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Neue jüdische Presse · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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keck 4. Frankfurter Israelitisches Aamilienblatt. Nr. 6. wie «»sprechend für Wrianopel, seitens der Delegation - für Len Augenblick getroffen worden ist, in dem 'die Belagerung ihr Ende erreicht hat.' Es werden zunächst. 4000 FÄmken für Janina bereitgestellt. Wie die Delegierten in Sofia Unterredungen mit dem König und der Königin bon Bulgarien gehabt hatten, durch die ihnen die Durchführung ihrer Humanitären Aufgaben erleichtert wurde, so wurden sie auch vom König GeargvonGriechenland in Saloniki inAudienz empfan g en. Der König nahm eine freundliche Haltung au, und stellte Berücksichtigung der vvrgebrachten Wünsche in Aussicht. Die Kommission reiste von Saloniki über Kawalla und DÄreagatsch weiter nach Ko nstantinop el, wo sie Ende Januar eintraf. Senfecg. Auf der Landstraße zwischen Ja ros lau und Oleschize Verkehren viele Wische Fuhrleute, die Waren transponieren. Seit einiger Zeit werden diese! Fuhrleute von organisierten Bauerwbariden überfallen und mißhandelt. Dieser Tage waren Soldaten auf der Chaussee unter der Führung von Offizieren mit dem Ibrfwerfon von Schutzgräben beschäftigt und sahen einen solchen Ueberfcckhohneeinzugreifen. —Auch ein Zeichen der ZeL Lemberg. Unter der Landbevölkerung in Ostgalizien waren zur Zeit, als der österreichisch-serbische Adria-Konflikt ansbrach, wilde Gerüchte verbreitet, wonach ein Krieg mit Rußland unmittelbar bevorstehe. Die jüd'schen Landbewohner flüchteten in die Städte, wodurch die ohnehin große Not der ansässigen Bevölkerung erhöht wurde. Die massenhafte Landflucht der jüdischen Dorfbevölkerung wurde -Hauptsächlich dadurch hervorgerufen, daß die russophilen Elemente der ruthenischen Bevölkerung von panslawistischen Agitatoren gegen die Juden und Polen aufgehetzt wurden. Man drohte den Dorfjuden mit Pogromen, verweigerte die Einlösung der bei Juden kontrahierten Schulden, ja man mchm ihnen vielfach, ohne daß sie Widerspruch zu erheben gewagt hätten, ihre Warenvorräte weg. Nunmehr ist wohl die Kriegsfurcht gewichen, aber die will«« Instinkte der irregeleiteten Bevölkerung sind noch nicht beruhigt. Namentlich im Nordosten des Landes treten bedauerliche Erscheinungen — zutage. Bor einigem Tagen wurden einige Bauern wegen exzessiven, antisemitischen Benehmens verhaftet. Die jüdische Presse Galiziens weist darauf hin, daß man die Schlichtung der Gegensätze nicht lediglich der Rwierung überlassen dürfe; vielmehr sei es die vornehmste Pflicht der ruthenischen politischen Führer, aufklärend zu wirken und ihre Volksgenossen vor den antisemitischen Agitatoren zu warnen Es besteht die Hoffnung, daß dieser Appell an die ruthenischen Führer sein Ziel nicht verfehlen wird. Mverika. Rew-Aork. Das Neueste ist der Streik der jüd ischen Zeitungs schre iber. Sie fordern höheres Gehalt und geringere Arbeitszeit. Sie haben erst vor einigen Wochen ihre Organisation gegründet. Louis Miller, Herausgeber der Zeitschrift „3>ie Wahrheit", weigerte sich, die Organisation auzüerkennen; das „Jewish Morning Journal" nahm einen ähnlichen Standpunkt ei», — und so war der Streik perfekt. Die'Streikenden drohen den Herausgebern, eventuell auch die Setzer zum Streik zu veranlassen. Palästina. Rischon Le-Ziou. Am 14. Januar wurde nahe bei unserer Kolonie der Grundstein zu einer neuen Land arbeitersied lung gelegt. Die 300 Dunam umfassende und vom Odessaer Komitee der Chowewe Zion gegründete Siedlung wird den Namen „Nachalath Fehudah" tragen, zum Andenken an Dr. Jehuda Pinsker, den Verfasser des Buches „Autoemanzipation" und ersten Vorsitzenden der ruffischen Chowewe Zion-Gesellschaft (geboren am 24. Dezember 1821, gestorben am 9. Dezember 1891). Die neue Siedlung Nachalath-Jehudah wird entsprechend den vorhandenen Bedürfnissen drei Kategorie» von Siedlern .aufweisen: Zunmhst die selbständigen Landarbeiter, deren Bestreben es ist, durch intensive Bewirtschaftung einer kleinen Bodenfläche ihren Lebensunterhalt zu verdienen; diese Ansiedler erhalten Parzellen von je 7 Dunam. Die zweite Kategorie bÜden Handwerker und Arbeiter der Weinkellereien in Rischon, denen es hauptsächlich auf einen Bauplatz und eiu Stückchen Gemüseland ankommt. Die dritte Kategorie bilden die Jemeniten aus Rischon, co. .30 Familien, für die 60 Dunam reserviert worden sind. Das „Scheler-BUbul". Bon C. Berg. (1. Fortsetzung.) „Rückt zu, Perez ist da!" „Kinder, jetzt wirds fidel!" „Fa, ja," lachte Hanna, „er hat's ihr gut gegeben für. ihre Mauserei." Franja wurde gllihend rot. „Ach was," murrte sie, „die Doktorin sollte sich schämen. Wegen der lumpigen Pfennige einen solchen Spektakel zu machen. Meine GrHnmtter sagt: wenn ein Christ den Juden betrügt, freuen sich die Heiligen im Himmel? „Dann wird' man Deine Heiligen wegen Hehlerei vor den Staatsanwalt bringen." Perez hatte vor Aerger der Kleinen - den ®hig umgestoßen; die begann nicht wenig zu schimpfen: „Ungeschickter Tölpel! Dummerjahn!" Der Ratsdiener begriff, daß er sein Ansehen brauchen müsse; er setzte sein Amts- und Würdengesicht auf: „Das wird ' heute wieder kein Ende mit der Wasserholerei! Die Frau Bürgermeisterin hat schon zweimal zum Fenster hinausgesehen." „Natürlich," nickte Perez, „sie guckt nach mir." „Vorwärts, Du," kommandierte Jnlek, „los, los! Wo sind Deine Kannen?" „Nu, tut, das Wasser läuft doch nicht fort; erst werde ich Häwdolch machen und meinen Schabbesrock ausziehen," verteidigte sich Perez, 'strich wohlgefällig über seinen schwarzen, sehr sauber gebürsteten Tuchrock, der ihm an allen Enden viel zu lang war, und schob dann mit einer großartigen Geberde seinen Zyfinber, von einer Form, wie sie vor zwanzig Jahren Mode gewesen, in den Nacken. „Was sagt Ihr zu meinem neuen Hut? Der Herr Doktor hat ihn mir geschenkt. Fein, fein! was?!" Die Mädchen lachten. „Nun, was lacht Ihr, Lumme Dinger?! Gefalle ich Euch nicht! Seht mich nur recht ün, es kann Euer Glück sein, ich bin noch zu haben." Die Umstehenden quiekten vor Vergnügen. Hanna, welche gern philosophierte, meinte ernsthast: „Es ist wahr, es ist jetzt etwas Rares' um die Mannsleute. Sieben Weiber gehen aufs Stück." „Schön," sagte Jnlek und faßte die' Nächststehende ziemlich robust bei den Schultern, „Ihr könnt noch zu sechsen ankommen, hier ist Platz." Perez schüttelte unwillig sein Haupt. „Was tue ich mit sieben auf einmal? Sieben sind Lügen Soll ich mir siebenmal den Kopf verdrehen? Immer eine hübsch nach der anderen und die Schönste zuerst." „He, wer ist die Schönste von uns?" fragte eine hübsche, dralle Blondine. „Ich werde mich in die Nesseln legen," lachte der Wasserträger and stellte sich, als wolle er davonlaufen, doch ein halbes Dutzend handfester Huldinnen hielt ihn zurück: „Nichts da, Pertz soll sagen, wer von uns die Schönste ist, und gleich!" Perez-Paris warf p'rüfende Micke in den Kreis; er hatte gerade keinen goldenen Apfel zur Hand, null auch sonst 'glich er dem schönlockigen Sohne des Priamos jo wenig wie eine Heuschrecke einem Trakehner Hengst, — aber sein Auditorium schien genau so.ehrgeizigneugierig zu sein, wie anno X die drei Himmlischen auf dem Berge Jda: „Und es fühlte wohl im Wählen In der alt und neuen Zeit Niemand mehr Verlegenheit." Eine Sekunde blieb sein Auge auf Pelagia haften — das Gesicht einer Murilloschen Madonna, aber dieses Antlitz klagte deutlich: Ich bin .traurig, laß mich aus dem Spiel, mir ist wenig nach Lust und Scherz. Da wandte er sich, jchnell zurück zn den anderen: „Schön, so recht schön, wie ich es meine, ist keine von Euch. Es gibt nur eine Beaute in der Stadt, so freundlich. und hell, wie der liebe Sonnenstrahl. Wenn mir der Herr Oberamtmann Rieger möchte erlauben, in seinemgroßen Park spazieren zu gehen,- und ich täte kommen vor das Rondäll mit der Fontäne, wo das Wasser spritzt den ganzen Tag über den nackten Jung', was La steht, und ich möchte scheu dort alle die schönen Blumen, weiße, rote, blaue, werde ich' sagen zu der allerrötesten Rose: „Schöne Rose, Du hast eine perfekte Ähnlichkeit mit der Frau Amtsrichter Müller." Wird sie mir znnicken, die rote Rose und mir machen einen jeinen Komplimang." „Da haben wir's," rief Hanna, „Perez geht unter die Gelehrten, er kann gar die Blumensprache." / „Und welche Blume ist mir Ähnlich?" fragte Franja und sah schmachtend nach dem Ratsdiener. „Die Schafgarbe," schrie Perez. In Las Gekicher der Mädchen mischten sich die tiefen Klänge der Rathausuhr. „Sieben! Es ist hohe Zeit, daß man Feierabend macht," brummte Julek, sprang vom Brunnenrand, nahm seinen Besen auf und ging davon. „Schon sieben," sagte Pelagia, und griff Hastig nach ihrem Krug, „wenn Ihr nicht mitkommt, gehe ich allein," und sie entfernte jich so schnell, als brenne es irgendwo und ihr wohlgefüllter Krug sollte das Feuer löschen. Obwohl Pelagia und Zulek nach rechts und' links auseinander gegangen waren, sah man sie nach einigen Minuten ganz am äußersten Ende der Chaussee wieder üuftauchen und nebeneinander herschreiten. Pelagia trug Lett Krug auf dem Kopf; größer, schlanker als Julek, schien sie sich zn ihm herabzuneigen, und sie, die Sttlle, Wortkarge, eifrig zu ihm 'zu sprechen, während Julek mit einer leichten Gerte die Binsen äni Wegerand schlug. Uebrigens 'fand von den am Brunnen Zurückbleibenden niemand an dieser Begegnung etwas Außerordentliches, ausgenommen Franja. Sie bemerkte bissig: „Das ist eine Feine, die geht alleine," und' dann wiegte sie den vogelartigen Kopf mit den großen, goldenen Ohrgehängen hin und her und schmetterte: „Saß einmal 'ne Flieg' an der Wand, Flieg' au der Wand, Flieg' an der Wand, Saß einmal 'ne Fliege an 8er Wand', Weg war „sie —" matsch!" Ta sich einige der Mädchen nach Perez umsahen, ivar ec verschwunden; in wenigen Minuten war die Bersamnilung gesprengt. Perez. Am Südende des Städtchens, da wo der Weg hinleitet, der nach dem letzten aller 'Wege, „dem guten Ort", führt, steht ein Keines, altersschwaches Häuschen, das verfallenste in der ganzen Gemeinde; darin wohnt Perez, der Wasserträger. Lieber Himmel, es ist wirllich eine ganz schreckliche Mißgeburt von Haus: das Dach viel breiter als der Unterstock, zuckerhufförmig und grün, über und über ganz, ganz rasengrün. Sieht Perez hinauf, dann nimmt er eine tieffinnige Miene an und sagt: „Wenn ich all das Moos, das da oben wächst, lieber in meinem Portemonnaie hätte, wäre ich Rothschild. Nun, so ist es auch gut für die Augen." Fenster und Tür dieses architektonischen Wracks müßten eigentlich aus dem Jnvalidenfond repariert werden, so gebrechlich und wacklig sind sie;' was aber die Farbe dieses traurigen Baugerümpels anbelangt — ach! selbst der rigoroseste Vertreter der Berismomalerei könnte auf seiner Palette keinen gräulicheren Mischmasch zusammengraulen. Falls nicht etwa unsere Feder — Pardon — in eine Pfütze fällt, bekennen wir unsere Ohnmacht, dem Leser die unglaubliche Couleur zu beschreiben. Rechts, neben dem Eingang des zwergenhasten Gemäuers, welches so niedrig ist, daß es ein kräftigerer, besser gewachsener Mann als unser Wasserträger' wie die Schnecke aus seinem Rücken davonzutragen vermöchte, — rechts ist ein Fleckchen Erde, so breit. Laß drei Menschen knapp nebeneinander darauf stehen können, von einem sehr primitiven Holzzaun umgrenzt, mit allerlei Grünzeug bepflanzt. Da wächst ein Busch Petersilie, ein Häuptlein Kopfsalat, eine Händvoll Rapünze und. Zwiebeln; auch der vielverpönte, vielgeschmähte, weil im Geruch des Philosemitismus sichende — nennen wir ihn nur gerade heraus! — Knoblauch wächst dort und steckt seine dunkelgrünen Spieße hervor, aber er ist fest angebunden, denn er läuft sehr leicht davon. Altes überragend stehen drei mächtige Sonnenrosen und recken ihre gelben Köpfe gleich Fürsten empor; zn ihren Füßen kauern bescheiden wie die Dienerschaft lleine, dunkelblaue Herbstveilchen und' die alten Jungfern unter den Blumen, die steifen, spätblühenden Astern. Das nennt Perez: seinen Garten. Jahr um Jahr muß der Wasserträger von seinem Wirt, — denn Perez ist durchaus nicht der glückliche Besitzer dieses Zcmnkönigpalastes, er haust nur als Renommage-Mieter hier, zum Zeichen, daß die lleine Höhle auch für Menschen bewohnbar sei — die Bepflanzung dieser Erdkrume erbetteln, erschmeicheln, ertrotzen, und Jahr um Jahr versichert der Wirt — ein braver Schuhmacher und Großsprecher dazu — sehr herablassend: „Es ist nur noch^für dies Jahr, Perez; denn nächste Ostern baue ich um." (Fortsetzung folgt.) AmeFiliniiiSGtie Flts-u Pincenez 5» **• l™. Grosse Auswahl in amerik. and deutscher Optik. J. W. Albert, Eck« Nese laiazerstr. u. Weissfraaenstr 11. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. Ä. ——— Gegen (Hebt ud BheunstiBmu bewahrt. Alleiniger. General-Vertreter: Frladploh Stahl. Frankfurt a.M., Günthershnrg-Allee 37. TeL259 n. 714. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Loacb.) SamLtag» den 8. Februar l-- 1. Adar Lisohann.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. S Uhr — Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 20 Min. in Berlin 5 Uhr 47 Min. Wochssnabschnitt: Ter um oh. — Der Wochenabschnitt führt seinen Namen mach' der Hebe, welche die Kinder Israel brachten, um davon die Sttftshütte zu serttgen. Die Stiftshütte war das erste Heiligtum in Israel.

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