Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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€tftt 2. Frankfurter JsraelitischeA Fantilienblatt. Befreiung. Aesc wenigen Schareir "dör Bilu, die Mch Palästina gingen, die in unendlichen Mühen und Qualen den harten steinigen Boden seit Jahrhunderten wieder zum ersten Male bepflügten, die den Grundstein zu Rischon le Zivn legten und Gederah gründeten, sie haben für sich und' ihre Nachkommen zum ersten Mal in der jüd. Diasst'oraLeschichte die Judenfrage gelöst. Sie haben zUm ersten Male das getan, was früher oder später das ganze Judenvolk wird tun . müssen, sie sind die ersten, die der Halbheit und Zerrissenheit ihres Lebens, der Anormalität und Krankhaftigkeit ihres Daseins ein Ende gemacht haben. Und darum sind sie zu dem leuchtenden Symbol der nationalen Bewegung geworden. Wle großen idealen Bewegungen bedürfen solcher lebenden Ideale, solcher konkreten Beispiele. Sie sind die eigentlichen treibenden Kräfte solcher Strömungen, die die Bolksmassen begeistern und hinreißen. Solange die Rückkehr nach Zion nur ein Wort war, eine Idee, eine Parole, hätte sie wohl viele Anhänger erwerben können, die Massen zu entflammen hätte sie nicht vermocht. Erst müste diese Idee ihre Verkörperung finden, und diese fand sie in der Bilu. Darum wird sie ihren ewigen Platz in unserer Geschichte bewahren. Mit ihr beginnt das letzte Kapitel unserer.Diaspdrageschichte. An dem Tage, da die ersten Bilu den Boden. Palästinas betraten, entschlossen, von diesem Boden nicht Mehr zu weichen, entschlossen, ihn — Liste es, was es wolle — für ihr Volk wiederzugewinnen, an diesem Tage hob sich auf der Bühne der Weltgeschichte der Vorhang zum letzten Akte' unserer Golustragödie, zu dem Me, bei über Sein oder Nichtsein, über Sieg oder Untergang unseres Volkes entscheiden wird. Die erste Szene des Wes hat den Weg zum Sieg gewiesen. Werden wir ihn beschreiten und dem Beispiele der Bilu folgen, dann ist der Sieg uns sicher. Aus der „Agndas Jisroel"-Bewegung. Von dem offiziellen Organ der „Agndas Jisroel", dem in hebräischer Sprache erscheinenden „Habe rech", ist soeben die dritte Nummer zur Ausgabe gelangt. Dieselbe dürste in weiten Kreisen mit großem Interesse ausgenommen werden, da sie ein anschauliches Bild liefert von den leitenden Ideen in der Organisation und dem gegenwärtigen Stand der Bewegung. Bon tiefer Begeisterung für die Sache derVereinigung aller Gesetzestreuen zeugt der Aufruf, der an der Spitze des Blattes veröffentlicht nick) von den als Thoragrößen verehrten führenden russischen Rabbinern Israel Meir Hakohen in Radin, I. I. Rabbinowitsch in PvniewieA, CH. O. Grodenski in Wilna und E. M. Feiwelsohn in Kupischki unterschrieben ist. In diesem Appell werden die orthodoxen Juden aller Länder aufgöfordert, sich um die Fahne der „Agudas Jisrvel" zu schären. Der unter dem Austuf unterschriebene Rabbiner Feiwelsohn veröffentlicht außerdem' an leitender Stelle einen ausführlichen Artikel über „Die Idee der „Agudas Jisroel", worin er insbesondere den unermeßlichM ' ideellen Vorteil für die Stärkung der Thoratreue darlegt, der aus der „Agudas Jisroel" ersprießen kann. Ferner beginnt der „Haderech" in dieser Nummer mit der Veröffentlichung von Kundgebungen der geistigen Führer des gesetzestreuen Judentums. Gegenüber der Lässigkeit, mit der man in Westeuropa vielfach Gesamtheitsstagen des Judentums zu behandeln sich gewöhnt hat, wirken die im „Haderech" veröffentlichten vier Briest von dem bereits oben erwähnten Mrbbiner von Radin und den Rabbinern Kl atzkin-Lublin, Jerusalemski-Kielce und Bloch-Tels geradezu erfrischend und erhebend. Ans dem reichen Inhalt der Nummer heben wir zum Schluß noch einen Keinen, aber äußerst präzis gefasten Artikel von Rabbiner Zierelsohn-Mschinew über „Die Macht der Einheit hervor, worin er speziell darauf hinweist, daß gerade das Fehlen einer organisatorischen Zentrale für alle Interessen des gesetzestreuen Judentums in erster Reihe die Schuld trägt an dem gewaltigen Niedergang, den wir miterleben. Der „Hadereck/' ist unentgeltlich erhältlich im Bureau der „Agudas Jisroel", Frankfurt a. M., Zeil Nr. 85. * Die „Agudas Jisroel"-Bctvegung breitet sich von Woche zu Woche mehr aus. Folgende Berichte liegen von den letzten Tagen vor: Vor einem zahlreichen Auditorium sprach in Zürich Herr Jsak Rhein über „Wege und Ziele der „Agudas Jisroel". Es würde zu weit führen, hier den Inhalt des vorzüglich ausgearbeiteten Referats, das auch seine Wirkung nicht verfehlte, wiederzugeben. Die! Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft; es beteiligten sich daran die Herren: Ch. D. Eiß, Rom, Messinge?, Krupernik, Berkowitz, H. Rom, Ucker und Rueff. Zahlreiche Neuanmeldungen sind zu verzeichnen. Aus Jassy (Rumänien) wird unter dem 16. Januar berichtet: Wir stehen noch unter dem Eindruck einer Versaimnlung, wie man sie glänzender und wirkungsvoller hier noch selten erlebt hat. Die „Agudas Jisroel"-Jdee hat von vornherein hierzulande einen guten Boden gefunden, wovon Ortsgruppen in vielen Städten Zeugnis oblegen. Die Versammlung, die auch von den hervorragendsten Rabbinern, Notabeln und von speziellen Abgesandten der ChassidiM-Rabbis besucht war, nahm drei Tage in Anspruch. In einer Borversammlung am Montag im Hause des Herrn Raphael Poker wurden das Arbeitsprogramm und die Tagesordnung der Versammlung festgesetzt. In der Hauptversammlung am Dienstag, die in den vollbesetzten Räumen der Talmud Thora stattsand, führten die Rabbiner aus Botosany und Bacau den Vorsitz. Ersterer begrüste die Versammlung mit einer warmen Ansprache, worauf Rabbi Bezalel Schafran ein ausführliches Referat über Ziele und Zwecke der Agüda hielt. Es wurde» sodann folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die aus ganz Rumänien besuchte „Agudas Jisroel"-Versammlung hat nach Anhörung der Referate des Herrn Rabbiner Landstu aus Botosany und Schastan aus Bacau einstimmig beschlossen, sich mit ganzem Herzen der „Agudas Jisroel" anzuschließen, deren Ziel es ist, alle! Gesetzestreuen der Welt in einer Organisation zu vereinigen und alle Fragen im geistigen wie im nmteriellen Leben Israels im Geistei der Thora und des überlieferten Judentums zu lösen. Die» Versammelten verpflichten sich, für die Aguda zu werben und in ihren Wohnorten für die Gründung von Ortsgruppen zu wirken." Es wurde beschlossen, in jeder Stadt eine Kommission, von je drei Vertrauensmännern einzusetzen, die die Gründung von Ortsgruppen in die Wege leiten soll. Alle Ortsgruppen unterstellen sich dem Landeskomitee, das 25 Mitglieder zählt und seinen, Sitz in Jassy hat. Innerhalb dieser Körperschaft soll ein elfgliedriges Mivnskomitee gebildet werden, in welches sieben Mitglieder aus Jassy hineinzuwählen sind. Außer den Angelegenheiten der Agudst obliegt es den Komitees, sich auch mit allen anderen jüdischen Fragen im Lande zu beschäftigen, so mit der Frage der Melamdim und. der durch das Sonntagsruhegesetz bedrohten Sabbathruh!e. Die Vorstände der Ortsgruppen haben steie Hand' in ihrer Wirksamkeit, sind aber angewiesen, in allen schwierigen Fragen im Einvernehmen mit dem Landeskomitee im Geiste der Thora und des überlieferten Judentums zu entscheiden. Wenn sich eine Hilfe von der Zentralleitung in Frankfurt als nötig erweist, so ist diese durch düs Landeskomitee zu vermitteln. Am Mittwoch wurden die Wahlen vorgenommen. Es wurtNn in das Landeskomitee zunächst die sieben hiesigen Mitglieder gewählt und zwar die Herren Chaim Jizchok, Jakob und Raphael Pocker, Manisch Fränkel, Simchoh Kahana, Chaim Gelber und Mordechai Löbel, Die übrigen 18 Mftglieder Werden von den einzelnen Ortsgruppen in das Komitee delegiert. In den rabbinischen Rat der rumänischen Landesorganisation Wurden gewählt : die Rabbiner Landau-Botosany, Schaf ran-Bacau, Schimschon Tenin-Berland, Chaim \ 'r, ~ . Pr. 4. Pjatrch CHaim Mordechai Rvller-Njametz, C h a i m R a b b i n o w i t s ch - Jassy. Außerdem die fünf Chassidim-Rabbis aus Stifinescht, Buhuschi, Abschtld, Fockschan und Jassy. In der Synagoge der „Talumd Thora" zu Jaffa (Palästina) hielt unter großem Andrangs des Publikums letzten Donnerstag Oberrabbiner Kuk einen Vortrag über die „Agudas Jisroel^, der mit großer- Begeisterung aufgenommen wurde. Am letzten Mittwoch fand in Jerusalem unter dem Vorsitze des Rabbiners I. I. Diskin eine „A g u d a s I i s r o e l"-V e r s a m m l u n g statt, die sich durch den Ernst, von dem die Verhandlungen getmgen waren, zu einer machtvollen Kundgebung für die Idee der. gesetzestreuen Organisation gestaltete. Der Vorsitzende eröffnete mit kurzen B6grüstmgsworten die Versammlung und übertrug die Leitung Rabbiner Mordechai Frankel. Dieser begrüste die Versammlung in einer geistvollen agadischen Ansprache, führte die Gründe an, warum die Rabbiner heute im Gegensatz zu früheren Zeiten sich für die Sammlung der Kräfte und Bildung einer umfassenden Organisation einsetzen müßten, und entwickelte die Gesichtspunkte, unter deinen die-„Agudas Jisroel" ihre Aufgabe lösen soll. Rabbiner Horvicz gibt einen historischen Ueberblick über Entstehung und Entwicklung der Aguda. Rabbiner Ziesling plädiert mit warmen Worten für den Beitritt. Die Zeit drängt und die Verhältnisse liegen so,- daß sich lange Auseinandersetzungen über die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Organisation erübrigen. Rabbiner Israel Porath spricht über die speziellen Aufgaben der Jerusalemeir Ortsgruppe und ihr Verhältnis zu der Zentralleitung. Es folgen dann verschiedene Anträge, die zum größten Teile einstimmig angenommen werden. Einer Erklärung angesehener Sefarbischer Chachamim, daß sie der Versammlung nur aus dem Grunde fortgeblieben seien, weil sie den Jargon nicht verstehen. Wurde durch den Beschluß Rechnung getragen, die Verhandlungen auf Hebräisch zlu führen, was auch mit Rücksicht auf die anwesenden Jemeniten als sehr geboten erschien. Es wird ferner beantragt, durch bewährte Magidim in. den Synagogen für die Aguda zu werben. Es wird beschlossen, in den Vorstand der Ortsgruppe auch Vertreter der einflußreichen sefardischen Gemeinde zu wählen. Ein anwesender Vertreter der Chassidim teilt mit, daß die Rab¬ bis aus Gor und Slionim dem Agudagedanken treu ergehen seien, und daß er unter den Chassidim immer mehr Freunde find'c. "^Es werden als Vertreter der Sefardim in das bereits bestehende provisorische Komitee per Akklamation gewählt die Chachamim Abraham Talmudi, Chaim Eljäscher, Elia Mosche Panisel, Jizchok Aschkenasi und Schalom Alschich. _ Das leitende Komitee des „Orthodoxen Rabbinerverbandes für Amerika und Canada" faste den Beschluß, sich an das provisorische Komitee der „Agudas Jisroel" zu wenden, um gemeinsam Schritte zu unternehmen zur Ausbreitung der Idee „Agudas Jisroel" in den Vereinigten Staaten. Das Interesse für die „Agndas Jisroel" ist sowohl in rabbinischen als auch in Laienkreisen in allen Gemeinden Amerikas außergewöhnlich rege. Es wird für die nächste Zeit eine zielbewußte Propaganda erwartet, die ohne Zweifel von Erfolg sein dürfte. Es wird vielfach der Wunsch geäußert, daß .führende europäische gesetzestreue Männer das Opfer einer Propagandareise nach Amerika bringen möchten. Aus aller Zöett. De-tschrs Reich. München. Eine Deputation der Borstandschast des „Vereins für die Interessen des orthod. Judentums in Bayern" sprach Donnerstag bei Kultusminister Exz. Dr. v. Peilling in Sachen der Revision d^es bayerischen Judened.ikts. vor. ’ Als Führer der Deputation entbot Distriktsrabbiner Dr. Stein» Schweinsnrt dem Minister den Dank der ' bayer. Orthodoxie für die in der Sitzung der Kämmer