Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 18 zwei Mandate und diaS Proßortionalwahlrecht erhielte». Mer Umi Monat« Mter beschlossen die Führer her BkichÄrteien, die Listenwahl einzuführen. Diese plötzliche AMderung kant daher, daß Herr Löwenstein seine Partei und die'anderen Parteien zu überzeugen verstand, daß bei dem Prvportionalwahlsystem die Juden Zionisten oder Sozialisten, die Polen Allpolen wählen würden.. . . Löwenstein und die BloDarteicn find darum gegen das Prvportionalwahlrecht, weil sich die Zionisten dafür ausgesprochen haben. Ich und meine Partei aber sagen: Die Situation muß geklärt Werden. Wenn die jüdische!» Massen tatsächlich den Zionisten und nicht Len Assimilanten Gefolgschaft leisten, so müssen wir uns ynt dieser Tatsache abfinden, Mag sie uns auch unangenehm sein. ... Die Entwicklung hat gezeigt, daß die jüdischen Massen sich nicht assimilieren wollen, die Assinnlanten,vermögen über die jüdischen Massen nur mit unserer und der Regierung Unterstützung zu herrschen. Das mag vielleicht für uns traurig sein, es ist aber eine.Tatsache. Meiner Ueberzeugung nach kann man niemandem eine Nationalität aufzwingen. . . . Wenn Herr Löwenstein im Landtage es als Gefahr bezeichnet, daß Zionisten gewählt werden können, so betrachte ich das als einen Beweis der assimilatorischen Ohnmacht und als Beweis, daß sich die Assimilanten nur mittels Terror und Korruption an der Oberfläche des politischen Lebens halten. Eben aus diesem Grunde möchte ich durch das Prvportionalwahlrecht die Polen von den Juden und die Juden von den Polen unabhängig Mache». Ich habe nämlich die Ueberzeugung, daß gesunde politische Verhältnisse sich nicht dauernd auf Korruption und Unterdrückung gründen können." Me Worte Glombinskis zeigen wieder einmal, daß uns Juden die größten Schädigungen aus unseren eigene» Reihen zugefügt werden. Unser Unglück sind unsere führenden Kreise, sind diejenigen, - deren Intelligenz oder deren soziale Macht unser Glück sein müßte, — und die Ursache zu unserem Unglück heißt Assimilation, welche heute aM stärksten in den führenden Kreisen herrscht. Selbstverständlich fühlen diese führender Kreise sich in ihren ^jüdischen Ehrenämttrn meist nicht als Gewählle und Verwaltende, sondern als Herrschende. So nur ist ein Vorgang zu erklären, Är sich eben im Wiener Kulturvorstand abgespielt hat. Der allgewaltige 60jährige Kultuspräsident Dr. Stern hat sich mit aller Macht dem selbstverständlichen Verlangen, ein Preisausschreiben für den Bau des Kinderspitals zu erlassen, widersetzt, und. als ihm in der letzten Plenarsitzung des Vorstandes dessen Vorwürfe wegen dieses unerhörten Verhallens zu Gunsten seiner Paschalaune oder irgendwelchen Proteges zu stark wurde», da hat er einfach die Sitzung geschlossen und damit die ganze Angelegenheit möglichst auf Monate -hinaus vertagt. Der «eue Kurs hiufichtlich -er russischen Studeuteu. Ein jMscher Student, der in Rußland ein Gymnasium absolviert und in Bern sein erstes Semester verbracht hat, «hielt auf sein Gesuch um Immatrikulation an der Universität München folgende gedruckte Erwiderung: „Universität München. Immatrikulation von Studierenden aus Rußland und aus den Balkanstaaten. Für die an der hiesigen Universität studierenden russischen Staatsangehörige» wurde von her bayerischen Regierung im Frühjahr 1911 eine Höchstzahl festgesetzt. Diese Ziffer ist zurzeit noch weit überschritten, da aus frühereil Gemütern noch viele russische Studenten immatrikuliert sind; es ist auch für die nächsten Semester kein solcher Abgang z» «warten, daß Neuaufnahmen stattfinden können. Wenn wieder Plätze frei werden, so können nursolche russische Studierende ausgenommen w«den, die sich üb« eine ausreichende Kenntnis d« deutschen Sprache sowie darüb« ausweisen, daß sie ein achtklassiges Knabengymnafium abfolviert und schon an ein« russischen Universität oder russischen technischen Hochschule studiert haben. h Auch für die Studierenden aus den Balkanstaaten sind Höchstzahlen festgesetzt und können riur insoweit Aufnahmen fiattfinben, als Abgänge stattfinden; Gesuche um Vormerkung auf freiwerdende Plätze können unt« Beifügung der Zeugnisse an das Universitäts-Rektorat gerichtet werden." ... Mit dieser Verfügung hat die Reichstagsdebatte *) über die Zulassung russisch« (lies: russisch-jüdischer) Studenten bereits ihren Kommentar für die Praxis gefunden. Es ist traurig, daß Deutschland sich damit zum Helfershelf« der russischen Judenpolitik gemacht hat. * Soeben wird aus Leipzig berichtet, daß bereits mit dem beginnende» Sommersemester die dortige Universität von russischen Studierenden den einjährigen Besuch einer russischen Universität und die Beherrschung d« deutschen Sprache fordert. Diese Entschließung kann nur anttsemitischc! Motive haben, denn der Beweis des einjährigen Besuchs einer russischen Univ«sität kann von den russischen Studierenden nur der Jude nicht erbringen; wären ihm die russischen Universitäten nicht verschossen, er brauchte nicht ins Ausland zu gehen. Wichtige Eutschlietzung. Aiu'5. März d's. J's. hat der Herr Minister für geistliche und. Unterrichtsangelegenheiten zu B«lin an die Provinzial- Schulkollegien zur Mitteilung an die Anstaltsdirektoren verfilzt, däß bei den schriftlichejn Examensarbeiten derjenigen Mischen Schüler, welche während ihrer Schulzell am Sonnabend und. den Festtagen nicht geschrieben haben, auch beim Examen zur Verletzung ihrer religiösen Verpflichtungen nicht gezwungen werde» sollen, sondern daß die Arbeit an einem anderen Tage geschrieben werden soll. Wo dies nicht tunlich, soll der betreffende Schüler ebenso behandelt werden wie ein Schüler, der infolge plötzlicher Erkrarckung die Arbeit nicht mitschreiben konnte. Jedenfalls aber wünscht der Erlaß des Ministers, daß die jüdischen Schul« durch das Nichtschreiben am Sonnabend vor Verlust eines halben Jahres geschützt seien. Rabbiner Dr. Bamberger-Schönlanke. Normal School Bovano I weserstr.7. SpracliEn-lIßliBPSBtziingBn. Tel. ml Privat-Zirkeland Klassenunterridifc. ■ Besondere Zirkel für Damen besserer Kreise. ■ OeffentL Probestunden Mittwochsum 11, 5,7 n. 9 Uhr. M Mrs aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Im Landtag fand zwischen dem Abg Cassel (Fortschr. Vp.) und dem Abg. H o f f in a n n (Soz.) wieder einmal ein Disput. statt. Wirgeben hier als das Wesentliche die Antwort Hoffmanns wieder. Er sagte: Dem Abg. Cassel muß ich erwidern, daß es mir nicht eingefallen ist, den Juden irgendwie nahezutreten. Es ist mir auch nicht eingefallen, gegen eine ansgleichende Gerechtigkeit zu sprechen, sondern ich habe nur gesagt, daß es ungerecht ist, einzelne Konfessionen mit öffentlichen Steuermitteln zu unterstützen. Wir haben nicht dagegen Front gemacht, daß die Juden sich die Gleichberechtigung erkämpfen wollen. Ich habe mich nur gegen die Erkriechuug der Gleichberechtigung gewandt. Männer erkämpfen sich die Gleichberechtigung, aber erschmeicheln und erkriechen sie nicht. Ich habe schon früher als eine Schande der preußischen Geschichte erklärt die Art, wie man die Juden verfolgt hat. Die Versprechungen, die man früher den Juden gemacht hat, sind nicht gehalten worden. Die Juden sind von de» Junkern, der Regierung und den Sohenzollern betrogen worden. (Pfuirufe rechts- Präsident raf v. Sch wer in-Lö witz: Sie haben das nationale Empfinde» des Hauses aus das schwerste verletzt. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung.) Ich habe nicht den Glauben des Herrn Cassel in die.Debatte gezogen. Ich habe yur gesagt, daß man nicht zu den Leuten geht, die diesen Glauben als minderwertig ansehen, und um Unterstützung eines solchen Glaubens bittet. Die Religion ist heute noch Staats¬ *) Siehe p.nter der Rubrik „Aus aller Welt". und Wychtsache, und, weil sie das nicht noch mehr werbe» soll, deshalb -widersprechend wir dem Anträge Cassel.. Selbstinkeinem Kriegerverein, .bei der größten Hurra stiiirmnng hohe ich noch keine solche Rede gehört/-, wie die von Herrn Cassel, die von Uebertreibung und Urberschwang strotzt. Herr Cassel ist selbst dem Herrn v- Oldcnburg-Januschau um eine Pferdelänge voraus. Bon einem Staate, der die Juden unterdrückt,'sollten diese keine Geldmittel annehnlen. Dazu sollte n diese zu st o l z sei n. Ich würde ein solches Almosen mit Entrüstung zurückweisen. Den ärmeren j ü d i s ch e n S y n a g o g e n g e m e i n d e n wäre geholfen: reiche Juden brauchten nur die Hälfte der Gelder für ihre Genteinden auszuzahlen, die sie für Ko m m c r z i en r a ts t i te l für evangelische Kirchen (z. Bdie Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche mit der Kamelinschrist) geben, die „T. d- W."-Kirche (Taus- Hans. des Westens) und dergleichen, in der sich-die Jude» mit Borliebe taufen lassen: Leise zieht durch, mein Gemüt stiller Gottessrieden. Oben sitzt die Fürstin Wied, unten lauter Jüden! (Schallendes Gelächter.) Dem Kampf der Sozialdemokratie gegen den Antisemitismus .verdanke ich einen ersten Erfolg; aber gegen das rnckgratlose Juden tum habe ich allcrdingo etwas, und ich werde es ehrlich' bekämpfen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Berlin. Der Ausschuß d es Deutsch-Israeli tischen G e m e i n d e b u u d e s hat in seiner letzten Sitzung einstimmig — auch mit Einschluß seiner orthodoxen und zionistischen/. Mitglieder — den Beschluß gefaßt, die Angelegenheit dckr jüdischen Bolksschule zunächst der sachverständigen Beratung des Verbandstages seiner Gemeindeverbände. zu unterbreite». Der Ausschuß steht nach wie vor.auf dem Standpunkte, die jüdische Volksschule in mittleren und kleinen Gemeinden zil erhalten und auszudehnen; in betreff der jüdischen Elementarschulen in beu Großgemeinden sind die Anschauungen geteilt. Es ist letzteres aber auch von keiner Bedeutung, da der Ausschuß auf die Lösung dieser Frage in den Großgemeinden nicht den mindesten Einfluß besitzt. Berlin. Die diesjährige Generglversammlung des Hilssvereins der Deutschen Iuden findet Sonntag, den 13. April er. in Berlin, Logenhaus der Logen U. O. B- B., Kleiststr. 10, vormittags 11t/- Uhr, statt. Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan werden den Bericht über die Tätigkeit des Hilssvereins im abgelaufenen Jahre erstatten. ' ' Berlin, 9. Aplil. In der Budgetkommission des Reichst ags brachte Abg. Gothcin wieder die Zulassung jüdischer Reserveoffiziere zur Sprache. Der Kriegs ml n i st e r gab seine stets gleiche Antwort: Die Militärverwaltung trete durchaus für die völlige Gleichberechtigung ein und sei auch jederzeit bereit, Einzclfälle zu prüfen. Er sei aber nicht in der Lage, direkt in die O s f i z i e r s w a h l einzugreifcn. Auch Vertreter des Zentrums wandten sich mit großer Schärfe gegen die zweifellos vorhandene Zurücksetzung jüdischer Offiziersaspiranten. Vom Zentrum wurde angeregt, ob nickst die Wahl der Reserveoffiziere dem Offizierskorps entzogen und dem aktiven Offizierskorps überwiesen werden könne. Es würden dadurch manche Beschwerden, sei es über Zurücksetzung einer Konfession, sei es 'über ungleichmäßige Behandlung aus politischen .Gründen, verschwinde». Gegen diesen Vorschlag hatte der Kriegsminisier Bedenken. Bei der Marine liege die Sackst ganz anders, weil die in Betracht kommenden Persönlichkeiten vielfach schon durch den Beruf als Kapitäne rc. ihre Qualifikation erweisen, während das aktive Offizierskorps der Armee die persönlichen Verhältnisse der Bewerber nicht kenne. Ein Sozialdemokrat verlangt für die Anfnahmc in Kadettenhäuser eine Vorschrift über die Mindestzahl aufzunehmender jüdischer Bewerber. Von freisinniger Seite wird dein widersprochen,' da inan iir dieser Partei solche Anstalten überhaupt nicht wünsche. Berlin. Bei der Beratung des Kultusetats im Abgeorductenhanse präzisierte cher Kultusminister den Standpunkt der Regierung in der Frage der ausländischen Sind eilten ans preußischen Hochschulen folgendermaßen: „Wir müssen daran sesthalteii, den Ausländern an unseren.Universitäten Gastfreundschast zu erweisen, wie wir es von jeher getan haben. Aber selbstverständlich darf diese Gastfreundschast nicht so weit gehen, daß unsere eigenen Studenten darunter leiden. Dagegen wird Vorsorge getroffen werden müssen. Darauf ist auch die Aufmerksainkeit der Unterrichtsverwaltung dauerild gerichtet. Wir haben schon geeignete Maßnahmen getroffen, - und ich stehe augenblicklich in der Prüfung, ob noch w e i t c r.g e Heu de Maßnahmen zu treffen sind, um 'namentlich den großen Andrang der russischen Studenten zu beschränke». Gerade die Zahl der russischen Studenten an unseren Universitäten ist in den letzten Jahren an mancher Stelle so groß gewordeii, daß inan sich frage» muß, ob es »och nröglich ist, ihnen in unbeschränkte m Umfange Gastfreundschaft zu gewähren, ohne daß unsere eigenen Studenten und die anderen Ausländer darunter leiden. Ans den anderen Ländern kommen die Studenten Schneiderei Crössmann Ka/seesfpasto lOa, Enlnosol. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Ja cken-Kleider. 'Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuvor], koschere Verarbeitung.