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Neue jüdische Presse · 1912-12-20 · Heft 50 (20.12.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 50 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. - Nr. W WM Wunde, die der Feind dein rasenden Bich beibrachtc, machte es nur noch wütender. Die vordersten Schweden drängt«! entsetzt zurück, die hintersten drängten in Ver Hitze des Angriffs vor, die eigenen Leute traten einander nicher, erstickten, einander! Mach einer halsten Stunde hatten die Ochsen die Schwöen bis zum Kteinseiter Turm geworfen, auf dem mittelsten Brückenbogen aber standen die Juden -wieder mit gefällten Sperren, ihre Schützen hinter sich, und hinter ihren Kolonnen ließ Markus von den Steinhauern in den Bogen der Brücke Löcher brechen, tief genug, um die Pulvertonnen aufzunehmen. Noch dauerte das Entsetzen der Fliehenden, das Stöhne» der Gefallenen fort, als die "Tonnen schon eingcsenkt waren und der Minensack von Markus als Leitung bis zum Turm gelegt wurde. Ein Signal rief jetzt die jüdischen Streiter zur Umkehr, und kaum. waren sie im Tore in Sichecheit, als Markus Spira mit der Lunte die Leitung entzündete. Wie eine zischende Schlange fuhr das Feuer die Brücke entlang zu den Pülverminen. Eine furchtbare Detonation erfolgte, der. Torturm wankte in seinen Festen, die, ganze Stadt schien zu hüpfen. Dann brach der mittelste Brückenbogen in dumpfem Donner zusammen, und das Wasser der Moldau schnob auf, — eine ungeheure Lücke trennte fortan Hradschin und Kleinseitc von der -Alt- und Neustadt Prags. ' „Ein Meisterstreich, mein lieber Freund Markus, eine großartige Tat! Prag ist nun gänzlich gerettet vor jedem Erstürmen!" riefen Collvredo, Czernin und Kinsky jubelnd Markus entgegen und umringten ihn, indes die auf den Seitenstraßen postierten Verteidiger, Studenten, Kreuzherren, Adlige und Bürger jauchzend auf dem Brückenplatz zusammenströmtcn. ,Habe ich Ihnen nicht," lächelte Markus, „als ich damals das Bich gekauft hatte, hier am Tore gesagt, Herr. Statthalter, daß die Ochsen zur Verteidigung oft noch besser sind als Menschen? Hätten unserer . Tausend mft allem Mute es doch nicht vermocht, was nun hundert tolle . Ochsen getan haben! Ich habe in Spanien gelernt, meine Herren, die Stiere wild zu machen." Was die Schweden nun auch noch gegen das östliche Prag unternahmen, es war nutzlos. Zwar fuhren sie einen Tag später mächtige Belagerungsgeschütze aus die Brücke bis hart vor den gesprengten Bogen und beschossen bis zum 21. Oktober, also volle vierzehn Wochen, den Altstädtcr Turm und die Stadt. Aber der Turm, ob auch noch , so demoliert, wankte nicht, auf ihm saß als seines Volkes Prophet und Hort furchtlos noch immer der greise Rabbi Simon, und über Hm ragte unversehrt das Feldzeichen Israels, der Schild DavLs, der ewige Stern! Bon den Mauern, vom Kastell zumal, erwiderten aber Markus und Czernin das schwedische Feuer wirksam genug, währerü» die Ostseite der Stadt gegen den angelangtcn General Wittenberg durch die Studiosen, die Kreuz- Herren und Bürgermilizen so wirksam gehalten wurde, daß jeglicher Sturm nutzlos blieb. Vaterlandsliebe, Mannestreue mch in Gefahr erprobte Waffenbrüderschaft hatten in dieser- Zeit der Schrecken den Unterschiedd:s Standes, der Religion und Rassen verwischt. Die Nacht des 21. Oftobers war still gewesen, nachdem schon in den letzten Wochen des Feindes Angriffe immer schwächer geworden. Am 22. morgens — wie wunderbar — gerade dm Tage der „Gesetzesfreude der Juden" war kein Schwede weder auf der Ostuoch der Kleinseite noch in der Umgegend von Prag mehr zu sehen. — In der Nacht war der Feind lautlos abgezogen! — Weinend vor Freude sank man einander in die Arme, Jude und Christ, hoch und gering. Rabbi. Spira aber und sein Sohn Markus trugen an der Spitze der jüdischen Streiter das heilige Siegeszeichen .herab vom Turme ins alte Ghetto, in die ernste, düstere, tausendjährige Alt-Neuschule und'beteten hier zu dein,' dessen Gesetz Gerechtigkeit ist, die an dem vcrmhtften Volke, das ihn auf Erden dennoch zuerst mHmtt hatte) wiederum erwiesen worden war/ Zwei Tage später, am 24. Oktober, ratifizierte man. den westfälischen Frieden. Die Greuel waren zu Endel T?urch die verödeten deutschen Fluren zogen die Schwedm nordwärts ab, dem Poiirmcriilaiidc zu, Ruinen''hinter-sich lassend, aus denen für ewig : alles Leben entwichen schien. > . r VII. Im Jlldenvicrtel war es wie iizimer. Die Tage dl^-Kampfes Harens,'vorüber, aber auch die Tage incnsch- . sich' drMerlich'e'r 'Gemenisamkcit >.'Lnd" Gleicher Gefühle mit der christlichen Bevölkerung. Was Rabbi und Markus Spira mit ihren Streitern auch Staunenswertes getan, wie die jüdischen Frauen, an ihrer Spitze .Esther Katz und.Frau Sara, Tag und Nacht, Woche um Woche durch Pflege der Kranken jedes Glaubens ein ,Beispiel weiblicher Liebe gegeben haften, — schon war es wieder vergessen. Der Jude war eben wieder der — Jude, der Christ — der Christ! Zwischen ihnen beiden lagen die Gatter des Ghetto, — die alten Grenzen, von beiden Teilen in alter Strenge gezogen. In der Judenstadt selbst hatte nach blutigem Kampfcsrausche, Angst und Arbeit jetzt Müdigkeit, Msonderung, trübe Ernüchterung Platz gegriffen. Tod und Wunden nur hatte die israelitische Gemeinte aus dem schweren Kampfe heimgebracht, und kein Haus war, in dem nicht ein Glied der Familie, ein Verwandter oder ein Freund vermißt oder dessen Leiden nicht beklagt worden wären. Wo es auch nicht leibliche Wunden waren, die da bluteten, so gab es doch Wunden der Seele, die oft tiefer sitzen und schwerer heilbarer, sind als Schädigung an Fleisch' und Bein. Rabbi Spiras Haus, tote das Joach Schamcchs, des Vorstehers, waren von der allgemeinen Not verschont geblieben, umsomehr aber lag beiden ob, überall die 9fpt nun aufzusuchen und zu lindern. Ihnen wäre,: Markus, der Held der Prager Judenschast, wie dessen Freund und — quasi Adjutant (feilt Leutnant nach damaligem Sprachgebrauch) — Eli Be» Socheser, der Schächter, zugesellt, und wo diese ans Bett der lvunden Genossen im Kampfe wie im Glauben traten, da wurde Ms Antlitz der Leidenden hell, ihre Schmerzen wichen über dem seligen Gedanken, was doch der alte Gott Judas an seinem Volke in der Knechtschaft wiederum getan habe. Auch Esther Katz und ihre Freundin wurden nicht müde, ihre'Pfleglinge aufzusuchen, und oft vereinte derselbe Kranke Markus und Esther, Eli und Täubchen, den Rabbi und sein Weib. Wie sie sich getroffen, so trennten sie sich meist auch wieder, denn jeglicher war eifrig auf seinem Wege der Plicht. Auch diese verlor nach einer weiteren Woche ihre Dringlichkeit. Die Notwendigkeit des Lebens siegte über das Weh der Vergangenheit, Handel und Wandel begannen wieder, die Gewißheit des endlichen Friedens und neuer Lcbenssichrrheit ließ -Hoffnungen und Wünsche neu erwachen, die Lebenslust, die Daseinsivonnc. Allen siel in der Gemeinde auf, ivie die schöne Esther Katz sich doch verändert habe. Das Rot ihrer Wangen und ihr Stolz waren verschwunden, nicht mehr erhobenen Hauptes, verächtlichen Blickes, mit funkelndem Geschmeide ging sie umher, Verehrung überall verlangend, sondern demütig, gesenkten Auges, in dniiklcn Gewändern. Obwohl sie durch ihren liebevollen Opfermut der Engel aller Leidenden geworden war, ob sic der Not der Armen von ihren; Reichtum auch abzuhelsen sich bceisert hatte, sah sie doch qus wie eine, die schwerer Sünde sich bewußt ist. (Fortsetzung folgt.) Normal School Bovano I Wsssrstr. 7. SprBCtlBD-UetlBFSBtZUngen. Tel. 12428.1 Privat-Zirkel- und Klassennnterricht. ■ Besondere Zirbel für Damen besserer Kreise. I Qftffentl. Profeeatm]den Mittwochs mn 11.5.7 n. 9 Uhr. W Eingesandt. EIItgeg ii u ii g zur „Erklär u n g" i u N r. 50 des „Israelit". Ii» Tprechsaal der Nr. .'-0 des „Israelit" findet sich eine Erklärung des Herrn Baruch Stern. Diese Ertlärung richtet sich gegen' einen in der „Misrachi-Korrespondcqz" erschienenen Artikel, der sich mit demvom provisorischen Komitee herausgegebenen Bericht über die Kattowitzcr Versammlung beschäftigt. — Da ich die Ehre habe, z. Zt. Vorsitzender des Misrachi-Zentralbiireaus zu sein, bin ich auch verantwortlich für die von ihm hcrausgcgcbciie „Misrachi-Korrespondenz". Herr Baruch Stern, der nach seiner Slngabe die Redigierung genannten Berichtes besorgt hat, führt aus, das; bei der Wiedergabe der auf der Kattowitzcr Konferenz gehaltenen Redenein zwiefaches Verfahren geübt würde: 1. cs ist von cineiii der Schriftführer ein Protokoll - geführt worden. Die von jhui hergcstclltc» Nicdcr- »schriftcn sind den bcir. Redner»' zur Prüfung ihrer Richtigkeit vorgelegt und nach deren Verbesserungen in den. Bericht ausgenommen. So sei bei der Rede des Herrn Dr. Kaatz verfahren worden: 2. er selber hat „einen Teil der Debatten nach bestem . Gewiffcii imb K önnen stenographifch a uf gen o m m c n. Bei dieser Kategorie, bei denen es sich m c i st n m wichtigere A ii s f iilj r u ng e n . h a iidelte, w K re ei ii c weitere R ü ckschrächc mit bc ii eins c I u c n :)ic d iie r n n j.ch'l;ny t ig gewesen, d i e R e b e n w ii r t> e it; w ie f-iÄ'u o r> lagen , d e in B erichte einverl e i b t. (IsDas war a u ch b e i d e r R c d«',-d e s H e r r n /D r. Franck der/F-all." ' Ferner behauptet - er,- sein Versuch, eine Richtigstellung der gegen die „Agudas Jisroel" gerichteten 4lngrisse herbeizuführen, sei erfolglos geblieben. Ich habe darauf folgendes zu erwidern: 1. In der Boranssetznng von der Richtigkeit,, der Darstellung bctr. der Rede des Herrn Dr.'Kaatz wäre demnach die iiunmehr veröffentlichte Fassung im Einverständnis mit dem Redner formuliert. Die Gründe, die Herrn . Dr. Kaatz veranlaßt haben,' seine Rede, nicht.in der Ausführlichkeit zu bringen, wie er sie gehalten hat, entziehen sich meiner Beurteilung. Ob'ein solch' abgekürztes Berfahren, auch wenn cs im Einverständnisliiit dem betreffenden-Redner geübt Wied, die Billigung einer objektiv handelnden Behörde finden dürfte, lasses.ich dahingestellt. Ein offizielles Protokoll muß ausführlich sein. Es ist nicht verständlich, daß man hier ein summarisches Verfahren beliebt, zumal die diese Polemik veranlassende Rede wörtlich gebracht wurde. Ich bemerke nebenbei, daß gerade die Heftigkeit-des Tones, die Herr Dr, Kaatz anschlug, für mich bestimmend war, mir selber eine gewisse Mäßigung auszuerlegeii. Hätte ich-damals diese Polemik vorausgesehen, so wäre ich nicht so zartfühlend gewesen. 2. Es ist nicht verständlich, daß - der Redakteur der Berichte und Materialien „nicht für nötig gefnnden hat", die Reden, die er selber stenographisch ausgenommen hat, d en R ed n er n z ur Pr ii f n n g v o rz u l e g e n, zumal cs sich, wie er selbst sagt, meist um w.i chtj.g e r e Ausführungen handelte. Umsomehr hätte er die Pflicht dazu gehabt. Das erinnert an das Wort Bräsigls von der Fixigkeit und Richtigkeit. Herr Steni gibt für die unterschiedliche Behandlung keineswegs eine plausible Erklärung. Es ist mir heute, nach 4—5 Monaten, selbstverständlich nicht mehr möglich, den Wortlaut meiner Ausführungen zu rekonstruieren. Was dem Sinne naä) die Wiedergabe des Stenogramms nicht enthält, versteht jeder Kundige ohne weiteres. Herr Baruch Stern ist ein umgekehrter Bismarck, er macht aus einer Fanfare eine Chamade. Richtig hätte die Sachlage nur gestellt werden können, wenn auch mir das Konzept zur Prüfung vor? gelegt worden wäre. 3. Herr Baruch Stern hat weder an die Adresse des Zentralburcaus, noch an die der „Misrachi-Korrespondenz" eine Anfrage in dieser Angelegenheit gerichtet. Die von Herrn Baruch Stern beliebte Charakterisierung des Artikels in der Misrachi-Korrespondenz gebe ich ihm vollinhaltlich zurück. Ich würde jederzeit vor den Schranken des Gerichts v für die Wahrheit meiner Ausführungen «intreten. Altona, 16. Dz. 1912/6. Teweth 5673. Dr. L. Fra »ck. Taschentücher empfehlen In grosser Auswahl and allen Preislagen F. C. Strubberg & Co. 25 lene Malnzerstrasse 25. Offenbaeber Druckluft - Anlage Qftnnbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapoltthr*lnl0anp, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedemreinlgung mittelst Drncklnft und Wasserdampf. . II kaiser Friedricb Quelle —— Offeabaeh tu M. —— Gegen (Hebt «ad Bhemntlsmn» tewttrt. Alleiniger General -Vertreter : Frlndrloh Stahl. I Frankfnrta.il., Ganthersborg-Allee 37. TeL259 a. 714^ Wocheu-Saleu-er. (Zeftangäbm nach dem Laach.) Samstag, den 21. Dezember (=11. Tewes): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr — Min. Sabbat-AvSgang in Fraickfurt a. M. 5 Uhr 26 Min. in Berlin 4 Uhr 48 Min. Wochenabschnitt: Wajechi. — Jakob will »ach dem Lande Kanaan begraben werden. Josef muß dies dem Vater eidlich versprechen. Jakob segnet seine Enkel Efraim und Menasche, die Söhne Josefs. (Dabei der bekannte Satz: Hamalach Hagauel usw.) Jqkobsegnet vor' dem Tode seine fänitlichcii Söhne. Es - sind poetische und prophetische Worte, deren tiefe Bedeutung ohne näheren Kommentar/unverständlich bleibt. Hier sei . nur bemerkt, . daß Bergaiigcnhqit und Zukunft der 12 Stämme.sich darin wie in einem Spiegel zeigen. — Jakob stirbt, 147 Jahre alt, und wird in-großen. Ehren, nach Knnaan. begraben. Er hatte 17 Jahre in Egypten gelebt. Am Leicheiibegäiignis beteiligte sich auch das Land und die königliche Fainilie. Unterwegs wird in' der Teiine Atad .eine Trauerseier veranstaltet. In der Höhle-Machpela wird Jakob bcigescht. . — Die Brüder argwöhnen'bei Josef Rachegelüste, da der Vater nicht inehr lebt- Sic.bitten um Verzeihung ihrer Schuld. Josef weint' »iid weist - die Befürchtung als grundloszurück. -Da-'.'Ganze sei , Gottes Fügung gewesen.' Josef verpslichtet seine. Brüder, -dereinst'seine toten Gebrine mitnehmen zu wollen, wenn sie aus Egypten ziehen-'. Er .stirbt, -1t0 Jahre alt, wird einbälsqm.icrt und/ in einem Sarge aufbewahrt. ' : , Wocheiigoftesdieiistk. in Frankfurt: / Morgens: 7 Uhr' 10' Mii. (Hm'iptsyiiagoge uiid Synagoge - ' /.(- MnlgpeineHraße. 7/ Uhr'30 Min.).'- '; AheiidK:,4, Uhr (HauptsynagoLe >.4lhr)/Syiiagoge'^Eönig,-. ^-^fleinerprjttztz:.7'-Uhr^ - . ' i i 1

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