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Neue jüdische Presse · 1913-01-10 · Heft 2 (10.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 8 Amerika. New-Aark. Nachdem die Regierung jüngst durch da« Kompromiß. bezüglich des Handelsvertrages mit Rußland eine' Maßregel ergriffen hat, unter der die amerikanischen Juden zu leiden haben, hat der Kongreß durch die Annahme der Burnett-Bill d ie j ü d i sch e Ein man d e r u irg erschwert. Diese Bill enthielt nämlich die Bestimmung, daß der über 16 Jahre alte Einwanderer vor der Zulassung seine Fähigkeit, zu lesen, nachmersen.muß. Wenn man sich die Einwanderungsstatistik des vorigen Jahres ansieht, so ergibt sich, daß unter den 182 273 zugelassenen Analphabeten 16 757 Juden waren, eine Zahl, die noch viel größer wird, wenn man die (in der Statistik nicht, mitgerechneten) Frauen und Kinder dieser Einwanderer hinzuzählt. Auf Einwanderer, die ihrer Religion wegen in ihrer Heimat verfolgt wurden, findet die Vorschrift zwar keine Anwendung, doch ist diese Klausel außerordentlich dehnbar und für die Praxis' fast bedeutungslos. Eine Möglichkeit ist allerdings noch vorhanden, daß Präsident Taft von seinem.Vetorecht gegenüber der Bill Gebrauch macht. Es herrscht hier vielfach die Ansicht, daß das Gesetz nur gegen die Einwanderung von Juden (und Italienern) gerichtet und demnach geradezu als Ausdruck einer judenfeindlichen Stimmung, des Repräsentantenhauses anzusehen ist. > > * e. m et ric en-1 sesl te, I e-I sie md n d I b> »er- und | nb" itetc tneit| verbflctl OQQ| den. egen! die! onat! ikter »Mül eine .Ätznner M' lllev na) -dr> Perso«alie« «.Kleine Mttteilunge«. Berlin. Die Reibtsanwälte Abrahamsobn in Densberg u. Dr. Bernstein in Kallies wurden zu Notaren und Professor Dr. L>. Oppenheim, der bekannte Berliner Nervenarzt, zun» Ehrenmitglied der'Societa Jtaliana di Neuro logia ernannt. — Geh. Kommerzienrat Jakob Dm une »bäum, Direktor der Preutz. Pfandbriefbank, erhielt den Roten Adlerorden 3. Klasse mit Schleife. Nürnberg. Die Adolf Schwa»z'ichea Ebeleute haben 33000 JL. für ein israelitisches Ferienheim gestiftet und außerdem noch einen Jahresbeitrag von 1000 Jts Würzburg. Handelsrichter Hermann Reiß ist zum ommerzienrat ernannt worden. Karlsruhe. B'M G»oßv Ob rrat wurden folgenden Damen aus der.,Michel Weil-Stiftung Tugendpreise von je 400 JL verliehen: Maier Auerbacher Witwe in Kippen he im, der Religionslehrer Hermann Berg Witwe in Diersburg und der Siegmund Bloch Witwe in Gailin gen. Ferner wurden für zwei Witwen die Kosten der mehrwöchigen Unterbringung je eines Kindes im Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad Dürrheim übernommen. — Bezirksältester Gabriel Karlsruher in Jttlingen erhielt den Verdienstorden des Zähringer Löwen und Synagogenrat Salomon Ro° senstiel in Schmieheim das Berdienstkreuz v o m Z äh ringer Löwen in Gold. — Am 3. Januar vollendete Sigmund 'Herz, Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Speyer, sein 85. Lebensjahr. Dr. I. D r e y f u ß in F r a n k e n t h a l ist zum Bezirksarzt ernannt worden. «ll.» Polen. Durch das Hinscheiden der Frau Emilie Aschhein» geb. Oppenheimer, haben ' die Wohlfahrtsinstituiioneu in unserer jüdischen Gemeinde eine»» schweren Berlust erlitten.?n Zerkow feierten die Samuel Joachim- ' scheu Eheleute die goldene Hochzeit. Wien. Sigmund Springer, der Schwiegersohn des verstorbenen Barons Albert Rothschild, ist in den Freiherrnstand erhoben worden. Er hatte jüngst für das Rote Kreuz eine halbe Million Kronen gestiftet. Lemberg. Dr. Eiias Goldhau» me r. eine der l-ervorragendsten Verteidiger Galiziens, Bizebürgermeister von Tarnow und Knltusrat der jüd. Geineinde dieser Stadt, ist — 62 Jahre alt — verschieden. — In Kossow verschied — erst 36 Jahre alt —Moses Josef Schars, Kultus- und Gcmeinderatsmitglied, Bizepräses der Vereine „Zion" und „Safah Bernrah" und Präses der „Chcwra K.adischa". Petersburg. Makiakow. der neue Minister des Innern, gilt trotz seiner ausgesprochen reaktionären Anschauungen als ein gerechter Mann. Er hat als Gouverneur von Tschernigow auch öfters den Juden gegenüber Gerechtigkeit bewiesen. , London. Sir Maurice Levy, Parlamentsmitglied und Direktor der Manusakturfirma Hart and Levy, ist in den Barone ist and erhoben worden. — A. Raphael, Direktor des Pews'.Hospital and Orphan Asylum, ist — 58 Jahre alt — verschieden. Paris. De Akademie 8er Wissenschaften wählte den Mathematiker Hadamard, Schwager der Rabbiner Hagenau u. Debrö, zu ihrem Mitglied? und verlieh, Professor Dr. Wertheimer in Lille für .seine Werke über die moderne Physiologie den La-Gaze- Pre'is (10000 Fr.). — Dr. Ignatz Stowt, Professor der ungarischen Sprache , an der Sorbonne, ist v e r s ch i e d e n. Aus de» Vereine«. Berlin. Der Verein „Freunde der Taubit u m in e n" („I c d i d e I l m i m") nimmt zum 1. A p r i l wieder taubstumme jüdische Kinder aus dem P»Zen deutschen Reiche in seiner Anstalt"auf. Näheres bei dem Schriftsührer.,des Vereins, Adolph Salomon, Charlottenburg 2. Knesebeckstr. 35/36. - Hamburg.Altona. Die Inge n d g r n v p e der Moria- Ortsgruppe veranstaltete am 1. Januar eine Mitgliederversammlung. Der Vorsitzende, Henry Pels> teilte bei Eröffnung der Versammlung mit, daß sich unter Zusammenwirkung mehrerer Vereine, zu 'denen auch die Jugendgruppe zählt, ein Komitee für hebräische Sprachkurse gebildet habe und forderte die Mitglieder auf, sich an den Mitte Jaimar beginnenden Kursen zu beteiligen. Der Statutenentwurs wurde nach längerer Debatte angenommen. In der darauf folgenden Borstandswahl wurde Henry Pels zum Vorsitzenden gewählt. Ms Vorsteher wurden ferner gewählt Max Bund he im, Referendar Dr. C. Cohn, Paul Möller und Raphael Lerner. AuS der Lehrerwett. Stuttgart. Der Verein israelit. Lehrer und Vorsänger in Württemberg feierte am 30. Dezember sein öOjähriges Jubiläum. Der Vereinsvorstand Josef Preßburger hielt die Festrede. Ministerialdirektor Dr. v. Bälz sprach im Namen des Miinsteriums dem Vereine feine Glückwünsche aus. Er versicherte den, Lehrern seine vollen Sympathien; die Regierung werde alles tun, uin die israelitischen Lehrer zu fördern. Es sprachen noch Dr. Stößel, Sladtrabbiner, Reatschuldirektor Feine »-Hamburg, Landtagsabgeordneter L ö ch n e r, Vertreter aller jüdischen Lehrervereine Bayerns, Badens, Preußens usw. Bei dem anschließenden Festmahle brachte der Vorsitzende das Hoch auf den König aus. Zu dem Jubiläum hat der Verein eine interessante Festschrift herausgegeben. Karlsruhe. D>s Verordnukigsblan d.s Ober»a«eS bringt Bestimmungen über die Gewährung von Ruhegehältern an Rabbiner, Lehrer und Kantoren und über die Fürsorge deren Hinterbliebenen. — Daniel Ackern»an n-Wiesloch ist in den Ruhestand getreten. — E. Mayersohn -Rastatt erhielt die g o l d e n e Be rd ren'stm ed aille. — Ausgeschrieben sind die Rabbinerstellen in Freiburg und Randegg und die Religionslehrer-Kantorstellen in Emmendingen, Wollenberg und Wiesloch. Lffenburg. Rabb Dr. R a w i c z ist leider infolge eines Leidens erblindet. Luowigsüakeu Dr. D. Brader, früher Rabbiner in Recklinghausen und gegenwärtig Oberlehrer an der Kgl. Realschule in Weiden, ist an die hiesige Kgl. Oberrealschule versetzt lvorden. Breslau. Louis Spandau, zweiter Kantor an der neuen Synagoge, ist im Alter von 33 Jahren verschieden. Labischin. Dr. Riosenwasser, v'sher Lehrer an der Schule des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Sofia, ist zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt worden. Budapest- Das geietzestreue Judenium »>at du ch Vas plötzliche Hinscheiden des allgeniein geachteten, geehrten »nd frommen Oberrabbiner von Nagykaroly, Rabbi E f r a i m Fürth s. A. einen empfindlichen Berlust erlitten. Oberrabbiner Fürth s. A. gehörte vermöge seiner Erziehung und seines Studienganges wie nicht minder mit seinein Leben und Wirken dem überlieferten Judentume an, dem er seine besten Kräfte weihte. Als er auf die Oberrabbinerstelle der Slatusquo-Gemeinde in Nagykaroly berufen ward, da galt es ein großes und schweres Erbe zu übernehmen) das Erbe eines der hervorragendsten Gaonini Ungarns, des unvergleichlichen Meisters der Thoragelehrsamkeir, des Gaons R. Maier Perls s. A. Perls hat mit einigen gleichgearteten Gesinnungsgenossen in der Geschichte der religiösen Kämpfe des vorigen Jahrhunderts einen eigene»» Standpunkt vertreten, den des' sog. „Statusquo ante". Weder schloß er sich der sog. „Schomre Hadaß" »wch auch der Kongreßpartei an, wollte vielmehr außerhalb der streitenden Parteien das überlieferte Judentuin erhalten wissen, um auch den entfremdeten Brüdern noch den Weg zur einstigen Wiederkehr, worauf er unentwegt hoffte, offen zi» halten. Und die unantastbare Autorität eines Gaon und Zaddik wie R. Meier Perls mußte auch bei den Andersdenkenden Respekt einflößen und zur Rücksicht zwingen, zumal an seine Leschem schoinajim-Gesinnung kein Zweifel heranwagen durfte. Dieses schtvere Erbe nun, außerhalb der Orthodoxie und der Neologie, ohne den stützende»» Rah,neu der Organisation, dem streng gesetzestreueil Prinzip »»nd den praktischen Anforderungen des gesetzestreuen Judentums Geltung zu verschaffen, ivar auch Oberrabbiner Fürth zugefallen. U»»d wer sein Leben und Wirke»» kannte, der mußte ehrend anerkennen, daß er diese Aufgabe voll und ganz erfüllt hat. Oberrabbiner Fürth wurde vermöge seiner tiefgründigen Thoragelehrsamkeit — er war einer der würdigsten Schüler des seligen Preßburger Räws — seiner aufrichtigen Frömmigkeit, seines lautern, kristallreinen Charakters, seiner vertrauenerweckenden Ehrlichkeit und Geradheit im gesetzestreuen Lager ohne Unterschied der Schattierung aufrichtig geschätzt und geachtet. In seiner Gemeinde hat er die strenge Gesetzestreue zur ausschließlichen Herrschaft gebracht und durch mustergültige Institutionen befestigt. Auch auf kulturellem und humanitärem Gebiete hat er Bedeutendes geschaffen. Indem Oberrabbiner Fürth »nit seiner tiefwürzelnden Frömmigkeit und gründlichen Thoragelehrsarnkeit eine ausgedehnte profane Bildung, eine bewundernswerte, natürliche Liebenswürdigkeit und Herzensgüte, einen nie ermüdenden Berufseifer und eine gewinnende und eindrucksvolle Kanzelberedfamkeit verband, vermochte er, alle für das alte traditionelle Judentum zu gewinnen. Daß er in neuerer Zeit die Unifikationsbestrebunge» begünstigte, wurde wohl von manchem übel vermerkt; doch niemand konnte zweifeln,, daß er Leschem schomajim arbeitete, ivar er es doch, der klar und-deutlich erklärt hat, die Auflösung könne nur dann stattfindeu, wenn' das Kongreßjiidentum die Sünden der Vergangenheit gutmache und ohne Vorbehalt und aufrichtig den Schulchan Aruch nicht nur als Basis deklariert, sondern auch statutenmäßig festlegt und darauf wieder tatsächlich zurückkehrt.^ Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Anerkennung »md der Trauer. Sechs Rabbiner hielten ergreifende Hespedim, und die höchsten Spitzen der Stadt und des Komitats wie auch Vertreter anderer Konfessionen gaben dem Dahingeschiedenen das letzte Geleit. Mit Oberrabbiner Efraim Fürth s. A. verliert das Statusqiioiudentiim in Ungarn, das außerhalb der engen Organisation der Orthodoxie die ungeschmälerte Gesetzestreue vertritt, einen seiner besten und treuesten Männer. Chawal al deowdin welo mischtakchiin! Dr. B. F. Ezernowitz 'Bukowina». Im jüdischen RanonaUwnse fand eine iinposante Trailerfeier für Rabb. Weiß s. A. statt. Rabb. Jakob Hofsmainl-Radautz, Nesse des berühmten Rabbiners Jsak K»»nstadt s. A.-Radautz, hielt. die Gedenkrede. Bor de» Tore« Prags. Historische Erzählung von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung.) Sie küßte die Schwiegereltern und ihre»» Bräutigam, dann setzten sie sich an den Sabbattisch. Bon Stunde an ward kein Laut mehr aus Esther Katzens Munde vernommen. Am anderen Morgen war Staunen und Fllistern im ganzen Jndenviertel. Alles Volk rief sich zu: „Die reiche, stolze Esther Katz ist Braut des Markus, »md sie ist stumm geworden!" .... Gegen Mitte November ging die Rede in Prag, daß der Kaiser seine Lande besuchen und sehen wolle, wie der Ver>vüst»lng und Not abzuhelfen wäre. Bereits sollte er zu Olmütz in Mähren gelvesen und auf dem Zuge nach Brünn sein. Man bereitete sich zu seinem Empfange vor, und Adel'wie Bürgerschaft veranstalteten einen jubelvollen Einzug und Festlichkeiten zur Begehung des teuer errungenen Friedens. Im Jndenviertel blieb es' still wie vorher. Was hatten die Juden denn auch mit so hohen Dingen zu schaffen? Wie dursten sie das Antlitz kaiserlicher Majestät sehen, da sie doch das Auge vor »seit geriirgeren Christenmenschen Niederschlagen muß!en? Kämpfen, leiden, geben, dienstbar sein, das dursten sie wohl, dafür »raren sic Knechte, — einer Ehre wert war der Jude nie! Das wußten die guten Leute im Ghetto auch sehr wohl, »md daß dem je anders sein könne, siel ihnen nicht ein. Deshalb blieb auch alles bei ihnen, wie es immer »oar, als von Hradschin und Kleinseite her das Trompetentöncn, Glockenläuten und jauchzendes Bolksgetümmel des Kaisers Einritt verkündete und der Zug mit wehenden Bannern über die steinerne Brücke durch den Altstädter Turm herüberzog. Nur in ihrem Herzen gedachten viele, wie sie da doch gestritten hätten und ihrer Brüder Blut geflossen war, wo Ferdinand HI. nun voll Freuden einherzog. Ain ivenigsten gedachten Rabbi Siinon, sein Weid Sara, Markus und Esther des Kaisertags und seines Hallos. Sie waren ja alle so glücklich und zufrieden »m .Herzen, so eins in Liebe und Hoffnung. Wenn etwas sie drückte und auf ihr Leben einen Schatten warf, war's, daß Esther stumm blieb, getreu ihrem Gelübde, dessen Heiligkeit man eben ehren mußte, »nenn nian es auch beklagte. Kein geistiger Berkehr zivischen Esther und ihnen fand statt, als daß sie ihre Meinungen und Wünsche der Familie schriftlich gab, um mündlich Antwort zu empfangen. — - Kurz vor Mittag mußte es sein. Eben war Her Kaiserzug auf dem Altstädter Ringe vor dem Rathause angelangt, und Kopf an Kopf in weitem Kreise standen entblößten Hauptes die Studiosen mit den Professoren, die adlige» Herren, die Milizender Stadt in reisigem, Festschmuck, bestrahlt von der .Herbstsonne, als die Stille des Judcnviertels jäh unterbrochen wurde. Das Eichentor der goldenen Gaffe erdröhnte, und eiir kaiserlicher .Herold ritt ein, gefolgt von Gras Kinsky und etlichen Stadtreitern, die ein lediges Pferd, schon aufzezäumt, führten, auf dessen Zattel »»an eine ledige Rüstung gepackt hatte. Kein Wunder, daß ob solchen» Ereignisse die Judcnschaft erschrocken zusammcnlief, denn amllicher Besuch bedeutete ihr selten etwas Gutes. Der Herold und Kinskh ritten »nit ihren Begleitern sofort vor des Rabb» Haus, saßen ab und ttaten vor den greisen Spira »md seinen Sohn, welche erschrocken von ihren Studien aufstanden, denn Markus trieb nun den Bieh-

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