Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-05-23 · Heft 20 (23.5.1913) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 20 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692839--07672-2702765
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 20. Mc bekannt, sandte d'er.Großvesir nach J'erusalenr den Befehl, die Jcschibalentö als RaMiner anzuerkennen und sie deshalb vom' Militärdienste zu befreien. Die dortige Militärbehörde will abeir nicht alle Jeschibaschüler vom Militärdienste ausschließen, da sie behauptet, daß die Jeschibot als „Elementarschulen" eingetragen sind. Der Haham-Baschi hat sich in der Angelegenheit vor einigen Tagen an den Justiz- und Kultusnnnister gewandt, und es wurde beschlossen, daß das Großrabbinat einen bekannten Rabbiner nach Jerusalem sende, um zu veranlassen, daß die Jeschibot als Mittelschulen (Seminare) eingetragen Wörden. Näch^ sten Dienstag reist der Rabbiner Jzchak Schaki, Kassierer des Großrabbinats, nach Jerusalem ab, er führt besondere Empfehlungsbriefe des Justizjministers an den Jerusalemer Gouverneur mit sich. Kantorowitz. Eine Feuerkatastrophe in Pretzburg. Preßbürg, 18. Mai. Die--.jüdische Bevölkerung unserer Stadt ist am Samstag, den 17. Mai, von einem entsetzlichen Brandunglück heimgesucht worden. Gegen Uhr nachmittags brach in der dem Judenviertel benachbarten Petvsigasse aus unbeikannter Ursache ein Brand aus, der sich infolge des orkanartigen Sturmes rapid ausdehntc und alsbald in die fast ausschließlich von Juden bewohnten Straßenzüge: Nikolaigasse, Schloßgrnnd- ,gasse, Kapuzinerstraße, Schloßstraße und Klarissengasse Übergriff. Im Verlause einer Stunde stand ein Kouiplex von etwa n e u n z i g H ä u s e r n in Flammen. Die Lokalisierung des Brandes bot die größten Schwierigkeiten, weil das Terrain des Judenviertels sehr hügelig und winkelig ist und die alten Häuser, teilweise mit Schindeln gedeckt, bis zum Dachboden mit altem Hausrat vollgepfropft sind. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab. Die armen jüdischen Trödler und Kleinkrämer suchten aus den brennenden Häusern und Geschäftsläden ihre armselige Habe herausMschleppen; außerhalb des Militärkordons standen jammernd die Angehörigen der im Brandteile Verbliebenen, weil sie nicht zu den Ihren gelangen konnten. Unter den obdachlos gewordenen 1500 Familien befinden sich etwa 1200 jüdische, gleich 60OO Seelen. Die armen Leute wurdet: in Schulen, im Volksheim, in verschiedenen Stiftungs- Häusern, in den Kasernen, Spitälern und im Palais des Erzherzogs Friedrich untergebracht und durch Lieferung von Milch und Brot vor dem Hunger geschützt. Der berühmte Lehrsaal der Preßburger Jeschibah, die sogen. „Schiurstube", ist samt allen Büchern der reichen Bibliothek zugrunde gegangen. Die orthodoxe Synagogewurde schwer beschädigt; die Thorarollen und Shnagogengeräte konnten gerettet werden. | In vielen brennenden Häusern des Judenviertels lagen alte und kranke Leute hilflos. Militär und Feuerwehrleute drangen mit Todesverachtung in die brennenden Wohnungen ein und trugen auf Tragbahren die Hilflosen hinab in die Stadt. Bisher ist nur ein Todesfall bekannt geworden, der eines Feuerwehrmannes, der während der Löscharbeiten vom Schlage getroffen wurde. Ferner wird ein jüdischer junger Mann vermißt, der im dritten Stockwerk eines Hauses der Judongasse (Schloßgrundgasse) krank zu Bette lag. Die Zahl per Verwundeten ist sehr groß; darunter sollen sich 38 Schwerverletzte befinden, von denen manche ihren Wunden erliegen dürften. Ein junges jüd. Mädchen wurde irrsinnig. Der materielle Schaden wird auf meh°^ rere Millionen Kronen geschätzt. An den Lösch- und Rettungsarbeiten beteiligten sich auch die telephonisch herbeigerufene! Wiener Feuerwehr und die Wiener Rettungsgesellschaft. Erst gegen 8 Uhr abends konnte der ungeheure! Brand lokalisiert werden, und erst in den frühen Morgenstunden konnten die Feuerwehren ihre Aktion, beendend Das Elend unter der jüdischen Bevölkerung ist. unbeschreiblich. Hunderte von Familien sind ob duchlos geworden und völlig an den Frankfurter JsraeWsches FamiZenblatt. Bettelstab geraten. Es wurde sogleich eine Hilfsaktion eingeleitet. Bisher ist ein Betrag von etwa 200,000 Kr. zur Linderung der grenzenlosen Not aufgebracht worden. * Die hiesige „Ungarl. Jiid. Ztg." erläßt folgenden Aufruf: „Jüdische Brüder und Schwestern! Das Preßburger Judenviertel ist heute vollständig abgebrannt. Der Jamnier und die Rot der jäh aus der Sabbathruhe aufgescheuchten frommen Familien ist unbeschreiblich. Der Notschrei Hunderter Familien tönt aus diesen Zeilen an Euer Ohr und und an Euer jüdisches Herz! Von dieser altehrwürdigen Stätte, wo Lehre und Erbauung in alle Länder hinausging, und die nun eine trostlose Ruine geworden ist, reichen wir dieses Blatt wie die ausgestreckte Hand zu Euch! Möge sie niemand Lurückstoßen! Sammelt nach Euren Kräften und sendet bald!" Delegiertentag -es Verbandes -er jüd. Jngen-vereine Deutschlands. (Schluß.) Das zweite Referat betraf das Thema „M ädchenorganisatio n". Frl. Cora Berliner, die Sekretärin des Verbandes, hielt das Referat und faßte es in folgende» Thesen zusainmen: „1. In Anbetracht der wirtschaftlich sozialen Umwälzungen und der sich daraus ergebenden Veränderungen im Jdeenkrcis der Frau, ist heute eine Jugendorganisation für Mädchen in gleicher Weise erforderlich wie für junge Männer. Ein Zusammenschluß jüdischer Mädchen ist deshalb besonders geboten, weil vielfach zugleich mit der Zunahme der Berufstätigkeit und dem verstärkten Interesse für allgemeine soziale Fragen das Zugehörigkeitsgefühl zum Judentum abnimmt. 2. Durch den Eintritt der weiblichen Jugend erhält die Jugendbewegung einen Zustrom an frischen, arbcitsfreudigen Kräfte», wird das allzuschnelle Wechseln des Mitgliederbestandes vermindert und die Stellung des Jugendvereins innerhalb -der Gemeinde gesestigt. 3. Eine Organisation jüdischer Mädchen kann ihre erzieherischen Aufgaben nur erfüllen, wenn sie sich gleichmäßig an die Mädchen alter Kreise wendet. Ans den persönlichen Zusammenschluß der Mitglieder untereinandcr ist der größte Wert zu legen. -1. Bei der Organisationsform ist zu berücksichtigen, daß a) die besonderen Interessen der Mädchen i» ausreichendem Maße gefördert werden. 1>) daß die Vorteile des Zusammenwirkens von männlichen und weiblichen Mitgliedern nicht verloren gehen. ö. Die zweckmäßigste Organisationsform ist der gemischte Verein mit besonderer weiblicher Gruppe als Unterabteilung des Vereins. 6. Die Mädchengruppe dient: a) Der .Heranbildung von Führerinnen, b) der besseren Erfassung der Mädchen aller Kreise, e) der Erziehung der weiblichen Mitglieder zur Mitarbeit. 7. Das Arbeitsprogramm der Mädchengruppe umfaßt: a) dasselbe Bildungsprogramm, das alle neutralen jüdischen Jugendvereine haben, nur ist die vielfach geringere Vorbildung und die mangelnde Schulung der Mädchen zu berücksichtigen, b) die besonderen Interessengebiete der Frau, e) soziale Einrichtungen für die Mitglieder und Einführung der Mitglieder in soziale Hilfsarbeit, ck) körperliche Ausbildung der Mitglieder. 8. Ein Zusammenarbeiten mit den jüdischen Frauenorganisationen ist erwünscht. Die Mädchengrnppen treten dem Jüdischen Frauenbund bei. 9. Wo die Mädchengruppe als Untergruppe des gemischten Vereins nicht eingerichtet werden kann, muß unter allen Umständen gefordert werden, daß a) in den gemischten Vereinen bei der Verwaltung des Vereins, bei der Auswahl der Vorträge, Kurse usw. die Interessen der weiblichen Mitglieder ausreichend berücksichtigt werden, b) die Mädchenvereine mit den Jugendvereinen mit nur männlichen Mitgliedern Hand in Hand arbeiten. Für das Arbeitsprogramm der Mädchenvereine gilt das unter 7 und 8 Gesagte." Des weiteren,wurden in der Nachmittags- und Schlußsitzung die V o r st a n d s w a h l e n vorgenommen, die die Wiederwahl der alten Mitglieder, insbesondere die einstimmige Akklamationswahl des persönlichen Mitgliedes des Vorstandes und Präsidenten Dr. Apfel, ergaben. — Der Antrag Freibnrg, den Mitgliedsbeitrag für jedes Mitglied von 20 auf 25 Pfg. zu erhöhen, wurde angenommen. Es wurde dann eine Reihe von Resolutionen angenommen, die vom Verbandsvorstand gestellt waren, und zwar Resolutionen über religiöse Veranstaltungen, hebräische Sprachkurse, Stellung zu den interkonfessionellen Organisationen, staatsbürgerliche Erziehung, über die Arbeit in den Landgemeinden und über die Förderung hon Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren. Eine Reihe weiterer Anträge mußte, da die Zeit zu weit vorgerückt war, teilweise dem Vorstände zur Erwägung und weiteren Veranlassung übergeben, teilweise znrückgestellt werden. Weite 3. [nrfnnliiirfi E. Restaurant und Cafe ■ r llrDIIIIIH Inh-: Anton Pfeiffer 1 Ul) kullliltl yy Friad&erger Ldstr. 420. Tal,4S8M empfiehlt seine prachtvollen, schattigen Gärten, Terrasse, Saal, sowie diverse separate Gesellschaftszimmer. ----- Für Sommerfeste vorzüglich geeignet. — Aus oller Well. Deutsches Reich. Berlin. Der Centralverein Deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens veranstaltete eine große Protestversammlung gegen die Zurücksetzung der Juden i m H e e r e. Nach dem Referate des Reichstagsabg. Dr. Haas-Karlsruhc wurde einstimmig folgende Resolution gefaßt: „Die Versammlung legt V e r w a h r n n g ein gegen die Zurücksetzung der Juden im Heere und gegen die der Wahrheit und geschichtlichen Entwicklung widersprechende Unterstellung, daß die jüdischen Deutschen ein Fremdkörper im Vaterland seien." Da der Referent sein Bedauern ausgesprochen hatte, daß die Zionisten für die Juden ein jüdisches und nicht ein deutsches Nationalgefühl in Anspruch nehmen, erklärte in der Diskussion Dr .ined. Brünn (Zionist), die Inden seien deutsche Patrioten, aber ebensowenig wie die in Deutschland lebenden Polen, Elsaß-Lothringer und Dänen deutscher Nation. Der Redner wurde stürmisch unterbrochen, und es wurde ihm das Wort entzogen. — Die Herren vom Centralverein bedenken nicht, daß eine Gleichberechtigung auf Kosten der A n f g a b e der jüdischen Eigenart — und nichts anderes heißt jüdisches Nationalgefühl — keine Gleichberechtigung ist. Danzig. Anläßlich der Landtagswahlen haben die Konservativen in Rosenberg eine antisemitische Hetzschrift verbreitet, die zu den erbärmlichsten Erzeugnissen dieser 3£rt gehört. Vergebens bemühte.sich der Vorsitzende des konserva!i.-en Wahlausschußes, Rechtsanwalt Marquart, di: Verantwortung für di: Verbreitung ber Broschüre von der konservativen Parteileitung im Wahlkreise Graudenz- Rosenberg abzuschieben. Es steht aber, wie man der „Danz. Ztg." schrieb, fest, daß ein 15 jähriger Schreiber des Kreisamtes dieses Blatt in adressierten - Kuverts zusammen mit einer Einladung zu einer konservativen Versammlung verteilt hat. Sollte der 15 jährige Schreiber dieses aus der Druckerei des „Reichsboten" (!) stammende Blatt sich auf eigene Kosten haben schicken lassen und es aus politischem Interesse für die konservative Partei verbreitet haben? Und die konservative „Kreiszeitung", die am Vorabend der Wahl erscheinen-sollte, und in der von liberaler Seite ein Eingesandt hierüber veröffentlicht werden sollte, wurde — plötzlich nicht mehr fertig. Hier in Danzig war es das Zent r u m, das in den Nachtstunden ein von Gemeinheiten gegen die jüdischen Mitbürger strotzendes Flugblatt an Häuser kleben und verteilen ließ. Daß das Flugblatt aus dem Zentrumslager kam, wird dadurch bewiesen, daß es in .der Druckerei des „Westpreußischen Volksblattes" gedruckt worden ist. Köln. Hier tagte vom 19 bis 21. Mai der 3. Verbandstag selbständiger jüd. Handwerker Deutschlands. Aus allen Gegenden Deutschlands waren Delegierte erschienen. Die Programmrede hielt der Vorsitzende des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens Berlin, der eingangs einen Rückblick auf die jüdische Geschichte warf und hervorhob, daß man fälschlich früher die Juden als zu träge für körperlich Arbeit bezeichnete, sie aus Innungen und Zünften ausschloß und so dem Handwerk entzog. Die ersprießliche Tätigkeit jüdischer Handwerker habe das Gegenteil bewiesen, und der Zentratverband werde alles einsetzen, ein wohlorganisiertes Handwerk unter den Inden heranzubilden. Begrüßungsreden hielten Vertreter von Vereinen aus Hamburg, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Hannover usw., ferner Vertreter der Handwerkskammer und der Synagogengemeinde. (Weiterer Bericht folgt.) Oesterreich-Urrgar«. Wie«. 19. Mai. Heute nachmittag kam es auf der Universität abermals zu heftigen Z u s a ni m e n st ö ß e n zwischen dents chnationalen und jüdifchnationalen Studenten, in deren Verlauf mehrere Studenten verletzt wurden. Die Deutschnationalen zündeten auf dem Rampensockel Hüte, zersetzte Kleider, Bücher und Stöcke an, die ihre Gegner bei der Prügelei verloren hatten. Die Wache löschte den Brand und verhaftete n c u n S t u d e n t e n. Großbritannien. In Schottland entwickeln jetzt die Tiers ch u tz - vereine eine lebhafte Agitation gegen das Schächten. Jeder Schächter wird bei Gericht wegen Tierquälerei angeklagt. Die jüdischen Gemeinden beschlossen, alle Mittel und Wege zu unternehmen, um dieser antijüdischen Hetze entgegenzntreten. Schneiderei Crössmann Kaisenatnasmo 10a, Entrosol. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jackett-Kleider. - Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuvor!, koschere Verarbeitung. <

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.