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Neue jüdische Presse · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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€cie 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 1 lassen und, nach-eyi sie von diesen gebilligt worden war, 7 in der Nächsten Woche veröffentlicht. Bon Seiten der Versammlung wird dem Mirstände hier Dank ausgesprochen für die energische, prompte und^ verständnisvolle ErlÄigung, die diese für den Fortbestand des gesetzestreuen Judentums überaus bedeutsame Angelegenheit gefunden hat. Von mehreren Rednern werden die verschiedenen Möglichkeiten einer Stellungnahme gegen die Richtlinen erwogen. Das Ergebnis der angeregten Debatte gipfelte in dem Beschlüsse, eine Kommission, bestehend aus dem erweiterten Vorstände, zu ernennen, die sobald wie nröglich, spätestens aber in Ivei Monaten, Vorschläge ausarbeiten solle, durch welche die Oeffentlichkeit über die Richtlinien aufgeklärt und der Weg zu ihrer Bekämpfung angegeben werden soll. Hierauf erledigt die Versammlung eine durch den Tod Landrabbiners Dr. Löb nötig gewordene Neuwahl. Einstimmig wird Rsbb. Dr. S. C a rl ebach-Lübeck an seiner Statt gewählt. (Schluß 9 Uhr.) * Die Sitzung am Dienstag begann mit einem halachischen Vortrage Rektors Dr. Hoffman«. Darauf würde der Rest des Vorständsberichtes entgegengenommeu, nämlich Wer die Mitwirkung der Vereinigung bei der „Ägud?as Jisr 0 e l". Zn deren provisorisches Komitee wurdet auf Aufforderung und nach längerer schriftlicher Verhandlung drei Delegierte — Dr. Cohn-Rawitsch, Dr. Hosfmann-Berlin, Dr. Weill-Buchsweiler — entsandt. Als nächster Redner erhält Diflriktsrabb. Dr. Stein-Schweinfurt das Wort Ar seinem Referate: „Prattische Maßnahmen zur Durchführung relegionsgesetzlicher Erfordernisse: 1) InneHaltung der Eh ege setze." Referent werft darauf hin, daß die durch die Richtlinien sanktionierten unerlaubten Ehen eine Stellungnahme der gesetzestrenen Rabbiner zur gebieterischen Pflicht machen. In eingehender Weise legt er diese Notwendigkeit dar mid die großen Schwierigkeiten, die chr begegnen, zumal da die Gesetzgebung hierin in keiner Weise unterstütze. Hätten wir dieselben Machtmittel wie z. B. die holländischeil Rabbiner, wo jede Trauung von der Zustimmung des Heimatsrabbinats abhängig sei und dieses genaue Listen führe, so wäre der Weg wesentlich erleichtert. In Deutschland seien wir jedoch völlig auf die eigenen Angaben des Bräutigams Md der Braut angewiesen; es sei selbstverständlich, daß dieses kein genügender Schutz sei. Vielleicht würde durch eine Einrichtung, welcher Art sie auch sei,, sobald diese erst publik werde, eine Besserung sich ermöglichen lassen. Redner faßt den Inhalt seines Vortrages in eine Reihe von Thesen zusammen. Es solle aber angestrebt werden, daß die in diesen Thesen ausgestellten Richtlinien möglichst nicht nur von den Mitgliedenr der „Bereinigung" zur Geltung gebracht werden. — Der Korreferent, Distriktsrabbiner Ko hn -Ansbach, stimmt im Allgemeinen dem Referenten bei und hofft, daß jetzt die sogen. „Pernianenzlommission", die eine Vereinigung der vorhandenen gesetzestreuen Rabbinervereine herbeiführen will, in Aktion treten werde. Korreferent regt an, daß die halachifche Kommission Gutachten über die Grenze der Anerkennungsmöglichkeit von Eheschließungen durch die Richtlinienrabbiner <wgeben solle. ■/ Die fast zweistündige Diskussion, die sich an die Referats knüpft, betont, daß unbedingt Maßnahmen erforderlich seien. Aber über deren Möglichkeit, über däs, was verlangt werden müsse, wessen Zeugnis maßgebend sein solle, undwelches zurückzuweisen sei und vieles andere gehen die Meinungen auseinander. Eine ganze Fülle von mündlichen und schriftlichen Anregungen wird geboten und schließlich, auf Antrag Munk-Marburg und.Bamberger-Hanan, dem Vorstandsäls Material überwiesen. Sodann erhielt Rabbiner Dr. Unna-Mannheim das Mort zu seinem Referate: „Bericht über legislative Angelegenheiten: 1) D i e S ch ä ch t - fra^e", in dem er über alle Vorgänge, die sich feit der letzten Generalversammlung ereignet haben, eine Uebersicht gibt. - Wegen der vorgerückten Zeit wird von einer Diskussion Abstand' genommen, und zu dem Vortrage Dozents Dr. I. Wo h lg emnth-Berlin über das Thema: „Äufgabe und Methode der Apologetik im Religionsunterrichte" übergegangen. Es ist nicht möglich, den Inhalt dieses Vortrages auch nur annähernd in der gebotenen Kürze wiederzugeben, nur einige Teile desselben sollen ihrem Inhalte nach gestreift werden. ' '-Die erste Frage ist die, ob apologetischer Unterricht überall dort erteilt, werden soll, wo die Angriffe auf die Religion durch populäre'Schriften und Zeitungen,- durch Vorträge und Lektüre cindringt, vor allem überall, wo' eine höhere Schule ist. Die zweite Frage: Was soll unterrichtet werden? Die Aufgabe des apologetischen Unterrichts, die Widersprüche des Erkenncns sind zu 'lösen, d. h. das, was die Naturwissenschaft und die Religionsgeschichte an Angriffeil vorbringt und ferner die Widersprüche des Erlebens, was die Tragik des Menschenschicksals inbezug auf das Problem der Theodice dem Schüler aufgibt und was das Sichausleben, die angepriesene Lebensbetätigung, in Gegensatz zu den Idealen der Religion stellt. Die dritte Frage: wie soll unterrichtet werden, ist dahin beantworten und die Widersprüche des Erkennens sind zü lösen durch Einwirkung auf den Verstand, durch philosophische Propädeutik und Behandlung einzelner für die Gegnerschaft gegen die Religion mißbrauchter Grundfragen der Naturwissenschaft und Rcligionsgeschichtc. Redner zeigte dann eingehend an der Hand von Proben wie im Einzelnen dieser apologetische Unterricht zu handhaben ist und verbreitete sich auch über die Technik dieses Religionsunterrichts. Auch ans den apologetischen Unterricht gegenüber dem liberalen Judentum und dem Christentum ging Vortragender zum Schlüsse ein. Die Versammlung beschließ, den Vortrag drucken zu lassen. Als nächster Redner Schält Provinzialrat Dr. Bainberger-Hanau däs Wort zu seinöm Vorträge: „Bericht Aber legislative Angelegenheiten^: 2s Soldatenfürsorge". Es handle sich zunächst um die Gewährung ritueller Verpflegung, Ermöglichung einer D i e n st - beschränkung am Sabbat und den jüdischen Feiertagen sowie im allgemeinen um belehrende und erzieherische Ern Wirkung in religiöse in Sinn. Interessant ist hier vor allem die Feststellung des Referenten, daß die leitenden Mlitärbehörden, wie ein .geschichtlicher Ucberblick beweist, sich, rm allgemeinen recht entgegenkommend in diesen Fragen zeigen und daß die Hindernisse oft hauptsächlich auf dem einschüchternden Verhalten der subalternen Vorgesetzten dem neueingetretenen Rekruten gegenüber zuzuschreiben sind und aus der vielfachen Unkenntnis der gesetzlichen Lage beruhen. "Diesem Uebel soll der Antrag des Referenten abhelfen, dem jüdischen Rekruten durch orientierende Merkblätter eine ausreichende Kenntnis der bestehenden Vorschriften zu übermitteln und sie dadurch in die Lage zu bringen, das Erreichbare zu verlangen. Ueber „Praktische MaßnahmSn zur Durchführung religionsgesetzlichor Vorschriften: 2) Schochtim" spricht als letzter Referent Rabb. Dr. Silbe r b e r g-Schrimm. Referent betont den Mangel an Nachwuchs geeigneter Schochtim in Deutschland. Ausländer, die früher die Schechita hauptsächlich in Händen hatten, werden immer weniger in Deutschland geduldet. Semiimrzöglinge, an die man zu denken hätte, sind so überlastet, daß eine genügende Ausbildung kaum zu erwarten ist. Die Ein-. richtung von Wanderschpchtim ist wegen technischer Schwierigkeiten nicht durchführbar. Es müßten daher junge Schochtim an mehreren Zentralen mehrere Jahre hindurch theoretisch und praktisch in allgemein jüdischer Bildung und zum speziellen Beruf ausgebildet werden. Vielleicht wird es möglich sein, da Deutsche sich diesem Berufe nur ungern widmen, auch weniger geeignet sind, an ihrer statt Ausländer auszubilden, die sich bereit erklären, den Militärdienst zu leisten, in welchem Falle sie zumeist naturalisiert werden. Das Reserat löste eine sehr lebhafte und vielseitige Debatte! aus, deren Grundton die Klage über die immer mehr überhand nehmende Mittelmäßigkeit der Schochtim in der Kenntnis der Quellenschriften ist. Von den vielen Vorschlägen, die gemacht werden, sei der eine hervorgehoben, junge Leute nach Ungarn zu entsenden, wo bei geringen Kosten eine gediegene Ausbildung gewährleistet sei, und die jungen Leute auch religiös bleiben würden, was in Deutschland, zumal während der Militärzeit, mehr als zweifelhaft sei. Rabbiner Dr. Kahn?-Mergentheim gibt kurze Anregungen zur Frage der Beschaffung von Mohalim. Zum Schlüsse nuicht Rabb. Dr. Munk-Berlin einige interessante Mitteilungen über den Stand der „Sonntagsruhe"-Gesetzgebung. Den letzten Punkt der Tagesordnung bilden „Anträge", die — meist debattelos — angenommen werden. V _ Brief aus Oesterreich. Die große Herrenhaus-Debatte über das Zivilehe-Gesetz brachte auch manche uns als Inden interessierenden Worte. Dr. v. Grabmayr, 8er für die Einführung der obligaten Zivilehe ist, führte u. a. ans: Bei. der Frage dör Ehe zwischen Christen und Nichtchristen wirkt djas Eheverbot wie ein arger Anachronismus. An all den tiefgehenden, für die eheliche Harmonie so gefährlichen Gegensätzen der 8taat- >.i. Univ.-Bibl. Frankfurt am Main Herkunft, -Erziehung, BiUmng, des Alters, des Charakters, der LebSnsgewohnheiten geht derStaat achtlos vorüber .und Meldet sich erst - dänn^ mit seinem trennenden Worte, wenn von den Brautleuten ein Teil die Kirche am Sonntag besucht, der andere die Synagoge am Sabbat. Gegen die-MoNströse Ehe einör Christin mit.einem.Papua erhebt das Gesetz keinen Einwand, wenn der Wilde juxr getauft ist. Wenn aber Sine Christin eine tiefe Herzensneigung mit einem Judlen verbindet, der mit ihr in demselben Hause anfwächst, dieselben Schulen besucht, dieselben Kulturideen einsog, dann erklärt der Staat' die Ehe zwischen diesen so 'gleichgearteten Lünten für unmöglich — „wegen Mangels des sittlichen Betnlögüus!" Sagt inan zu viel, wenn man ein staatliches Recht, das die Sittlichkeit auf solche Art hütet, antiquiert nennt? Dagegen, sagte Dr. Lammasch: Auch wenn man kein unbedingter und unbeschränkter Bewunderer des jüdischen Nationalcharakters ist, so muß man doch, zugeben, daß die jüdische Nationalität eine Tugend in hohem Maße besitzt, der sie einen großen Teil der Erfolge in der Welt verdankt, einen hochgradig entwickelten Familiensinn. Aus diesem Grunde ist für die jüdische Konfession die Trennbarkeit und das Recht der Wiederverheiratung nicht so gefährlich. Zn einem Teile derjenigen Staaten dagegen, in welchem unter dem Einflüsse der protestantischen Auffassung die Trennung der Ehe und Wiederverheiratung gestattet ist, haben sich sehr bedenkliche Zustände bezüglich der Wiederverheiratung herausgestellt. Insbesondere in den' höheren Schichten der Gesellschaft gibt es dort viele Personen, die drei- und viermal verheiratet gewesen sind, und es zeigen sich dort manchmal Verhältnisse, die an die Schilderungen Juvsnals erinnern. Daher hat sich auch dort schon die Reaktion eingestellt.. Wir werden es vielleicht erleben, daß aus Amerika, Äem'Bande der! Freiheit, eine Menäissance däs Pflichhgcdankens nach dem alten Europa herüberkommt.- Wir sind nicht Grab mayrs Ansicht; wir begrüßen ini Gegenteil jede Erschwerung der Mischehe. Die letzte Sitzung des Zähres hat wie gewöhnlich im Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde den Voranschlag für das nächste Jahr gebracht. Er beträgt diesmal 3,327,000 Kr. in den Einnahmen und 3,452,000 Kr. in den Ausgaben. Bei den Ausgaben seien folgende, Posten hervorgehcben: Bethäuser, Kultus- und! rituelle Angelegenheiten 656,000 Kr., Unterricht 411,000 Kr., Wohltätigkeit 410,340 Kr., Spitalzuschuß 209,000 Kronen. Für die nächsten Jahre hat die Kultusgemeinde mehrere große neue Aufgaben durchzuführen. Bor.allen Dingen die Errichtung des Kinderspitals, für das sie ja zwei Millionenstiftungen erhalten hat. und die Anlegung des neuen Friedhofes. Bisher hatte die Kultus gemeinde nur eine Abteilung im allgemeinen Zentralfriedhof, wenn auch unter eigener Verwaltung. Aus aller Weü. D«««schks Reich. Berlin. Eine große Anzahl angesebener jüdischer Persönlichkeiten ans allen Teilen Deutschlands erläßt folgende Erklärung: In letzter Zeit sind über die Alliance Jsraälite Universelle in . der Presse Ansichten verbreitet worden, die ein durchaus irriges Bild über ihr Wirken geben. Die Alliance, die seit über 50 Jahren besteht, ist ein Knlturwerk ersten Ranges. Sie sieht neben der Förderung anderer Wohlfahrtsbestrebungen ihre Aufgabe in der Errichtung und Unterhaltung von Schulen für arme Juden, namentlich im Orient. Solcher Schulen unterhält die Alliance zur Zeit etwa 160 mit über 40 000 Zöglingen. Die Alliance dient keiner Nationalität. Sie bient allein den Wohlfahrts- und Bildungszwecken für die notleidenden Juden.. Wohl haben in den letzten Jahren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Zentralkomitee und einem Teil der deutschen Mitglieder bestanden, doch ist jetzt eine Verständigung geschossen, welche den deutschen Mitgliedern den gebührenden Einfluß auf die Zentralleitung sichert. Die deutschen Mitglieder der Alliance Jsraslite. Universelle weisen jede Verdächtigung ihrer treu deutschen Gesinnung mit aller Entschiedenheit zurück. Berlin. Die hiesigen Bne-Brith-Logen haben eine Zentrale für jüdische Mündelpflege in Gro ß-Berlin (Adresse: Berlin IV., Kleiststratze 10) gegründet. Diese Institution entspricht einem Bedürfnis. Es wird verhindert, daß jüdische Kinder eine» nichtjüdischen Bor- I I

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