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Neue jüdische Presse · 1913-06-06 · Heft 22 (6.6.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 22 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. nach innen, entwürdigend nach außen. Der ^Versammlung lag der Antrag vor, über solche Rabbiner, die sich bei derartigen Streitigkeiten nicht der Entscheidung eines Beth-Din unterstellen, Verlust des Rabbinatsdiploms auszusprcchcn.^ Der Antrag wurde nach langen, anfangs sehr stürmischen Debatten für die Dauer der gegenwärtigen Landes- Repräsentanz, d. h. für 5 Jahre, angenommen. Aber auch mit dem Wissen der Rabbiner scheint es nicht mehr immer zum Besten beMlt zu sein. Denn ein großer Teil der weiteren Verhandlungen betraf die Voraussetzungen fürein als genügend zu erachtendes Rabbinatsdiplom. Es wurde schließlich über die Regelung der Rechtsverhältnisse der Gemeindcbeamten (Lehrer und Schächter) beraten, — und damit war so zienrlich das Pensum dieses Parlaments, das zum letzten Male vor 1% Jahren getagt hatte und das nächste Mal vielleicht erst wieder in IV- Jahren tagen wird, erledigt, — damit gleichfalls einen Urteilsspruch Wer die gegenwärtige Situation in unserer ungarischen Orthodoxie abgebend. _Jwri. BadenweilerTO Botel Bellern e vormals Hotel Levy ist eröffnet. . Prachtvolle Lage in der Nähe des Parkes and der Bäder. HSssige Preise. Besitzerin Frau M Maner. Brief aus Italien. Obwohl der Zionismus eine verhältnismäßig starke Anhängerzahl in Italien hat — wie auch der letzte Jugendkongreß in Turin zeigte —, hat die italienische Landesvrganisation keine besonders erfreuliche Resullate bis jetzt zu verzeichnen gehabt. Das lag an ihrer schlechten Organisation. Sitz der Foederativn war Ferrara, wo der Präsident, Adv.' Felice Ravenna, keine Hllfe in der Durchführung seiner schwierigen Aufgabe finden konnte. Deshalb wurden von allen Seiten Stimmen laut, die eine Erneuerung der Leitung auf gesunder Basis forderten. Und diese Forderungen errangen auch das Uebergewicht in den Debatten des 7. Delegiertentages, der vorige Woche in Mailand tagte. Diese Tagung bedeutet für den italienischen Zionismus eine vollständige Wandlung, — denn erst jetzt wird man vow einem organisierten Zionismus in Italien sprechen dürfen. Es wurde ein neues Komitee' von neun Mitgliedern gewählt, dem die Aufgabe zufällt, den Zionismus in Italien in allen Städten zu propagieren, neue Vereine zu gründen, die alten zu beleben usw. Die Debatten, die äußerst bewegt waren, besonders durch die Aufwerfung des kulturellen Zionismus durch den leidenschaftlichen Apologethiker Adv. Alfonsv Pacifici, interessierten auch die allgemeine italienische Presse, die, wie der Carrier« della Sera, derSecolo, die Perseveranza, ausführliche Bericht brachte n und so indirekt dem Zionismus in Italien Verbreitung geschafft haben. — Bor einigen Wochen weilte der rumänische Minister Teno pol in Rom und hatte viele Verhandlungen mit den italienischen Ministern. Wie aus einem Communiqns des „Bundes der Gemeinden" hervorgeht, stattete der rumänische Minister dem früheren Ministerpräsidenten Luigi Luzzatti einen zweistündigen Besuch ab. L u z z a t t i benützte die Gelegenheit, um den runtänischen Minister auf die unerträgliche Lage der rumänischen Juden aufmerksam zu machen und ihm seine Entrüstung für die inhumane Behandlung. der Juden in Rumänien auszusprechen. Wie es heißt, soll Luzzatti den rumänischen Minister tüchtig aufs Korn genommen, haben. Ändererseits berichtet der „Bund der jüdischen Gemeinden", daß er dieser Tage von dem König empfangen worden ist. Der König zeigte sich informiert über die Lage der Juden in Rumänien und in Saloniki, sowie über die Bestrebungen des Bundes. Bei dieser Gelegenheit erzählte der König verschiedene Anekdoten Aer seine Palästina-Reise, von der er sehr begeistert ist Der König bezeugte ein warmes Interesse für das Schicksal, der Juden in Rumänien und in Saloniki und besprach in der.dreiviertelstündigen Audienz auch andere Angelegenheiten des allgemeinen Judentums. Unter dem Namen „Gesellschaft für die Geschichte dcrIuden i n I t a l i e n" ist dieser Tage eine Gesellschaft gebildet worden, die aus den bedeutendsten Persönlichkeiten der Gelehrtzurwelt besteht, und die bezweckt, das Material für eine „Allgemeine Geschichte der Juden in Italien" zu gewinnen. Unter den Mitgliedern, an deren Spitze sich Oberrabbiner Dr. S. H. Margulies, Pros. Dr. H. P. Chajes und Dozent Dr. Umberto Cassuto befinden,.sind auch NaMen hervorragender Gelehrten christlichen Glaubens zu verzeichnen, die wie Senator Prof. Domenico Comparetti, Fürst Leone Caetani, Prof. Guidi u. a. der Geschichte der Juden in Italien ein warmes Interesse bezeugen. Seele dieser Initiative ist der Dozent am italienischen Rabbiner-Seminar, Dr. Umberto Cassuto, der für die Notwendigkeit dieser Gründung mit voller Hingebung auf dem ersten wie auf dem zweiten Jugendkongreß agitiert hatte. Ben-David. Aus öfter Wett. Oesterreich-Ungar». Wir«. D". Emil von Hoffmannstal schreibt über das Kapitel Akademische Ehre: «Im Frühiahr prügeln sich, die wilden Volksstämme am Balkan und die Studenten an der Wiener Universität. Das ist ein alter heiliger Brauch, den wir ebenso zu respektieren haben, 'wie die Polizei den akademischen Boden. Die deutschnationalen Studenten haben die schäbigste ihrer Waffen, den Waidhofner Beschluß, frisch geputzt, schimpfen und beleidigen flott darauf los und sagen nachher, sie gäben keine Satisfaktion, „weil die Juden aller Ehre bar" seien. Man mag über die Art der Genugtuung denken, wie man will, über diese Art der Genugtuungsverweigcrung kann man nur einer Meinung sein. Mit derselben Begründung wurde ich in einer Versammlung niedergeschrieen, nachdem die anderen Argumente erschöpft waren. Also recht bald. Und der Hauptschreier, den ich erst durch längeres, unhöfliches Zureden bewegen konnte, sich als den Rufer zu bekennen, hatte nicht so ganz unrecht. Unsere Ansichten über Ehre gehen wirklich auseinander. Ich halte es für ehrlos, Frauen zu ohrfeigen und mit Jauche zu begießen, wie es in Graz geschehen ist; .ich halte es für ehrlos, zu beleidigen und dann Genugtuung zu verweigern, wenn es auch nicht die mit den Waffen sein muß; ich halte auch -folgenden Vorfall für ehrlos: an jenem denkwürdigen Schlachttag an der Universität warteten die Deutschnationalen gegenüber dem Jüdischnationalen ruhig stundenlang, bis sie in der achtfachen Ueberzahl waren. Dann fielen sie mit allen möglichen Werkzeugen, Totschlägern und Gummiknütteln über sie her, wobei sie für einen ausgiebigen Schichtwechsel sorgten, den sich die Jüdischnationalen nicht leisten konnten. Als sich einer der letzten infolge der Atmosphäre, in der er stundenlang ausgeharrt hatte, und der Mißhandlungen ohnmächtig wurde, lud ihu einer seiner Genosse» auf die Schultern, um ihn hinauszutragen. Da bildeten die Dcutschnationalcn eine Gasse, um ihn durchzulassen, wohl in der echt germanisch-ritterlichen Empfindung, daß man dem wehrlose» Gegner freien Abzug gewährt. Aber als der jüdische Student mit seiner Last in der Mitte der Gasse war, er allein inmitten von Hunderten, da schlossen die Herren die Gasse und droschen auf den Ohnmächtigen und auf den durch seine Last Wehrlosen los. Ich kenne aus der Geschichte der Kämpfe mit den wildesten Völkerschaften kein Beispiel ähnlicher Niedrigkeit, Falschheit und tierischer Roheit... Eine solche Handlungsweise halte ich nicht nur für brutal und bestialisch, sondern für ehrlos. Und hierin sind die Herren anderer Ansicht. Daher haben sie recht; wir haben eine verschiedene Ehre. Und ich bin stolz darauf." Krakau. In Bursztyn, einem Marktflecken, der unter 5000 Einwohnern etwa 2000 Juden zählt, haben die Bauern einen Pogrom veranstaltet und zahlreiche jüdische Läden zerstört. Die Juden wehrten sich tapfer. Drei Bauern wurden schwer verwundet. Der Gendarmerie gelang die Wiederherstellung der Ordnung. Rntzland. Warschau. In der Ortschaft Pontnew bei Welun haben die durch den Boykott aufgehetzten Bauern das Haus der einzigen dort wohnhaften jüdischen Familie nachts in Brand gesteckt, nachdem vorher die Türen und Fenster vernagelt worden waren. Acht Bewohner des Hauses kamen in den Flammen um; nur ein kleines Kind, das von seiner Akutter ^Normal School Bovano I «feserstr. 7. Tel. 12428.1 Privat-ZirkelundKlassenunterricht. I Besondere Zirkel f8r Damen besserer Kreise. I Oeffeotl. Probest nnden Mittwochs um 11,5,7 u. 9 Uhr. M mr. Nr. 22. Schneiderei Crössmann Kalaanatraaaa MOa, Entraaoh Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kleider* Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. durch ein Fenster in den Garten geworfen wurde, entkam dem Flammentode. Es ist festgestellt worden, daß von den Dorfbewohnern niemand die verzweifelt um Hilfe rufende Familie retten wollte! ' Wie ferner aus Welun berichtet wird, erhielten in den letzten Tagen zahlreiche jüdische Dorfbewohner der dortigen Gegend anonyme gedruckte Drohbriefe, in denen sie aufgefordert werden, die Dörfer zu verlassen; sonst würde ihnen das gleiche Schicksal bereitet werden wie der jüdischen Familie in Pontnew! Weluu. Unter den Juden der hiesigen Gegend herrscht große Panik. Eine geheime Organisation hetzt die Bauern aüs, sie möchten alle Juden vertreiben. Schweiz. Bern. Hier tagte der 1. Bundestag des Bundes j ü d. A k a d e in i k e r der Schweiz. Rabb. Dr. Cohn-Basel sprach über die Richtlinie», cand. Phil. Krauß-Bern über „Was uns not tut!" Letzterer Redner wies an dem Vergleiche zwischen Mendelssohn und Hirsch nach, daß das Judentum dem Volke nicht nur mit rein persönlich philosophischer Deduktion erklärt werden könne, sondern nur im Sinne der Thora und des Talmuds. Was uns heute not tut, sei die Heranbildung zum elementaren Lesen in der Thora, d. h. zunl genaueit Verstehen derselben. Dieses Lesenlerncn soll vornehmlich«: Aufgabe des Bundes sein, um seinen Mitgliedern eine vertiefte jüd. Welt- und Lebensanschauung zu geben. Es sprach hierauf Dr. Ascher- Neuchatel über „N o t - Wendigkeit und Zweck des „B. I. A.". Nach de» Referaten fand das Mittagsmahl statt, bei dem stud. Phil. Ginsburg-Bcrn und cand. med. Krup e r n i k - Zürich hebräische Ansprachen hielten, und sodann wurde in die Beratungen der-Statuten eingetreten. Zum Schluß fand die Wahl des Präsidiums statt. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Rabbiner Dr. Lewe nstcin-Zürich (Präsident), cand. chem. Hermann Rom, stud. med. Schapiro-Zürich, cand. jur. Marcus Cohn- Basel und stud. Phil. A n g o l - Bern. Neu eröffnet! Cafe Corso Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Franz Krlst> JMffefon. Das „Scheker - Bilbul". Bon C. Berg. (16. Fortsetzung). Philipp hatte der Verhandlung schweigend beigewohnt, der arme, alte Mensch dauerte ihn von ganzem Herzen. „Seien Sie ruhig," sagte er freundlich, „Ihre Mutter ist in Doktor Thorners Haufe gut aufgehoben." „Was für ein Unglück?" fragte Pcrez nsx betäubt, „ich will doch nach meinet Mutter sehen." Er taunieltc nach der Tür, kam aber nicht hinaus. Bon außen wurde er von einem kräftigen Arm wieder zurückgeschoben, Quitte trat mit Tilmann ins Zimmer. „Da ist ja der Perez, nach dem wir den ganzen Tag gefahndet haben. Guten Abend, Herr Bürgermeister, wollte gehorsamst melden, daß h'.er der Tilmann den Perez heute Mittag im Walde gesehen hat, und nun steckt der Kerl hier, — es ist die Möglichkeit! Na, Tilmann, erzählen Sie mal den Herren hier frei heraus Ihre sauberen Wahrnehmungen über den Schlingel da! Ei, Sie werden Wunderdinge hören, meine Herren." „Wer hat mich gesehen?" rief Perez verwirrt. „Schweig!" befahl , der Amtsrichter barsch. „Tilmann, geben Sie Antwort, was ich frage: Wo haben Sie heute den Perez gesehen?" Tilmann blickte verwundert auf Perez; es schien ihni sehr merkwürdig, daß man um diesen so viel Aufhebens machte. „Freilich habe ich ihn gesehen, Herr Amtsrichter," sagte er in seiner langsamen Art, die Worte fallen zu lassen, „heute morgen um neun auf dem Markte, wie wir den Julek gebracht haben, da ist er ja weggelaufen." „Warum bist Du wrggelaufen?" fragte der Amtsrichter.

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