Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 19 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10_, , ■ ' v tragen. Durch die Änsiedetmig voil^25-ÄrbefterN' erhält Chedera einen namhaften und sehr wünschenswerten jüdischen Zuwachs.' Seiber befinbet sich in Chedera noch eine Anzahl fteberschwüngerer Sümpfe, und der Verein „Esra" sah sich genötigt, eine nanchafte Snmtne zur Sanierung der Kolonie zu bewilligen. So wurde in erster Reihe mit einem Kostxnaustvand von 13,000 Frs. eine Krankenstation eingerichtet, in der namentlich alleinstehende jüdische Arbeiter die erforderliche ärztliche Behandlung und sachgemäße Verpflegung erhalten sollen. Des ferneren wurden 25,000 Frs. für eine Wasserleitung bewilligt, wobei die Kolonisten ihrerseits mit 5000 Frs. beteiligt sind. .So hat der Verein „Esra" Kn wenigen Jahren für jüdische Kolonisationszwecke nicht weniger als 108,000 Mk. <133,000 Frs.) bewilligt, von denen 60,000 bereits gezahlt, der Rest aber im Jahre 1918 zur Auszahlung gelangen muh. Der Dierein hat damit den Weg gezeigt, wie in -Palästina mit möglichst geringem Kraftaufwand die möglichst größte Wirkung erhielt werden könnte. Indem der Bericht diese Tatsachen besonders betont, erinnert er gleichzeitig daran, daß die Mittel des Vereins einstweilen noch sehr gering sind. So hat der Verein allein im Jahre 1912 60,347 Mark ausgegeben und dckbei gegen 86,000 Mark aus seinen Beständen zugesetzt. Im Jahre 1913 durfte das Desizit 30,000 Mark betragen, und es dürste sich auf diese Weise das Vermögen des Vereins sehr bald völlig erschöpfen. Daher richtet der Verein an alle Freunde! der Kolonisation Palästinas die Bitte, ihn bei seiner Tätigkeit zu. unterstützen. Namentlich werden diejenigen Mitglieder des Vereins, die bisher gering« Beiträge zahlten, gebeten, ihre Leistungen für den „Esra" zu erhöhen und so ihm zu ermöglichen, seine bisherige segensreiche Tätigkeit fortführen zu können. Personalien n. Meine Mitteilungen. Berlin. Rudolf Masse hat anläßlich s ineS 70. Geburtstages gestiftet: der Stadt Berlin 1 Million für eine Altersversorgnngsstistung und dem Rudolf Birchow -- Krankenhause 100000 AL Folgende jüdische Anstalten erhielten je 10000 JL: die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die Montefiore - Loge, das Lehrlingsheim Pankow, die Fürsorgeanstalt für israelit. Mädchen, die Gesellschaft der Freunde und die Beamtenstiftung der.Reformgemeinde. Breslau. Salomon Förder feierte seinen 70. Geburtstag. Herr Förder war zu Beginn seiner Laufbahn Lehrer und trat erst später zum kaufmännischen Berufe über. Durch sein umfassendes jüdisches Wissen hat er sich in der jüdischen Gemeinde eine besondere Ehrenstellung nicht nur als Repräsendant, sondern auch als Sachverständiger in jüdischen Fragen erworben. Er ist ein Schwiegersohn des berühmten Rabbiner Hirsch Kasischer-Thorn. Lauterbach. Heute' begeht der älteste Bewohner unserer Stadt und Umgegend, Rentner Isaak Schloß, in für sein hohes Alter außergewöhnlicher Rüstigkeit und Geistesfrische seinen 95. Geburtstag. Herr Schloß erfreut sich bei allen Ortsbewohnern großer Beliebtheit. Brandenburg. Geh.Kommerzienrat Louis Gumpert, Seniorchef des Bankhauses W. Gumpert u. Sohn, erhielt anläßlich seines 90. Geburtstages den Roten Adlerorden 3.'Klasse mit der Schleife. Der Kaiser sandte außerdem eine Glückwünschdepesche. Liffa (Posen). Die Shnagogengemeinde Lrssa hat sich .aufgelöst. Wien. Ueber den dieser Tage verstorbenen PräsideMen des Reichsgerichts und Minister a. D. Josef Unger schreibt die „Jüd. Ztg."": »Joses Unger erinnerte sich nicht gern an seine jüdische Abstammung. Stolz thronte er auf den Lorbeeren seiner Erfolge und ergriff nie das Wort, um — wenn schon nicht als Judenstämmling, so doch als Freiheitsmann — gegen die Entrechtung der Juden aufzutreten. Im Gegenteil! Als ihn der Zufall zum Richter einer jüdischen Angelegenheit machte, da beobachtete er eine den Interessen des Judentums feindliche Stellung. Unvergessen wird das Urteil des Reichsgerichtes über die Beschwerde der Bukowinaer Juden, betreffend die Frage der jüdischen Nationalität bleiben! Unger präsidierte damals im Senate, welcher sich gegeilt die jüdische Nationalität aussprach. Das Urteil.des Reichsgerichtes kann, natürlich nicht wundernehmen, aber die Taktlosigkeit, haß ein getaufter Jude über diese Angelegenheit zu Gericht saß, trug nicht dazu bei, vor dem Charakter Josef r Ungers Ehrfurcht einzuflößen." Budapest. Dr. Leopold Badasz, dessen Ernennung zum Staatssekretär bevorsteht, ist bewußter Jude. Er ist Mitglied der orthodoxen Gemeinde Kleinwardein. Ezernowitz. Frau Fanny Ausländer, Schwägerin des Präsidenten der Advokatenkmniner Dr. Ausländer, .Frankfurter Israelitisches Fpmilienblatt. glitt ans der' Straße über eine Orangenschale aus und verschied. Kiew tRußland). Die Polizei drang während des Minchah-Goitesdienstes in eine hiesige Synagoge ein und revidierte die Papiere der Beter. Bier Männer wurden verhaftet, weil sie in Kiew kein Wohnrecht haben. Aus -er „Agudas Jisroel"-Bewegung Halberstadt. In der hiesigen Ortsgruppe haben fich die „Agudas Jisroel"-Marken sehr schnell eingesührt. Viele Mitglieder verwenden die Marken auf ihren sämtlichen Privatbriefen. Brüssel, 6. Mai. Noch einem Bortrage Rabbiners Bamberger ist hier eine Ortsgruppe gegründet worden. Kassierer: B. Wandel, Bd. d'Anderlecht 11. Rafow, Ganzikn. In unserem Beth-Hamidrasch sprach Mendel Hager, Sohn unseres Rabbiners, über den Thorasonds der Agudas Jisroel. Die Sammlung ergab ein schönes Resultat. In Kalusz steht die Gründung einer Ortsgruppe bevor. Bern, n. Mai. (Depesche an das Büro der Agudas Jisroel.) In inniger Begeisterung für den Agudatzgedanken senden den bewährten Führern ergebene Grüße die zum Bundestage hier versammelten g es etz-e streuen Akademiker der Schweiz. Aberdare (Süd-Wales). Ravb. I. D o m n i tz hat die Gründung einer Ortsgruppe in Angriff genommen. New-Aork. In Sachen der Agudah wird nächster Tage in Chicago eine Konferenz der dortigen orthodoxen Rabbiner stattsinden. In Baltimore erließ Rabb. Schwär z in seiner Sabbatpredigt einen warmen Appell sür die Agudah. In B o st o n arbeiten Rabb. S. I. F r i e d c r m a n n und B. I. R e i n h e r z für die Gründung einer Ortsgruppe. Aus der zionistischen Bewegung. Mainz. Unsere Ortsgruppe hatte für den 8. 'Mai eine öffentliche Versammlung mit dem Thema „Zionismus und Centralvercin" — Referent Julius Simon-Mannheim — anberaumt. Die Einladungen waren an sämtliche Gemcindemitglicder ergangen; außerdem sorgte aber auch die Agitation der Centralvereinler für einen Besuch; wie wir ihn hier noch selten gesehen haben. In überfülltem Saale hielt der Referent in seiner bekannten eindrucksvollen Art ein einstündiges Referat, in dem er auf alle Einzelheiten in den Auseinandersetzungen zwischen den beiden Organisationen einging und mit wuchtigen Worten das denunziatorische Vorgehen des Centralvereins geißelte. Der durch seine maßlosen Angriffe in einer Centralvereinsversammlung in Mainz bekannte Justizrat Dr. Auerbach-Frankfurt a. M., den wir durch eingeschriebenen Brief eingeladen hatten, hatte der Tapferkeit besseres Teil erwählt und war fern geblieben. Dafür hatte sich der Centralverein die bekannte Frauenrechtsrednerin Frau Henriette Fürth aus Frankfurt verschrieben. Die selbe sprach über alles mögliche, über Sombarts Rassentheorie, über Oppenheimers Milieu-Theorie, über Vorgänge auf den: letzten Soziologentag; über Centralverein und Zionismus war sie offenbar nicht orientiert und wußte darüber wenig zu sagen. Bon Seiten des Centralvereins kamen weiter zu Worte: Rabbiner Professor Dr. Salselb, Rechtsanwalt Dr. Kahn, Herr Kronenberger, denen in wirkungsvoller Weise Dr. Assessor Friedemann- Wiesbaden in einer groß angelegten Diskussionsrede und Herr Julius Simon in seinem Schlußwort entgcgentratey. Gegen ein Uhr wurde die von unserem verdienstvollen Vorsitzenden, Herrn H. Bloch, geschickt geleitete Versammlung, die mitunter sehr stürmisch verlief, geschlossen, nachdem 4 Neuanmeldungen erfolgt waren. Fulda. Rechtsanwalt Gronemann-Berlin sprach in der hiesigen Ortsgruppe unter lebhaftem Beifall. Ans der Lehrerwett. Mainz. Die israelitische Religionsgesellschaft will das Gebäude ihrer Religionsschiule niederreißen und ein neues aufrichten. Von den 100000 AL betragenden Kosten sind bereits 60000 AL aufgebracht. Herr Josef Kahn-Hut, der seit 1858 an der Schule Unterricht erteilt, tritt am 1. August in den Ruhestand. Hanan. Hier tagte die israel. Lehrerkonferenz Hessens. Oppenheim -Treysa hielt die Eröffnungsrede. Schaumburg-Neukirchen und Heilbrunn-Kassel referierten über die gesetzliche Steilung der jüdischen Schule. innerhalb des preußischen Schulwesens. Rosenst ein-Rothenburg besprach die Vorschläge zur Besserung der Lage. Das wichtige Thema soll auf der nächstjährigen Versammlung eingehend behandelt werden. Ein Vortrag Ne uh aus-Fritzlar gab Aufklärung über die Bestrebungen zur Wänderung der kurhessischen Verordnungen über die jüdischen Gemeinden und deren Verwaltungen. Der Ausschuß wurde in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Bei dem Festessen feierte Strauß- Gelnhapsen den Vorsitzenden, Oppenheim-Treysa, der, vor 25 Jahren in Hanau zum erstenmal in den Ausschuß gewählt, auf ein Vierteljahrhundert segensreicher Wirksamkeit im Dienste der Lehrerschaft mit voller Befriedigung zurückschauen dürfe. ' Ar. 19 Königsberg. Aus dem Berichte des Verbandes der Shmagogengemeinden Ostpreußens sei hier folgendes tmedergegeben: „Im ganzen. ist der Religionsunterricht durch Schulverbändc oder Wanderlehrer bis jetzt in 21 ostpreußischen Ortschaften eingerichtet worden. Neben dem Religionsunterricht ist der Verband überall zugleich für die Möglichkeit eines Gottesdienstes in der Gemeinde nach Lage der Verhältnisse und für die Sicherung einer regelmäßigen Schechita am Orte bedacht. Wo der Bezirkslehrer nicht zugleich Schächter ist, sucht der Verband entsprechend den Schulverbänden Schechitaverbände zu bilden oder Wanderschächter aus Nachbarorten zu beschaffen. In einzelnen Fällen ist er im Interesse der Schechita bei der Königlichen Regierung für Zulassung von russischen Schächtern für kleine, abseitsliegende Gemeinden eingetreten. Dem Verbände galt es als Ehrenpflicht, auch nach Kräften sür die Verbesserung der Verhältnisse der Gcmeindebeamtcn in Ostpreußen einzutreten. Seine Bestrebungen auf Verbindung von kleinen Gemeinden zu Schnl- und Schechitaverbänden und sür Einrichtung von Wanderunterricht und Wanderschechita erweisen sich auch für die Gehaltsverhältnisse der Beamten vorteilhaft. Verbundene Gemeinden vermögen stets ein höheres Gehalt sür ihren gemeinsamen Beamten auszubringen als kleine alleinstehende Gemeinden. Und sür die Wanderlehrer und Wanderschächter aus größeren Gemeinden bilden die Nebeneinnähmen aus dieser Tätigkeit eine wesentliche Erhöhung ihres Amtseinkommens." „Mit besonderer Befriedigung können wir in Ostpreußen aus die Gestaltung der Pensionsverhältnisse unserer jüdischen Beamten blicken. Die Grundlage dafür haben wir durch die von uns vor zwölf Jahren begründete Pensionskasse für die jüdischen Religionslehrer und Kultusbeamten in Ostpreußen geschaffen. Diese Kasse, der bald alle unsere Gemeinden, die ihren Beamten nicht selbst eine Versorgung boten, mit erheblichen Beiträgen bettraten, sicherte unseren Beamten vom Beginne ihrer Tätigkeit an ohne die Bedingung einer Wartezeit eine Alters- und Jnvalidenpension von 500 JL und eine Hinterbliebenenpension von 300 JL Die Kasse hat in der kurzen Zett ihres Bestehens bereits zehn Pensionen an jüdische Beamte bezw. deren Familien aus Ostpreußen bewilligt und dabei noch einen Fonds von 110 000 AL für weitere Versorgungszwecke unserer Beamten angesammelt." Basel. Die Institution des jüdischen Wanderlehrers für die Schweiz besteht nunmehr seit einem Jahre. Zuerst versah Herr Rosenberg, dann Herr Grünwald das mühevolle Amt. In ideeller Beziehung sind die Erfolge befriedigend. Weniger befriedigend ist, wie der Kassier, Herr Joseph Erlanger, berichtet, das materielle Ergebnis. Während einige Familien, deren Kinder Unterricht erhielten, größere Beiträge leisteten, fehlte es nicht an solchen,' welche die Tätigkeit des Wanderlehrers sehr dürftig honorierten. Insgesamt liefen an Unterrichtsgeldern Fr. 875 ein. Freiwillige Beiträge erbrachten Fr. 1015. Da die Gesamtausgaben sich aus Fr. 2615.70 beliefen, ergab sich ein Desizit von Fr. 760.70, welches der „Verein zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" decken mußte. Budapest. In der Abonyigasse wird soeben mit dem Bau des Gymnasiums der israelit. 'Kultusgemeinde begonnen. Die architektonischen Entwürfe sind das Werk des bekannten jüdischen Architekten Bela Lajta, Erbauers der hiesigen orthodoxen Synagoge. Der Architekt arbeitet Hand in Hand mit dem pädagogischen Leiter des Baues, Universitätsprosessor Dr. Moritz Karman. Die innere Einteilung des neuen Gymnasiums soll das Ideal einer modernen- Schule werden. In Dicsöszentmarton wurde Rabbinatskandidat Dr. Josef Krausz auS Debreczen, der sich mit der Tochter des dortigen vor einigen Monaten verstorbenen Rabbiners Verlobte, zum Bezirksrabbiner gewählt. — Rabbiner Aron Löwin in Sambor erhielt infolge seiner gemeinnützigen Tätigkeit den Titel eines Kaiserlichen Rates. Sofia. In Küstendill verstarb der gewesene Großrabbiner von Bulgarien Rabbi Mosche Tagger im Alter von 81 Jahren. Rabbi Tagger war zweimal Großrabbiner von Bulgarien und hat, um den jüdischen Grundsatz „Liebe die Arbeit und verachte es, von der jüdischen Wissenschaft zu leben" treu zu bleiben, tatsächlich ein Handwerk getrieben, er war nämlich ein anerkannter Meister für kunstvolle Holzschnitzereien. Bon demselben Grundsatz geleitet, gründete er eine Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke unter den Juden in Bulgarien. Von der ganzen Bevölkerung hochgeachtet, war Rabbi Tagger jahrelang Mitglied des Krcisgerichtes und Kassier 'des Acrar- und Waisenfonds. Rabbi Tagger'hat wertvolle Werke geschrieben, die von seinen Kindern herausgegeben werden. Er hinterlieh eine grosse Bibliothek mit zahlreichen Unica und seltenen Handschriften. svberrabbiner Dr. Fellcheufeld-PosenTs Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld-Posen, einer der würdigsten Vertreter des deutschen Raboinersbandes, ist — 87 Jahre alt —t verschieden. Er war eine Persönlichkeit, ein Idealist; das gesetzestreue Judentum darf ihn zu seinen besten Söhnen rechnen. Wie sehr er von seiner Gemeinde geliebt wurde, wie weit aber auch über das Weichbild Posens hinaus sein Name gedrungen ist, zeigte die Beisetzung, die sich zu einer gewaltigen Kundgebung gestaltete. Am Vormittage versammelten sich die Vertreter der Gemeindebehörden, sowie die verschiedenen Vereine und ein Teil der bereits eingetroffenen Rabbiner von auswärts im Trauerhause, wo die Söhne des Verewigten, Schulbirigent Dr. Joseph Feilchenfeld-Posen und Realschuldirektor Dr. FeckchenfeldHürth, herzliche Nvchrufe chrem teuren Vater widmeten. Hieran schloß sich die