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Neue jüdische Presse · 1913-05-16 · Heft 19 (16.5.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 19 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Organisation für hebräische Sprache «nd Kultur. In Berlin fand die konstituierende B e r s a m m l u n g der deutschen A b t e i l u n g der Histadruth statt, an der etwa 100 Personen teilnahmen. Leo M o tz k i u eröffnctc im Namen des Zentralkomitees die Versammlung und gab einen Ueberblick über den Stand der hebräischen Organisation im allgemeinen. Er hob die Schwierigkeiten hervor, mit denen die Zentrale der Histadruth zu kämpfen hatte, und schilderte die Aktionen, die die Histadruth organisatorisch und durch den Einfluß auf verschiedene Institutionen unternommell hat. Vor allem aber hob .Herr Motzkiu die beiden wichtigsten Pinlkte im Arbeitsprogramin der Histadruth hervor: die Gründung der hebräischen B c r l a g s g c s c l l s ch a f t „T e ch i j a h" und die bevorstehende Tagung der hebräischen Organisation. Die Arbeit der „Tcchijah", für die bereits vor drei Jahren auf Initiative einer Reihe von Komiteemitgliedern der Histadruth Anteile in Höhe von 175,000 Mark gezeichnet waren, sei nachher ills Stocken geraten. Weder seien die gezeichneten Summen gezahlt noch neue Gesellschafter gewonnen worden. Da habe die Zentrale der Histadruth vor einigen Monaten dies Gebiet der Tätigkeit mit übernoimnen. Nach eifrigen Bemühungen sei es ihr nunmehr gelungen, einen Teil der Zeichnungen in Höhe von 80,000 Mark zu realisieren, sodaß nach Erledigung einiger Formalitäten in den nächsten Tagen an die Gründung der „Techijah" herangegangen werden könne. Es werde nun eine der wichtigsten Aufgaben der Zentrale der Histadruth sein, das Stannnkapital der Gesellschaft wesentlich! gilt vergrößern, — sowohl durch Einlösung der ge-, zeichneten Beiträge, als auch durch Werbung neuer Gesellschafter. Die hebräische Tagung solle Ende August, eine Woche vor dem Zionistenkongreh, in Wien stattfinden. Bon der Einberufung eines hebräischen Kongresses habe die Zentrale vorläufig absehen müssen infolge vielfacher Hindernisse, die sich in letzter Zeit eingestellt haben. Es soll nun eins hebräische Konferenz auf Grund von Wahlen einberufen werden, die sowohl für die praktischen Aufgaben der hebräischen Bewegung als auch für die theoretische Beleuchtung der hebräischen Probleme von grundlegender Bedeutung werden soll. Insbesondere werde das hebräische Erziehungsproblem' in seinen! ganzen Umfange aufgerollt werden müssen. Außerdem sollen Berichte seitens der hebräischen Sonderorganisationen und Institute in Palästina und in der Diaspora auf dieser Tagung erstattet werden. Diese Hauptaufgaben nun, insbesondere dis Einberufung der Konferenz, erfordern eine intensive Arbeit seitens der Zentrale, sodah sie mit Arbeiten, die den Landesabteilungen zustehen, womöglich nicht belastet werden sollte. Demgegenüber sei es zu bedauern, daß das deutsche Landeskomitee in den letzten Monaten inaktiv geworden ist. Die Zentrale, die an dessen Stelle div Arbeit 0 Kr die lugend. 0 ErzäKtimgen. aus Aiket und Tatmud. Von M. Pulvermann. . Daniel wird gespeist. Im Lande Juda lebte ein Prophet namens Chabakuk, der reich an Gut und Viehherden war. An einem heißen Sommertage ging er aufs Feld, umseine Schnitter zu beaufsichtigen, gleichzeitig aber, um ihnen das Mahl zu bringen, das aus Brot, Fleisch und Hülsengerichten bestand. 'Als er nun in die Nähe seines Feldes kam, da erschien ihm ein Engel Gottes, der also zu ihm sprach : „So bestehlt Dir der Herr der Heerscharen: Gehe hin nach Babel' und bringe dieses Mahl meinem treuen Schützling Daniel, der in der Löwengrubc sich bebefindet und in großer Not ist." Aber der Prophet sprach: „Herr, ich war nie < in i Babylon/: ich weiß auch nicht, wo der Löwenzwinger in Deutschland provisorisch geleitet hatte, könne aus erwähnten Gründen der wachsenden hebräischen Bewegung in Deutschland und den sich daraus ergebenden vielfachen Spezialaufgaben nicht gerecht werden. Es müsse hier eine Reorganisation der deutschen Abteilung der Histadruth vorgenommen werden. Es 'müsse auch über die Möglichkeiten der hebräischen Arbeit in Deutschland eingehend verhandelt werden, — Möglichkeiten, die erfreulicherweise vorhanden sind, die aber Opfer an Zeit und Arbeit bedürfen, um ins Leben gerufen zu werden. Rechtsanwalt S. G r o n e m a n n begrüßte die Versammlung im Namen der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Nachdem Dr. Perl m a n n die frühere Tätigkeit in Deutschland skizziert hatte, entwickelte sich eine lebhafte mehrstündige Debatte. Es wurde über verschiedene Einzelausgaben der hebräischen Arbeit verhandelt, darunter über die Frage der hebräischen Kindergärten, die von Dr. Zimmermann des näheren erörtert wurde. Die Ausführungen von Frau Lina Warner galten insbesondere der Einrichtung von Kinderklubs und Kinderzirkeln. Die Frage der hebräischen Schulen wurde von Herrn Leser angeschnitten und durch P. Cohen und Schulmann aus Palästina ergänzt. David Cohen sprach über Unterrichtsmethoden. Die brennende Frage der hebräischen Lehrbehelfe für Deutschland wurde von Dr. Rosenblüth, Rabbiner Dr. Emil Levy, Alex Adler-Lübeck und Josef Lin ausführlich besprochen. Nach einer längeren Debatte über die eigentliche Konstituierung des Landeskomitees, an der sich Dr. Heinrich Loewe, Dr. I. Meist, Dr. Rosenblüth, Alex Adler, Dr. Jardeni, Kraus, Jedidja, Ganzer u. a. beteiligten, tvurde der Beschluß gefaßt, ein Landeskomitee zu wählen. Zu Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses wurden gewählt: R.-A. S. Grone mann, Dr.D. Perlmann, Frau LinaM a.gner,jJo>s. Lin, Dr. I. Meisl, Dr. S. Bernstein, 'Dr. Alfred Wolfs, Dozent Dr. I. Baneth, M. Ganzer, Dr. Georg Gerson und Pinchas Cahen. Die Adresse des Deutschen Landeskomitees der Histadruth ist vorläufig: Organisation für hebr. Sprache und Kultur, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 93. (Tel.: Amt Wilhelm 1113.) Der Tätigkeitsbericht des „Esra".; In Befolgung der Devise der Väter: „Sprich wenig und tue viel", tritt der „Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Jjuden in Palästina und Syrien, nur selten in die Oeffentlichkeit. Auch seine! Berichte tverden nur alle drei Jahre veröffentlicht. Mit desto größerem Interesse dürste das jüd. Publikum den eben erschienenen Bericht des „Esra" pro 1910 bis 1912 lesen. Derselbe umfaßt 56 Seiten und enthält außer Bericht und Mitgliederliste eine Serie: sich befindet, noch habe ich Daniel je gesehen. Wie sollte ich außerdem die weite Reise bis dahin in einem Tage zurücklegcn können? Bis ich dorthin gelange, könnte Daniel verhungert sein." Zürnend rief der Engel: „Zweifelst Du an der Allmacht Gottes, der Dich auf Windesflügeln dorthin gelangen lassen kann?" So sprechend faßte er den Propheten bei dem Haupthaar und trug ihn nach Babylon hin. Chabakuk rief laut Daniels Namen, und als dieser ihni aus der Löwengrube antwortete, reichte er ihm die Speise Himmler und wurde bald wieder nach seiner Heimat gebracht. Bevor Daniel aber die- Speise berührte, fiel er auf sein Angesicht nieder und dankte Gott, daß er seiner nicht vergessen hatte. Er aß dann und gab auch seinen vier Gefährten davon, sodaß Mensch und Tiere gesättigt waren. Das ging so sechs Tage lang; tat siebenten aber ging.- das ganze babylonische Volk mit dem Körche und den Priestern an der Spitze zum Löwenzwinger, um sich an dem Anblick der blutigen Ueberrefte des Götzenverächters zu weiden und zu belustigen; denn sie wußten interessanter und reich illustrierter Aufsätze über Palästina und dessen jüdische Kolonien. Die Einnahmen des „Esra" beliefen sich in. der dreijährigen Periode auf 65,590 Mark. Die Ausgaben umfassen: 1. diverse Subventionen an in Not geratene Kolonistetr im Betrage von 5310 Mk. 2. Für die Kolonie Bne-Jehuda 2571 Mark. 3. 13,000 Frs. für Einwanderung von 1500 Juden aus dem Jemen. Diesen Subventionen im Gesamtbeträge. von 18,400 Mark fügen sich weitere Ausgaben im Gesaultbetrage von 82,500 Mark an, die in Fornr von durch Bürgschaft sichergestellten Darlehen gemacht wurden. Ten größten Teil dieser Ausgaben hat der „Esra" für Ansiedelung von jüd. Landarbeitern in den bereits bestehenden jüdischen Kolonien Palästinas gemacht. Die Kolonisten verfügen nämlich über weit mehr Land, als sie selbst bearbeiten könnten. Daher 'werden in den Kolonien jahraus jahrein mehr als 300 Araber dauernd beschäftigt. Ter „Esra" ist nun bemüht, die jüdischen Kolonisten mit jüdischen Landarbeitern zu versehen. Auf diesem Wege könnten nicht blos viele Tausende brot- und arbeitslose Glaubensgenossen aus Rußland und Rttmänien in Pcylästitla eine dauernde und wohlgesicherte Existenz als Landarbeiter finden, die jüdische Bevölkerung in den Kolonien würde dadurch verstärkt und gegen das eindringende Arabertum widerstandsfähiger werden. Bereits im Jahre 1911 hat der „Esra" in Kufr-Saba 12 und in der Kolonie Chedera 25 jitz». Arbeiter anzusiedeln beschlossen. Jeder von ihnen erhält ein Haus nebst 10 Morgen Land, die aus Kosten des Vereins bepflanzt werden sollen. Die Kosten einer Installation von 35 Familien werden sich ans etwa 56,000 Mark belaufen, wobei das Land im llmfange von etwa 925 Dunam (etwas 90 Hektar Land) von den Kolonisten hergei geben wird. Letztere übernehmen gleichzeitig die Verpflichtung, die bei ihnen angesiedelten jüdischst Arbeiter zu auskömmlichen Löhnen dauernd zu beschäftigen. Andererseits verpstichten sich die Arbeiter, die ihnen gewährten Darlehen für Haus, Land und Anpflanzungen in 25 Jahresraten zurüctzuzahlen. Die Garantie für diese Rü^ahlungen hat die M. P. C. in Jaffa übernommen, wofür sie von den angesiedelten Arbeitern alljährlich 2"/o des für dick? selben verwendeten Kapitals erhält. Durch die Ansiedelung von 12 Arbeitern hat Kufr-Saba, das bisher nur ein von Arabern bearbeitetes jüdisches Besitztum war, zum erstenmalü eine jüdische Bevölkerung erhallen; es ist so erst zu einer jüdischen Kolonie gemacht worden. Me Kolonie Ehedera wies zwar früher schon eine jud. Bevölkerung von 39 Familien (etwa 240 Seelen) auf. Eine solche Bevölkerung genügte jedoch " bei dem enormen Umfang der Kolonie (Chedera umfaßt etwa 4500 Hektar) bei weitem nicht, das jüd. Besitztum vor Diebstählen und Plünderung zu schützen. Auch vermochten die 39 Familien nicht, die großen Gemeindekosten, wie sie die Verteidigung eines so großen Komplexeserfordert, zu nicht, daß der Herr ihn aus wunderbare Weise gerettet und gespeist hatte. 'Als die Frevler dahin kämen, da waren sie erstaunt und erschrocken, da sie Daniel friedlich schlummernd sahen, das Haupt auf den Leib des einen Löwen gebettet, während die andern drei ruhig im Kreise lagerten. Von dem hauten Rufen und Schreien erwacht, blickte Daniel nach oben und sah die bleichen Gesichter, die ihn anstarrten. Er streichelte die Tiere, die ihm die Hände leckten, bald aber mit fürchterlichem Brüllen in die Höhe sprangen, als wollten sie die Menschen dort oben zerfleischen. Das Volk blieb vor Erstaunen stumm, der König aber fiel auf sein Angesicht nieder und ries: ^Daniel, Daniel! Jetzt erkenne ich, daß Dein Gott allein der einzige und wahre Gott ist, der seine Fromme» selbst in der Höhle, der wilden Tiere zu schützen weiß! Ihm allein will ich fortan dienen, und Du sollst mich lehren, wie ich mich seiner würdig machen kann!" Das Volk stimmte dem Könige bei, und Daniel wurde mit Jauchzen und Freudenrufeu nach der Stadt gebracht und mit Ehrenstellungen überhäuft.

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