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Neue jüdische Presse · 1913-05-09 · Heft 18 (9.5.1913) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 18 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 untersuchten Personen befanden sich 2373 Juden, von denen 96t als Infiziert befunden wurden — 40,5°'o. Das zeigt ohne weiteres, daß der Prozentsatz der Erkrankungen unter der jüdischen Bevölkerung wesentlich höher ist als unter der anderen Bevölkerung. Es ist aber anzunehmen, daß die effektive Ziffer noch, wesentlich höher ist, denn es muß in Betrachts gezogen werden, daß ei» großer Teil der Bevölkerung nicht bereitwillig gefunden wurde, sich Blutproben zur Untersuchung nehmen zu lassen, und ferner insbesondere, daß viele Bewohner, die beständig mit Fieber zu tun haben, sich selbst mit mehr oder minder zuverlässigen Mtteln behandeln. In welchem Maße das Fieber grassiert, ging in dem Berichte n. a. daraus hervor, daß in der vorzüglich geleiteten „Eveline de Rothschildschen Schule", die ca. 800 bis 600 Schülerinnen hat, in der Lauptfieberzeit täglich über 100 Kinder fehlen. — Bon den in den Hospitälern zur Behandlung kommenden, sich mit Fieber cinstellenden Kranken sollen ca. 60—80°/° 'mit Malaria-Parasiten behaftet sein. Alle diese Zissern reden eine so beredte Sprache, daß es ohne weiteres klar ist, daß mit dem Kampf gegen diesen Feind einer der stärksten Hebel in Bewegung gesetzt wird, der zur Hebung der schlechten Gcsundheitsverhältnisse der heiligen Stadt angewendet werden kann, um aus diese Weise erst den gesunden Boden zu schaffen, auf dem, alle Bemühungen um wirtschaftliche Besserung der Verhältnisse sich aufbauen müssen. Ohne einen gesunden Körper ist auf die Dauer auf eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Bevölkerung nicht zu.rechnen. Es muß darum immer wieder betont werden, daß durch die Unterstützung aller derjenigen Institute, die auf Gesundung der Bevölkerung Hinzielen, eine der wichtigsten Taten, wenn nicht die wichtigste, geleistet wird. Das Grundübel, das die Anhäufungen der Anophlesmücke begünstigt, ist der gänzliche Mangel einer guten Wasserversorgung. Abgesehen von einigen unbedeutenden Leitungen besteht die fast ausschließliche Wasserversorgung durch Zisternen, von denen etwa 5—6000 in Jerusalem in allen möglichen Kombinattonen existieren, aber der wettaus größte Teil in einer so »»hygienischen Beschaffenheit ist, daß gerade diese Zisternen in ungezählten Fällen die direkte Brutstätte der Anophlesmücke sind. Der Bericht >var in der Lage, viele Daten darüber anzugeben. Solange die Einführung einer einwandfteien Wasserleitung nicht ihrer Verwirklichung entgegengeht — und bei den bestehenden Verhältnissen muß noch lange Zeit damit gerechnet werden, daß es noch lange nicht der FM sein wird —, verbleibt als das Hauptkainpfmittel gegen das Fieber nur die unter ärzllicher Anleitung erfolgende Verabreichung von „Chinin" In den Kolonien hat man zwar auch durch die Anpflanzung von Eucalyptus-Sträuchern dagegen gekämpft; als das zuverläffigste MUtel, und vor Mem in den Städten, verbleibt aber vorläufig nur Chinin. Das hat auch Professor Müh lens insbesondere betont, und die Ausgabe Mer an dem Gesundheitswerk Mitarbeitenden richtet sich nun darauf, durch systematische Chininbehandlung dem Uebel der Malaria entgegenztrarbeiten. Unsere jüdischen Anstalten haben bereits seit Jahren natürlich ebenfalls Chinin angewendet. Namentlich darf es als ein großes Verdienst des seit 25 Jahren arbeitenden, in Frankfurt domizilierten Vereines, des Palästinensischen Hilfsvereines ,Lemaan Zion", gelten, daß er — neben seinen vorzüglich wirkenden Apokheken nnd Augenkliniken — schon seit 24 Jahren regelmäßig Chinin zur Verteilung bringen läßt. Es ist nur zu bedauern, daß er nur mit sehr beschränkten Mitteln arbeitet, die eine großzügige Anwendung dieses Heilmittels bisher nicht in gewünschtem Maße erlaubt habe». So wie das Gesundheitsamt, das sich aus den wohlwollenden interessierten Kreisen aller Länder zusammensetzt, nnd insbesondere in Verbindung mit der Malaria- Expedition des Newhorker Wohltäters Nathan Strau'ß, es sich zur Aufgabe stellt, ohne Rücksicht auf Nationalität oder Konfession gegen die Malaria zu kämpfen, so muß es auch in unserenl Kreise die Aufgabe aller für das Wohl des Helligen Landes und seiner Bewohner Interessierten sein, durch Förderung der speziellen Anfiättat ihr Teil beizutragen, E. G- Persomrüe» «♦ «lehre Mitteilungen. Rom. Hier verschieb im b8. Lebensjahre Dr. Lamberto Loria. Lorka stammte aus einer italienischen Kaufmannsfamllie in Alexandria und verwandte seit jungen Jahren sein Vermögen auf geographische Studien ugd Forschungsreisen. In der letzten Zeit hatte er sich ans- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. schließlich und mit schönem Erfolg dem Studium des italienischen Volkstums gewidmet, hatte das Museum für Völkerkunde in Florenz gegründet und für die Nationalausstellung 1911 in Rom die höchst sehenswerte Abteilung für italienische Bolkssitten und Gebräuche eingerichtet. Aus der Lehrerwett. verüu. Dr, Heinrich Gescheit, Schüler des hiesigen Rabbinerseminars, wurde als. Rabbiner nach T r i e s ch (Mähren) berusen. Homburg v. t>. H. Rabb. Dr. David Winter- Myslowitz ist einsttmmig — als Nachfolger unseres unvergeßlichen Rabb. Dr. Kottek s. A. — zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt worden. Rabb. Dr. Winter ist ein Schüler des Berliner Nab- »biiierseminars. Er hat auch Philologie studiert und in Myslowitz als Oberlehrer unterrichtet. Hirschberg t. Schief. Rabb. Dr. Max Biram erhielt anläßlich feiner Pensionierung den Roten Adler-- orden 4. Klasse. Der Nachfolger Dr. Birams ist Dr. T i k t i n-Char° lottenburg. : , Vollweiler. Dr. S. Weill-Buchsweiler ist nach hier berufen worden. Budapest. DerJsrael. Lehrer-Landesverein gründete in Keszthely ein Erholungsheim für erholungsbedürftige Lehrer. Die Israelit. Landeskanzlei verständigt nun den Verein, daß sie 1080 Kr. von dem staatlichen Unterstützungsfond zur Unterstützung für 12 Lehrer während eines Monates liberlasse. Arad- Im beste» Mannesaller — 42 Jahre all — ist Rabbiner Juda Sauser, Sohn des Pacser Gaon Susnian Sauser s. A-, verschieden. Seine Bestattung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Die orthod. Geineiude beschloß, den zum Nachfolger zu wählen, der die Tochter des Verblichenen ehelicht. Aus de» Vereine». Homburg b. d. H. Der Israel. Holzverein verfügte am 1. Januar über ein Vermögen von 16147 M und der ihm unterstehende M ä d ch e n - Ausstattungs- Verein über ein Dermögeir von 36 815 JL Havuover. Der Jüd.. Handwerkerverein hatte einen Borttagsabend in einer ihm von der städtischen Schuldeputation zur Versügung gestellten Aula. Louis Wolfs, Vorsitzender des Berliner Vereins, referierte über das Thema: „Ist die Verbreitung des Handwerks unter den Juden eine Notwendigkeit?" In der Debatte sprachen u. a. Landrabbiner Dr- Grommann, der es für die Aufgabe der Rabbiner erklärte, sich der Handwerkerbelvegnng unter den Juden anzunchineii und Jiechtsanwalt L i ch t e n b c r g, der Vorsitzende des jüd. Jugendvereins, der seine warme Sympathie aussprach und den schlechten Besuch der Versammlung seitens der Hannoverschen Juden — trotz versandter 2000 Einladungen — bedauerte. Basel. DieOrtSgruppederAgudasJisroel hatte eine gut besuchte Versammlung. Rabb. Dr. Cohn referierte über die Vorgänge und die nächsten Aufgaben der Bewegung. Dr. L- Hausmann berichtete, daß 75 Mitgliedcrbeittäge entrichtet worden sind, und daß die Zahl der Mitglieder bald 100 erreichen werde. Eine Sendung der soeben zur Ausgabe gelangenden Agudo- Marken fanden großen Beifall und raschen Absatz. In die Kommission wurden gewählt: Rabbiner Dr. Cohn, Dr. L. H ans man n, Ch. Nor d m an n, N. Schiernbnch und Moses Schwarz. Budapest. DerJsra elit. Land es-Patronagenverein hielt am 16. Aprll unter Vorsitz seines Präsidenten Franz Szekely eine Ansschußsitznng. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß der Verein im vorigen Jahre 59 551 Kr. für die Unterstützung von 1292 Kindern verwendet hat. Nach Annahme des Berichtes wurde das Budget für das Jahr 1913, laut welchem für die Unterstützung von Kindern 54 800 Kr. verwendet werden solle», genehmigt. Frankfurter Berichte. Sitzung des Ausschuffes der israelit. Gemeinde. Rechtsanwalt Dr. Bärwald führt zu seinem Antrag, dem „Israelit" zu der in Stt. 11 seiner Lokalbeilage „Frankfurter Israelit" enthaltenen gänzlich unwahren Angabe, Herr Hugo Fränkel habe in der Ausschußsitzung , gesagt, „der Religionsunterricht liege einzig in den Händen der liberalen Rabbiner", eine Berichtigung zu senden, folgendes aus: Er habe den Antrag gestellt, da jedes Preßorgan, von welcher Bedeutung cs auchsei, heute eine Wirkung hat. Die falsche Behauptung schädige die Interessen der Gemeinde und dürfe daher nicht unwidersprochen bleiben. Eli Michael: Die Gemeinde hat bei dem Israelit schon oft Gelegenheit zu Berichtigungen gehabt und davon Abstand genommen. Man möge von dieser Gepslogenhell auch jetzt nicht abgehen. Hugo Fränkel: Seit Jahr nnd Tag betrachtet der Israelit es als seine Ausgabe, die Frankfurter israelit. Gemeinde in der Oesfentlichkeit zu schädigen, und diese Tendenz ist so allgemein bekannt, daß man nichts anderes von ihm erwartet. Ucbrigens halte ich die Zeitung in Frankfurt selbst nicht von solcher Bedeutung, als daß ich einen Grund zum ^richtigen sehe. Rr. 18. Rechtsanwalt Dr. Katzenstein: Die Ausführungen des Vorredners sind nur zu unterschreibe», und es ist nur noch hinzuzufügen, daß der Israelit, der nur den objektiven Bericht des hiesigen Faniilienblattes als Quelle benutzt haben kann, seine unwahre Angabe nackfreier Erfindung hinzügefügt hat. MechtsanwM Dr. M e r z b a ch: Der Antrag Bärwald ist notwendig, da die Interessen der Gemeinde zu sehr berührt werden. Auch muß ausgesprochen werden, wie sehr wir diese Art der Berichterstattung verurteile». ' Dr. med. L- Hanau: Es steht fest, daß itt dem Bericht des Israelit der erste Teil abgeschrieben und der Zusatz erfunden ist. Nach längerer weiterer Diskussion zieht Dr. B ä r - Wald seinen Anttag zurück, nachdem ciiiftiinmig festgestellt sei, daß die Herrn Fränkel vom Israelit zugeschobene Aeußerung nicht gefallen ist, auch in keiner Weise den Tatsachen entspricht, da eine große Anzahl konservativer Lehrkräfte (Rabbiner und Lehrer) an den höhere» Schulen -Religionsunterricht erteilt. *' Punkt 2) der Tagesordnung: „Renovation itiib Umbau der Hauptsynagoge" betrifft eine schon mehrere Male vorgelegte Position. Hugo Fränkel schlägt trotz der großen Ueberschreitung Genehmigung des Posten vor. Es sei aber ausgesprochen, daß es an der Kontrolle gemangelt habe. Rechtsanwalt Dr. Katzen stein: Jedenfalls erwartet der Ausschuß in künftigen Fällen genauen Voranschlag. Justizrat Dr. Bär: Die Hauptschuld ist der Zeit zuzuschreiben. Die Arbeiten mußten im Juli nnd August vorgenommen werden, zu einer Zeit also, da von der Verwaltung der Gemeinde die meisten Herren verreist waren. Uebrigens waren hervorragende Aufwendungen notivendig, um der Konkurrenz seitens der Synagoge in der Königsteinersttaße zu begegnen. Die Position wird genehmigt. Der „Israelit. Religionsschule" werden vorläufig 4000 Mark bewllligt. Zur Begrüßung des „Delegiertentag der jüd. Jugend- Vereine Deutschlands" wird Herr Hugo Fränkel delegiert. Zu Revisoren der „Schulrechnung des Philanthropin" werden die Herren Schopflocher nnd Dr. Bärwald bestimmt. Zionismus und Deutschtum. Am 5. Mai veranstaltete die F r a n k f u r t e r Zion. Vereinigung eine öffentliche Versammlung, in der Rechtsanwalt G r o n e m a n n aus Berlin über das Thema „Zionismus nnd Deutschtum" sprach'. Der Leiter der von ungefähr 400 Personen besuchten Versammlung, Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild, wies in den einleitenden Worten daraus hin, daß die in der Hauptversammlung des Centralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens gefaßte Resolution geeignet sei, irrige Ansfassungen über die Stellung des Zionismus zu dem Deutschtum zu erregen, nnd daß aus diesem Grunde eine öffentliche Aussprache über dieses Thema, erforderlich sei. Der Referent des Wends ging vo» dem Wesen des Centralvereins aus, dessen Auffassung vom Judentume eine durchaus negative und dessen Lebensnerv der Antisemitismus ist. An dem Zerwürfnis »nt dem Centralverein tragen nicht die Zionisten die Schuld. Diese haben vielmehr stets mit dem Centralvcrein im Kamps gegen den Antisemitismus zusammengcarbeitet. In der von der Hauptversammlung des Centralvereins angenommenen Resolution liegt eine Verkennung des politischen und wirtschaftlichen Wesens des Judentums. Der deutsche Jude wurzelt in der deutschen Kultur nnd hat an ihrer Schaffung mitgearbeitet. Die deutschen Juden haben stets ihre Pflichten gegen das Vaterland erfüllt. Die wirtschaftlichen Interessen schlingen ein einigendes Band um Juden und Nichtjuden. Trotzdem ist nicht zu leugnen, daß die Juden der ganzen Welt eine Stammesgemeinschaft bilden, die durch gemeinsaine Abstammung, Geschichte, Vergangenheit nnd Hoffnungen zusammengehalten wird. Das alles faßt man unter dem Wort „jüdisch-national" zusammen. Wenn der Centralverein einen Widerspruch zwischen nationaljübischer' Gesinnung und Pattiottsmus konstruiert, so beruht dies auf einer Verkennung der Begriffe „nattonal" und „vaterländisch". Die Gründe, die den Centralverein zu der Resolutton veranlaßten, sind Angst vor den Nichtjuden und Planlosigkeit. Der Centtalverein hat mit seiner Resolution das Recht verloren, sich als Repräsentanten des deutschen Judentumes zu bezeichnen, und hat sich in den Dienst der Partei gestellt, die' die Auflösung des Judentums erstrebt. Die Nesolntivii des Centralvereins, die das Judentum in der Oesfentlichkeit zu diskreditieren, und den Antisemitismus zu stärken geeignet ist, bedeutet den ersten ernsthaften Kampf gegen den Zionismus, sie wird aber die Zionisten nicht abhalten, genau so weiter zu arbeiten wie bisher. Die gehaltreichen Ausführungen des Vortragenden fanden bei der Versammlung stürmischen Beifall. An den Vortrag knüpfte sich eine kurze Diskussion, in der die Herren Bornstein und Tachauer gegen das Vorgehen des Centtalvereins Stellung nahmen und besonders darauf hinwiesen, daß die Juden der ganzen Welt sich stets in der Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten ausgezeichnet haben. Es wurde dann mit überwältigeilder Majorität eine Resolution angenommen, die ihre Entrüstung darüber ausspricht, „daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens durch seine Resolution seinen bisherigen Standpunkt der Unparteilichkeit verlassen hat. Er hat sich hiermit des Rechtes begeben, sich ferner als die Vertretung der deutschen Juden aller Richtungen zu bezeichnen. Die Versammlung bedauert aufs tiefste, daß von jüdischer Seite die Loyalität der national-jüdisch gesinnten

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