Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 18 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18. Das Gebühren des Centrlalvereins sei emü Anmaßung. Er, der einen kleinen Ausschnitt aus den jüdischen Fragen eines kleinen Teiles der Inden auf sein Programm gesetzt hat, wagte es, zu Gericht zn sitzen über die Organisation, die sich mit der Lösung der gesamten Judenfrage befaßt. Das Verhalten des Centralvereins und seine Kainpfweise seien vollständig den Antisemiten entliehen. Der Centralverein sei nicht Mehr fähig, auch nur die Spezialaufgabe der Erringung der Gleichberechtigung der Juden in Deutschland in Angriff zu nehmen. Deshalb Muß ein neuer Verein gegründet Werden, der diese Aufgabe! übernimmt. Die Zionisten müssen deshalb jetzt mit verdoppelter Energie arbeiten, um beide, .Aufgaben lösen zju können. Nachdem der Redner unter reichem Beifall geschlossen hatte, sprachen in der Diskussion Dr. Moses-Mannheim, Parteisekretär Blumenfeld und Julius Simon-Heidelberg. Besonders der letztere erregte einen wahren Beifallssturm, als er im einzelnen nachwies, daß der Zionismus seine Anhänger zu besseren, weitblickenderen, selbstloseren Staatsbürgern gemacht habe, indem er ihnen das Verständnis auch für andere als die manchesterlich-liberalen Weltanschauungen brachte, indem er sie aus Menschen des entnervenden Luxus und des trägen Sichgehenlassens zu opferfreudigen, körperlich gesunden und ideal gesinnten Menschen erziehe. Der Delegiertentag schloß mit der einstimmigem Annahme der folgenden Resolution: „Die am 1. Mai ds. Js. in Berlin versammelten Vertrauensmänner der Zionistischen Bereinigung für Deutschland weisen in Uebereinstimmung mit den Erklärungen ihres Zentralkomitees den Versuch des Centralvereins, sich zuni Richter über die Anschauungen der deutschen Zionisten auszuwerfen, als ungebührliche Anmahung zurück. . „ ' Den Vorwurf mangelnder Vaterlandsliebe haben Antisemiten von jeher gegen das Judentum in seiner Gesamtheit erhoben. Nunmehr hat der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Wasse dieser Denunziation gegen seine eigenen Stammes- und Glaubensgenossen gerichtet. Nur Parteihaß konnte pazu verleiten, mit dem vieldeutigen Wort „Nationalismus" gefährlichen Mißbrauch zu treibe» und auf Grund willkürlicher Begrifssdefinition Judentum und Deutschtum gegen einander ausznspielen. Die nationaljüdische Gesinnung ist das Bewußtsein der Zugehörigkeit znm jüdischen Volke und der Wille, für seine Erhaltung und Entwicklung in der Zukunft durch Schasfung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina zu wirken. Diese Gesinnung steht mit den Interessen keines Staates -und keines Volkes in Widerspruch und kann die deutschen Zionisten niemals hindern, gemäß ihrer historisch gegebenen Stellung am politischen und kulturellen Leben Deutschlands tätigen Antcil zu nehmen. Die deutschen Zionisten haben bisher im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Vertretung der staatsbürgerlichen Interessen der deutschen Inden erblickt und ihm deshalb ihre Mitarbeit nicht entzogen, obtvohl der Centralverein oft genug seiner Aufgabe nicht gerecht wurde. Nach der unerhörten Stellungnahme des Centralvereins gegen den zionistischen Teil der deutschen Inden erklären die deutschen Zionisten den Centralverein als unsähig, und nicht mehr legitimiert, in Zukunft die Gesamtheit der deutschen Judenheit zu vertreten. Die Vertrancnsmänner der Zionistische» Bereinigung sür Deutschland fordern daher die deutschen Zionisten znm Austritt aus dem Centralverein ans. Sie halten es sür dringend erforderlich, daß ein Verein gegründet wird, der unter st r i k - ter Wahrung der Neutralität in allen tune r j ü d i s ch e n Fragen sür die Re ch t e aller deutschen I u d e n e i n t r i t t." j Dr. Rosenkranz gab für den Bund Jüdischer Corporationen folgende Erklärung ab: „Der Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat auf seiner Tagung, auf der gegen den Zionismus Stellung genommen wurde, gegen die Bereine Iüdischer Studenten den Vorwurf erhoben, sic seien Vorkämpfer vom Centralverein mißbilligter Anschauungen in der jüdischen Akademikerschaft Deutschlands. Der B. I. Crechnet sich diesen Vorwurf zur Ehre an. Der B. I. Csieht seine Ausgabe jn der Verbreitung historischen Stolzes und starken Zukunftswillens unter der jüdischen Studentenschaft Deutschlands. Ohne die Berechtigung und Verpflichtung des deutschen Inden zu Wave.hr- und Gleichberechtigungsbestrebuiigeu zu verkeimen, kann er in deren Betätigung kein vollwertiges jüdisches Jdeql erblicken. Diese negativ gerichtete jüdische Energie droht aber dein größten Teil der überhaupt jüdisch zu interessierenden deutschen Juden sogar einziges jüdisches Ideal zn werden, wenn ein so großer Verband, >vie der Centralverein, ausschließlich diesen Bestrebungen dienend, deren — selbstverständliche — Notwendigkeit dauernd verkündet, um unter den zumeist Völlig indifferenten Juden Anhänger zu werben. Des¬ Frankfurter JsraeMßches FamMnblatt. halb hat der B. I. Cden in positiv jüdischem Sinne geringen Wert des Centralvereins schon lange erkannt und den ihm angehörenden .'Vereinen Jüdischer Studenteil die korporative Zugehörigkeit zu diesem vor geraumer Zeit verboten. Durch seine Resolution gegen das Nationaljudentum hat der Centralverein die Neutralitä t in in »cr jüdischen Fragen, die trotz aller gegenteiligen Behauptungen in seinen Lebensäußerungen schon seit vielen Jahren nicht erkennbar war, offen gebrochen. Er hat damit zwischen sich und ' den positiv jüdischen Bestrebungen, die der einfache ungekünstelte Sprachgebrauch als nationaljüdisch bezeichnet, eine Scheidewand errichtet, weil er in ihnen mit Recht eine Beeinträchtigung seiner matten Ideale sieht. Der B. I- C-, stolz darauf, vom Centralverein als ein Hauptträger der Idee eines größeren Judcntumes angesehen zu werden, wird sich weder durch die osfene Feindschaft des Centralvereins, . dem kein B. I. C.'er mehr angehöreu darf, noch auch 'durch den schmählichen Vorwurf unpatriotischer Gesinnung, auf den ausführlich zu antworteil er für unter seiner Würde hält, in seiner Arbeit für das jüdische Volk beirren lassen." Rechtsanwalt Licht he im gab für das Kartell Zionistischer Verbind» ngen folgende Erklärung ab: " „Das „Kartell Zionistischer Bcrbindinigen" spricht seine schärfste Entrüstung über die Resolution des Centralvereins gegen den Zionismus ans, da diese Resolution sachlich völlig ungerechtfertigt ist. Das „Kartell Zionistischer Verbindungen" ist aber auch der Ansicht, daß die Tätigkeit des Ceirtralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens nicht zweckentsprechend, ja sogar schädlich ist, da der Centralverein die staatsbürgerlichen Interessen der Deutschen Juden in einer Weise vertritt, die vom jüdischen Standpunkt nicht gebilligt werden kann. Aehnlich wie der Centralverein sind die sogenannten K. C. - Verbindungen bestrebt, innerhalb der Studentenschaft in einer Weise 31t wirken, die wir als Juden und Deutsche Staatsbürger nicht billigen können. Der Centralverein wie der K. C. suchen die Gleichberechtigung der Juden durch Ableugnung der Judenfrage und durch Zurückdrängen aller berechtigten jüdischen Ansprüche zn verwirkliche». Auf diese Weise wird den wahren Interessen der Juden nicht gedient, denn die Oessentlichkeit wird über das Judentum salsch informiert und gleichzeitig werden die Lebensinteressen des Jüdischen Volkes geopfert. Aus diesem Grunde erklärt das Kartell Zionistischer Verbindungen die Bekämpfung des Centralvereins und der K. C.-Verbindnngen als notwendig und begrüßt den Versuch, durch Neubildung eine» Vereins den staatsbürgerlichen Interesscn der deutschen Juden zn dienen." Rechtsanwalt S. Hirsch gab für den D e n tschen Kreis der Jüdischen Turnerschaft folgende Erklärung ab: „Der Centralverein Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens hat in seiner letzte» Hauptversammlung scharfe Angriffe gegen die zur Indischen Turnerschäft gehörenden Turnvereine erhoben. Die im Deutschen Kreis der Jüdischen Turnerschaft vereinigten Turnvereine geben auf diese Angrisse folgende Erklärung ab: Die jüdische» Turnvereine bekennen sich zu einem nationalen Judentum; Nätional-Judentum ist nach unserem Progranim der Wille zur Erhaltung des jüdischen Volkes ans Grund des durch 'Mstammung und Geschichte bedingten Geineinschastsbewußtseins aller Juden. Wir glauben nicht, daß wir durch dieses »nser Programm den Kampf des Centralvereins um die Gleichberechtigung der Juden irgendwie 'gestört haben. Die Schärfe der vom Centralverein gerade gegen uns Turner erhobenen Angrisfe ist nur zu erklären durch unsere Erfolge. Der Centralverein hat es mitansehen müssen, wie die jüdische Jugend in hellen Haufen in unsere Vereine geströmt ist, während er selbst nicht im Stande war, der jüdischen Jugend ein Ideal zn bieten, das die Kraft gehabt hätte, sie gegenüber den judentumszerstörenden Tendenzen unserer Zeit an das Judentum zn fesseln. Das an tin a ti o nale Judentum versucht jetzt ebenfalls, durch Gründung von Turnvereinen die Jugend zu gewinnen; aber man wird sich davon überzeugen müssen, daß eine Turnbewegung nie und nimmer auf der Grundlage des Kampfes gegen den Antisemitismus öder der Neutralität ins Leben gerufen werden kann, sondern daß eine Turnbewegung immer national sein muß; national ist die von Jahn begründete deutsche Turnbewegung, und auch eine jüdische Turnbewegung ist nur als nationale Bewegung d e n k b a r." städf. Restaurant und Safe Inh.: Anton Pfeiffer 9 Friedbergar Ldstr. 420. Tel, 418’ I empfiehlt seine prachtvollen, schattigen Gärten, Terrasse, Saal, sowie diverse separate Gesellschaftszimmer. - - Fflr Sommerfeste vorzüglich geeignet. ■ Pesach in Konstantinopel. Wie erwartet, haben die Kriegsflüchtlinge die Pesachfeiertage innerhalb der Mauern Konstantinopels zugebracht. Ihre Anzahl hat sich sogar gegen ftüher wiederum ganz bedeutend vergrößert. Neue 500 Zugewanderte haben sie aus nicht weniger als 3545 «eelen erhöht. Für die Pesachwoche haben diese die doppelte Unterstützungsrate empfangen im Betrage von 20 000 Fr., ungerechnet die Mazzoth, von 6tfe 3 denen die Kommission aus den privat bei ihr cingelanfencn Geldern 7260;Ota — 9000 kg angekauft hat. Abgesehen von diesen Kriegssliichtlingcn hat die Hilfskommission über das Fest auch die in Gallipoli befindlichen Flüchtlinge zn versorge» gehabt, die 488 Seelen zählen. Die dortige Gemeinde hat, auf Verlangen der Zentralhilfskommijsion, ein Lokalkomitee gebildet, das unter Leitung des Direktors der dortigen Gemeindeschule snngiert. Eine ganze Anzahl von Soldaten hatte zn den Feiertagen Urlaub erhalten und sind entweder duxch Bemühungen des Großrabbinats bei jüdischen Familien untergebracht oder ans seine Kosten verpflegt worden. Fünf jüdisch: Gefangene ans Bulgarien, die in Jsmidt kaserniert sind, erhielten durch die Fürsorge der Zentralhilsskommisjion für die Feiertage besondere Erleichterungen und alles Notwendige. Jn den verschiedenen Stadtteilen wurden durch einheimische wohltätige Bemühungen, die durch Sendungen vom Auslande unterstützt wurden, Hunderte von' armen jüdischen Kindern, in erster Reihe die Kinder der Kriegsflüchtlinge, eingekleidet. Schneiderei Crossmann Kalaanrntnamma tOa, Entrosot. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Eogllscho Jackan-Kiaidar* Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wonach zuverl. koschere Verarbeitung. JUia aller Well. Deutsches Reich. Berlin. Das deutsche Bureau der Alliance Jsraelite Universelle veröffentlicht eine Erklärung gegen die Israel. Union, jene von Gegnern der Alliance in ihrer gegenwärtigen Gestaltung gegründete, bis jetzt noch kleine Organisation. Die Alliance beschuldigt die Union einer nicht einwandfteien Konkurrenz bei der Werbung von Mitgliedern. vefterreich-wts«». Wie«. Dem Jahresbericht für 1912 des Galiz. Hilfsverein entnehmen wir folgendes: An 25 Orten ist die Erzeugung von. Häkelfpitzen emgefnhrt; es konnten 157680 Kr. art Mttolöhnen ausgezahlt werden. Jn 9 Orten wird die Spitzenklöppelei und in 7 die Weißstickerei betrieben; hier wurden 18740 Kr. ausgezahlt. Jn diesen Summen jedoch erschöpft sich nicht die Wirkung der Tätigkeit des Hilssvereines, da sie bloß jene Beträge enthalten, die an die Arbeiterinnen von den ihm bekannten Abnehmern für solche Waren ausbezahlt iourden, die unter Aufsicht seiner Organe hergestellt wurden; was aber dieselben oder auch andere, durch den Hilfsverein ausgebildete Arbeitskräfte sür Privatpersonen und Geschäftsleute arbeiten und wieviel sie dabei verdienen; was ferner in der gegenwärtig nicht mehr unter seiner Aussicht stehenden Haarnetzerei an Löhnen ausbezahlt wird; was für ein Einkommen weiters jene galizischen Juden, die in der Haarnetzerei oder in der Spitzenklöppelei als selbständige Unternehmer oder Faktoren tätig sind, erzielen; was in der Kleiderkonfektion, die sich in Tarnow günstig entwickelt, an Gehältern und Löhnen mehr als ftüher ausbezahlt wird und um wieviel höher sich nunmehr die Gewinnste der in dieser Industrie tätige» Unternehmer belaufen; was sodann jene Hand-' Werker, die der Hilfsverein in Genossenschaften vereinigt hat, mesw als vorher verdienen; wie hoch der Lohn, bezw. Las Einkommen der von ihm der Haudio erkslehre Angeführten und derzeit bereits fteigesprochenen bezw. schon als Meister tätigen jungen Leute sich stellt nsw.: das alles läßt sich nicht angeben. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß die Summen, um die sich das Einkommen der jüdischen Bevölkerung in Galizien durch seine. Tätigkeit vergrößert hat. zugleich den meist jüdischen, galizischen Geschäftsleuten zugute kommen, die mit Nahrungsmitteln und den sonstigen Artikeln des täglichen Gebrauches Handel treiben. Aber auch dann, wenn die Summen der Löhne und der sonstigen Berdienstbeträge sich bis auf den letzten Hefler genau angeben ließen, wäre damit die Wirkung der segensreichen Tätigkeit des Hilssvereins noch nicht im vollen Umfange dargestellt. Die Zuführung der Mädchen zur Arbeit ist das beste Mittel, die Prostitution einzudämmen und dem Mädchenhandel zum größten Teile die Möglichkeit seiner Existenz zu entziehen. Die Arbeiten, denen die Mädchen zugeführt werden, erfordern in der Regel größere oder sogar höchste Reinlichkeit und erziehen infolgedessen die Arbeiterinnen nach dieser Richtung auf das beste; der gesicherte Berdienst schafft ihnen auch Gelegenheit zur besseren Pflege des Körpers und erweckt zn gleicher Zeit nicht selten den Trieb, sich auch geistig fortzubilden. Auf diese Weise wird die wirtschaftliche Tätigkeit des Hilfsvereines zu einer kulturellen im weitesten Sinne des Wortes. Uebrigens wurde sie im Berichtsjahre auch von maßgebendster Seite dadurch anerkannt, daß ihm das Ministerium für öffentliche Arbeiten eine Subvention bis zn 2500 Kr. zugesagt hat. Budapest. Hier konstituierte sich unter lebhafter Beteiligung der führenden Kreise der Gemeinde eine Ortsgruppe der „Jto" (Jewish Territorial Organisation). Rabbiner Dr. Elias Adler wies darauf hin, daß die „Jto" in Ungarn mehr als 4000 Mitglieder zähle. Dr. M- Mezey, der Präsident der neölogen Landeskanzlei, wurde zum Vorsitzenden