Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr- 8. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seile H. erst' frühest«,» 1,A Sekunden. nach, einer iter* bereitenden Maßnahme zur Wahrnehmung gelangt. Bewußtlosigkeit tritt nach dem Schächtschnitte schon infolge der Shok - Wirkung, dann aber auch infolge der plötzlich ausströmenden großen Blutmenge sofort ein. Die Behauptung von Schächtgegnern, baß das Fortbestehen des Hirnhaut-Reflexes gegen die Annahme der Bewußtlosigkeit spräche, ist nach lleberzeugung namhafter Physiologen wie auch des Redners absolut unhaltbar; ist es doch an narkotisierten Menschen unzählige Male festgestellt worden, daß der Corneal-Reslex noch aüslösbar war, obwohl das Bewußtsein längst aufgehoben war. Der Corneal-Reflex ist eben vom Willen oder Bewußtsein durchaus unabhängig. Bezüglich des Corneal - Reflexes nach Schächtschnitt hat Terek, Direktor einer tierärztl. Hochschule, eingehende Beobachtungen angestellt. Er konnte feststellen, daß die längste Dauer des Erhaltenseins vom Hornhautreflexe 1 Min. 30 Sek. betrug. Bei zwei Ochsen fand er in den ersten 15 Sekunden Nach, dem Schächtschnitte den Hornhautreflex überhaupt nicht auslösbar, und sein Wiederanftreten nach dieser Pause spricht absolut einwandfrei dafür, daß er vom Bewußtsein durchaus unabhängig ist; denn nach 15 Sekunden anhaltendem Blutverluste aus den großen Schlagadern ist jeglicher Bewußtseins-Vorgang im Hirn ausgeschlossen, selbst wenn man annähme, daß es sich sofort nach dem Schächtschnitte nur um Shok - Wirkung, nicht um Bewußtlosigkeit handle. Die Behauptung der Schächtgegner, durch die im Wirbelkanale verlausende Arterie werde dem Hirne auch, nach dem (die Arterie nicht treffenden) Schächtschnitte so viel Blut zugeführt, daß hierdurch der Fortbestand des Bewußtseins gewährleistet werde, hält Dr. Strauß für nicht stichhaltig, da unmittelbar nach dem Schnitte durchs das plötzliche Ansströmen großer Blutmengen die zur richtigen Blutverteilung nötige Spannung in den Wirbelkanal-Arterien fehle und nach Wiedereintritt dieser Spannung, die Bewußtlosigkeit bereits so tief sei, daß die mäßige Zufuhr arteriellen Blutes durch diese Wirbel- Arterie keinen Effekt mehr ausüben könne Für die Richtigkeit dieser Auffassung sprächen zahflose Beobachtimgen. Schließlich kam der Redner auch noch aus den Einwurf der Schächtgegner gegen das vor dem Schächten übliche Niederlagen der Tiere zu sprechen, dem man auf. den Bortrag folgenden Aussprache Herr Rabb. Dr. H oro vitz von ein«: sehr interessanten Besprechung mit einer Anzahl bekannter Schächtgegner berichtete und hierbei deren Wunsch nach einem schonenden Verfahren beim Niederlegen der Tiere knndgab. —r. Rohheit nachsagt. Durch Einführung der Apparate von Silberbach und eines noch neuzeitlicheren nach Angabe verschiedener Tierärzte sei das Niederlegen der Tiere ohne jegliche Quä" ' " ... " jegliche Quälerei möglich, dieses lege sich vielmehr selbst langsam zur Seite. Diese letztere Tatsache betonte der Referent des Abends noch ganz besonders, als in der Bor voll besetztem Saale der Frankfurt-Loge sprach im Verein für jüdische Geschichte und Literatur der rühmlichst bekannte Schriftsteller und Draniaturg der vereinigten Stadttheater in Köln Dr. S. Simchowitz über das Thema: .»Der .Jude auf dem Theater." Einleitend behandelte Redner die eminent-kulturelle Bedeut,mg des Theaters, das nach Schiller mit Recht die Welt ausmache, da es ein getreues Spiegebild des Geistesleben der Menschheit sei. Es sei wichtig zu erfahren, welche Stellung der Jude in dieser Geisteswelt einnimmt. Der Jude ist eng verknüpft mit der Geschichte des Theaters, und mit Recht hat Dingelstedt konstatiert: „Solange es ein Theater gibt, hat es Inden aus dem Theater gegeben." Bereits im griechischen Drama ft,wen sich Spuren des Auftreten von Juden, so in einem hellenistischen Fragment, das das Schicksal des Moses behandelt. Im Theater des Mittelalters hat sich infolge der veränderten Zeitanschauung auch die Stellrmg des Juden auf der Bühne verändert. Er ist in den Passionsspielcn ein Gegenstand des Mscheues, in den Schwänken die Zielscheibe des Hohns und Spottes. Die neuere Zeit macht es anfangs nicht anders. Bei Shakespeares Vorläufer Christophe! Marl owe finden sich, bereits Ansätze zu dichterischer und objektiver Gestaltung. Shakespeare .zeigt gleichfalls, daß er ein Kind der. Anschauungen seiner Zeit ist, insofern als er im Drama Shylocks den der Handlung zu Grunde liegenden Vorgang einfach nmkehrt, nn, den Juden als Abscheu erregende Person hiiizustelleu, — und nur ungewollt wird Shylock als Typus zum Symbol des Unterdrückt«,. Erst im 18. Jahrhundert beginnt der Jude, wieder eine" Rolle in der Bühnenliteratur zu spielen. Der Humanitätsgedanke setzt ein. Bereits als Zwanzigjähriger hat Lessing mit größtem Scharfblick die prekäre Lage des Juden erkannt und sie jn dem Stück ,Me Juden" (1749) zum Ausdruck gebracht. Später Hat Lespng im „Nathan" ein Bild des Judentuins selber zu geben versucht, — des Juden, der ganz allein -steht, im Leid groß und stark geworden, sicher seiner geistigen Kraft bewußt ist und nun, nach de», Verlust der alten Familie, sich eine neue, aber auf rein geistiger Grundlage schafft. Neben Lessing sind zn nennen: in Frankreich Mirabeau und Grögoire, in Deutschland Dohm, in England Cumberland dessen Drama ,^Oer Jude" mit größtem Erfolge auch im Ausland gegeben wurde. Im 19. Jahrhundert bringen die Jahre 1815 bis 20 eine Reaktion. In der Posse „Unser Verkehr" wird der gebildete Jude lächerlich gemacht. Auch wird das „Mauscheln" -in die Literatur eingesührt. Erst in den 30er Jahren beginnt eine objektivere Bewertung des Juden. Man beschäftigt sich eifrig mit jüdischer Geschichte und Literatur und der künstlerischen Darstellung des jüdischen Elements (Bendemanns Gemälde, Halevys und Warschauers Opern). Bon deutschen Dichtern behandelt dann Grillparzer das jüdische Probten, in dem Fragmeiit „Esther" und der „Jüdin von Toledo", freilich im Sinne einer Rückkehr zu den mittelalterlichen, feindseligen Anschauungen. Weitaus eindring«,der und mit großer dichterischer Kraft faßt Hebbel das Problem (Schauspiel „Die Duden"). Auch Otto Ludwig hat in seinen „MakkabKrn" gezeigt, daß er das Judentum, das den Geist über die Materie stellt und ob seiner geistigen Güter alles zu opfern b«-eit ist, begriffen hat. Dagegen kannGutzk o w s „Uriel Acosta" nicht als ein den spezifisch jüdischen Geist repräsentierendes Stück angesehen werden; nur in Einzelheiten ist hier ein Blick in die Seele des Juden getan, insbesondere den „Juden aus Ehr-, geftthl" hat Gichkow gut gek«,nzeichnet. Alle diese Dramen nun .sind von Richtjuden geschrieben. Erst i. I. 1850 erscheint ein Jude als Verfasser eines Stückes, das das Jndeuproblem behandelt: M o s e n t h a l (sein Schauspiel „Deborah" hat die Mischehe. zum Gegenstand). Dann einige Jahrzehnte der Ruhe, bis die Zionisten auftreten. (Herzl: „Das neue Ghetto," Nord au: .Doktor Kohn" u. a.>. Bon nun an behandeln fast ausschließlich Juden das jüdische Problem im Drama; nur sie Art ist eine andere geworden. Der Jlwe als psychologisches Problem wird gezeigt, seine Stellung zur Urwelt, das Auseinanderwirken von jüdischer und nichtjüdischer Weltanschauung (Heijermans, Asch, Nathansen usw.). Aber die Verfasser dieser modernen Stücke sind der Größe des Problems nicht gewachsen, der richtige Dichter fehlt noch. — Der überaus interessante Vortrag wurde mit starkem Beifall aufgenommen. Dem Literatur-Verein gebührt Dank für den genußreichen Abend. Verein „T i f e r e s B a ch u r i»,." — Sonntag sprach Herr W. Müller über die Poesie der Juden in Spanien. Redner gab einen Ueberblick über die Glanzzeit jüdischer Geistesschöpfung und >vies - J. Dierolf Fahrgasse 25 Spezialgeschäft, Optisches empfiehlt Brillen» Zwicker» Lorgnetten ln jed. Ausführung, za bekannt billigen Freisen. Ferner: Op*ragt&*er, Feldstecher, Barometer, Thermometer, LuD*»n. el-ktr. Taschenlampen eto. JR«*para*nren ftnsHerst billig:.!■■■■■■■■■ Lieferant 1er AUgem. Ortskrankenkasse. •■■■■■■■■! Neu eröffnet! Spezial-Hau s kü, >11. 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