurter Berichte. Was erwarten wir von «nserer Jugend i Dem glänzend verlaufenen Eröffnungsabend der Agndas I isro el-Jugend gruppe hat sich nach einer Woche ein ebenbürtiger Vortragsabend angeschlossen. Ebenbürtig im Besuch, aber auch ebenbürtig im Gebotenen. Es galt, die eigene Note der Agudas Jisroel zu wahren. Ich bangte vor dem Versuch. Der Einheitsgedanke der Agudas Jisroel verbietet de» belehrenden Ton, er gebietet einfache Schlichtheit der Rede: der Freund gibt dem Freund sein Bestes. Und die jüdisch bildende Aufgabe verlangt Einlaß bei Gesinnung und Denken des Publikums. In all diesem wird sonst sehr gesündigt; — aber in der Agudas Jisroel darf man hierin nicht sündigen, wenn nicht der ganze große Zweck bedroht sein soll. Besonders nierkt der Hörer den meisten Borträgen an, wie sie Gehirn und Feder gezimmert haben, ehe sie wurden, — und er empfindet sie so nicht als ein Ganzes, — und nur vor einem einheitlichen Ganzen, denn dies ist ein Kunstwerk, fühlt man sich als Laie, ihm chlcin beugt man sich. Dr. Meier Hildesheimer -Berlin, der Redner des Äbends, gab eine Rede, die aus einem Gusse war und die so treuherzig freundschaftlich, von den Lippen floß, daß jeder die Empfindung hatte, ein guter Freund, der nur sehr viel mehr weiß, von dem man daher sehr viel lernen kann, redet. '