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Neue jüdische Presse · 1913-03-20 · Heft 12 (20.3.1913) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 12 (20.3.1913)
Date
1913-03-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12. Frankfurter Israelitisches FanMenblätt- Ausgabe befindet sich, ein längerer Nachruf auf Kommerzienrat Feist s. Ä., dein folgende Stelle cntnontmen sei: „Was Louis Feist dem Judentume war, was sein Segenswirken, das Jahre lang in verschwenderischer Fülle über alles wahrhaft Jüdische sich ergoß, für „Klal Jisroel" bedeutet, — das haben die jüdischen Zeitungen, soweit toter Buchstabe es vermag, hat erschütternde Totenklagd, soweit Menschenzunge das Tiefste sich zu deuten vermessen kann, der jüdischen Welt ans Herz gerodet. . Uns aber, der „Agudas Jisroel", tvar er — das darf ohne Uebertreibung ausgesprochen werden — niehr, unendlich mehr als irgend einer anderen Körperschaft oder Organisation im weiteren jüdischen Kreise. So wie er es gewesen ist, er allein, der den von anderen preisgegebenen Gedanken der „Agudas Jisroel" aufgriff und mit starker Entschlossenheit zu seiner Verwirklichung drängte, so lebte er sich mit jeden: Tage mehr in die Ueberzeugung von der einzigartigen, weltgeschichtlichen Bedeutung der Idee hinein, und mit nüchternem Blick alle praktischen Möglichkeiten erwägend, belvährte er sich immer energischer als treibende Kraft auf dein Wege zu ihrer Durchführung. Und in der Stille reifte ihm, die letzten . Wochen und Tage seines Lebens verklärend, der große Entschluß, von nun an seine ganze Persönlichkeit für die „Agudas Jisroel" einzusetzen. Er hatte es nicht nur in seinem letzten, an das prov. Komitee gerichteten Schreiben mit der ihm eigenen Zurückhaltung angedeutet, sondern in vertrauten Kreisen ausgesprochen, was er an umfassender Propaganda-Arbeit gleich nach seiner Genesung beabsichtigte. Persönlich wollte er an die reichbegüterten Brüder der ganzen Welt, soweit noch ein Funke von „Tauroh" und „Jiroh" in ihrem Herzen vorauszusetzen war, herantreten, wollte, getragen von seinen: weitreichenden sozialen Einflüsse,' von der Macht des Beispiels, das er selber durch außergewöhnliche Opfer gab und zu geben gedachte, sie alle zu gewaltiger materieller Kraftanstrengung für Gott und seine Thora begeistern und so in raschem Sturinlauf die Basis schaffen, auf der sich das Heiligtum der „Agudas Jisroel" erheben sollte. --" Zum Schlüsse des Nachrufs wendet sich die Organisation an die gesamte thoratreue Judenheit, den Werlust dieses einzelnen Großen durch gesteigerte Tätigkeit vieler zu ersetzen. „Die Zukunft tvird Zeugnis davon ablegen, ob unsere „Alufim ukzinim" so gut wie unsere geistigen Führer und die Millionen Einzelseeleu unserer Gesamtheit den Ruf zu rastloser Hingebung an die „Awaudas haklal", wie er aus Louis Feist's Grab an unser Ohr. dringt, verstanden und gewürdigt haben." Schneiderei Crössmann Kalsaratnaama lOa, Entnaso!. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kieider. Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe and Zutaten, Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. Aus aller g&eu. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Aus tum Büro bir „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Jndontunis" wird uns geschrieben: .Das preußische Kriegsministerium hat ' auch dieses Jahr den General-Kommandos und obersten Waffenbehörden die hohen jüdischen'Feiertage für das Kalenderjahr 1S1L unter Hinweis ans den die Beurlaubung der jüdischen .S oldaten allgemein regelnden Erlaß vom Jahre 1911 bekannt gemacht nnd hiervon auch den Kriegsministerien Bayerns, Sachsens und Württembergs Kenntnis gegeben. Hiernach werden die Herren Rabbiner und Lehrer in Garnisonsorten gut daran tun, sich wegen der Erlinrknng von Regimentsbefehlen zur Erreichung ausreichenden Urlaubes oder eventueller Erleichterungen hinsichtlich der Kost rechtzeitig mit den zuständigen militärischen Stellen in Verbindung zu setzen. Frankfurt a. M. Mit B-ginn der Sommermonate wird durch Errichtung einer neuen Wohltätigkeits-Anstalt einen: großen Bedürfnis abgeholfen werden. In Baden- Buden wird ein streng rituelles Erh olnn gs heim für Frauen nnd Mä d ch e n erstehen, welches berufen sein wird, solchen Damen, die durch 'Krankheiten, Wochenbetten usw. geschwächt 'sind und jungen Mädchen, die durch angestrengte Berusstätigfeit Neigung zu Krankheiten zeigen, anszunehmvn, um durch gute Pflege, würzige Schwarzwald-Luft, und die Benutzung der guten Quellen und Badeeinrichtnngeu Badens, Heilung 'und Kräftigung zu vcrschasfen. In der schönsten Höhenlage Badens ist ein Haus mit großem Garten 7und reizender Fernsicht erworben worden: cs soll bereits im Monat Mai seiner Bestimmung übergeben werden. Schriftliche A u f n a h m e - G e s u ch e unter Beifügung von ärztlichen Zeugnissen sind an .Herrn M. Mainz j r., Börnestraße öL in Frankfurt ä. M. zu richten. Lungenkranke sind von der Ausnahme ausgeschlossen. (L.) Posen. Unter dem Vorsitze des Arztes Dr. Calv ary fand hier eine Versammlung gesetzestreuer Juden statt. Rabb. Dr. Klein-Nürnberg sprach über „Richtlinien und Judentum" und Oberlehrer Dr. Carlebach- Berlin über „Die Gründe der Reformer und ihre Bewertung." Rabb. Dr. Munk-Berlin legte mit aller Schärfe gegen die liberale Richtung Protest ein.' Die einstimmig zu Annahme gelhngendc Resolution sagt in ihrem Punkt 3: Gegenüber der Gefahr, das in den Richtlinien abgelegte Bekenntnis als Gemeindejudentum zur Anerkennung zu bringen, beschließt die Versammlung, einen Verein konservativer Inden in der Gemeinde Posen ins Leben zu rufen. Berlin. Am 10. März hat hier unter Vorsitz des Rabbiners Dr. Weiße die Generalversammlung der Berliner Mitglieder der Alliance Jsraelitc Universelle stattgefnnden. Der Bericht, den Rabb. Dr. Weiße erstattet hat, konstatiert mit Genugtuung, daß durch die Gründung der „Freien Organisation" der A. I. U. ver Friede in der Alliance vollständig hergcstellt und esu weiteres Aufblühen der Alliance in Deutschland zu . erwarten ist. Auf die Lage der Juden im Orient eingehend, hob er das großzügige Wirken der Alliance hervor, wie sie gleich nach Cmpsang der ersten Nachricht der traurigen Ereignisse in Fez 10V00V Francs telegraphisch dorthin überwiesen hat. Ebenso hat sic den durch den Balkankrieg heimgesuchten jüdischen Gemeinden bisher 100000 Francs zur Verfügung gestellt nnd eine allgemeine Sammlung eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen ist, da die Mittel, die nach Abschluß des Friedens benötigt werden, um den Geschädigten neue Existenzen zu schaffen, nicht einmal annähernd bcstinunt werden können. Auch hat die Alliance erst vor wenigen Wochen 10000 Francs »ach Jerusalem geschickt, die zur Zahlung der Miete für die arme Bcvölkerung verwendet tverden .sollen. Der Bericht fand lebhafte Zustimmung, worauf dann die Wahlen zum Vorstand vorgenommen wurden. Berlin- Der Central-Berein dent>chcr Staatsbürger j ü d. Glaubens veranstaltet am 30. März im Lehrervereinshaus (Alexanderstraße 11) seine H a n p t v e r s a m m lung. Tagesordnung: 1. Verhältnis deS Zentralvereins zum Zivnisntus. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Antrag auf Satzungsänderung. 1. Vorstandswahl. 5. Entlastung und Wahl der Revisoren. 6. Antisemitismus in Schulen. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich Berlin. Die Uniott bet Associations Israslites hatte durch ihre Delegierten Dr. Paul Nathan, Elkan Adler und Dr.. Bernhard Kahn, die den Balkan bereisten, Vorsorge getroffen, daß den Inden in I a n n i n a — etwa 3500 — nach dessen Einnahme in schnellster Weise die nötige Hilfe gebracht toerden kann. Zu diesem Zweck war in Prevesa mit Unterstützung der griechischen Behörden, die König Georg in der Audienz, welche er den Delegierten in Saloniki gewährte, in Aussicht gestellt hatte, ein Lebensmitteldepot errichtet worden, um in möglichst kurzer Zeit Nahrungsmittel nach Jannina schassen zu können, «ofort nach dem Fall Janninas sind für 10000 Francs Mehl nnd Lebensmittel nach Janm'na gebracht worden. Oesterreich-Ungar». Lemberg. Folgender Vorfall beleuchtet den fortschreitenden Antisemitismus in Galizien: Die Lehrerin Berta Schnapik, eine Jüdin, erhielt eine Anstellung an der Schule in Dnkla. Unter dem Einfluß von irgendwelchen Erwachsenen, vielleicht gar ihrer Lehrer, erklärten die Kinder, eine Jüdin nicht als Lehrerin zu dulden nnd verließen bei der Einführung des Fräuleins die Schule. Innsbruck Rabbiner Sagher vollzog einen interessanten Uebertritt znm Judentum. Es handelt sich um ein Frl Marie ValerieKrzosa, Sekretärin des Roten Kreuzes für Rumänien. Sie ist die Tochter des Missionsgeistlichen Christian Krzvsa. eines einstigen russischen Juden, der in London von der Mission aufgegriffen, überredet, getauft und wegen seines bedeutenden hebräischen Wissens mit der Missionsseelsorge in S— betraut wurde. Krzosa blieb jedoch im Herzen Jude, denn nur so ist es verständlich, daß er seine Kinder nicht taufen ließ. Sein letzter Wunsch war an seinen jüdischen Schwiegersohn Faimar gerichtet, nach seinem Mleben das Kaddisch-Gebet zu verrichten. Am Tage der Verehelichung seiner Tochter mit Faimar hauchte Krzosa seine Seele aus. ^ecvrrUouLblumen I Arrangements für Festlichkeiten geachmackvollst ■ und billigst. ■ Frankfurter Kunstblumenu. Kranzfabrik I Wolscliendorfl «& Meissner I 38 TSngeBgasse 88. ■ Seite 3. TammiaU* Gustav Schwärs I P fl flirnP 14 Gutlaatstrasss 14 1 1® |# M % MM mt nächst dem Schauspielhaus. Kein laden. TeL 1347». H Ißuiffßton. 11 Das „Scheker-Bttbnl". Bon C. Berg. (7. Fortsetzung). Das Städtleiu lag friedlich still, die braven Bür- - ger und Bürgerinnen ruhten in wohlverdientem Schlaf, überall ticsste Dunkelheit hinter den Gardinen uw» heimlicher Frieden. Nur an einem Fenster des Hauses, in welchem die Schmiede war, da, wo bei dem Schmied der Schlosser Luschek wohnte, siel es Perez aus, daß sich etwas Weißes bewege. Er schaute schärfer hin und erkannte, hell beleuchtet von dein grellen Mondenlicht, die kleine Franja, welche in einer weißen Nachtjacke, das starke, rote Haar gelöst, mit bloßen. Armen zum Fenster hinauslehnte. Perez blieb dem Haufe gegenüber trotzig, breitbeinig stehen und starrte die Nachtschwärmerin herausfordernd an. Es drängte ihn, seiner Feindin etwas Unangenehmes zuzurufen, da ihm aber nichts Gewitzteres einfiel, so schrie er aus vollem Halse hinaus: „Guten Abend, Mamsell, der Mond. scheint sehr hell." „Laß doch das Mädel in Ruhe!" mahnte hinter ihm eine tiefe Stimme. Wie er nun dem Julek antworten wollte, klatsch, flog ihm etwas an den Kops, und unser Mann fühlte sich über und über mit Sand und Erde beschüttet; die beleidigte kleine Hexe hatte ihm einen Blumentopf an den Kopf geschleudert. Er wischte die Augen, pustete und schimpfte ein Erkleckliches, da er sich aber allein sah — Franja war plötzlich unsichtbar — und wohl auch weitere Wurfgeschosse fürchtete, fand er für geratener, den Handel ein andermal' auszutrazen und seiner Wege nach der Apotheke zu wandeln. Die alte Mutter hatte recht prophezeit: der Apotheker, bei Tage ein freundlicher, feiner junger Mann, ' zeigte sich sehr verdrießlich, aus dem schönsten Schlaf geklingelt zu sein. Mürrisch und langsam trottete er in der Offizin herum; Perez blickte ihm ungeduLig auf die Hände: die Bereitung der Medizin dünkte ihm eine Ewigkeit. Nun fiel es ihm schwer aufs Herz, daß seine Mutter in Schmerzen liege, und wie töricht er einige kostbare Minuten, die er früher hätte helfen können, vertrödelt hatte. Endlich empfing er die Arzneizahlte schnell und lief im Sturmschritt über den Markt zurück. Er konnte an zehn Minuten eher sein Haus erreichen, wenn er über den Schmiedehof lief, Lurch den Riegnerschen Park, der an den Stadtforst grenzte, dem Friedhof zu. Die Gegend war bei Nacht nicht so recht geheuer; ohne Besinnen "betrat Perez das feindliche Gehöft; koste es, was es wolle, er mußte die verlorene Zeit wieder einbringen. Statt aber, wie er gehofft, seinen Weg erheblich abznknrzen, hatte der einfältige Mensch seine Sache nur verschlimmert. Die geebneten, mit Kies bestreuten Pfade waren, schnell durchmessen, aber in dem Wäldchen, dessen starke Buchen keinen Lichtstrahl hindurchließen, war er wie mit Blindheit geschlagen; er stolperte einigemale sehr gefährlich über Baumwurzeln und zitterte vor Angst nnd Erregung, das Flaschen mit der kostbaren Arznei zu "zerbrechen. Nun hörte er es rauschen: Achtung, das war der Waldbach! Das fehlte noch, daß er da hineinpurzelie, da konnte seine gute Mutter lange ans ihre Tropfen warten. Suchend fuhr er in seine Taschen — es war ihm eingefallen, daß ihm heute Morgen im Gasthause ein Reisender auf sein inständiges Betteln eine hübsche, lleine, sich selbst auf einen Druck entzündende Laterne geschenkt hatte. Ja, doch aller unnütze Kram barg sich in seiner Tasche, nur das Feuerzeug war nicht zu finden. „Bür ich nicht der Tackeschnarr?" raisonnierte er, über sich selbst erbost, „bei Tag schnorre ich mir Licht, und zur Nacht vergesse ich es in der Schublade." Der verteufelte Bach,, er nahm kein Ende; Perez hatte das unheimliche Gefühl, Las alle, welche sich im Dunkeln verirrt haben, beschleicht: es schien ihm, als laufe er immer im nämlichen Kreise herum. Ganz plötzlich öffnete sich der Wald in eine Lichtung, endlich — nur noch hundert Schritt, dann mußte er an den Kreuzweg der Chaussee gelangen. Perez atmete aus: er erblickte wieder den klaren Himmel; ein kühler Hauch wehte, der

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