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Neue jüdische Presse · 1912-11-29 · Heft 47 (29.11.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 47 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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tlr. 47 lkunftsöed'eutung im jüdischen Leben erhalten wirb d die Hoffnungen, die weite.Kreise« in Bezug auf bereits äufgegeben haben, neu aufleben weri. Jedenfalls ist mit diesenl Zirkular ein bsiißenswerter Anlauf und Beginn zu den nötigen formen gemacht worden. Es ist sowohl eine licht der jüdischen Zukunft wie der Alliance zcnüber, vorderhand zu hoffen, daß diese.Buhn iter beschritten wird und die Alliance vielleicht dj noch zu jenem Regenerationsprozeß >ig sein wird, ohne den sie für das lebendige ldentum der Zukunft alle Bedeutung verlieren ch und an dem manche bereits verzweifelt haben, ie Wandlung irr ihrer Haltung zur hebr. Sprache lleiht neue Hoffnung; warten wir ab', ob die Zunft diese noch befestigen urrd stärken rvird. Brief aus Palästina. Jaffa, Ende Oktober. Der^Frühregott ist bereits in dieser WMe reichlichein Maße niedergegattgett. Wenn die gerrverhältnisse nach! weiter so gürrstig bleiben, im darf auf ein gutes Jahr gerechnet tverden. i letzte Ernte war sehr mittelmäßig. Der Bau des Hafens von Haifa ist nun- :hr gesWert. Die bekannte französische Firura chncider-Cröusot wird den Bau ausführerr. In Jaffa sind dieser Tage die Wahlen >r den jüdischen Waad-Ha'ir (G^meindevorutb) vorgenommen worden. Gewählt wurden 22 Mcindemitglieder, zu denen der Chaichlambaschi i Ehrenvorsitzender hinzukommt. Die Zahl 23 wohl irr Anlehnung an die Zahl des kleinen ynhedrions, wie üs bei unseren Mtvordern in rez-Jsracl bestand, gewählt worden. Der Chaunbaschi eröffnete die korrstitrriererrde Versammng mit einer herzlichen Ansprache. Hierauf ivurn in den engeren Gemeindevorstand gewählt: L. Abuhow (Vorsitzender), SHöinkin, erlin, Dr. Metmann, Chanoich und von >l Sephardim: Schjlusch urrd Korkidi. Es irden rrojch> folgende Kornmissionen gewählt: für : offizielle.Vertretung der Gemeinde (diese Komission iß bereits von per Regierung bestätigt), x den Schutz der GÄrreinde, für sanitäre Konolle in den Straßerr urrd anr Hafen, für die Emiaiiteirfürsorge (zu diesem Zweck soll am Hafen r Haus genrietet werden) und für die Regelung r Lebensmittelpreise. Außerdeut wurden vorn äad-Ha'ir Vertreter in die Verwaltung der Chewl Kadischa und der Volksküche, ferner ins Komitee i Gründung des neuen Krankenhauses, endlich in t Verwaltung der Mäbtdjmfd}uk delegiert. Es ade auch! beschlossen, eine llnterstützungskasse für ochreisende Arnre zu begründen. Mit dem 15. Oktober begann das rreue Schchlhr der Faffaer Schulen. Eines besonders großen ndranges hatte sich die „Hebräische Mittelhule Tachkemoni" zu erfreuen. Da infolge r immer wachsenden Schülerzahl die gemieteten ebäude nicht ausreichen, wäre der in Aussicht khendö Neubau sehr herbeizuwünschen. Ein Typhus fall hat im Jaffaer jüdischen tadtviertel Tel-Awiw große Aufregung hervorge- »fen. Da jedoch in den letzten Tagen kein weitea Fall vorgekommen ist, dürfte er glücklicherweise kreinzolt bleiben. Ben-Awi-Benjehuda, der Redakteur des bräischen Tageblatts „Haor" in Jerusalem, wurde »folge regiörungswidriger Beinerkungen in seiner feitung verhaftet, aber nach drei Tagen wieder reigelassön. Der Mitvorsteher des „Bikur-Cholim"-Hospi- »ls in Jerusalem, .S a l o m o n, iß im Mter von » Jahren verschieden. Er gehörte infolge seiner ersönlichien Eigenschaften zu den geachtesten Juden er Heiligen Stadt. * Jaffa, 8. Nov. Die „C h e w r ah H a r t a b u t- H a i s r e a e l it" ü ihre Vortragsabende eröfftret. Als erster hielt!r rühmlichste bekannte hebräische Schriftsteller l. S. Rabinowitz einen fesselnden Bortrag über »s Thenrä: „Der Gaon Rabbi Elijahü von Wilna >ld Rabbi Schneyer Salmen von Ladi, zur Wiederhr des 100jährigen Todestages desf letzteren." Der!edner zeigte "die Größe der beiden Männer, die ie Oberhäupter zweier ganz entgegengesetzter Rich¬ Frankfurter Israelitisches Familienblatt. tungen — der Peruschim und der Chassidim — waren. Mit steigendem Interesse verfolgen wir die Entwicklung unserer hübschen jüdischen Vorstadt Tel-Abib. Wir, die wir uns noch ganz genau der vielfachen Schwierigkeiten, die sich beim Bau und spater auf Schritt und Tritt bemerkbar machten, erinnern, begrüßen heute doppelt freudig das preisgekrönte Werk. Ebenso groß aber wie unsere Freude über die rasche und günstige Entwicklung, ist unser Widerwille gegen den Wucher, der mit der Vermietung von Häusern getrieben wird. Bedenken wir einmal, daß jeder, der eine Nationalfonds- Anleihe mit 6°/» zurückzuvergüten hat, bei seinem Mieter 15 o/o und mehr einzunehmen sucht. Die Folge davon ist, daß Tel-Abib leidet, denn jeder trachtet, möglichst viele Zimmer herauszuschlagen, wodurch die Räunle kleiner und dumpf werden. Es wäre Sache,der Nationalfondsverwaltung, hiergegen Front zu rnachen. Ben Hoamitti. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Mitte Oktober haben sich die F r a n e n v e r e i n i g n n g e n der U. O. B. B. Logen zu einem Verband znfaminengcichlossen und ln Berlin ihre erste konstituierende Bersammlnng gehabt. Hauptzweck dieses Zusammenschlusses ist: die Einheitlichkeit der Fraucnbestrebungvn innerhalb der Logen zum Ausdruck zu bringen und einen ständigen Verkehr und Gedankenaustausch zivischon den einzelnen Organisationen zu vermitteln. Es soll ferner durch den Verband ein engeres Zusammenarbeiten von Männern und Frauen auf praktischen, ethischen und sozialen Gebieten angebahnt und weiterhin ermöglicht werden, Anregung zur Neugriindung von Frauenvereinignngcn in solche Städte zu tragen, in welchen Bnei-Brith Logen, aber keine ihnen zugehörige Frauenvereine arbeiten. Den Vorsitz des Verbandes hat Frau E. Eschelb a ch e r - B e r l i n übernommen, während . die Schriftleitung und Auskunftsstelle nach.Frankfurt a. M. verlegt ist und von den Damen Frau Ella Seligm a n n und Frau M a r t h a Schlesinger versehen wird. Gleich in der konstituierenden Versammlung beschloß der Verband, sich dem jüdischen Frauenbund als korporatives Mitglied anznschließen. Frankfurt a. M. Die „Fraickj. Zig." schreibt: Der WeitercVorstand der konservativen Partei hat neuerdings beschlossen, an dem Passus des konservativen Tivoli-Programms, der die I n d e n f r a g e behandelt, nichts zu ändern. Dieser Beschluß, der ans Antrag des Justizrats Dr. K l a s i n g - Elberfeld gefaßt worden ist, beweist, daß die antisemitische Strömung nach wie vor im konservativen Lager die vorherrschende ist. Das tritt auch dadurch hervor, daß konservative Parteisekretäre aus dem antisemitischen Lager entnommen werden und ganz in antisemitischem Geiste agitieren. Das jetzige Verhalten der Konservativen ist um so bemerkenswerter, als die „Kreuzzeitung" vor zwei Jahren noch schrieb: „Die konservative Partei hat sich in ihrer großen Mehrheit davon überzeugt, daß sich der antisemitische Pas s u s ihres Programms praktisch nicht m ehr r c ch t f e r t i g c n läßt. Sind doch auch im Judentiiin konservative Kräfte lebendig und wirksam, wie uns die erfreuliche Tätigkeit zahlreicher jüdischer Männer im praktischen Leben, in Wissenschaft und Kunst täglich zeigt, während die ini Jndentume so auffallenden destruktiven Kräfte sich leider in reichem Maße auch bei rassereinen Deutschen entwickelt haben." Sie muß sich nun ebenfalls der neuen Entwicklung in der konservativen Partei anpassen und tut das in einer längeren Ausführung, in der sie behauptet, die Betätigung jüdischer Journalisten und Deniagogen in der geschlossenen Frontstellung der Linken gegen die Konservativen, die Stellung des Judentums zu den politischen, kulturellen und religiösen.Idealen und Zielen des Konservatismus hätten den Ansschlag gegeben. Das sind natürlich Ausreden. Freilich, die konservativen Spekulationen ans Zuzug ans jüdischen Kreisen sind fehlgcschlagen. Die Hauptsache aber ist die stärkere antisemitische Durchsetzung des Konservatismus und seine grundsätzliche Abneigung, den jüdischen Mitbürgern die Gleichberechtigung ziizngestchen. Das kommt heute unverhüllter zum Ausdruck als je. Eine Anzahl konservativer Führer unterscheiden sich kaum noch in etwas vom Radan-Antisemitismns. Berlin. In einer am 24. d.,M. hier stattgehabten, von Siegfried Brünn und Dr. Horwi.tz einbernfenen und von letzterem geleiteten Versammlung der Vertreter des Deutschen Lokälkomitees der Alliance Jsraölite Universelle sind einstimmig die .schon von einer Vorkonferenz angenommenen und von dem Zentral-Komitee in Paris genehmigten Grundzüge zum Beschluß erhoben worden, in welchem die Beziehinigen der deutschen Mitglieder der Alliance untereinander und zu dem Zentral-Komitee eine neue Regelung gefunden haben. Es treten danach alle in einem größeren Bezirk bestehenden Lokal- Komitees zu einer Anzahl von Bezirks--Komitees und diese Bezirks-Komitees wiederum.zu einer freien deutschen Organisation zusammen. Ein unter der Oberleitung des Zentral- Komitecs stehendes Deutsches Bureau ivird ge- Erite 3, bildet, und ein Präkentationsrecht für die Wahlen der deutschen Mitglieder des Zentral-Komitees ist der deutschen Organisation Vorbehalten worden. Damit haben durch das einmütige Zusammenwirken der deutschen Lokal-Komitees die Streitigkeiten, welch: innerhalb der Organisation der 2t. I. IX. längere Zeit ob gewaltet haben, ihr Ende gefunden. Berlin. Die vom lktzien augerordentlichen G em eindetage eingesetzte „Gemischte Kommission" zur Beratung der Frage, ob das Proportionalwahlrecht für die Ausschußwahlen des Gemeindebnndes geeignet erscheine, hat am 20. d. Mts. eine Sitzung abgehalten. Der Referent, Landgerichtsrat Loewe» legte in einem objektiven Referat die Bor- und Nachteile dieses Wahlsystems eingehend dar. Seit einem Jahrhundert kennt man die Theorie dieses Systems, ohne daß cs sich jedoch irgend wie weite Gebiete erobert hätte. Der Vorteil dieses Systems sei, daß jede Stimme gleichberechtigt sei und jede Partei zu ihrem Rechte gelange. 'Allein die praktische 2lnsführung sei schver. Das System der gebundenen Listen gestatte die Ausschaltung der Führer der einzelnen Parteien und der .Hauptnachteil bestehe darin, daß das persönliche Moment ausgeschaltet wird und immer nur lediglich die Partei Objekt und Subjekt des Wählens ist. Für leitende Behörden sei dieses Wahlrecht fast nirgends eingeführt. Der Altsschuß habe sich bisher von allen Parteitendonzen fern gehalten, führe man aber das Proportionalwahlrecht ein, dann bekäme man Parteifraktionen. 2lber der Ausschuß solle nicht von Parteimännern besetzt werden. Er gelangt zu einer 2lblehnung dieses Wahlsystems. Rechtsanwalt Cohn-Dessmr spricht sich, obivvhl prinzipieller Anhänger des Systems, für politische Wahlen gleichfalls ^gegen die Einführung des Proporzes aus. Er befürchtet eine Zersplitterung, und er hält dieses System für den Gemeindebund unangebracht, da er weder eine politische iwch religiöse Behörde sei. Es sprachen dann noch Rechtsanw. Dr. Kollelisch er, L oew y-Rawitsch und L o eb für die Einführung, Sanitätsrat P c y s e r - Königsberg R./M. gegen die Einführung. Der Gemeindebund habe in § 2 der Satzungen festgelegt, daß alle politischen und religiösen Streitfragen nicht vor das Forum des Gemeindebundes gehören, die Einführung des Proporzes dem Grundgesetze des D. I. G.-B. widerspreche. Nach längerer Debatte, an der sich eine Reihe weiterer Herren beteiligten und Dr. Bictor-Wandsbck unter Hinweis darauf, daß in Hamburg die Verhältniswahlen für die Repräsentanten eingeführt seien, einen nackt dem Hamburger Muster ausgearbeiteten Entwurf vorgelegt und dessen Annahme befürwortet hatte, ivurde schließlich auf Antrag des Landtagsabgeordneton Dr. Cohn die Einführung der Propvrtionalw a h l f ü r d i e 2l n s s ch n ß w a h l e n des Gemein - debundes mit überwiegender Majorität abgelehnt. Der Sitzlliig der „Geinischten-Kommission" war eine kurze Tagung des 2lusschusses vorangegangen, in der die neuernaimten Ausschußmitglieder eingeführt und die einzige noch freigebliebene Stelle im Kollegium durch Kantor F a b i s ch aus Göttingen besetzt wurde, nachdem der in der vorigen Sitzung gewählte Rechtsanwalt H a n t k e - Berlin die W a h l ab g e le h n t hatte. Ferner wurden für den notwendig gewordenen Bau eines Mädchen-Fllrsorgehanses an Stelle der Mietsräume in Plötzensee einstweilen 10000 Jk bewilligt. Berlin. In Reumanns Fest'älen fand am 8 Rav. eine vom herein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" einberufene, sehr zahlreich besuchte Versammlung statt. Das Referat über das Thema: Unsere Petition an das Herrenhaus und ihre Kritiker in der Repräsentanten- Versammlung, hatte Mori'tz 2l. Loeb übernommen. Er führte folgendes aus: In der Sitzung der Repräsentanten würde die an den Vorstand gestellte Anfrage „Beabsichtigt der Gemeinde-Borstand die falschen Angaben in den Petitionen richtig zu stellen, die aus Anlaß der Gesetzesvorlage über Vermehrung der Zahl der Vorstandsmitglieder um» der Repräsentanten an den Herrn Minister des Innern und an das Herrenhaus gerichtet wurden?" von Prof. K a l i s ch e r begründet. Prof. Kalischer sprach speziell dem „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" den schärfsten Tadel aus, Iveil er fickan' das Herrenhaus gewandt hübe, statt mit seinen Wünschen au den Gemeinde- Vorstand zu gehen, „bei dem wirklich religiöse ■ Wünsche nie vergebens geäußert worden sind." Diese Behauptung steht mit den Tatsachen in schneidendstem Widerspruch. Der Vorstand hat sich in einer ganzen Reihe von Fällen, wo es sich um „wirklich religiöse Dinge" gehandelt hat, an den Gemeinde-Borstaiid gewandt, ohne in einein einzigen Fall einen Erfolg zu erzielen. In den meisten Fällen wurde nicht einmal eine Antwort erteilt. Wie wenig der Gemeinde-Borstand geneigt ist, wirklich religiöse Wünsche zu berücksichtigen, hat sich ja ge-' zeigt, als — entgegen dem Proteste des Vereins— das bekannte Cohn'sche Legat angenommen wurde, durch das auf die Sabbath-Eutweihung tatsächlich Prämien ausgesetzt werden. Das gleich« zeigte die Wlehnung ,der von dem Verein gesellten Forderung, bei Anlegung der neuen Leichenhalle den Llnforderungen des jüdischen Religions-Gesetzes in Bezug ans die Kohaninr Rechnung zu tragen. MitdasStärkste unter den vielen Behauptungen, die Prof. Kalischer aufstellt, war der Satz, daß eigentlich niemand sagen könne, welch« reli» gionsgcsetzlichen Quellen innerhalb des

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