Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5 Nr. 13 _•_. ■: thak herüber! Nein, warten Sie, geben Sie mir erst die Bündel, — das oberste, so! Teufel, ist das ein Staub!" Der Herr Amtsrichter stand auf, sich , die Hände zu waschen. „Um. Verzeihung," sagte der Diener ein wenig verlegen und ergriff den Krug, „es ist unangenehm, aber es ist kein Wasser da. Der Perez ist heute nicht gekommen." „Was fällt dem Kerl ein?!" „Ich wundere mich auch, Herr Amtsrichter. Man hat ihn gestern, Sonntag, und heute früh in der ganzen Stadt noch nirgends gesehen." „Sonderbar." „Ja, alle Herrschaften sind empört, überall müssen die Mädchen von der Arbeit fort, Wasser zu holen." „Es scheint über Zladno eine Aera der Unordnung hereinbrechen zu wollen," sprach Müller, und erdachte mit Verdruß, daran, wie Frau Christine am Sonntag Morgenvergeblich nach Pelagia geklingelt, und welche Verwirrung das Verschwinden der Köchin in seinem kleinen Hauswesen heraufbeschworen hatte. Die Tür des Büros wurde aufgerissen, ein kleiner, dicker Mann keuchte herein. „Herr Amtsrichter, Herr Amtsrichter!" „Guten.Morgen, Herr Bürgermeister! Nun, 'ivas Neues?" „Es ist unerhört," stöhnte der Dicke und wischte sich den Schweiß von dem rotglänzenden Gesicht. „Hier ist ein Stuhl, Herr Bürgermeister," sagte Müller gutmütig. „Ah, da habe ich gleich das Vergnügen, die Herren miteinander bekannt zu machen: Herr Bürgermeister Hartmann, Herr Philipp Hirschthal, der neue Referendar." _ „Angenehm, sehr angenehm! Gräßlich, Herr Amtsrichter!" „Also was ist geschehen? Erzähleit Sie!" „Ja, sogleich. Aber zuerst" — er öffnete die Tür — „Quitte, Friedrich, Tilmann, kommt herein!" . Der Landgendarm erschien int Rahmen der Tür, ihm auf dem Fuße nach stolperten zwei Holzhauer in das Büro und blieben verlegen, die Mütze in der Hand^ auf der Schwelle stehen. Philipp legte die Feder nieder; es scheint, daß ich hier etwas Interessantes erleben werde, dachte er, stand auf und trat hinter seinen Chef. „Denken Sie sich, Herr Amtsrichter," jammerte der Bürgermeister, „der Julek . . ." „Ah,'der Schlingel, gestern und heute hat er wieder nicht den Markt gekehrt . . ." „Er wird nie wieder kehren." „So! Haben Sie ihn davongcjagt?" „Nein, — er ist tot." „Tot!" Der Amtsrichter ‘ sprang erschrocken auf. „Der starke, gesunde Mensch!" „Ich sagte Ihnen gleich," stöhnte der Dicke, „es ist eine schreckliche Geschichte! . .. .. So reden Sie doch, Quitte!" „Zu Befehl, Herr Bürgermeister! Die Holzhauer haben ihn nämlich' heute früh gefunden; aber hier ist das Protokoll," und er überreichte das Papier, offenbar froh, des Sprechens enthoben zu sein." Der Amtsrichter las: „Heute, Montag, den 8. Oktoberfrüh' acht Uhr, wurde in dem Stadtforst in dem Kividzabache von den Holzhauern Evergislus Tilinann und Martin Friedrich die Leiche des Stadt- Frankfurter JsraeWsches Familienblatt. dicners Julian Przywinna an einem. Erlengestrüpp aufgefunden. Die Leiche zeigte eine fünf Zentimeter tiefe Wunde anc Hinterkopf, dito Verletzungen an den Händen und war am Halse scharf gewürgt. Der Erdboden am . Fundorte weist starke Spuren von einseitig getretenen Stiefeln auf, zehn Schritte entfernt auf dem Boden lag ein mit Schildpatt ausgelegtes, etwas schadhaftes Messer mit zwei Klingen und ein zerknüllter, schmaler Streifen Papier. Wie mir gemeldet. Der Ortsgendarm Johann Quitte." „Es ist am Fundort alles unverändert?" fragte der Amtsrichter. v ... „Zu Befehl," antwortete der Gendarm, „der Herr— Oberamtmann Riegner und der Förster Hegemann sind bei der Leiche." „Gut, gut. Stypale, benachrichtigen Sie Herrn Doktor Thorner und den Kreisphysikus, die Herren möchten sich auf der Stelle her bemühen; sodann begebeil Sie sich zu dem Herrn Rat Holzheimer. . ." „Holla! Was soll Holzheimer? Hier hängt er!" — durch die Umstehenden bahnte sich ein feister, jovialer Herr sehr. energisch Bahn. ,-Sehr ergebener Diener, Herr Rat!' Ich bitte um Ihre geschätzte Vertretung." „Was gibt's, Herr Amtsrichter? Wollen wohl über Land? Was ist denn los?" fragte der alte Herr neugierig. „Gerichtliche Totenschau!" „Pfui Deibel! Pardon, wissen ja, daß ich vor dergleichen einen Horror habe . .. . wollte sagen, gehen Sie in Gottesnamen, werde hier präsidieren. He, lassen Sie mir doch den Referendar da!"_ „Nein, Herr Rat, der muß mit!" „Ah! Soll wohl das Gruseln lernen. Na, guten Morgen!" In höchster Eile kam jetzt auch der Doktor Thorner an. Der Kreisphysikus war über Land gefahren; eine schnell znsammengetretene Kommission, bestehend aus ' den beiden Juristen, dem Arzte, dem Bürgermeister nebst einigen Magistratspersonen, dem Gendarni, welchem noch die beiden Holzfäller nachtrotteten, machte sich auf den Weg nach dem Stadtwalde: Vor der Tür des Gerichtes wartete die Hälfte der Zladnoer Bürgerschaft, die hohe Obrigkeit zu begleiten, aber ein wild-energisches „Donnerwetter" des Gendarmen trieb die Furchtsamen zurück; die Beherzten wagten sich noch ein Stück weiter bis zum Waldsaume, wo sie von dem Gendarmen und dem Förster im Verein angeschnauzt und verscheucht wurden. (Fortsetzung folgt.) Kunst und Literatur. Anfang April gibt Julius Kaufmann im Verlag der Freistatt Eschweilcr-Berlin die „Freistatt, all - jüdische Revue" heraus, ein von keiner Partei abhängiges, monatlich erscheinendes Organ für jüdische K u l t u r u n d P o l k t i k. Die Freistatt, deren Tendenz nationaljüdisch ist, will es sich zur vornehmsten Aufgabe madjcit, die vielen Probleme des modernen Judentums zur Diskussion zu stellen; sic will auch den westlichen Juden das Ostjudentum in seinen markantesten Vertretern näherbringen. Es sollen Probe» des jüdischen Schaffens im Original mit Uebersetznng, des hebräischen Schaffens in guter Uebersetzung dargeböten, und es soll ein Bild des wirklich jüdischen Schaffens des Westens, in charakteristischen Proben gegeben werden. Die Freistatt läßt alle die zu Wort kommen, die zur jüdischen Kultur und Politik Wertvolles zu sagen haben. Neben vielen anderen Beiträgen liegen bereit» solche vor von: Schalom Asch, Mathias Acher, M. Borochoiv, Max Brod, A. Coraluik, Bar Tobiah-Fränkel, Sch. Gorelik, R. Gosdmann, I. Klatzkin, Else Lasker-Schüler, Jacob Lescinssky, Melamed, A. Nossig, Strauß-Quentin, Davis Trietsch, Tschonry - Niger, Arnold Zweig. Der Bezugspreis beträgt 2,50 JL pro Halbjahr; Probenummern in den Buchhandlungen und gegen Einsendung von 0,50 Ji. direkt vom Verlage der Freistatt, Eschweiler (Rheinland). «kalser Friedrich Quelle — Offenbach a. X. — — - - Gegen Sieht and Bheamattamaa bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl» Frankfurt a.M., Güntheraburg-Allee 37. Tel.259n.714. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loach.) Samstag, den 29 März (= 20 Adar II.) Sabbat-Anfcmg in Frankfurt a. M. 6 Uhr 20 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 40 Min. in Berlin 7 Uhr 15 Min. Wochenabschnitt: 2 ch e m i n i. — Das Weiyeopfer, das Ahron am achten Tage der Einweihungsfeicrlichkeit darznbringcn hatte. Atzron hebt die Hände gegen das. Volk hin und segnet es. Auch Moses tut dies. Ms Zeichen göttlichen Wohlgefallens verzehrt Feuer das Opfer auf dem Altäre. — Die Freude des Tages wird getrübt durch beit plötzlichen Tod der zwei Söhne Ahrons. Radab und Abihu. Es war die Strafe dafür, daß sie „gemeines Feuer" ins Heiligtum gebracht, Ahron zeigt bewundernswerte Standhaftigkeit, er schweigt beim Heimgang seiner Söhne. — Wein und berauschendes Getränk wird opfernden Priestern zum Genuß verboten. Verschiedene Opferteile werden fixiert, zum Genüsse für die Priester bestimmt. — Es folgen nun die sogenannten „Speisegesetze". — 8 Kriechtiere werden aufgezühlt, deren Berührung unrein („tome") macht. Auch irdene und hölzerne Geräte, Gewänder aus Stoff oder Leder, Ofen und Herd können „tome" werden. Parschas-Poroh: „Parschas Poro", der 9(6« schnitt von der „roten Kuh", ist rätselhaften Inhalts. (4. Bch. M. Kap. 19.) Wir hören von einer' vollständig roten Kuh, die als Sühnopfer geschlachtet werden sollte, um dann zu Asche verbrannt zu werden. In den Brand warf man Zedernholz, 9)sop und Karmcsinfaden. Die Asche wurde in verschiedenen Urnen aufgehoben. Wenn nun jemand eine Leiche berührte oder ei» Grab, einen Lcichcnknochen, Leichenstaub oder Gefäße, die mit Toten in Berührung kamen, oder wer „mit einer Leiche unter einer und derselben Bedachung geweilt," der war „tome" (unrein) mindestens 7 Tage. Er wurde vom Priester „entsündigt" oder gereinigt: man füllte ein Gefäß mit Quellwasser, mischte darin von der 9lfche der roten Kuh und besprengte mit dieser Mischung vermittelst Psop-Stengelchen den „Unreinen" am 3. und 7. Tage. Erst dann war der Genuß gewisser Opfergaben oder eventl. der Eintritt ins Heiligtum gestattet. Warum wird der Abschnitt jetzt verlesew? Israel sollte am Erew P es ach das Pcsachlamm schlachten. Da sollte jeder rechtzeitig die Reinigung durch „Sprengwasser" vornehmen, falls er „tome" geworden, also nicht das Heiligtum betreten kann. So sollte Parschas Poro rechtzeitig mahnen zur Vorbereitung auf das Pesachfest. Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 15 Min. (Hauptsynagogc und Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 6 Uhr (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteincrstraße 7 Uhr). , Offenbaehei* Druckluft - Anlage Ottenbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapolchralnlganv, 100.000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernfeinlgung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Höf« und Kammerphotögraph Franke & Kontier - unn Bosch Atelier: S4 Kaiserstrasse 34, T. Etage. Telephon 814. Ehe Sie sich photographieren lassen, betrachten Sie die umfangreiche Ausstellung der künstlerischen Ausführungen meiner Aufnahmen. Grosse Portraitur (keSTSSSSÄ^p?^ billige 'Preise. Inh.: Hofphotogr. Ernst Kranke. Spezialgeschäft photogr. Apparate und Bedarfsartikel. Entwicklungsu- Copiranstalt für sämtl. Amateurarbeiten unter fachmännischer Leitung. ' Ktdierstrüse SA, JLaden. Tel. I 814. 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