Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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zu ilt, 9 des Frankfarler IsmeliMm FaMmklaiies. Bezalel-Ausstellung. Auf ihrer Reise durch die Welt ist die Bezalel- Ausstellung jetzt nach! Frankfurt gekommene Es dürfte daher interessant sein, über ihren Eindruck in Prag, Ivo sie jüngst mehrere Wochen weilte, zu berichten. In Prag fand die Ausstellung im Rahmen der vom „Kunstverein für Böhmen" veranstalteten Herbstausstellung statt. Der Erfolg war ein sehr großer, und zahlreiche, auch von Nichtjuden gemachte Muse, veranlastten daun den Prager Kunstgewerbcverein „Bezalcl", eine große Verkaufsausstellung im jüdischen Rathause zu veranstalten. Von den durchivegs lobenden Aeußcrungon der Presse sei hier die des „Prager Tageblatt" wicdergegcben. Es schreibt: „Als die Jerusalemer Kuustgewerbeschnle „Bezalcl" ihre erstjen Ausstellungen über den Kontinent schickte, hatte man einige Skepsis, weil sich hier die Worte Kunst und Philantropie verbrüderten und man erfahrungsgemäß weiß, daß bei einer solchen Verbindung die Kunst zu kurz komnit. Die Tatsachen bekehrten zu einer anderen Ansicht; man mußte die überraschende Entdeckung machen, daß hier die Philantropie zur Grundlage einer eigenartigen und beachtenswerten Kunst wurde. Die Sache liegt so: Lange vor Mohammed und der Hedschra waren die Jemenitischen Juden Südarabiens die Äoldarbeiter und Waffenschmiede des Landes. Dann zog der Islam ein, die Juden sanken als Ungläubige immer tiefer in der Achtung, wurden Wasserträger und Frachtknechte, bis schließlich die .großen Revolten der Araber gegen die Konstantinopler Regierung ihren Zustand völlig unerträglich machten. So wanderten sie zu Hunderten nach Jerusalem aus und hungerten sich dort sehr jämmerlich durch. Boris Schatz, der Leiter der frischgegründeten jüdischen Kuustgewerbeschnle nahm ein Dutzend von ihnen wurde von Herrn Isaac Königs Wärter gestiftet durch eine Gabe von 200 000 Gulden. 1875 wurde es eröffnet, hat nun fast 40 Jahre der Krankenfürsorge gedient und ist noch heute im Betrieb. Da es aber in seiner Organisation und Einrichtung veraltet ist und den Forderungen der Hygiene nicht mehr entsprach, drohte der Königl. Regierungspräsident 'mit Schließung. Im Februar 1906 beschloß die Gemeindeverwaltung einen Neubau, indem sie zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaarcs 100 000 Jt. zur Errichtung einer gynäkologischen Abteilung stiftete. Dies war der Grundstock des neuen Hospitals" Das Gelände auf der Höhe des Röderberges, hinter dem Turm, zwischen Bornheinier Landwehr und Saalburgallee — wenige Schritte von der Wittelsbacher Allee entfernt — gelegen, wurde teils von der Stadt, teils von Privaten erworben, nachdem durch Königl. KabinetSo r d r e der ijr. Gemeinde (zum ersten Mal in Preußen) das Enteignungs-Recht zucrkannt war. Das Gelände umfaßt ca. 10 Morgen. Ein Preisausschreiben, um Pläne für den Bau zu erlangen, ergab 77 Projekte. Das Preisgericht sprach einstimmig dem Projekt mit dem Motto „Frankenfurt" den ersten Preis zu und bezeichncte es als außerordentlich wirkungsvoll und auf hoher künstlerischer Stufe stehend. Die architektonische Ausgestaltung der Gebäude ist bei aller Einfachheit, wie sie einem Krankenhause znkonunt, ein Beweis für die hohe künstlerische Reife des Verfassers und dessen volles Verständnis für die Lösung der Aufgabe. — Verfasser dieses Entwurfes war der Architekt Herr Franz Röckle, der auch die Synagoge in der Königsteinerstraße erbaut hatte. Seit September 191 l wird an dem Krankenhaus nach einem etwas veränderten Bauprogramm gearbeitet, im Spätjahr ist cs vielleicht vollendet. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach Oberlehrer Dr. I. He ine mann über „Di e I u d e n in der römischen Kaiserzeit". Er führte aus: Die Juden befanden sich in der römischen Kaiserzeit insofern unter ähnlichen Verhältnissen wie wir heute, als sie größtenteils außerhalb ihres Staatswesens, auf ständigen Verkehr mit Andersgläubigen angewiesen, lebten, und auch damals noch nicht, wie im Mittelalter, die konfessionelle Gebundenheit der sie umgebenden Kultur unsichtbare und sichtbare Schranken zwischen ihnen und der Umwelt aufrichtete. Daher ergaben sich auch damals als Folgen des Verkehrs zwischen Juden nnd Nichtjnden: erstlich Judenhaß und Abwehrbewegung, zweitens assimilatorische und — zu ihrer Bekämpfung — konservierende, ja, abschließende Tendenzen. Der Antisemitismus des Altertums, vertreten durch Radaubrüder, große Dilettanten wie Apion, aber auch Historiker wie Tacitus, hatte deshalb einen schwereren Stand als heute, da die Zahl der Juden mindestens 4 Millionen bei 50—60 Millionen Einwohnern des römischen Reichs betrug und viele „halbe Proselyten", namentlich Frauen, dem Judentum günstig gesinnt waren. Daher gab die römische Regierung, trotz zweifelloser Animosität gegen die jüdische (wie gegen jede freiheitsliebende) Nation/ der jüdischen Religion manche Privilegien, wie die Befrei-, ung vom Kaiserkultus. — Der Abwehr gegen den Antisemitismus diente^eine starke apologetische Literatur, aus welcher uns die Schrift des Josephus gegen Apion nnd die des Philo über Moses erhalten sind. A Zweitens aber wirkte der Verkehr mit Nichtjuden auf die Glaubensanschanungen der Juden selbst zurück. Einerseits gab es Juden, die nur am Bersöhnungstage in die Synagoge gingen, und solche, die alle Ritualgesetze symbolisch deuteten; ja, Männer, die ihrer Religion untreu wurden, um Offizier zu werden; andererseits nahm die Anzahl derjenigen immer zu, die die Fortschritte Bilder von der jüdischen Knnstgewerveschüle Bezalel in Jerusalem. 1. Batik-Abteilung. 2. Besuch des Chacham-Baschi? fcSÄ Wm i-“'. , "'Mi. 29BS3! in Arbeit und sah, daß diese Männer in einem atavistischen künstlerischen Gefühl fast ans Eigenem die zierlichsten Goldarbeiten, die originellsten Schmuckstücke in altarabischem Stil verfertigten. Unter seiner klugen Hilfe gedieh jetzt eine Kunst, die, kraft der zwei Elemente, denen sie entstammt, orientalischen und modernen Stil in höchst sympathischer Form verbindet. Dabei zeigten die Töchter der Jemeniten Begabung zum Teppichknüpfen nnd Spitzenklöppekn und bekamen vom Bezalel reichliche, anständig bezahlte Arbeit. Mehr als hundert solcher Mädchen wurden vor Not und Prostitution gerettet. Daneben floriert «ine Mteilung für Kupfer- und eine für Holzbearbeitung." Frankfurter Berichte. Im freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben hielt am 25. Februar d. I. Herr Dr. med. Arnold Baerwald einen Bortrag über den Neubau des Krankenhauses der i s r a e l i t. Gemeinde. Die Versammlung war gut besucht, viele Damen waren anwesend. Der Vortragende rühmte die Tätigkeit der Gemeindeverwaltung, 'die in wenigen Jahren drei große Bauten in Angriff genommen und vollendet habe: das Philanthröpin, die Synagoge in der Königsteinerstraße und nun das Neue Krankenhaus der Gemeinde, — letzteres allerdings unterstützt von dem hervorragenden Opsersinn der Gemeindemitglieder, die in wenigen Wochen die Summc von 1400 000 JL dafür gespendet haben. Sodann schilderte der Vortragende das alte Krankenhaus, zwischen Judenmarkt, Judenmauer und dem alten jüdischen Friedhof gelegen, das sogen. Hekdcsch, in dem patriarchalische Verhältnisse herrschten, bis die Gemeindeverwaltung im. Jahre 1872 an den Neubau eines .Gemeindehospitals gehen konnte. Dieses Hospitalgebäude Der Vortragende schildert^ nun eingehend die Organisation und die Bauten des neuen Krankenhauses. Es wird am Eingang ein Verwaltungsgebäude errichtet, in welchen: auf der einen Seite, im Parterre die Räume der Verwaltung und der Aufnahme sich befinden, auf der anderen Seite die Räume der Poliklinik. Im ersten Stock befindet sich die Krankenhaus-Synagoge, Wohnungen der Assistenzärzte und des Inspektors. Durch den Torbogen des Verwaltungsgebäudes betritt man den großen Garten der Anstalt, der nmsäumt ist von den einzelnen Bauten und von dem Hauptgebäude, dem Wirtschaftsgebäude und am Ende des Gartens — entfernt von den anderen Gebäuden — dem Hause für Jnfektionskranke. Das Hauptgebäude enthält im Parterre die chiurgische und gynäokologische Station, im ersten Stock die medizinische Station nnd im Obergeschoß die Abteilung für Privatkranke mit 20 Betten. Alle Abteilungen, besonders die Operationsabteilung, die Röntgenabteilung, die.Laboratorien, die Bäder-Abteilung, die Abteilung für Heilgymnastik wurden genau beschrieben, ebenso die Einrichtung des Wirtschaftsgebäudes — die Zentralküche genau getrennt für Speisen, die mit und die ohne Milch zubereitet werden, die besondere Osterküche —, ferner die Waschküche, die Zentralheizung nnd das neue Prinzip der Lüftung sämtlicher Kranken- und Operationsräume durch Einfiihrung von Ozon nach einem neuen System. Vortragender bespricht noch den Dienst der Chefärzte und der Schwestern, für welche auf dem Gelände nebenan ein besonderes Wohngebäude errichtet wird, während für die diensttuenden Schwestern besondere Dienstzimmer auf den Mteilungen vorgesehen sind. Der Bortrag wurde durch Ausstellung von zahlreichen Plänen des neuen Krankenhauses nnd des Modells erläutert. Möge es bald erstehen, den Kranken znnr Heile und der Frankfurter Gemeinde zur Ehre! der Propaganda unter den Heiden ungern sahen und die wichtigste Tat zur Förderung dieser Propaganda, die Uebersetznng der Bibel in die Weltsprache der Zeit» für ein schweres Unrecht hielten. Zwischen beiden stehen Männer wie Hillel, einerseits geneigt zur Ausbreitung des Judentums und daher zur Herausarbeitung seines ethischen Gehaltes, andererseits zum Festhalten an der Ueberlieferung, ja, zur Erweiterung der Schutzeinrichtungen zur Erhaltung der Eigenart des jüdischen Glaubens fest entschlossen. Der Vortrag wurde mit gespanntem Interesse ausgenommen und erntete — wie stets die Borträge des bekannten glänzenden Redners — lebhaften Beifall. Die am 20. crt. hier stattgefundenen Kaufmannsgerichts-Wahlen brachten erfreulicherweise eine Verminderung der Beisitzerzahl des antisemitischen deutschnationalen Handlnngs-Gehilfen-Berbandes. Diese Ziffer ist in den letzten vier Wahlen, seitdem die jüdischen Gehilfen sich etwas akttver beteiligten, stetig gesunken, von 13 auf 10, dann auf 9, und jetzt auf 8 Beisitzer. Nur 100 Stimmen mehr bei der Gesamtzahl hätte es dieses Mal bedurft, um den D. H.-V. auf 7 Stimmen hcrunterzudrücke». Die Wahlbeteiligung der jüdischen Gehilfenschaft war noch immer eine lückenhafte, aber immerhin läßt sich wenigstens sagen, daß das Ziel des D. H.-D., ihren sogenannten „deutschen" Handlungs-Gehilfe n - T a g i m I u n i d s. I s. hier mit einem großen Siegeszug bi der hiesigen Wahl einzuleiten, trotz der rücksichtslosen Agitation des D. H.-B. an dem gesunden Sinn der Frankfurter Gehilfenschaft gescheitert ist. Im ganzen war die Wahlbeteiligung eine ziemlich lebhafte. Es wurden 3991 Stimmen abgegeben, welche Ziffer die seitherigen Zahlen, wenn auch nur um ein Geringes, übertrifft. Die Antisemiten erreichen mit ihren 968 Stimmen noch immer einen Prozentsatz von nahezu 25«/o. Das ist der schlagendste Beweis dafür/ daß wir unS 4780