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Neue jüdische Presse · 1913-03-28 · Heft 13 (28.3.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 13. Ente 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Die Stadt hat einer Straße den Namen „Bärwaldstraße" gegeben. ' fiiffo. Hier verschied Justizrat Nürnberg, Vorsitzender des Vereins.für jüd; Geschichte und Literatur, Repräsentant der jüd. Gemeinde, Vorsitzender der Loge rc. Königsberg. Max Arendt, Vorsteher der jüdischen Gemeinde und der Chewra Kadischa, ist/verschieden. Petersburg. Ende des Jahres 1912 gab es in Rußland 37 jüdische Zeitungen. Hiervon erscheinen ini Jargon 20, hebräisch 8, russisch S’ polnisch 1. 13 Zeitungen erscheinen als Tagesblätter. Bukarest. Ein Bürger drei er Jahrhunderte. In Dohoroi starb dieser Tage an Lungenentzündung der frühere Fleischer Schmil Cohn, der, wie urkundlich feststeht, 1798 geboren wurde. Er war nie krank und konnte bis zuletzt ungcschwächt scheu und hören. Rew-Aork. Mit achtzehn Jahren Doktorl An der Harvard-Universität wird im Juni au seinem '18. Geburtstage Norbert Wiener, Sohn von Professor Leo Wiener, zum Doktor promoviere». „Norbert ist nicht frühreif," sagt sein Vater. „Er hat die normale Entwickelung eines intelligenten Menschen. Ich 'könnte auch irgend ein anderes Kind das Gleiche erreichen lassen." Aus der Lehrerwett. Maluz. Rabb. Professor Dr. Salseld feierte letzten Montag seinen 70. Geburtstag. Er wurde 1843 in Stadthagen geboren und war von 1870—1881 Rabbiner in Dessau, wo er auch das Amt eines Stadtverordneten bekleidete. Wissenschaftlich loar er besonders auf dem Gebiete der Geschichte der Juden am Rhein tätig. BreSlav. DieReligions-Unterrichts-Anstaltl (Dirigent: Rabb. Dr. Rosenthal) wurde am Schluß des avgelaufenen Schuljahres von 203 Knaben und 127 Mädchen besucht. Das Lehrerpersonal verlor durch den Tod Frl. Else Brann u. Rabb. Dr. Immanuel Deutsch. BrauuSbach. Das B ezirksrab b in at, das die Bezirke Crailsheim, Hall und Künzelsau zu versehen hat und bis jetzt hier seinen Sitz hatte, wird nun nach Beschluß der Kgl. israelit. Qberkirchenbehörde von hier nach Hall verlegt. Leipzig. Rabbiner Dr. Ephraim Carleb ach erstattet über die von ihm gegründete und geleitete Höhere israelit. Schule (Lehrziele: Realschule, Realprogymnasium und Höhere Töchterschule) den elften Jahresbericht. Bereits bei Eröffnung der Schule betrug die Frequenz. 203 Knaben und 73 Mädchen, — wohl der beste Beweis für ihre Notwendigkeit. Um Schluß des Schuljahres zählte die Schule 216 Knaben und 74 M ä d ch e n. Der Unterricht findet an fünf Tagen der Woche statt, da er laut Verfügung des Ministeriums auch a m S o n u - tag ausfallen muß. Es mußte deshalb ein etwas ausgedehnterer Nachmittagsunterricht stattfinden, und cs ließen sich dementsprechend erhöhte Ansprüche an die Leistungsfähigkett der Kinder nicht vermeiden. Die zwei freien Tage — Samstag und Sonntag — glichen dies jedoch mittler aus. .Zum ersten Male in einer jüdischen Schule Deutschlands finden wir im Lehrplan das Fach „Hebräischer Sprachunterricht'. Das ist uns eine aufrichtige Freude und erfüllt uns mit froher Hoffnung für die 'Zukunft der Schule. Lffenbnrg. Zu Ehren des nach 37 jähriger Wirksamkeit, durch Uebersiedlung nach Berlin, scheidenden Bezirksrabbiners Dr. R a w i c z versammelten sich heute am zweiten Ostertage in dessen Wohnung die Vertreter der Gemcindeir des Synagogenbezirks Offciiburg zu einer kleinen Abschiedsfeier. Namens des Bezirkes hielt der dienstältcste Vorsteher M. Dreyfuß-Nonncnwcier eine Ansprache. Für die einzelnen Gemeinden sprachen die Vorsteher Obcrbrunn e r - Offenburg, Durlacher - Kippenheim, Grail» s am er -Friesenheim, Weil-Lahr, Syuagogcnrat Samuel W e i l - Schmieheim und als Lehrer Herr Schleicher-Nonnenweier, die dem Scheidenden den Dank für sein ersprießliches Wirken und die besten Wünsche für sein und seiner Familie Wohlergehen zum Ansdrucke brachten. Obwohl Herr Dr. Rawicz schon längere Zell von eineni hartnäckigen Augenleiden befallen ist, ließ er es sich nicht nehmen, jedem einzelne» Redner für die an ihn gerichteten Worte zu danken und die Vertteter zu bttten, allen Gemeindemitgliedern seine Grüße und guten Wünsche für dje Zukunft zu übermitteln. In den Ansprachen. wurde klar zum Ausdrucke gebracht, daß der Bezirk und die Gemeinde dem scheidenden Bezirksrabbiner ein otium cum dignitatc für seinen Lebensabend wünscht. ltt.) Ltffa Rabbinatsverweser Dr. S i e g fri e d E e l l es ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Budapest. Ueber den Vater des neuen Ober» rabbiners von England finde» wir in der „Ungar!. Jüd. Ztg." folgende Aufzeichnung: „Sein Vater ist R. Schmerl Hoch, ein großer Talmudist, der aber schon vor 40 Jahren einen Bildungsdrang besaß und vom Unger Komttate an die Jeschiwa des verewigten Dr. Hildesheiiner nach Eisenstadt zog, wo seine intimen Freunde, der jetzige Newhorker orth. Rabbiner Dr. Klein (Schwiegersohn von Samson Raphael Hirsch), Dr. Salomon, Prediger in Manchester und der gewesene Reichsratsabgeordnete Dr. I. S. Bloch warew Schmerl Hertz ist jetzt schon ein sehr alter Mann, in jüngeren Jahren aber war er bekannt als guter Hebraist, und im Jahre 1882 veröffentlichte er einen Band Gedichte unter dem Namen „Abnc Schohaui." Das Buch widmete er den nunmehr verstorbenem Rabbinern Dr. Horowitz in Erankfurt a. M. und Dr. G: Goitein, Rabbiner in arlsruhe. ' Pekuniäre Erfolge hatte er aber nicht aufzuweisen und so entschloß er sich ' vor gerade 30 Jahren, mit seiner Familie nach Ncwyork auszuwandern. - ..." Budapest. Das KuttusmrntNerium hat beschlossen, allen jene:: Rabbinern, die einen Jahresgehalt von weniger als 1000 Kronen beziehen, eine Zulage zu geloähren. Solche sind insgesamt 125 Rabbiner, unter denen in jedem halben Jahr 8000 Kronen, also zusammen 16,000 Kronen zur Verteilung kommt, und zwar erhalten 30 Rabbiner, die bereits über 10 Fahre wirken, je 100 'Kronen, die übrigen, die mindestens 5 Jahre wirken, je 50 Kronen. 125 Rabbiner mit einem, Gehakt von weniger als 850 Mark, — das weist auf wirklich traurige Zustände. Linolen Inlald(Munter durohundduroh)per□ m von Hk. 2.88 an DnlfElnfarhig,Farbe durchgeheEd)j>erQ-ni von Hk. 1.60 an Draekware ..... per p-m tos Hk. 1.35 an Bei grösseren Bezügen billiger. Hur tadellose, fehlerfreie Ware. €. Kupscli Ringfreie Tapeten-Indastrie. Altegasse 27/29. Aas der ziorriftiityerr Bewegung. Prag. Im Rechenschaftsbericht des „Vereins jüd. Hochschüler Bar Kochba" heißt es: „Wir leben in einer chaotischen Zeit, überall sind drängende, gärende Ideen, von allen Seiten umdrängen uns Probleme, die an die tiefste» Seiten unseres Menschentums rühren. Das Judentum steht heute in ei»er..Entscheidung wie nie: es handelt sich, dies wissen wir, darum, ob es gelingen wird, den schöpferischen Prozeß im Judentum zu erneuern, ob cs gelingen wird, die Ideen des Judentums wieder in ihrer Reinheit darzustellen. Wir blicken um uns, und wir gewahren das jüdische Volk in einem Zustand der furchtbarsten Entartung. Wir müsse» uns immer und immer wieder daran gewöhnen, diese Wahrheit nicht nur einzusehen, sondern öffentlich auszusprechen: cs gibt in: jüdischen Volke heute Kreise, und sie sind die überwiegend weite Mehrzahl, betreffs derer es nur eine» Weg zur Erneuerung des Judentums gibt: ihre Ueberwindung. _ Wir wissen, daß der neue Jude, den wir ersehnen, hervorgehen wird aus' der. ileberivindung btcjeS offiziellen Judentums in sich, und wir wissen, daß er kommen wird in einer mächtigen' Erhebung des jüdischen Geistes, die aus unserer Not und unserer Einsamkeit in sturmartiger Erschütterung das Volk, unser Volk einen und gestalten wird. Und in der gänzlichen Umgestaltung und Neuordnung, die. unser Leben durch de» Zionismus erfahren hat, sehen wir die Keime des Werdens unserer koininendcn Gemeinschaft." Ans de« Vereine». Frankfurt a. M. Der Israel. Stellender» mittlungs-undBcrsichcrungs-BereinSchomoe Schabbos) (Vorsitzender: Jakob Rosenheim) schloß das Jahr 1912 wie folgt ab: E i n n a h in e n: Stellenvermittlungskasse (Beiträge, der außerordentlichen Mitglieder) 2356 Jk, Versichcrungskasse (Beiträge der ordentlichen Mitglieder) 1714 Jk, Reservefonds L5 (Zuwendungen 146 Jk, Zinsen 1185 Jk) 1331 Jk Ausgaben: Bcrsichernngskaffc (Leistungen an 7 stellenlose Mitglieder) 526 Jk, Dispositionsfondss (Darlehen bezw. Untcrstütznngcn) 76 Jk, Berwaltungsspesen 738 Jk, Beitrag zu den 2162 Jk betragenden Kosten der Zeitschrift „Sabboth" 600 Jk, Kosten der Abteilung Stellenvermittlung (Gehälter, Miete, Portis usiv.) 1657 Jk Dem Bericht des Vorstandes entnchineil wir ferner folgendes: „Im Begriss, diesen Bericht der Oesscntlichkeit zu übergeben, ereilt uns die erschütternde Traucrkuiidc von dem plötzlichen Heimgang des verehrten Vorsitzenden unseres Verwaltungsrates, des Herrn Kommerzienrat Louis Feist. Wie der Heimgegangene im wahrsten und echtesten Sinne ein jüdischer Kaufmann war, wie er in seinem Geschäftsleben die religiösen und sittlichen Anforderungen des Gottcsgesetzes zu glanzvoller Verwirklichung brachte und so auch sein kaufmännisches Leben zu einem ununterbrochenen Kiddusch haschem gestaltete, so hat er von Anfang an die hohe Bedeutung unseres Vereins mit weiten: Blicke und warnrem Herzen aufs tiefste erkannt und gewürdigt. Seit einem Dezennium Mitglied des Verwaltungsrates, war es ihm nur wenige Jahre vergönnt, den Vorsitz dieser Körperschaft zu führen, ober niemals hat sein weiser Rat versagt, wenn wir im. Interesse unseres Vereins in schwierigen Angelegenheiten uns an ihn wandten. Mit der großen jüdischen Gesamtheit betrauern wir schmerzlich seine jähe Abberufung und werden sein reich gesegnetes Andenken immerdar in unserem Kreise lebendig halten. Aus dem Vorstand schieden satzungsgemäß aus die Herren I. B e st h o f f, Samuel Weil. Joseph Wolf die in der Hauptversammlung vom 16. März 1913 wiedergewählt wurden. An Stelle des Herrn Kommerzienrat Louis Feist wurde Herr Nathan Sondheimer in den Berwaltungsrat nengcwählt. Den Vorsitz des Verwaltungsrates übernahm Herr Emannel Ettinghansen." verlin. An der LSjährigen Jubelfeier de» FranenvereinS' der Berliner Logen U. IC. B. B. nahmen 2000 Personen teil. Wir geben hier aus der Rede der Vorsitzenden Frau Min na Schwarz folgendes wieder: Der Verein hat in den 25 Jahren seiner Tättgkcit 79 626 Jk verausgabt. Die Mitgliederzahl beträgt heute etwa 2800. Eine der letzten sozialen Taten des Vereins ist die Gründung eines Mütter heims (Brunnenstr. 41). Ilm die Mittel für den erforderlichen Ausbau auszubringen, hat der Verein Obligattonen ausgegeben; es sind bereits 70000 Jk Obligationen gezeichnet worden. Berlin. Dem Jahresbericht des Vereins für Arbeitsnachweis, begründet von der Berliner Logen U. O. B. B-, sei folgendes entnommen: Unter den 3701 Bewerbern, die im Berichtsjahre eine Stellung erhielten, befinden sich 336, die den Sabbat heiligen. Neu eingerichtet wurden eine Stellenvermittlung für Lehrlinge und eine Vermittlungsstelle für jüdisches Haus- und Wirtschaftspersonal. In der Schreibstube wurden 870 000 Briefcioressen durch Stellenlose geschrieben. Meran. Am 16. März send unter dem Vorsitze des Herrn Dr. M. K o r e f die 5. G e n e r a l v e r s a m m l uii g des Vereins „Asyl für mittellose kranke Israeliten in üJIctan" statt. Frau Dr. Rosa Hirsch erstattete den Tätigkettsbericht, der ein prächttges Bild von den Leistungen der Anstalt gab. MMon. Das „Scherer-BUb«l". Bon C. Berg. (8. Fottsetzung). Drüben am jenseitigen User unter den Bäume,, schienen sich zwei Gestalten zu bewegen, jetzt kamen sie näher, ein Mann und ein Weib. Der Mann setzte sich auf einen Baumknorren, das Weib blieb neben ihm stehen und sprach mit erhobenen Armen lebhaft ans ihn ein. Wer mögen die sein? Perez spähte hinüber. Natürlich Julek und Pelagia! „Bei Nacht und Kälte müssen die in den Wald laufen, sich zanken! Was geht es mich an?" Er wollte weitergehen. Aber der Wind trug Rede und Gegenrede hinüber, heftiges, bitterböses Schelten und zorniges Drohen; Perez, wie alle beschränkten Leute heillos neugierig, blieb stehen und beobachtete, unter einer Weide versteckt; die Streitenden. Pelagia weinte laut und rauste ihr Haar. „Du, Du," rief sic, „schlechter als ein Hund bist Du! Ta' kriecht er zu dieser rothaarigen Kröte, weil sie cin paar Dittchcn im Sack hat, undmich, der er aufs Kreuz geschivoren, mich zum Weibe zu nehmen . . ." „Was habe ich geschworen?" kirurrte Julek,. ,,>'ch habe nichts geschworen." „Meineidiger Schuft!" Er hob die Faust. „Pelagia, ninrm Dich in Acht!" „Schlag zu, schlag zu," schrie sie, „da, schlag mich tot mit Deinem Kinde zusammen!'s Perez konnte nicht verstehen, was ihr Julek cnt- . gegenzischte; in der nächsten Sekunde fiel Pelagia ihren Geliebten an, wie die. Wölfin den Stier . . . „He, Pelagia! Julek! Laßt losl- Ihr bringt Euch um!" Der Wasserträger schrie aus vollem Halse. Sic hörten ihn nicht, rasend schlugen und lvürgten sie einander, — dann — cin gräßlicher Schrei, ein schwerer Körper stürzte kopfüber ins Wasser und versank in den Fluten. Perez stand wie gelähmt — gesträubten Haares. Schweißtropfen perlten auf seiner Stirn. Mord! Mord! Bon den Bäumen herüber kan: cin leises Wimmm:, da raffte sich Perez auf und lief — lief davon, was ihn seine Beine tragen wollten. Schnurstracks rannte er jetzt nach Haus und taumelte wie ein Besessener in die Sttlbc. Die Mutter schlief ruhig und fest, er stellte die Arznei vor ihr Bett und kroch dann zähneklappernd und zitternd wie ein Verbrecher, auf sein Lager. Die Totenschau. Die Stadtuhr hatte eben die zehnte Stunde des Montag Morgen geschlagen. Im Amtsgericht war jedermann auf seinem Posten, in voller Tätigkeit; die Stahlfedern liefen emsig über die großen Menbogen; in den Büros war zum erstenmale wieder geheizt, und das rote Feuer in dem mächtigen, weißen Kachelofen des Zimmers I verbreitete einen Schein von Gemütlichkeit in dem sonst urnüchternen Raume. „Stypale," sagte der Amtsrichter, „haben Sie die Sache Weichholz kontra Luschek hervorgesucht?" „Jawohl, Herr Amtsrichter." „Reichen Sie sie dem Herrn Referendar Hirsch-

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