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Neue jüdische Presse · 1913-03-14 · Heft 11 (14.3.1913) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite lö. trotz allem za -ernten hatten. Besonders totes der Redner auf den Medrrgang hin, in dem sich Spanien seit der Vertreibung seiner jüdischen Bürg« befindet und auk die bisher erfolglosen Bemühungen, die Juden zur Ansiedlung in diesem Laude zu gewinnen. Am 7. sprach Herr W. Rosen über die Berfolgun g der Juden in Damaskus 1840. Der Referent schilderte die entsetzlichen Qualen der Juden infolge des Ritualmordwahues, die erst durch das bewundernswerte Eingreifen eines Cremieux und Montcfiore gemäßigt wurden. Die einstüiidigen, fesselnden Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Gibt eS eine nervöse Entartung bet Sen Juden. . Der in diesem Winter gegründete Franks. Verein für Statistik und. Demographie der Juden entfaltet eine lebhafte "Tätigkeit; schade nur, daß die Beteiligung an seinen wertvollen, jeden Juden — mag er als Jude denken, wie er wolle — interessierenden Borträgen nicht die entsprechende ist. Letzten Samstag sprach der bekannte hiesige Nervenarzt Dr. med. Max Sichel über die Frage: „Gibt es eine nervöse Entartung bei den Juden?" Folgen wir seinen Gedankengängen! Ein ernster Forscher wie Theilhaber, der geistvolle Zollschan prophezeien den Untergang der Juden. Wir Juden würden degenieren. Es ist merkwürdig, daß ein Fragenkomplex, bezüglich dessen noch so wenig Klarheit herrscht, für uns Juden gelöst sein soll. Ein Studium des in Frage kommenden Gebietes zeigt, daß man kein Recht hat, von einer Degenerierung der Juden zu reden. Wenn wir Juden in den Sanatorien einen höheren Prozentsatz einnehmen, so ist das der höheren Wertung der Persönlichkeit bei uns und der daraus entsprechenden "Sorgfalt für die Gesundheit sowie auch der Tatsache zuzuschreiben, daß wir meist Städtebewohner sind und meist dem kämpfenden Mittelstand angehörcn. Epilepsie, die dem Alkoholismus entspringt, und Gehirnerweichung, die meist aus Syphliis entsteht, kommen bei uns Juden kaum vor und zwar infolge unserer auch trotz des Schwindens der jüdischen Tradition noch, sittlichen Familienlebens. Dagegen Historie und Neurasthenie, — und diese nervösen Entartungen sind erblich nicht übertragbar. Auch daß die Inzucht degeneriert, ist durchaus nicht bewiesen, eher das Gegenteil. ZZohl sind Selbstmorde und Rückgang der Geburten Erscheinungen, die uns zu denken geben. Bom Standpunkt des Arztes kann man also alles in allem nicht von einem Untergang der Juden infolge Dcgenerierung reden. Bered» zur Bekleidung bedürftiger isr. Kuabeu. Dem 42! Jahresbericht dieses Vereins (Vorsitzender: Raphael M. Kirchheim) entnehmen, wir, daß 284 Schillingen und 85 Jünglinge (im Vorjahre 292 bezw. 98) mit Kleidern und Schuhwerk versehen wurden. Die Mitgliederzahl betrug 671 mit einem Jahresbeiträge von 5123 Ji. An Geschenken gingen 4567 JL ein. f ' Rabbinatsasscssor Lipinsky beging vorige Woche das seltene Fest eines S i j u m auf das gesamte „S ch a jj". Er gab .. aus diesem Anlaß ein Festmahl, bei dem Rabb. Dr: Nobel, Rabb. Dr. H o r o v i tz, Jakob S. Posen, Dr. med. Stiebet >i- Daniel Äug. Worms sprachen. Aus de« Vereine«. Berlin. Ein Verein der Bechorim (Erstgeborenen) besteht hier seit etwa 50 Fahren. Er veranstaltet jährlich am Rü'ttage des .Pesach in althergebrachter Weise eine Sijumfeier und verwendet feine Ueberschüssc dazu. Bedürftigen zu Pesach eine Unterstützung zu gewahren. Anmeldungen als Mitglieder: Samuel Cohn, Lützow--Ufer 13. — Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen, Monbijynplatz 101 brachte im Januar von 358 Bewerbern 278 unter (darunter 20. mit Sabbatheiligung). Der Verein unterhält außerdem eine Schreibstube. Würzburg. Eine eindrucksvolle Versammlung war es, zu der' auf Veranlassung der Jngendgruppc der Agudaß-Jisroel zu Frankfurt a. M. am letzten Frankfurter Israelitisches Famllrenblatt. Sonntag eingcladen wurde» war. Und zahlreich war Jung und Alt gekommen, um den deutlichen Beweis zu erbringen, daß der echte jüdische Geist i» Würzburg noch nicht ans dem Aussterbeetat begriffen ist, daß in Würzburg noch Verständnis herrscht für die Erfüllung der Pflichten, der Zeit im Sinne eines positiven Judentums. Galt es doch, auch hier bei uns Mittel und Wege zu finden zur Gründung einer Jugendgruppc, die die Richtlinien der Agudaß- Jisroel zu ihrem Programm macht. Nachdem H. B u x b a u m in einigen herzlichen Worten die Versammlung begrüßt hatte, übernahm caud. jnr. Isaak M e y c r - Regensburg das Präsidium und erteilte zunächst dem ersten Referenten des Abends, M a r - t i n Feist- Frankfurt a. M. das Wort. Ausgehend von der Kattowitzer Tagung, verstand es der Redner, in begeisterten und begeisternden Worten ein Bild von den Aufgaben der jüdischen Jugend zu entwerfe». Bei den vielen Gegenwartsfragen, die die jüd. Qesfentlichkeit beschäftigen, habe die Jugend die selbstverständliche Pflicht der Mitarbeit. Früh müsse man 'sich vorbereiten, um dereinst würdig das religiöse Erbe der Väter übernehmen zu könne». Darauf ergriff L. Perlmutter- Frankfurt a. M. das Wort, um in klaren Umrissen der Versammlung den Zweck und. die Aufgaben der Agudaß-Jisroel darziilegcn. Gegründet in der Absicht, ein Zusammenschluß aller glaubenstrcucn Juden zu sein, habe die Agudaß - Jisrocl in ihrem Programm all das als erstrebenswert bezeichnet, was zur religiösen und sozialen Besserstellung der Judenheit dienen könne. Der Redner ließ sein Referat ausklingen in einen begeisterten Appell an die Würzburger Jugend, der neu zu gründenden Jngendgruppc beizutreten und ihre ganze Kraft in den Dienst der guten Sache zu stellen. Langanhaltender Beifall lohnte den Rednern ihre große Mühe, und der Beitritt von ca. 70 Mitgliedern in die neue Jugendgruppc zeigte ihnen, daß, ihre schönen Worte nicht auf nnfruchtbaren Boden gefallen waren. Die nun folgende Diskussion ließ zur Genüge erkennen, das; inan in Würzburg den festen Wille» zur Tat hat. Als erster Diskussionsredner „ahn, Hermann Engel das Wort, um seiner großen Freude über die Ncngründung beredten Ausdruck zu verleihen. Nachdem bann noch cand. jnr. Meyer in klaren Worten ein Programm für die Jugendgruppc entwickelt und auch Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemut h-Kitzingcn in begeisterten Worten zum Beitritt ausgesordert hatte, begrüßte es die Versammlung besonders freudig, als cand. med. Isaak Hcs -Emden das Wort ergriff, um im Namen der Vereinigung jüd. Akademiker-Würzbnrg die regste Anteilnahme an den Zielen der neuen Ortsgruppe in Aussicht stellte. Hamburg. Das Heim für jüdische Mädchen hielt seine Generalversammlung unter dem Vorsitz von Frl. Sidonie Werner ab. Der Jahresbericht, zeigt, daß dieses von Gustav Tuch ins Leben gerufene Wohlfahrtsinstitut einem starken Bedürfnis entspricht. Junge erwerbstätige Mädchen. bemühen sich" in wachsender Zahl, im Heim eine gute und billige Unterkunft' zu finden, die ihnen. Familienanschluß gewährt. Da die jetzigen Räume in der Bogenstraße schon lange nicht mehr genügen:, ko hat der Vorstand ein weit geräumigeres Haus am Grindelberg 46 gemietet, das zum Frühjahr bezogen werden wird. Der Vorstand bittet, ihn: größere Mittel wie bisher zur Verfügung zu stellen, da bei den steigenden Lebensmittelprcisen naturgemäß auch die Ausgaben höher geworden sind, und es bei der Tendenz der Anstalt nicht' Immer möglich war, ein erhöhtes Kostgeld zu nehmen. Dir langjährige Leiterin des Heims, Frl. Fürst, folgte einem Rufe nach Jerusalem, doch fand der Vorstand einen Ersatz in Frl. Lev in, die bereits geraume Zeit im Paulinenstift in ähnlicher Stellung tätig' gewesen ist. Eingesandt. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrte Redaktion! . In Nummer 8 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" hat Herr Justizrat Breslauer unter der Ueberschrift höchste Zeit" einen Artikel veröffentlicht, in dem Nr. 11 er darzutun sucht, daß 'in der letzten Zeit unzulässige I Kampfmethodcn im Judentum Eingang gefunden hätten. Hierbei hat er insbesondere auch aus die Tatsache hin-I gewiesen,' daß w i r eine Strafanzeige „gegen Unbekannt" I erstattet haben, jim zu erniittcln, in welcher Weise zahl-1 reiche Nichtmitglieder unseres Bundes fortgesetzt in de» Besitz der von uns herausgegebenc» Monatsschrift „Der Jüdische Student" gelangen. Die in dieser Beziehung von Herrn Justizrat Breslauer ausgestellten Behanptüngci, nötigen uns zu folgender Richtigstellung, durch deren Veröffentlichung Sie, sehr geehrte Redaktion, uns zu Dank verpflichten würden: Der „Indische Student" ist das interne Organ der in, „Bund Jüdischer Korporationen" vereinigten Vereine jüdischer Studenten und wird von dem unterfertigten Präsidium herausgegebe». Er dient — abgesehen von zwei in jedem Jahre ö s s e n t l i ch erscheinende» Heften — keinerlei agitatorischen Zwecken, sondern der Erörterung innerer Angelegenheiten unserer Organisation und der Berichterstattung. Er 'ist deshalb ausschließlich für unsere Mitglieder bestimmt, die zu seiner Geheimhaltung ehrenwörtlich verpflichtet sind. Eine entsprechende Aufschrift speziell auch zur Orientierung Dritter, denen zufällig ein Heft zu Gesicht kommt, trägt jedes Heft. Eine derartige Zeitschrift haben alte studentischen Kartelle, übrigens' auch viele andere Organisationen, z. B. die Bne-Brith- Logen; die Geheimhaltung gilt also nicht „Andersdenkenden", sondern jedem Nichtmitglieoe gegenüber, mag cs uns in seiner Gesinnung noch so nahe stehe». Aus absolut zuverlässiger Quelle wissen wir, das; seit über einem Jahre jedes unserer Hefte in den Besitz bestimmter Gegner gerät. Es handelt sich nicht uni einen gelegentlichen Vorfall, sondern um fortgesetzte Entwendungen unserer Hefte. Folgende einzelnen Fälle seien hervorgehoben: 1. Das Märzhest 1912 der öffentlichen K. C.-Blätter befaßte sich mit einem in unserem internen Januarheft erschienene», de» K. C. betreffenden Artikel. 2. Nach Cöln wurden im Dezember 1912 — kurz bevor in Bonn unser Kartelltag stattfand — 30 Abschriften einer Veröffentlichung aus unserem internen Novcmberhest an Repräsentanten der Gemeinde usw. zur Verwertung gegen den V. I. St. gesandt. Ihr Inhalt, der auch im Cölner „Israelitischen Gemeindeblatt" von einem liberalen Herrn publiziert worden ist, tonrde in einer öffentlichen liberalen Versammlung zum Gegenstand heftiger 'Angriffe auf den V. I. St. gemacht. 3. In gleicher Weise — dies erscheint als besonders charakteristisch — wurde» dieselben Cölner Herren auch über de» Inhalt des nächsten Heftes, der Dezembcrnummer, informiert. Das „Cölner Israelitische Gemeindcblatt" war. in der Lage, in der Polemik eines liberalen Herren, gegen den V. I. St. auch aus diesem Heft zu zitieren. Herr Justizrat Breslauer exsieht hieraus, daß es sich nicht darum handeln kann, daß „eine Nummer in den Papierkorb gefallen ist oder als Käsepapier oder sonst wie verwendet und auf diesem Wege in andere Hände gefallen ist". Angesichts, der in akademischen Kreisen herrschenden Ansicht vom Wesen des Ehrenworts, ist es ausgeschlossen, daß 'die Indiskretionen aus eines unserer Mitglieder zurückzuführen sind — es müßte denn jemand sein, der sich als Vertreter unserer Gegner betrügerisch in unsere Reihen eingeschlichen hat. Die von Herrn Justizrat Breslauer vermißte (ehrenwörtliche) Anfrage bei unseren sämtlichen Mitgliedern ist erfolgt. Sie hat nichts ergeben. Die Tatsachen zwingen also zu dem Schluß, daß s y - st e m a t i s ch feindliche Kreise sich in den Besitz unserer Hefte setzen — was mir durch Diebstahl oder Unterschlagung seitens einer bei der Herstellung oder Versendung der Hefte beschäftigte» Personen geschehen kann — und daß sie ebenso systematisch den Inhalt widerrechtlich verbreiten, was eine Urheberrechtsverletzung ist. Der Richtigkeit dieser juristischen Fundierung, die von uns hinreichend nachgeprüft ist, wird angesichts der ihn erst jetzt bekannt gewordenen Tatsachen Herr Justizrat Breslauer nicht verschließen. Diese Tatsachen ergaben ferner, daß bestimnite uns befehdende Kreise. über die strafbare Handlung unterrichtet sein müssen. Es war wirklich kein leichtfertiger Schluß, wenn wir als Zeichen die Herren vom geschästssührenden Ausschuß des K. C. genannt haben, der notorisch mindestens einzelne Hefte besitzt und trotz unseres Eritzet 2tt Mckwünschen Telejjramm-Jl&lösuncjsforfflulare der Xebrakckeu Mittelschule 7ackkemome in Jaffa. -»■ Stück ä Mk. 0.50. . Blocks za 10 Stück t ML 5.— in allen hebräischen Buchhandlungen sowie in der Redaktion zu haben. Wir suchen per sofort ein tüchtiges Mädchen nicht unter 24 Jahre, mit guten Zeugnissen, daS die bürgerliche Küche perfekt versteht. Beste Gelegenheit die französische Sprache zu erlernen. ItfitoslMeH, Esch «.d.Alzette (Luxemburg'. 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