Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 17 (2.5.1913)
- Date
- 1913-05-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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€e4t 2. Ausivrisirng d er L n gIKckl i ch e n jü8i> schen Studenten greifen zu müssen. DeutschllNld hat außer dem ihm angeboreinen Antisemitismus keine andere Entschuldigmrg! Die Hochburg der deutschen Kultur, die! Universität, nimmt in einer rein kulturellen Sache den Schimpf dür Unkultur, ja der aus einer puren Laune herrührenden Barbarei auf sich! . Wir sagen: „aus purer Laune", denn wahrlich, nicht nur bringt die Grenzsperre der Universitäten keinen Nutzen, sondÄn Schaden, großen Schaden! Der gute Ruf der deutschen Kultur erleidet eine starke Einbuße. Und überdies erregt es den Zorn der freiheitlichen Elemente Rußlands aufs höchste! Schon vernimmt man den Ruf der russischen Intelligenz! nach BoyLtt der deutschen Badeplatze sowie der deutschen «Waren. Und doch nwß cs hier gesagt iverdeu, daß einen gut Teil Schuld an dieser Barbarei die deutsche Judenheit selbst trägt! Die Mische! Verbindung K. Z. B. war es, die sich auf Seiten der streikenden Studenten gestellt hat, und' zN innseölft Beschämung brachte sie es fertig, trotz vielfacher Ermahnungen seitens der jüdischen nationalen Studentenschaft die antisemitischen Fvrdsrungen zu unterstützen. : . Uns scheint es als sicher, daß, wenn die Mischen Studenten geschlossen zu ihren ausländischen Brüdern gehalten hatten, es nicht zum Ausschluß der jüdischen Studenten Rußlands gekommen wäre. Und! noch jetzt sogar könnte zu Gunsten der Ausländer gar manches geschehen; noch hat Preußen seine Tore vor den Ausländern nicht geschlossen, un8 eine männliche Aktion seitens der Judenheit könnte das Verhängnis abrvenden. Wir sagen: Verhängnis, 'denn abgesehen von dem großen Schaden, der den ob ihrer Ueberzeugung ausgestoßenen und verfolgten jüdischen Studenten durch die drakonische Maßregel der Universitäten zugefügt wird, werden die Juden, inklusive ine deutschen Juden, in ihrer Ehre getroffen. Jede Zurücksetzung, die den Juden als Juden — ganz gleich wo, — zuteil wird, trifft die gesamte Judenheit! W^nn jüdische Studenten schlechter als drei christlichen Studenten Rußlands behandelt werden, so wird dadurch die Ehre der deutschen Judenheit angetastet und sie wird dadurch in ihren Rechten geschmälert! Bedürfen diese Ausführungen des Beweises? Keineswegs! Lebeinde Glieder eines gesnn--. 'den Organismus, eines gesunden Volkes empfinden es von selbst, — und die abgestorbenen? Ja, für die abgestorbenen nützen Beweise überhaupt nichts! Ce«tralverein ««d Zionismus. Eine national-jüdische Woche in Hambnrg. Die verflossene Woche stand im Zeichen der Stellungnahme zur Resolution des Centrälvereins. Am Montag fand ein Diskussiynsabend im I n d. Turnverein ,Sar Kochba" statt, der sich mit diesem Gegenstand befaßte. Am nächsten Mge vereinigte die Zion. Ortsgruppe ihre Mitglieder zu einer Aussprache über aktuelle Fragen, die Dr. Unna mit einem Referate über das Thema: „Der Zionismus im Kampfs einleitete. Ferner gab der Vorsitzende, Leopold Landau, bekannt, . daß das Israelit. Familienblatt dem Vorstand der Ortsgmippe mitgeteilt habe, es halte sich nicht an die zwischen seinem früheren Redakteur Eduard Levinson und der Ortsgruppe getroffenen Vereinbarung gebunden und verweigere Anzeigen und Bersammluugsberichten der Ortsgruppe nach wie vor die Aufnahme. Bon einer besonderen Resolution mit Bezug auf das Verhalten des Centrawcreins wurde Abstand.genommen, nachdem Dr. Unna erklärt hatte, daß es auch ohne Resolution für einen jeden Zionisten eine Selbstverständlichkeit fei, aus dem Zentrawerctn auszutreten. Am gleichen Abend fand eine Mitgliederversammlung des Jüd. Jugendbundes Hamburg statt, in der 4ie- Wahlen zum Frankfurter Delegiertentag des Verbandes der jnd. Fugendvereine vorgenommen werden. Gewählt wurden Rechtsanw. G o t t - schalck, Leser, Silberberg und Frl. Grete Lipstadt. Die Beratung über eine von Dr. Kalmus eingeb rächte Resolution, die der Erwartung Ansdruck giebt, baß der Vertreter des Centralvereins, nachdem der Centralverein den Boden der Neutralität verlassen habe, seinen Sitz im Verbandsvorstaildc niedcrlege, wurde vertagt. Sämt- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. liche anwesende Delegierten erklärten, für die Forderung dieser Resolution im Interesse der ferneren Neutralität des. Verbandes eiiizutrcten. Am Donnerstag fand eine große öffentliche Protestversam mlung statt, zu der die sieben jüdisch-nationalen Organisationen Hambnrgs (der Bezirksvcrband Hamburg des B. I. C., die Hamburger Altherrenvereinigüng des K. Z.-B., der Herzl- Club Hamburg, der Jüdische Turnverein Bar Kochba, die Misrachi-Gruppc, die Zionistische Fraucnvcreinigung und die Zionistische Ortsgruppe) eingeladen hatten. Der große Saal des Logenhauses war bis aus den letzten Platz gefüllt. Den Vorsitz führte Dr. E r n st T u ch. Das Referat hatte Dr. Max Besser übernommen. * Nach dem mit stürmischen Beifall ausgenommenen Referat sprach als erster Diskussionsredner Dr. Martin Auerbach. Er führte aus, daß der Bar Kochba, obgleich nicht zionistisch, sich als national-jüdischer Verein schwer durch die Centralvereins-Rcsolntion getroffen fühle und deshalb Schulter an Schulter mit den Zionisten gegen die in der Resolution und im Laufe der Ccntralvercins- Generalversammlung zum Ausdruck gebrachte» Angriffe Front mache. Vom Centralverein waren, trotzdem der Vorstand offiziell geladen war, offizielle Vertreter nicht erschienen. Den Standpunkt des Centrälvereins vertraten H e i n z e n, Wolffsberg und Isaacsen. Bon Zionisten sprachen sprachen Dr. Halpcrn, Dr. Unna und Dr. Kalmus. Dr. mcd. Julius Möller -Altona, der Vorsitzende der Moria-Gruppe, gab als Vertreter der nichtzionistischen Orthodoxie seinen: Bedauern über das Vorgehen des Centralvcreins Ausdruck. Das sei ein tragisches Denunziantentum gegen Tausende, die begeistert ein Ideal verfolgen. Mit flanunender Entrüstung sprach als letzter nichtzionistischer Diskussionsredner Dr. Ernst Tuch,-mehrfach durch tosenden Beifall unterbrochen, vom rein national-jüdischen Standpunkt gegen den Centralverein. Zn vorgerückter Stunde wurde mit allen gegen 8 Stimme» folgende Resolution angenommen: „Die von den jüdisch-nationalen Organisationen Hamburgs einberusene öffentliche Versammlung spricht ihre Entrüstung darüber aus, daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens durch seine Resolution seinen bisherigen Standpunkt der Unparteilichkeit verlassen hat. Er hat sich hiermit des Rechtes begebe», sich ferner als die Vertretung der deutschen Juden aller Richtungen zu bezeichnen.. Die Versammlung bedauert auss tiefste, daß von jüdischer Seite die Loyalität der national-jüdisch gesinnten Staatsbürger angezweifelt worden ist, und daß damit die Mitarbeit eines jeden aufrechten Juden im Centralverein unmöglich geworden ist." Eine Debatte im Jugendverein Gabriel Rießer, Köln. Aus der Generalversammlung des Jügcndvereins Gabriel Rießcr in Köln führte zu Punkt 2) der Tagesordnung — Wahl der Delegierten zu dem Delegiertentag des B erbandes der jnd. Jugend- Vereine — Dr. Kramer aus, daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens die Zionisten ausgeschlossen, und dadurch mit seiner Neutralität gebrochen habe. Von dem Berliner Jugendverein sei bereits der Antrag vorbereitet, daß dem Centralverein der Sitz im Vorstand des. Verbandes der jüd. Jugendvereine zu nehmen sei. Damit auch Köln auf dem Delegiertentag in dieser Angelegenheit entsprechend vertreten sei, schlage er die Wahl Referendars Strauß vor. Dr. Gidton erklärte soöann, sämtliche Zionisten würden austrctcn, falls der Antrag auf Ausschließung des Centrälvereins ans dem Vorstand des Verbandes ans dem Delegiertentag durch fiele. Dem entgegnete besonders Dr. Ist Kahn, der Vorsitzende, der der Ansicht ist, daß es nicht Sache der Jugendvereine sei, über den Centralverein zu Gericht zu sitzen. Schließlich werden folgende Anträge gestellt: 1. Antrag Rechtsaniv. Dr. Kappel, die Angelegenheit nach reiflicher Ucbcrlegnng nochmals zu verhandeln. 2. Antrag der Zionisten, der Vorstand bestimme nur solche Delegierten, die einen Antrag auf Ausschluß des Centrälvereins aus dem Vorstand des Verbandes znstimmen. 3. Antrag des Vorstandes, den sechs Delegierten die Stellung zu allen an sic herantretenden Fragen siet zu überlassen. Der Antrag des Vorstandes gelangte znr A n n a h m c. Die naturgemäße Folge dieses Beschlusses wird die sein, daß die Zionisten aus dem „Gabriel Meßer"^aus treten. Delegiertentag des Verbandes der jüd. Jugeudvereine Deutschlands. Der 3. Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands sinket am 11«. und 12. Mai er. (Pfingsten) in Frankfurt a. M. statt. Die Delegierten von 110 Jugendvcreinen aus allem Teilen Deutschlands werden eine Mitgliedschaft von 15000 vertreten. — Den Festvortrag am Bearnßungsabend hat Rabbiner Dr. Werner-München übernommen. Die Tagesordnung für den eigentlichen Verhandlnngstag lautet: Vormittags: 1. Geschäfts- und Kassenbericht, Beratung der eingegangenen Anträge,-Generaldebatte; 2. Bericht der Kassenrevisoren, Entlastung des Vorstandes; 3. Wahlen. :_Nachmittags: 1. Die Berufswahl der jüdischen Fugend (Referent Herr Rechtsanwalt Dr. Ludw. Holländer); 2, NlKdchenorganisatton (Reserentin Frl. Cora Berliner). Är. 17 Im Anschluß an die einzelnen Kapiteldes Geschäfts- ^berichts schlägt der Berbandsvvrstand den: 'Delegiertentag die folgenden Resolutionen vor: Zmn Kapitel: Landgemeinden. ' „Die Ausbreitung der Jugendbewegung aus dem flachen Lande und in den Kleingemeinden ist mit allen Mitteln zu fördern/ 1. Die Verbandsvereine werden ersucht, die jungen Leute der benachbarten Dörfer und Kleingemeinden, in denen selbständige Jugendvereine nicht begründet werden können, an Len eigenen Verein anzuschließen und bei den Vereinsvcranstaltnngen auf die auswärtigen Mit- - glieder weitgehende Rücksicht zu nehmen. 2. Wo die Anlehnung an einen bestehenden Verein nicht durchführbar ist, sind mit Hilfe der Bezirksverbändc Zweckvcrbände zu schaffen, die die Jugend mehrerer kleinen Gemeinden vereinigen. Durch Wanderredner, Wanderbibliotheken,, durch möglichst enge persönliche Fühlungnahme mit den größeren Vereinen des Bezirks sind diese Verbände intensw zu unterstützen. 3. In allen keinen Gemeinden sind Vertranenslerüe zu gewinnen, speziell unter den Rabbinern und Lehrern, die sich als unentbehrliche Mitarbeiter der jüdischen Jugendbewegung erwiesen haben. Die Vertrauensleute sind verpflichtet, die Berbandszeitung und« die Drucksachen des Verbandes zu verbreiten und gelegentliche Zusammenkünfte der jüdischen Jugend ihrer Gegend nach Art der Jugendvereinsveranstaltungen zu veranlassen. Die Wressen der jungen Leute, die aus der Heimat in eine Stadt übersiedeln, sind der Verbandsleftnng sofort namhaft zu machen, die dafür Sorge zu tragen hat, daß die Betreffenden von den: Jugendverein des neuen Wohnorts zur Mitgliedschaft aufgefordert werden. 4. Der Delegiertentag dankt Herrn Siegfried Brünn ftir die hochherzige Stiftung, die er bem Verbände für die Förderung der Jugendbewegung in den Kleingemeinden gemacht hat. Er gibt der Erwartung Ansdruck, daß weitere Einzclpersönlrchkeiten >vie insbesondere auch jüdische Organisationen, vor allen Dingen die Gemeinden, weitere Mittel für Bestrebungen zur Verfügung stellen, deren Unterstützung im Interesse des gesamten deuffchen Judentums gelegen ist." Zmn Kapitel: Jugendliche. „Der erzieherische und soziale Zweck der Bcrbandsvereine kann nur erreicht werden, wenn die Beeinflussung der Jugend so früh lote 'möglich cinsetzt. 1 Es ist die Pflicht der Jugeudvereine, dafür tzn sorgen, daß jeder jüdische Knabe und jedes jüdische Mädchen im Augenblick, Ivo sie die Schule 'perlassen, für die Jugendbewegung gewonnen werden. Der Förderung der Jugendlichen von 14—18 Jahren ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie erfolgt in großen Vereinen am zweckmäßigsten in besonderen Abteilungen für Jugendliche, wo diese nicht «inzurichten sind,' ist bei den Vorträgen und Diskussionen, bei den Kursen und insbesondere bei den geselligen Beraristaltungen auf die geistigen Bedürfnisse der Jugendlichen sorgfältig Rücksicht zu nehmen." Zmn Kapitel: Stellung zu interkonfessionellen Organisationen. „Der dritte Delegiertentag des Verbandes der jiddischen Jugeudvereine Deutschlands stellt mit Genugtimng fest, daß die Mehrzahl der Verbandsvercine in den durch die Regierung geschaffenen Jngendpflegeausschüssen vertreten ist, dort eifrig nntarbcitct und die volle Anerkennung der Behörden für ihre Tätigkeit gefunden hat. Ein Zusanunemvirken der Berbändsvcreine mit anderen Jugendorganisationen ist erwünscht, solange feste Garantien dafür vorhanden sind, daß antisemitische Strömungen jeglicher Form vollkommen ausgeschaltet sind oder durch unsere Mitarbeit ausgeschaltct werden können." .! Zum Kapitel: Religiöse Veranstaltungen. „Die Verbandsvereine werden aufgefordert, dafür Sorge zu" tragen, daß die jugendlichen Bereins'mitglieder und speziell die nichtortsansässigen, Gelegenheit haben, an Veranstaltungen teilznnehmen, die - der Vertiefung der religiösen Gesinnung und Praxis dienen. Die von zahlreichen Jugendvcreinen eingerichteten gemeinschaftlichen Freitag- und Sederabende haben sich als ein ganz ausgezeichnetes Mittel zur Festigung und Belebung des religiösen Sinnes erwiesen." Zmn Kapitel: Hebräische Sprachkurse. „Die Kenntnis der hebräischen Sprache als Urirrache der Bibel und beß jüdischen Schrifttums ist Voraussetzung für jedes tiefere Eindringen in das Wesen des Judentums. > Die Verbandsvereine werden daher aufgefordert, der Förderung der Kenntnis der hebräischen Sprache unter den Mitgliedern volle Beachtung zu schenken. Die Geschäftsstelle des Verbandes wird beauftragt, alles Material über die praktischen Durchführungsmöglichkeiten zu sammeln und den Vereinen zugänglich zu machen, auch den einzelnen Vereinen bei der Einrichtung hebräischer Sprachkurse ratend zur Seite zu stehen." Zum Kapitel: Staatsbürgerlich e Erziehung. „Die staatsbürgerliche und soziale Erziehung der Mitglieder soll durch eine verständnisvolle Einführung in die staatlichen und sozialen Probleme der Gegenwart eifrig gefördert werden. Insbesondere ist ses die Pflicht eines' jeden Jugendvereins, seinen Mitgliedern in systematischer Weise durch besondere Kurse, Vorträge, Diskussionen, Preßreferate nsw. das Rüstzeug zu vermitteln, um später erfolgreich für die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden cintvcten und in dem, Kampfe gegen den Antisemitismus in jeder Form. Mitwirken zu können."