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Neue jüdische Presse · 1912-12-13 · Heft 49 (13.12.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 49 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Zusendungen an alle jüdischen und viele nichtjüdischeu Zeitungen wurde Avenarius zum Antisemiten schlimmster Boxte gestempelt, — urll» in einem Teil 8er „Judenpresse" erhob sich ein Wutgeheul gegen ihn; Wen voran natürlich das „Berliner Tageblatt des Herrn Rudolf Masse. Es war zu erwarten, Laß Avenarius diesen Vorwurf nicht auf sich beruhen lassen werde. Und seine Antwort ist jetzt gekommen, im letzten Heft des „Kunstwart" als „Offener Brief an den Verein zur.Abwehr des Antisemitismus", eine Antwort, wie sie besser, schlagender nicht erfolgen konnte. Wir müssen es uns versagen, hier den Inhalt des sülistisch prachtvollen und inhaltlich wuchtigen Artikels wiederzugeben, es würde zu weit führen; wir raten aber allen, ihn zu lesen; denn hier hat Avenarius nicht nur wegen dieses einzelnen Falles sich mit dem „Verein^ zur Abwehr des Antisemitismus" auseinandergesetzt, sondern hat eine Generalabrechnung mit ihm vorgenommen. Er hat die ganze Unzulänglichkeit feiner Methoden in der Bekämpfung des Antisemitismus aufgedeckt, Methoden, die im wesentlichen die der Assimilation sind, und die sich zusammenfasscn lassen in der Parole: Nur kein Lärm, in der Stille wirken, vor allem kein Aufheben von der Judenfrage machen! Jene Methoden, die immer nur Pflästerchen auf Pslästerchen anheften, aber niemals den Mut haben, die Judenfrage als Ganzes aufs Tapet zu bringen, sie sind hier so glänzend charakterisiert, daß es — schon vom" ästhetischen Standpunkt — eine Lust ist, diese Generalabrechnung zu lesen. Diese allgemeine Auseinandersetzung, die Avenarius vornimmt, bildet auch den Grund, weshalb wir eigentlich hier auf die Angelegenheit zurückkommen. Der einzelne Fall an sich ist noch nicht rwn solcher Bedeutung"; was ihn so bedeutsam macht, das ist die Tatsache, daß der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in seiner Propagierung der Methoden der Assimilation in letzter Zeit aus seiner Reserve herauszutreteü gewillt scheint. Bisher hat der Verein ja eine ziemlich stille Tätigkeit entfaltet, daß gar keine Gelegenheit da war, sich Mit ihm zu beschäftigen. Er suchte nach außen zu wirken und mischte sich nicht in innere jüdische Ungelegenheften. Auf seiner letzteir Generalversammlung jedoch ist der Verein aus der Reserve herausgetreten und hat als Hauptpunkt der Tagesordnung einen Vortrag des Rcichstagsabgeordneten Haas über den Zionismus gesetzt. Der Vortrag boj inhaltlich nur alte, unzähligemale bereits wiederhofte Gemeinplätze aus der Argumentation der Assimilation gegen den Zionismus und verdiente seiner inhaltlichen Bedeutung wegen keine Beachtung. Zumal hier ein Mann sprach, der im jüdischen Leben Deutschlands bisher so gut wie nichts geleistet hat und von zuviel jüdischem Wissen nicht belastet ist. Was uns aber zwingt, nun bei der Betrachtung der Kunstwartaffärc auf diesen Vortrag zurückzubunmen, ist der Uinstand, daß er eigentlich ein programmatisches Bekenntnis darstellcn svllle. Offenbar war er so gedacht, und allgeinein wurde er auch so aufgefaßt, sodaß bereits das Wort aufgetaucht ist, der „Verein zur Abwehr des Antisemftismus" werde in Zukunft auch der „Verein zur Wwehr des Zionismus" sein. Soll dies aber wirklich der Fall sein, dann läge darin die unerhörte Behauptung stillschweigend eingeschlossen, die Zionisten seien Antisemiten oder förderten wenigstens den Antisemitismus, eine Behauptung, die von einzelnen in Volksversammlungen und Broschüren ausgesprochen, als demagogische Verirrung einiger weniger einfach zurückgewiesen werden kann, die.aber, von einer Organisation als Progmmm akzeptiert, diese Organisation zu einer Gefahr im jüdischen Leben machen würde. Wir wollen nicht unbedingt behaupten, der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" sei bereits dahin gelangt. Aber der Vortrag von Haas in der Generalversammlung zusanimeu mit dem unerhörten Verhalten gegen Avenarius legt diese Vermutung recht nahe, und sie ist in der jüdischen Presse Deutschlaiids bereits ausgesprochen worben. Der Verein wird in diesem Punkte baldigst . Klarheit schaffen müssen, will er nicht,' daß alle Gegner der Assimilation auch seine Gegner seien. Denn bisher haben die Anhänger der nationalen Idee Wohl dem Wirken des Vereins nicht zu viel Wert beigemessen, aber sie hielten ihn doch für unterstMlngswert, indem sie nieinten, im Kampfe Frankfurter Israelitisches Familienblatt. gegen den Antisemitismus müsse sich die ganze deutsche Judenheit einen. Sollte aber der Verein nun auch zu einem Abwehrverein gegen den Zionismus werden, so würde er naturgemäß die Gegnerschaft aller nicht zur Assimilation Zählenden Hervorrufen und sich damit selbst Pas Grab graben. Wir wollen hoffen, daß die Leiter des Vereins sich noch rechtzeitig besinnen, welche gefährliche Methode sie da einzuschlagen scheinen und noch rechtzeitig ihre Absicht fallen lassen, die geeignet ist, ihrer eigenen Sache und der gesamten deutschen Judenheit den größten Schaden zuzusügen. 2. Die jemenitische» Juden in Palästina. Man weiß eigentlich nie ganz, in welch hohem Maße wir Juden ein Ahasvervolk sind. In der eifrigen Betätigung im jüdischen Leben eines bestimmten Landes vergißt man nur allzuleicht, wie groß das Bereich des allgemeinen jüdischen Lebens ist, wie zerstreut und weithin verbreitet wir sind. Bis ab und zu ein entlegener, schier ganz vergessener Bruchteil unseres Volkes durch sein furchtbares Schicksal die Augen seiner Brüder auf sich lenkt und uns wieder mit unerbittlicher Grausamkeit daran erinnert, wir sehr .über die ganze Erde zerstreut wir Juden sind, und wie schr das Schicksal aller Telle der Judenheit sich gleicht. Vor wenigen Jahren waren es die Falaschahs, die unser lebhaftes Interesse auf sich gelenkt haben, und nunmehr ist es ein anderer Teil, der an das jüdische Herz seiner Volksgenossen appelliert und von ihnen Errettung oder wenigstens Linderung seiner unerträglichen Leiden fordert: die jemenitischen Juden. Jahrhunderte lang wohnt bereits im entlegenen Jemen eins große Zahl von Juden, die nach ihrer Tradition nach der Zerstörung des ersten Teinpels eingewandert sein sollen. In den Zeiten des Mittelalters standen sie im geistigen Konnex mit t^n übrigen Teilen der Diaspora, im Laufe der folgenden Jahrhunderte aber hörte die Verbindung auf, und sie führten nun ein Leben fiir sich, ungekannt von dem Gros der Judenheit. Was sie in diesen Jahrhunderten ausgestanden und erlitten haben, ist ebenso furchtbar, wie das Schicksal des jüdischen Volkes in Europa in seinen schlimmsten Zeiten; während jedoch in der Lage der europäischen Jndenheit allmählich eine erhebliche Besserung eingctrctcn ist, ist die Lage der jemenitischen Juden bis zum heutigen Tage dieselbe geblieben. Vergewaltigung und Unterdrückung auf Schritt und Tritt seitens der Araber, ble entsetzlichste materielle Not und grausamste moralische Entwürdigung, also sind die Zustände, in denen sie noch heute leben. In den letzten Jahren nun hat ihr Los sich noch verschlimmert, infolge der Herrschaft des arabischen Jmans, der jahrelang im Kampfe gegen die Türken lag undflämmehr pn den Juden, dis immer aus Seiten der Regierung standen, seine uumenschlichc Rache übt. Infolgedessen ist ihre Lage einfach unerträglich geworden, und eine starke Emigrationsbewcguug innerhalb der jemenitischen Juden hat eingesetzt. Und wohin wandern sie? Wohin anders als nach dem Lande, das ihnen geographisch am nächsten liegt, und au dein sie von jeher mit unaussprechlicher Liebe und Sehnsucht hängen: nach Palästina. Bereits im Jahre 1882 kam ein größerer Trupp jemenitischer Juden nach Palästina und fand bei der Alliance Jsraelits Universelle Hilfe und Schutz. In den letzten Jahren sind Mehrere Gruppen nachgefolgt, noch größere Scharen rüsten sich zu kommen. Damit aber entstand das" Problem: Was soll mit ihnen geschehen? Mittellos gelangen sie an, und es gilt, ihnen Wohnung und Arbeit zu verschaffen. Das letztere läßt sich nun leicht machen. Bei ihrer fabelhasten Anspruchslosigkeit, bei ihrem Fleiß und ihrer körperlichen Stärke und Ausdauer geben sic vorzügliche! Arbeiter ab. Auch der „Bezalel" hat sich ihrer angenommen, und viele jemenitischen Juden arbeiten für ihn und haben sich durchaus bewährt. Die große Schwierigkeit ruht in der Frage, wie man ihnen Wohnungen verschafft. Denn cs ist llar, daß sic aus eigenen Mitteln sich keine bauen können und ihre Unterbringung so auf die größten Schwierigkeiten stößt. Die Bedeutung des Problems durchaus erkannt zu haben, ist das Verdienst des Indischen Nativnalfond's, der bereits 50,000 .Mark für die Herstellung von Häusern für die! Nr. 49 r. 49 jemenitischen Juden zur Verfügung gestellt hat. Natürlich reicht diese Summe nicht tut' entferntesten aus. Das Problem zu lösen, vermag nur eine Aktion der gesamten Judenheit, und aus dieser Erkenntnis heraus hat der Nationalfonds eine große Mion zur Beschaffung von Geldmitteln für die jemenitischen Juden in Palästina eingeleitet. Zu diesen! Zwecke hat er soeben eine Broschüre über: „die jemenitischen Juden", von Jehoschnah F e l d m a u n-Jaffa*) verfaßt, herausgegeben, die in klarer und sachlicher Weise über das Problem unter-! richtet und deren Lektüre mir dringend einpsohlen werden kann. Diese Broschüre will "den Anstoß und die Einleitung einer Aktion in den jüdischen Zentren Deutschland bilden, an der sich alle Kreise der deutschen Judenheit beteiligen sollen. Denn hier handelt es sich nicht um eine zionistische Parteifrage, sondern um eine Angelegenheit der gesamten Judenheit. Daß die jemenitischen Juden in ihrem Heimatlande nicht mehr leben können, wird jeder, der die Schilderung ihrer Lage in der Broschüre liest, klar erkennen. Daß aber für ihre Auswanderung das nahe gelegene Palästina das einzig in Betracht kommende Land ist, ergibt sich wohl von selbst. Die Auswanderung der jemenitischenJuden nach Palästina zu ermöglichen, ist also schon eine Ehrenpflicht der Inder heit ihren unglücklichen Brüdern.in Jemen gegenüber, die trotz unerhörter Martyrien und trotz ihrer vereinsamten Position durch Jahrhunderte hindurch ihre Treue zu ihrer Religion, zu ihreni Volke und zu ihrem Lande heroisch bewahrt haben; ganz abgesehen von dein großen Nutzen, den diese Einwanderer dem jüdischen Leben Palästinas selbst bringen lverden. Hier ist allen jüdischen Organisationen und Philantropen ein Feld zur erfolgreichsten Beschäftigung gegeben: die große Schwierigkeit, die bei den osteuropäischen Inden besteht, wie sie aus dein Stadtzum Landleben übergeführt werden sollen, fällt hier gänzlich fort, und es gibt kein Moinent, das irgendtven von der Mitarbeit in dieser Frage abhaltcn könnte. So hoffen ivir denn, daß der Jüd. Nationalfonds recht bald und recht energisch mit seiner Aktion cinsctzt; wir sind überzeugt, daß sie von gntcnr Erfolge begleitet sein tvird; den unglücklichen jemenitischen Juden wird sie endlich Erlösung und Befreiung ans unerträglicher Not bringen und dem jüdischen Leben Palästinas wird sie ein frisches, gesuitdes, entwicklungsfähiges Element zuführen. Erklärung. kenntnis, wie es die „Richtlinien" darstellen, öffent l Frankfi inbe voi nigsb Deutliche israeli (i. M. Erklär, naubc^.j Wie«. :re ttri Handel :u. D die'Gr tiehiinge I» ii e t e, ebnete ■ Entschi ii Bevöl «läge. , Sprach I» fl her tz'daß intern, lches spe Sdj e ii 1 idüskan ui will Äloyc rtcsten - not trej >le es k“ ge, vudat Sälen erliche S gend Ter Vorstand und die Repräsentanten der „Jüdischen Gemeinde" zu Berlin sowie der Vorstand der „Jüdischen Gemeinde" zu Frankfurt a. M. haben eine „Erklärung" gegen eine von uns zur Abivehr der „Richtlinien" veröffentlichte Kundgebung erlassen. Den Rabbinern tvird das Recht abgesprochen, ein in der jüdischen Oeffentlichkeit abgelegtes Bellt. Ein iimden,! ition -vi rtreter Reihe »entum h ii e r er ai dakteur ft Unali icins i Peterl Iboficn ' |t{ (C II I fgenornn im A kbno sii stehen i Ichnahim «gehoben Mew lich in religiöser Beziehuirg zu beurteilen und zu bewerten. Namens der Unterzeichner unserer Erklärung ertvidcrn wir hierauf das Folgende: Gesetzestreue Rabbiner haben Urteile und Entscheidungen in religiösen Fragen nicht nach der Anschauung von Verwaltungskörperschaftcn, sondern ausschließlich auf Grund der Vorschriften des Religivnsgesetzes zu fällen. Dieses legt ihnen die Pflicht auf, über die ungeschmälerte Erhaltung des Thorawortes zu wachen, jede Kundgebung, die dessen Fortbestand gefährdet, als solche zu kennzeichnen und die Oeffentlichkeit zu warnen. In Wahrnehmung dieser heiligen Aufgabe dürfen sie sich von niemandem beirren lassen. Die „Erklärung" bedeutet mithin einen Eingriff in den Pflichtcnkrcis der Rabbiner. Gegen das unberechtigte Vorgehen der genannten Gemcindekollegien legen wir mit a l l c r E n t s ch i e d c n h c i t Verwahrung ein. Vv r st a n d d e r B e r e i u i g u n g t r a d i t i o n e l lgesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. rr>ern c linister »olypinsc in Judi Ansied cht .verl rmilien, stch . die autife ststen bi' Kiew. |0 Frau ffegraphij ksweisun lebe» d< *) Die Broschüre ist vom Hauptbüro des Jüd. Naiionalsonds Cöln a. Rh., Renmarkt 33, kostenlos zu beziehen- Kope« d Sii ivcrsitä ". Dr dischc tcu Bo rsstcn Ai stellte Hfl Bra lieben v Äität n cikennei bei j stdischc erte sich s', so vi Kimme ihezn qi 1) einer it geschi ch der wr gro elanntsch

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