Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 50 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurter Israelitisches F-amikiellbkatt. -- S.Üe 3 ’t' Wie. seit' 20 Jahren, so ist auch diesmal in der Great-Synagvqne anläßlich desEhannkafestes Kin glänzender militärischer Festgottesdießst abgehälten worden. Die mit Fahnen geschmückte Synagoge bot mit den verschiedenartigen Uniformen der jüdischen Offiziere und Soldaten nnd der jüdischen Knadcnbrigade ein farbenprächtiges Bild. Der Gottesdienst begann, als der L v r d m a y o r von London mit seinem Gefolge erschien. Es wurde das Abendgebet nnd das LichtanzündeN iii herkömmlicher Weise verrichtet, von Rabbiner . Dr. Michael Adler eine Ansprache gehalten und dann unter den Klängen der Militärmusik von der militärischen Gemeinde „Moaus zur Jeschuosi" gesungen. Belgien. Brüssel. Am 16. d. M. fand im Hause von Herrn Fran'z Philipps»» eine Aussprache zwischen Vertretern verschiedener großer jüdischer Wohltätigkeitsgesellschasten statt. Es wurde besonders über die gemeinsame H i l fs tä t i g k e i t zur Milderung des durch den Krieg hervorgerufenen Elends, auf der Bat kan Halbinsel eine prinzipielle Verständigung hcrbeigeführt. Palästina. Jerusalem. Während des letzten Jahrzehnts hat das »wderne jüdisch-palästinensische Schulwesen einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. In diesem Zeit-Abschnitt haben sich nicht allein die früher hier bestehenden Volksschulen bedeutend eriveitert, sondern es sind auch verschiedene neue Schultypen, vom Kindergarten bis hinauf zur höhere» Schule, in Stadt nnd Land entstanden. Hängt ja von der Erziehung der heramvachsenden Geschlechter^ bas Gedeihen des jüdischen Jischuw in Palästina ab. Mögen auch die verschiedenen jüd. Schulen in Methoden und Lehrplänen mehr oder weniger von einander abweichen, was übrigens ein natürlicher Prozeß gesunder Entwickelung ist, sie steuern doch alle unentwegt demselben Ziele zu: - das klassisch; Land der Bibel zu einem jüdischen Kulturzentrum zu mache». In einem Kulturzentrum müssen sich aber notwendigerweise all diejenigen Faktoren vereinigen, , die, sich gegenseitig unterstützend und ergänzend, lnlturfördernd wirken. Ein solcher wichtiger Faktor ist unleugbar ei» S ch u l m u s e u ui . Die Bedeutung einer solchen Institution für ilnterricht und Erziehung eines Landes weiß nicht nur die Lehrerschaft allüberall richtig einzuschätzen, sondern sie wurde und wird auch von den staatlichen und städtischen Behörden aller Kulturländer erkannt. Eine Notwendigkeit geradezu ist eiir solches Jnsfitut für das gesamte Bildungswesen im Orient, wo dem überwiegend größten.Teil der Lehrer ..und. Erzieher, fern von. der großen Kulturwelt, die Erzeugnisse der modernen Lehrinittelindustrie nnd des Schulbuchhandcls . sowie der schulhygienischen Gebrauchsartikel säst völlig .unbekannt bleiben. ,; Bon diesen Gedanken geleitet, hat der I e r u s a l e - vier Zweig des palästinensischen Lehrerp tz r b a nd e s ein Pädagogisches Museum in Jerusalem ins Leben g e r u fe.n. Dasselbe'soll drei Mteilungen umfassen: 1. eine historische s Abteilung, die alles eickhalten soll, was die geschichtliche Entwicklung des palästinensischen . Schulwesens betrifft, 2. eine Abteilung für Lehr- und Lernmittel, Schulgeräte, Schulbücher nnd pädagogische Werke und 3. eine Abteilung für Schulhygiene.. . Die palästinensische Lehrerschaft nnd insbesondere diejenige Jerusalems,' die von der Bedeutung ihrer' schweren Aufgabe' durchdrungen ist, ist bereit, den Ausbau dieses Instituts, mit allen ihr zu Gebote stehenden Miteln zu fördern.- Sie ist hierbei aber auch äilf die opferwillige -Unterstützung seitens der weiten jüdischen Kreise im Auslande angewiesen. Die Leitung des Instituts wendet sich an alle Schulleiter, Lehrer nnd pädagogische» Schriftsteller sowie an Fabrikanten und Kauflente mit der Bitte, dieses Kulturwerk in Palästina durch Uebersendung von Lehr- und Lernmitteln, Plänen, Modellen usw. Der Vorstand besteht aus den Herren Jesajas Preß, Prorektor der Läinelschule, C h. L. Suite, Seminar- und Mädchenschultehrer, Dr. Israel Weinberg usw. Amerika. Rew»Aork. In der Ausstellung der amerikanischen Kunst-Galerien ist ein hervorragendes jüdisches Kunstwerk zu sehen, dessen Wert auf 25 000 Dollars geschätzt wird. Es handelt sich um ejn hebräisches Gebetbuch eingewirkt in Stofs; der Stoff hat ein Format von 6 Fuß 2 Zoll mal 5 Fuß 2 Zoll. Das Wunderwerk ist von vier Brüder Josephns vor 500 Jahren in Spanien in einem Zeitraum von 23 Jahren angefertigt worden. Jeder Quadrätzoll enthält Tausende von Stichen. Personalien n. Kleine Mitteilungen. Lffenbach. Ingenieur Gustav Gabriel wurde zum Vorsitzenden des Ortsausschusses für die gesetzliche Ge s e l l e n p r ü f u u g bestimmt. BreSlau. In S t r e b l e n verschied im Alter von 77 Jahren Isidor Prinz, Mitglied des Vorstands der jüd. Gemeinde. Köln. Mit dem Hinscheiden von Rahel Apfel geb. Bürger hat die hiesige Judenheit einen schweren Verlust erlitten. Sie war nicht nur eine ihrer vornehmsten und begabtesten Frauen, sondern sie hatte mich ein lebendiges jüdisches Interesse, das in ihrer Dichtkunst und durch ihre Mitarbeit in den jüdischen Wohlfahrtsinstiintionen zum beredten Ausdruck kam. Hofgeismar. Bor etwa J4 Tagen en fernte sich die unverheiratete Veilchen Kah aus dem benachbarten Eberschütz früh morgens aus. ihrer Wohnung^ Alle Anzeichen deuten daraufhin, daß die Bedauernswerte, die geistig nicht ganz uorniat war, den Tod in der Diemel gesucht und gefunden hat, jedoch ist alles Suchen bis jetzt vergeblich gewesen. (L.) Posen. In Wougrowitz stierte W tw." Käte S ch e n d e l ihren 90. Geburtstag. — Die jüdische Gemeinde R a s ch k o w ist aufgelöst und der jüdischen Gemeinde Ostrowo zugeteilt worden. Martruwerder (Westrr) Eilas Hirschberg. Vorsteher der jiidischen Gemeinde, erhielt anläßlich seines 80. Geburtstages den Kro nen»rden 4. Klasse. Stratzburg» Im Jahre 1911 sind in Elsaß-Lotbringen 175 jüdische und 33 jüdisch-christliche Ehen geschlossen worden. Stratzburg. In M a u r s m ü n st e r feierten die Eheleute Aron Hermann und Frau geb. Weill die g o l - derze Hochzeit. — . In Colmar verschied im 93. Lebensjahre Witwe Lazare H i r tz, Mutter des Konsistorialmitgliedes Dr. P. Hirtz. Wie«. S a l o C o b n, Mitglied des Vertreter-Kollegiums der Knltnsgemeinde, Präsident der Chewra-Kadischa usw., eine sehr sympathische Persönlichkeit nnd ein stets hilfsbereiter Philanthrop, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag. — Das durch die Munifizenz des verstorbenen Baron Albert Rothschild errichtete israelit. Krankenpfleg e r i n n e » - H e i m — ein schöner, moderner Bau neben dem Rothschildhospital — wurde seiner Best i m m u n g übergebe n. — In Krakau verschied Handelskammerrat Maximilian Ehrenpreis, gewesener Vizepräsident der Kultus-Gemeinde. — Budapest. Der dieser Tage verstorbene Knrial ichter Dr. Desrder Markus, Mitglied des Obersten Gerichtshofes, einer der hervorragendsten Juristen Ungarns, hatte vor drei Jahren das Unglück, daß sich seine Frau mit den Kindern o.hne sein Wissen taufen ließ. Er trennte sich sofort von seiner Familie und zog erst nach langem Drängen, um öffentliches Aergernis zu vermeiden, wieder zu ihr. Als er sich jüngst ins .Krankenhaus begeben mußte, schrieb er der Chewra Kadischa, daß er als Jude nur auf dem jüdischen Friedhof beerdigt sein wolle und die Chewra dafür sorgen möge. Diese Vorsicht war nicht überslüssig, denn seine Frau traf sofort Anstalten zu einem katholischen Begräbnis, das natürlich nun verhindert wurde. New-Aork. Louis Marshall ist zum Präsident des Pewish Komitee gewählt worden. Die Organisation hat damit eine hervorragend befähigte und tief jüdisch fühlende Kraft an ihrer' Spitze erhalten. Das Uewish Comitce ist ungefähr dasselbe, was der Board of Deputics in England ist. — Der Kassierer des Ordens „Bris Awrohom" ist wegen Unterschlagung von 10 000 Dollars verhaftet worden. Der Fall lenkt wieder einmal den Blick auf die Orden. Fast jeder hiesige Jude gehört einem oder zwei Orden an, denn für 15 bis 20 Dollars Jahresbeitrag gewähren die Orden Unterstützung bei Unglnckssällen und freies Begräbnis nnd einige hundert Dollars an die Hinterbliebenen beim Tod. New-Aork. Jaeob H. Schilf hat der Bibliothek des amerikanischen Kongresses die sehr wertvolle Sammlung hebräischer Literaturdenkmäler, die von Ephraim Deinerd aus Arlington (Ren-Jersey) zusammengebracht war, geschenkt. Der Katalog weist 9936 Nummern auf. Die Sammlung ist namentlich reich an Bibelnnd Talmud-Ausgaben; unter letzteren befindet sich der Erstdruck von Banberg in Venedig (1520 his 23) und. die vollständige Frankfurter Ausgabe (1720 bis 22). New-Aork Der künstiae Präsident Wilson wi>d den jüdischen Advokaten Louis de Brandeis in Boston in sein Kabinett aufnehmen. Ans der zionistische» Bewegung. Wie«. Der hier gegründete Misrachi-Verein hat seine Leitung wie folgt gebildet: I s i d o r Austerlitz (Obmann). August Austerlitz, Julius Lettner, Jakob März, Emil Neurath, Markus Spiegel und Jakob Ster». Aus der Lehrerwett. Hamburg. Ein unersorschliches Geschick hat in das harmonische Dasein einer von echt jüdischem Geiste erfüllten Familie eingegriffen. Rosy Os » Lehrerin der Jsr. Töchterschule, ist kurz vor ihrer Hochzeit abberufen worden. Es war ihr nicht vergönnt, den heißesten Wunsch ihrer Seele, mit ihrem seit einer .Reihe von Jahren Anscrwählen vereint zu sein, verwirklicht zu sehen. In Jügendfrische nnd Schönheit ist sie abberufen worden, in ihrem Liebreiz wird sie tveiterleben bei alten, die sie kannten und sie liebten, weil sie ihren wahren Wert erkannt hatten. Merzhausen. Für die seit 1. Oktober vakante hiesige Lehrerstelle ist Herr S ch i r a tz k i ans Marburg von der Gemeinde gewählt worden. Zürich. Hier ve,schied im 81. Lebensjahre Moritz Meier, der Jahrzehnte hindurch Lehrer in Lengnau war. Meier war der erste schweizerische Jude mit Osfiziersrang; er erhielt ihn 1856. In Endingen verschied Lehrer a. D. Michael Bo klag im 68. Lebensjjahre. Nagytapolesanv (Ungarn". Am 2 Tage Charmka verschied im Alter von 52 Jahren Salomo» Leo Singer, Rabbiner der orthodoxen Gemeinde Rimasrombat. Der Verblichene, ein Abkömmling hoher Ahnen — Schem Rokeach — Schare Thora —, entfaltete während dreißig Jahren eine äußerst segensreiche Tätigkeit. Als besonders hervorzuheben ist das innige, harmonische, ungetrübte Verhältnis zwischen Rabbiner und Gemeinde. S. Sch- Bor den Toren Prags. Historische Erzählung von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung.) Am 25. August war gerade die letzte Barrikade gegen Abend gefallen, nnd in der Nacht mußte sie abgeräumt werden, wenn die Schweden freien Spielraum zum Angriff haben wollten. In dieser Nacht traf Markus seine Vorbereitungen, um mit Tagesgranen ferfig zu sein. Eiserne Feuerbecken vom Altstädter Turm beleuchteten die Arbeiten der Belagerer und Markus konnte an seines Vaters Seite das Fortschreiten der Arbeiten sehen und den Augenblick feines Handelns berechnen. Es ist bekannt, und in neuester Zeit erst mehrfach bewiesen worden, wie der Zufall es oft tückisch fügt, daß beide Gegner im Kampf den gleichen Angriffsplan verfolgen und gerade dadurch unberechenbare und ungeahnte Entscheidungen herbeigeführt werden. Der Sieg wird gewöhnlich in solchem Falle dem beschieden, welcher bei kälterem Blute mit den wirksameren Mitteln vorgeht, mögen diese bestehen, worin sie wollen. Ein bangerer Morgen zog mit seinem ersten Grauen wohl nie über geängstigte Menschen herauf als das Frührot des 26. August über die Bewohner von Prag. Königsmarck hatte alle Geschütze zurückgezogen und die Prücke durch kleine "Abteilungen von Schützen besetzt, die jeden Haarbüschel aufs Korn nahmen, der sich über den Zinnen der Mauer oder des Altstädter Turms erblicken ließ. „Also Sturmlausen ist Königsmarcks Meinung l" sagte Markus und preßte des Vaters Hand. „Der Narr tut mir wirklich ganz meinen Willen!" Es war sechs Uhr morgens, als Königsmarck seine Kolonnen hinter deni Kleinseiter Tor formierte und das Signal zum Sturm durch die Trommeln; geben ließ. In fünfundzivanzig Mann breiten Kolonnen eilten sie mit eingelegten Spießen, ihre Ofstziere an - der Spitze, von Schützen und Mineuren gefolgt. Wer die Brücke heran. Als sie die Hälfte derselben eben überschritten ' hatten, auf den Fersen gefolgt von den dichten Rechen ' ihrer Kameraden, rasselte das Fallgatter des MVstädter Tor empor! Seine schweren Flügel öffneten - sich zu ihrem Erstaunen! Gebrüll und Schnaufen - tönte ihnen entgegen! Die ersten Reihen der Schweden stutzten, deim dir Brücke war schon so vielen ein Todesweg geworden, die folgenden aber drängten nach, und'' die Offiziere wetterten ihren Leuten zu: „Greift an! Hinein! Ihr seht ja, das Tor ist offen! Gebt den Hunden lachen Pardon!" In diesem Augenblick drängte sich hastig eine Herde Sfiere aus dem geöffneten Tor, — jeder von ihnen einen roten Lappen vor den Angen. Kaum sahen die Tiere, aus dem Dunkel plötzlich ins Helle eilend, das grelle Rot dicht vor ihren Llugen, als Angst, Wut, kurz die sogenannte Horntollheit, sich der Herde bemächtigte. Keinen andern "Ausweg sehend, als den Weg vor sich, stürzten sie in wildem Jagen nnd Drängen gesenkten Hauptes ans die schwedischen Reihen, die nicht vernulteten,' mit Ochsen kämpfen zu müssen. Da Markus Spira dem Joel, seinem Knechte, und Eli Ben Socheser, dem Schächter, befohlen hatte. Len Tieren in der Nacht im dunklen Tor Schwamm unter die Schwänze zu binden und diesen, bevor. Tier um Tier ins Freie gelassen wurde, anzuzünden, sw wurden die Tiere nicht bloß durch den Lappen gereizt, .sondern auch, von dem Schmerz am Schweif«, gepeinigt, wie rasend nach vorwärts getrieben. Kaum, stürzte der letzte Stier heraus, als das Gatter wieder fiel. — — Eine gräßliche Szene bot die Brücke dar. Zerfleischte, zertretene Schweden bleckten den BÄtzyn JAptz •1 I 3 i i