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Neue jüdische Presse · 1913-01-10 · Heft 2 (10.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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■ Seite 4. haichel nicht mchr, soÄern war wich« seines Vaters Schüler geworden. „Ihr seid Rabbi Simon Spira von der Alt-Neu- Schule," begann d« Herold, „und dieser starke Mann da ist Markus, Euer Sohn?" „Ich bin d« Rabbi, und das ist der Markus, Euer Gnaden." : „Ich komme auf kaiserlichen Befehl, Rabbi," sprach der Bote weiter, „Euch und Euren Sohn wie Joach Schamech, den Vorsteher der Judengemeinde, vor Seine Majestät auf den Altstädter Ring zu führen! Herr Rabbi, Ihr sollt dabei das Zeichen Eures Volkes tragen, das Ihr gegen den Feind auf dem Turm gehalten habt; Ihr, Markus, ab« werdet Wehr und Rüstung anlegen, die Ihr als Hauptmann der Judenschaft getragen habt. Alles jüdische Volk aber mag sich festlich bei der Synagoge versammeln, und sie soll .erleuchtet und geschmückt, sein wie zum Sabbat, so befichlt mein kaiserlich« Herr!" „Keine Einwendung, kein Wort!" fiel Kinsky dem alten Manne in das staunerwe Ach und Aber. „Ihr werdet tun, was unser Allergnädigst« Herr befiehlt, d« Euch sehen will. Spart Eure Rede da, wo Ihr sie nötig Habt! Bringt seine alte Wehr und Harnisch dem Herrn Markus h«ein, Leute, denn noch einmal soll er der Hauptmann der Judenstreitcr sein! Laßt Euren Kaiser nicht zu lange warten, Herr!" Von Besinnen war keine Rede. Der Rabbi hatte nur Zeit, zu Joach zu senden und sein Festkleid anzuziehen. Markus ' aber fiel sogleich den reisigen Knechten in die Hände, die mit geschäftiger Eilfertigkeit ihn in den Panzer steckten uich ihm die Wehr umschnallten, die vierzehn Wochen nicht von seinem Leide gebimmen war. Esther und Sara standen lautlos dabei, sie wußten nicht, ob das alles Gutes oder Böses bedeute, draußen ab« stand die Straße gedrängt voll Manchen. Endlich war alles bereft. Markus wurde von Kinski) auf die Straße geführt, mutzte das bereit gehaltene Pferd besteigen, und so, den Vater, der den „David-Stern" trug, und Schamech hinter sich, neben sich Graf Kinsky, den Herold vorauf, ritt er mit« Eskorte eilig dem Tore des Ghetto zu. So zogen sic durch die Altstadt auf den Ring und zu dem Rathause, vor dem Ferdinand HL, umgeben von seinen Hofstaaten, Geistlichen und böhmischem Adel, hielt. Unter ihnen befand sich Graf Colloredo zu Rosse, Frankfurter Israelitisches Familienblatt.. ein großes, rotes, züsammengefältetes Banner in den Händen. Äks die drei Juden den Kreis betraten und vor. dem, durch seine Strenge bekannten Kaiser sich verneigten, erhellten sich dessen ernste Züge, und er lüstete feierlich den Hut. Alle ringsumher entblößten die Häupter. „Rabbi Simon Spira und Du, Markus, gebt mir die Hand!" Bebend küßten die Juden dem Kaiser die Rechte. „Was selbst dem Adligsten aller Christen zum höchsten Ruhme g«eichen würde, das habt Ihr getan und eine Ehre gewonnen, die nur von der Prager Studentenschaft unb' unserem getreuen Collorido geteilt, nimmer aber übertroffen wird! Die Juden sollen deshalb nicht ausgeschlossen sein von Ehre und Ansehen, denn sie sind Unsere Kaiserlichen Untertanen so gut wie Ihr anderen! Was sie für gute Untertanen sind, haben sie nun mit Blut und Leben gegen den Königsmarck und Wittenberg bewiesen! Die Juden lvaren es, die meine Königliche Hauptstadt von Böhmen retteten unter Colloredo, die brave Univer-- sität ist ihrem treuen Beispiele gefolgt! Graf Collorcdo, Ihrem Verdienst gebührt die höchste Ehre des Soldaten, tvelche wir zu verleihen vermögen, Sie sind General-Feldmarschall! Der Prager Universität soll als ein Ehrengcdächtnis dieser ihrer Kampfzeit ein steinernes Wahrzeichen, ein reisiger Studiose, gesetzt sein, damit alle, die hier die Wissenschaft üben, sich erinnern, was ihre Vorgänger in des Vaterlandes Not getan haben! Was aber soll ich Euch Juden «- zeigen, die Ihr doch Las Beste getan habt? Was ist Eures Volkes rechter Herzenswunsch, Rabbi Spira?" „Großmächtiger, Kaiserlicher Herr," entgegnete derselbe, aus den Stab gestützt, dessen Spitze der Stern zicrre, „wir Juden bitten um nichts, wir wünschen uns nichts, wir sind zufrieden. Ist uns doch an der Gnade genug, daß unser Kaiserlich« Herr uns für treue Leute hält, uns selber Zeugnis darüber, ablegt!" „Hättet Ihr denn nichts zu bitten? Gar nichts? Keine Gnade noch Privileg?!", rief Ferdinand überrascht. „Seid Ihr närrisch genug. Euch die Gelegenheit jetzt entgehen zu lassen, Vorteile zu erlangen, die doch jeder Christenmensch in Eurer Lage wahrhaftig eifrig genug nützen würde?" „Es ist möglich, Kaiserliche Majestät, daß es Leute gibt, die so Lenken. Ich habe aber gesagt und wiederhole, wir Juden wollen gar nichts, wir bitten um nichts . . . Was wäre denn unsere Treue / . Nr. -2. für Eure Majestät wert, so sie sich bezahlen ließe? Was. hätte das vergossene Blut uns««. Kinder wohl für Segen, wenn wir es uns mit irdischem Vortell abkaufen ließen? Würden wir von uns«en christlichen Mitbürgern etwa weniger v«achtet, als wir schon sind? Würden wir glücklicher weiden?! Nein! Großmächtiger H«r, wir Juden von Prag leben in Ihrem Schutze, und unsere Väter haben in Schutz und Duldung unt« Euer Majestät Vorfahren gelebt und haben unserem Gott dienen dürfen. Nach unseren Kräften' haben wir aus gutem H«zen und ' freiem Willen darum gegen die Schweden für Ihr kaiserliches Haus und die alte Stadt Prag gestritten, um der Gerechtigkeit willen, die allein vor Gott gilt! Unser Lohn soll sein, daß wir recht gefunden werden vor dem Richter auf Erden und im Himmel, — und darum haben wir das Zeichen Davids aufgesteckt, den Schild des .Herrn im Streite, und darum allein sind' wir verachteten Juden unter ihm auch stark gewesen und haben den Sieg behalten! Was, gnädigster Herr, brauchen wir weiter?" (Schluß folgt.) , flmENRanisciiEFits-uPlncenez “*• Grosse Auswahl in smerik. und deutscher Optik. J W. Albert, 8'k' N«ne Mainurglr. n. Wmifai'fnstr. 11. Offeubaeher Druckluft - Anlage tffanbaeh a. Ct. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TaDOlCbmldlganu, 100.000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinigiing •_mittelst Druckluft nnd Wasserdnmpf. ' nalser Friedrlcn Quelle —i— Offenbacn a. 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Das edle Vorhaben sollte sich sehr schnell verwirklichen: Frau Jeanette Ettlinger stellte ein Haus Hofheimer Anstalt hat sie diese - Wirkungsstätte gestruden. Sobald die Kinder Anzeichen von körperlicher oder geistischer Mattigkeit zeigen, werden sie der Hofheimer Anstalt von den Schulärzten überwiesen. Leider kann ein Teil der Anmeldungen nicht berücksichtigt werden, da nur jeweils 22 Kindern Unter* schnittlich nahmen sie 4 Pfund an Körpergewicht zu, ein Teil sogar .8—9 Pfund. lieber die Bedeutung einer derartigen Kur bedarf's wohl keiner Worte! Daher aber auch keiner Worte über die ^Notwendigkeit, möglichst allen erholungsbedürftigen jüdischen Kindern Frankfurts Genüge zu leisten. Um das zu erreichen, müßte Raphael «ud Jeanette Ettlingerheim in Hofheim. Blick auf das Haus. Schlafsaal. Blick auf das Haus. am Fuße des Kapellenberges in Hofheim zur Verfügung und nicht nur das, — sie übernahm auch die Leitung. Sie bewies damit, daß sie die gleichgesinnte Gattin ihres kurz vorher verstorbenen Mannes war, wie Raphael Ettlinger s. A. seine ßchönste Aufgabe darin sah, für das Allgemeinwohl zu wirken, so auch sie, — und in ihrer kunft geboten werden kann. Die aufgenommenen Kinder versäumen nichts in der Schule, denn einestaatlich geprüfte Lehrerin sorgt dafür, daß sie gleichen Schritt mit ihrem Schulpensum halten. In den vier Jahren des Bestehens der Anstalt fanden 425 Kinder Aufnahme. Für sie alle. waren die Kurergebnisse sehr befriedigend; durchdas Ettlingerheim bedeutend vergrößert werden; es wären ihm also zahlreiche neue Freunde notwendig, die Jahresbeiträge und Spenden*)-zeichnen. --- *) Kassierer: Emil L. Heidenheimer, Frankfurt a. M. ...... ". ' , V

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