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Neue jüdische Presse · 1913-05-02 · Heft 17 (2.5.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 17 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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€>eüt .4. Brüssel verstorbene» A. Samson Zuwendungen von 2 Millionen bezw. 40 000 JL erhalte». Die Summe soll; bestimmungsgemäß in der Hauptsache für Untersuchungen darüber angewendct werden, wie Ethik, Vorgeschichte, Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Geologie und Meteorologie die Lebensweise, den Charakter und Moral Des Menschen beeinflußt haben. Setfitu Geh. Kommerzienrat Wilhelm Herz ist ans Anlaß seines SO. Geburtstages zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt worden. Handelsminister Dr. Sydow überreichte die Ernennungsurkunde dem Jubklare persönlich. Die Ernennung hatte der Kaiser aber Herz schon vorher selbst durch folgendes Telegramm mitgeteilt: „Empfangen Sie zur heutigen Vollendung Ihres 90. Lebensjahres meinen herzlichsten Glückwunsch. Eingedenk Ihrem außerordentlichen Verdienste um den für die gedeihliche Entwicklung des Vaterlandes so bedeutungsvollen Handelsstand und Ihres hervorragenden Wirkens für die Interessen des Reiches und des Staates, ist es mir eine besondere Freude gewesen. Ihnen als erneutes Zeichen meiner Anerkennung und Dankbarkeit am heutigen Tage den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz zu verleih«,. Gott, der Herr, schenke Euer Exzellenz »och einen glücklichen Lebens Miend. Wilhelm l. R." Berlin. Chaim Kaban aus Warschau spendete den Betrag von Fr. 10000 für 10 Jemenitenhäuser und F r. 1000 als Beitrag zum Erwerb von Boden in der Umgebung einer historischen Stätte in Palästina. Herr Kahan ließ außerdem seine Gemahlin in das Goldene Wich des Nationalfonds eintragen. Bern«. Moritz Bie und Frau, die Eltern des bekannten Kunst- und Musik-Schriftstellers Prof. Dr. Oskar Bie, feierten die goldene Hochzeit. — Geh7" Kommerzienrat Wilhelm Herz, Präsident der Handelskammer, beging den 90. Geburtstag. ftSItt. Zur Inthronisation des neuen Erzbischols Dr. Felix von Hartmann waren auch Robb. Dr. Frank und Rabb. Dr. Rosenthal geladen. lpose«. Bankier Georg Loewy in Rawitsch, Mitglied der Handelskammer und bekannter Vorkämpfer der Orthodoxie, hat sich mit Frl Wreschner aus Samt er verlobt. In Siemianowitz wurde der frühere dortige AmOvorsteher Simon Wachsmann zum Ehrenbürger ernannt. Stuttgart. Albert Richnowsky feierte am 23. April sestien 95. G e b u r t s t a g. Heppenheim a. d. B- Abraham Sundheimer kann nächster Tage in körperlicher und geistiger Frische seinen 100. Geburtstag feiern. Montreal. Rach der ^letzten Volkszählung <1911) wohnten in Kanada 74564 Juden unter einer Bevölkerung von 7207000 Seelen, 58163 Juden mehr als im Jahre 1901. vnknrest. In der letzten Zeit haben Lu ch das Parlament eine größere Anzahl Juden das Bürgerrecht bekommen, das ist wahrscheinlich den auswärtigen Ereignissen zu verdanken. Sofia. Unter den türkischen Kriegsgefangenen, die hierher gebracht wurden, befinden sich 18 jüdische Offiziere, darunter NoL Essendi, der Adjutant des türkischen Thronfolgers. Warschau. Im 95. Lebensjahre verschied der erste Sekretär der Judengemeindc Jakob Roth wand. Er war erst Lehrer und wurde dann Sekretär des damaligen Kultuskomitees. Seinen Bemühungen war es zu Lanken, Laß dieses Kultuskomitee zu einer Kultusgemeinde auf breiter Grundlage mit ziemlich weitgehender Autonomie ausgebaut wurde. Nach den Ereignissen des Jahres 1863 wurde er nach Sibiri«, verbannt, nach zweijähriger Verbannung wurde ihm die Rückkehr gestattet, wo er abernials die Stelle eines Sekretärs bei der Äultusgemeinde erhielt. Diese Stelle bekleidete er bis zum Jahre 1884, zu welcher Zeit er in den Ruhestand trat. Rothwand war einer der Schöpfer der ersten jüdischen Zeitung in polnischer Sprache „Jutrzenko". Er ist der Verfasser des wertvollen Buches über die jüdischen Namen in Polen und hat zusammen Mit Liebkind die Geschichte der Juden in polnischer Sprache herausgegeben. Bon ihm wurden auch viele hebräische Gebete in die polnische Sprache übersetzt. A«S der Lehrerwett. Hauuover. Israel. Erziehungsanstalt Ahlem. Unter den 35 Zöglingen, die jetzt zur Entlassung kamen, befinden sich 18, die der Lchrlings.abtcilung des Knabenhauses' angehörten und zwar: 16 Gärtner, 1 Schuhmacher und 1 Bäcker. 13 hiervon finden Stellung In den best«, Gärtnereien Deuttchlands, 2 in der Schweiz, 1 in Amerika, 1 in der Kolonie Philippsohn (Jewisch Colonization Association), 1 bei der Siedelungsgenossenschaft zu Haifa. Ans der Schule kamen 5 Knaben, zur Entlassung, von denen 2 in den Lehrbetrieb der Anstalt übergingen; 1 wird Elektrotechniker, 1 Sattler nndl Tapezierer und Dekorateur. Aus dem Mädchenhause kamen 12 ausgebildete Haushaltungszög linge zur Entlassung. Davon nahmen 9 Stellung in guten Haushaltungen an, 2 gingen als Stützen in den elterlichen Haushalt und 1 wird sich als Kindergärtnerin betätigen. Jassh IRumänien«. Dr. Meter Thenen, Rabbiner und Prediger der hiesigen jüd. Gemeinde, wurde dieser Tage vom Kommandanten der hiesigen Garnison, General , Lambriuo, als Prediger für die jüdische» Soldaten der Garnison akzeptiert. Frankfurter Jsraetztisches FamiUenblatt. Nr. 17 Offenbaeher Druckluft - Anlage Offanbach a. Wl. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapplchrslnlgang, 100,000 gm jährlich sowie nnfibertroffene Bettennnd Bettfedernrelnigang mittelst Druckluft and Wasserdampf. Das „Scheker - Bilbul". Von C. Berg. <12. Fortsetzung). „Wie?" fragte der Bürgermeister, der seinen Ohren nicht traute. „Der Zettel gehört dem Mann dort, sage ich," fuhr der Apotheker in großer Aufregung fort, „kein anderer wie Perez kann ihn verloren haben," „Perez! Hierher, Perez! Holt ihn zurück!" schrie der Bürgermeister aus Leibeskräften, „auf der Stelle!" Perez war schnell eingeholt. Zwanzig Fäuste packten ihn, stießen ihn, schoben ihn vorwärts, blau und braun geschlagen, schleppten sie ihn herbei. „Gehört das Dir?" donnerte der Bürgermeister und hielt ihm mit imposanter Geberde den Zettel entgegen. Perez sah ihn verständnislos an. „Warum soll das mein sein?" fragte er kleinlaut. „Leugne nicht!" rief der Bürgermeister drohend, hier der Herr Apotheker bezeugt es soeben, daß dies Rezept Dir angefertigt worden ist." Perez fuhr bestürzt nach seiner Tasche. „Das Rezept! Kann sein, ich habe das Rezept verloren." „So!" lächelte der Bürgermeister triumphierend, „und wo hast Du es verloren?" „Was weiß ich?" „Lüge nicht!" rief der Bürgermeister emphatisch und wuchs immer großartiger in den Augen des Volkes zu der Würde eines höheren Richters empor, — „leugne nicht, schlechter Mensch, Du bist durchschaut! Am Kiwitzabache hat man dieses verräterische Papier gefunden, dicht daneben, wo Julek ermordet läge, ermordet!" Er betonte das R besonders scharf und weidete sich an dem Zittern des armen Schelmen. Plötzlich kam dem höheren Richter eine Idee, scharfsinnig, kühn, wie sie keinem Alkalden in der großen, spanischen Tragödie dramatischer hätte beifallen können: „Zeigt ihnr den Leichnam," rief er gebieterisch, begeistert von der Erhabenheit seiner eigenen Worte. Während Tilmann das Tuch von der Bahre hob, spiegelte sich ringsum auf hundert und mehr Mienen die nämliche Rätselfrage ab: „Was wird Perez jetzt für ein Gesicht machen?" Der gute, leichtgläubige Pöbel und sein höherer. Richter nicht zuletzt, erwartete, ja hoffte heimlich, Jnkulpat werde jetzt, von Erschütterung und Entsetzen überwältigt, in die Knie sinken und irgend ein Geständnis oblegen, — was zu gestehen sei, darüber war sich keiner recht klar, aber man verlangte nach irgend etwas Ergreifendem. Der einfältige Wasserttäger hatte durchaus kein Geschick für das Dramatische. Er stand und sah den Toten an. Da lag der Julek ausgestreckt, vor Tagen noch so hübsch und lustig und stark, — er hatte einmal Pxrez samt seinen Kannen hoch in die Höhe gehoben und in der Luft zappeln lassen, — und heute, der Kraftstrotzende, junge Mann tot! tot! Die Tränen rollten Perez in den Bart — mit unsicheren Fingern tastete er nach dem Käppchen, welches er immer in seiner Tasche trug, — sie hätten ihm den Hut abgeschlagen —, er setzte das Käppchen schnell auf und stammelte: „Gelobt seist Du, mein Gott, der Du die Toten belebest!" Es ständen auch zwei jüdische Händler unter den Gaffern. Eigentlich hätten sie Perez zu Hilfe kommen wollen, sie waren nur ein bischen zu furchtsanr dazu gelvesen. Jetzt brummte der eine halblaut: „Was macht sich da der Bürgermeister für ein Machschen mit dem armen Menschen, dem Perez? Was hat Perez zu tun mit Juleks Tod? Wofür darf er den schwachen, elenden Mann da hinstellen wie vor die Geschworenen?" Wer andere gab chm einen Rippenstoß. „Halt's Peh! Was hast Du Dich rauszustellen? Sichst Du, daß hier irgend'ein anderer Jude steht und etlvas sagt? Willst Du aufs Gericht gehen, Zeuge sein, ja? .Komm nur dä weg!" Der crstere Ivollte nicht recht, aber der andere zerrte ihn mit fort: „Kvnim, komm! Worauf geht das aus? Auf ein Scheker- Bilbul. sage ich Dir!" „Gott behüte vor breiten Treppen!"*) Der andere hätte richtig beobachtet.-Die Mehrza! seiner Glaubensgenossen hätte sich gleich bei Begii, des Auflaufes mehr ahnungsvoll als tapfer in ■ ih, Häuser und Läden zurückgezogen. Unruhig sah Per nach einem Fürsprecher umher. Da kam der Doktor Thorner quer über den Mark neben ihm Philipp Hirschthal, der neue Referendar. „Herr Doktor," schrie, Perez aus vollem Hali „lieber Herr .Doktor, kommen Sie nutT dä her!" Thorner erblickte den Bürgermeister, den Gendä men, Perez ängstlich schreiend inmitten eines Haufe Volkes, er witterte Unheil, trat schnell zu der Grupf uttb' bedeutete den Referendar, gleichfalls heran;! kommen. „Was ist hier los?" „Ah, meine Herren," rief der Bürgermeister, stral lend vor Wichtigkeit, „ich bin soeben dem Urhebl des Verbrechens sehr energisch aus der Spur." „Ei, Potztausend!" Der Doktor wäre beinahe tu mit herausgeplatzt, wieviel er von den kriminalistische Fähigkeiten des Bürgermeisters hielt. „Sie?" „Jawohl, meine Herren, ein Moment von em nenter Wichtigkeit habe ich entdeckt. Diese Rezepthälst welche die Herren Doktoren nicht zu entziffern vei nwchten, hat der Mensch da am Tatort, am Kii bache, verloren." „Was weiß einer, wo er "was verliert," rief,Pcre dem die Gegenwart seines alten Beschützers wird Kuräge cinflößte. „Lüge nicht!" schrie der Bürgermeister, „Du ha es bereits gestanden." „Gestanden," jammerte Perez, „ausgestanden hä ich, Herr Doftor; so soll ich gesund sein, wie ich hi Zores ausstehe!" Thorner winkte ihm mit den Augen Ruhe;> der Bürgermeister fuhr erregt fort: „Gleichfalls h dieses Mädchen, die Franja Luschek, ausgesagt, sie Hai gesehen, daß in der Nacht von Sonnabend zu Sonnti dieser Perez mit Julek einen Stteit gehabt habe. - Komm mal her, Franja, und wiederhole Deine Ausage vor diesen Herren!" Franja hatte beim Herannahen des ihr unbekani ten, eleganten, jungen Herrn vor Ueberraschung j weinen aufgehört, dann in einem unbewachten Augv blick schnell ihr Haar aufgebunden, ihr Kleid glatt strichen und die zerrissene Stelle mit einer Nadel ve steckt, jetzt trat sie dreist heran: „Jawohl, Herr Bürgermeister, ich habe es gm genau gesehen: 'Der Julek stand vor unserem Hau da kam Perez, schimpfte ihn und schlug auf ihn Io mit der Faust »ach seinem Rücken, dä lief der Jul nach dem Wäldchen zu und Perez ihm nach, ich hä es klar und deutlich gesehen." „Du hast gesehen, wie Julek vor dem Perez d vongelaufen ist?" ftagte Thorner. Franja sah ihren früheren Dienstherrn nicht an, kehrte sich gegen den Bürgermeister und sprach w lauter als vorher: „Ich habe cs genau gesehen, ich kann cs beschwöre» Gemurmel beistimmenden Unwillens erhob sich, m akklamierte Franja, entrüstete sich über Perez. Al aber übcrschrie der Doktor, wütend' über das klcii freche Ding: „Schämst Du Dich nicht, uns so alb: anzulügen. Du erzdumme Gans?! Der stämmige Zu! soll vor dem elenden Menschen hier dävongelauf sein? Herr Bürgermeister, glauben Sie doch dich Frauenzimmer kein Wort, sie lügt, wenn sie das M« nur öffnet." „Ich bin kein Frauenzimmer," schrie Franja eck „In der Tat," stamMelte der Bürgermeißl schwankend zwischen seinem drängenden Amtseifer n dem Respekt vor dem alten, erfahrenen Arzt, ,) weiß wirklich nicht, Herr Doktor, was Sie berechhj dieses Mißtrauen gegen eine völlig einwandsf» Zeugin . . ." „Einwandsfreie Zeugin!" brauste d'er Doktor eu „ein dukch und durch verlogenes, schamloses Geschüs „Das müßte Loch erst zu beweisen sein," eiferte d Bürgermeister, „einstweilen erscheint es mir doch Interesse der Sache dringend geboten, den sühn gl vierend verdächtigen Patron verhaften zu lassen." Verhaften! *) Die Treppen des Gerichtsgcbäudes. Arrangements kür Festlichkeiten geschmackvollst und billigst. Krankfurter Kunstblumenu. Kranzfabrib Wolschendorff & Meissner Tön ge'sg&BSC 5tai lief) jcfjei Ans sein stell in i tton Bm int eilt fest, halt Her Iw die Frc die sur jnn te ode ner Ta die kur ber sch« UN! zu sch' sch' zw od< enl bis feil wii stet Lei de: dei 14 Kc ur 6/ da da sch da in ch Wd in rn dk bi g> m ÜI u tu T sc v fi

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