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Neue jüdische Presse · 1912-11-29 · Heft 47 (29.11.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 47 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Leite 2. an Quantität ihrer Anhänger wie auch an innerer Berechtigung und Qualität ihrer Prinzipien «ß^ geht. :■ Sv ist es gekommen, daß auf der Kattowrtzer Konferenz bereits die Harmonie, die begeisterte Stimmung, die doch die Gründung einer so großen und bedeutsamen Organisation begleitensollten, durch Häßliche Worte getrübt wurde, daß dann die ganze innere Arbeit des Provisorischen Komitees durch den Zank und die Zwietracht, die diese Schar der unentwegten Trennungsleuts bewirkt, gestört und der Erfolg der Arbeit zum Teil in Frage gestellt worden ist. All dies sind Dinge, die nicht gerade rühmlich für die heutige Orthodoxie sind. Mer da sie nun einmal in Erscheinung getreten sind, mußte man sie zu überwinden, mußt« man ihnen ein Ende zu machen suchen. Darum war es die berechtigte Forderung, die die jüdische Oeffentlichkeit in erster Linie an das Provisorische Komitee richtete, daß es in klarer und unzweideutiger Weise Stellung nehme zu jener extremen Gruppe und sich in weithin sichtbarer Form auf den Boden der Einheit, des Friedens stelle, ohne den dis ganze Organisation von vornherein zur kümmerlichen Beschränkung auf einen kleinen Kreis und somit zur absoluten Wert- und Bedeutungslosigkeit verurteilt wäre. Es hat ziemlich lange gedauert, bis das Provisorische Komitee Len Mut und die Energie zu ' einer solchen unzweideutigen Stellungnahme gefanden hat. Und es ist begründeter Zweifel zu hegen, ob es von selbst, ohne äußersn Anstoßsich zu einem klaren Bekenntnis durchgerungen hatte. Da kaue aber der Retter in der Not von — dem Führer der mrentwegten Trennungsleute selbst, von Rabbiner Dr. Breuer. Durch einen gemeinsam mit den magyarischen Gesinnungsgenossen gestellten Antrag, der die Festlegung der Agudas-Jisrocl auf die Tremmngsprinzipien for- . dertc, Mang er das Provisorische Komitee zur klaren Stellungnahme, und nun mußte dieses sich entscheiden, ob es die „Agudas-Jisrocl" lediglich zu einer Verbindungszcntrale des Frankfurter Rabbiners Dr. Breuer und der magyarisch-orthodoxen Kanzlei oder zu einer machtvollen Organisation der gesaniten Orthodoxie machen wollte. Daß cs sich für die letztere entscheiden mußte, war klar. Der Ungarisch-Breuer'sche Antrag wurde abgelehnt. Was aber diese Ablehnung iwch so viel erfreulicher erscheinen läßt, ist der Umstand, daß sie - einstimmig erfolgt ist. Alte Verfechter der , Trennung, ein Rabbiner Dr. Ca hu-Fulda! an ihrer Spitze, entschieden sich hier für die Sachs der Einheit, .weil sie in aufrichtiger, heißer Liebe zum Mischen Volke wußten, das Wohl der jüdischen Gesamtorthvdoxie steht höher als alle durch logische Pilpulistik scheinbar begründete Prinzipienreitörei. Die Wstimmmlg bedeutete einen gewaltigen Schlag für die extrenien Trennungsleute. Hier zeigte sich eben, wem das Wohl mrd Wehs der Gesamtorthodvxie und damit des Gesamtjüdentnms wirk- sich am Herzen liegt. Und wir dürfen froh sein, . daß im -Momente, da die Trennung der Geister . erfolgen mußte, aus der einen Seite sämlliche Koryphäen der Orthodoxie geschlossen für die Sachs der Ernheit. eintraten und auf der anderen Seite ' Rabbiner Dr. Breuer und mit ihn: die drei Macher der orthodoxen Kanzlei im Magyarcnlands ganz vereinsamt blieben. Durch diese Abstimmung ist Klarheit . geschaffen. Allerdings ist erst der erste, wichtigste Schritt dazu getan. Denn noch darf nicht vergessen werden, daß in der angenommenen Resolution ein Zugeständnis an Ungarn enthalten ist, > darf auch nicht unberücksichtigt bleiben, daß die vom; Provisorischen Komitee auf die öffentlichen Angriffs - des Rabbiners Dr. Breuer veröffentlichte Erwide- > rung recht zart rurd milde ist, allzu zart und milde für ein Komitee, das die Breuev-Fränkl'schü Gruppe endgültig von sich äbzuschütteln entschlossen wäre. s Mer es scheint uns, daß diese Erficht, diese Zartheit und schonende Behdndluug mehr aus taktisch- " politischen Gründen erfolgte, als aus prinzipiellen. Prinzipiell hat sich das Provisorj- - sche Komitee zum Einhcitsstandpunkt - bekannt, und die Anrufung der Entscheidung des % rabbinischen Rates soll nur' den Zweck haben, dieser f Stellungnahme des Komitees die rabvinischs Sank- ' tion und Autorität zu geben. Denn daß der rabbi- Frankfnrter Israelitisches Familienblatt. nische Rat, in dem die osteuropäischen Großen dis Majorität haben, sich nie und niemals für die Trennungssäche entscheiden wirdweiß jeder, der die Gesinnung uitiii das tiefe jüdische Gefühl dieser Männer kennt, zeigt auch schon die Tatsache, daß Reb Chain: Oser G r o d s e n s k y, der in politischen Dingen tonangebende Raw RuUands, in der Sitzung des Provisorischen Komitees gegen den ungarischen Antrag gestimmt hat. So darf Wan dem: heute bereits sagen: die „Agudas-Jisroel" hat sich zum Einheitsstandpunkt bekannt und damit die Voraussetzung fiir ihre Entfaltung und Ausbreitung innerhalb der gesamten Orthodoxie geschaffen. Das Wichtigste ist getan. Nun gilt cs, das mit so vieler Mühe, nach. so vielen Schwankungen gewonnene Gut zu' währen. Dazu aber tut vor allem eins not: etwas weniger Politik und etwas mehr Festigkeit und Sicherheit seitens des Provisorischen Komitees und seiner leitenden Männer. Was bisher der „Agudas-Jisrocl" in erheblichem Maße geschadet hat, war neben dem Vorgehen der extremen Trcnnungsleute die schwankende Haltung des Komitees. Wir wissen wohl, diese Haltung wurde vom Komitee nur beobachtet, weil cs sie im Interesse der Sache für richtig hielt. Es glaubte, mm: müsse am Anfang politisch Vorgehen. In der Ucbertreibüng dieses Glaubens rlcht über der Fehler. Daher das Misstrauen, das in weiten Kreisen gegen die „Agudas-Jisrocl" herrschte, ein Mißtrauen, das so weit gehl, daß manche noch heute daran zweifeln, ob es dein Komitee mit seinem Bekenntnis zum Einheitsstandpunkt so aufrichtig gemeint, war und ob es diesem Standpunkt nun auch treu bleiben wird. Wir betonen: Dieses Mißtrauen besteht, aber weder billigen noch teilen wir es. Unsere Liebe zur Sache der „Agudas-Jisroel" und unsere Hoffnung auf eine glänzende Zukunft dieser Organisation zwingt uns vielmehr dazu, bcn festen Glauben zu haben, daß das Provisorische Komitee feinem Stairdpunkt nunmehr treu bleiben wird. Und die Darlegung seines Standpunktes, die der führende -Mann des Komitees vor zwei Wochen veröffentlicht hat, bestärkt uns in diesem Glauben. Aber wir können das Mißtrauen, das noch besteht, begreifen. Das Provisorische Komitee war eben bis vor kurzem zu politisch gewesen. Darum liegt es im dringendsten Interesse der „Agudoh", daß die Haltung des .Komitees endlich klarer, einheitlicher und prinzipienfester wird und es in seiner Rücksichtnahme auf die extreme Gruppe nicht so weit geht, die Basis der „Agudas-Jisroel", ohne die sie nicht existieren kann, zu verwischen. Rücksicht ans diese kleine Gruppe wurde bis heute allzuviel genommen. Sie noch weiter zu treiben, wäre verderblich und unwürdig. Demi wir sehen auch nicht ein, welchen erheblichen Schaden es der „Agudas-Jisroel" bringen würde, selbst wenn diese Gruppe sich von ihr lossagen würde, — was wir aber aus der psychologischen Keimtnis ihrer Führer nicht glauben. Daß sie in Deutschland keine irgendwie nennenswerte Anhängerschar besitzt, zeigte ja die Abstimmung über den ungarischen Antrag. Und was Ungarn betrifft, so weiß jeder Kenner der Verhältnisse, daß die orthodoxe Kanzlei gar Mcht das Gros der Orthodoxie hinter sich hat. Dies zeigt das Beispiel der „Moriah", die ihre-meisten Mitglieder in der ungarischen Orthodoxie hat, trotzdem die Kanzlei sie befehdet, zeigen tauseird andere Dinge. Also wozu die Angst vor dieser Gruppe? Die Abstimmung hat ja gezeigt, wie isoliert sie dasteht. Die Gesamtorthodoxie hat sich da klar und unzweideutig gegen die magyarisch-orthodoxe Kanzlei und ihren Frankfurter Spiritus reotor ausgesprochen. Es wäre da ein Hohn auf alle Vernunft und Gerechtigkeit, ein Schlag gegen die. eigene Würde und Kraft, den sich die „Agudas-Jisroel" selbst versetzen würde, wenn nicht die Gesamtorthodoxie über die magyarisch-orthodoxe Kanzlei einfach zur Tagesordnung Übergehen könnte. _ 2. Eine Wandlung in der Alliance! Die -Oeffentlichkeit und ihre vornehmste Aus- Lrucksform, die Presse, sind heute eine Macht, der nichts mehr widerstehen kann. Die despotischsten Regierungen und die autokratischsten Organisationen müssen für die Dauer den geeinten Forde- Rr 47 fit. 47 lkunftsb b die bereit Jed< üßensw« formen licht d rungen der öffentlichen Meinung nachgeben. Diese Tatsache macht sich erfreulicherweise auch im jüdischen Leben immer mehr bemerkbar in dem Maße, als das Interesse an jüdischen Dingen, wächst- und wer die großen jüdischen Wohlfährtsorganisationen in ihrer letzten Entwicklung beobachtet hat, sie, die ihrer Lanzen Struktur nach am schwersten dem Einfluß der Oeffentlichkeit zugänglich sind, wird bemerkt haben, daß auch sie beginnen, immer mehr und inehr den Forderungen und Urteilen der jüd. Oeffentlichkeit Rechnung zu tragen. Ein Erfolg der jüdischen öffentlichen Meinung ist erst jetzt wieder zu verzeichnen, und Mar ein Erfolg, der vor allem die jüdische Presse wahrhaft stolz machen darf:. Die Alliance Jsraölite Universelle, diejenige jüdische Organisation, die von alten die am autokratischsten regierte ist und bisher in der absoluten Rücksichtslosigkeit allen Wünschen der Oeffentlichkeit gegenüber ein heiliges Prinzip erblickte, hat in einer der wichtigsten Fragen, vielleicht der wichtigsten von allen, nachzugeben begonnen: in der Frage der hebr. Sprache. Bekanntlich hat sich die Alliance bisher energisch geweigert, in ihren Orientschulen, vor allem in ihren Palästinaschulen, die hebräische Sprache als wichtigsten Bestandteil des Unterrichts, als lebende Sprache einzufiihren. Dieser Punkt war cs, der ihr am uieisten von der jüdischen Presse zum.Vorwurf gemacht wurde, ohne daß sie aber bisher Veranlassung nahm, irgendwelche Wandlung in dieser Hinsicht eintreten zu lassen. Nun aber scheint aus einmal eine Aendernng dieser Haltung in diesen! Punkte stattgefundeu zu haben. Die „Hazesirah" hat inäinllich vor kurzem ein Zirkular veröffentlicht, das das Zentralkomitee der Alliance an alle Leiter ihrer Schulen gerichtet hat, in dem diese angewiesen werden, der hebräischen Sprache fortan eine bedeutende Stellung im Unterricht einzuräumen. „Die Lehrer haben sehr darauf zu achten" — heißt es im Zirkular — „daß der Unterricht der hebräischen Sprache und dör jüdischen Geschichte in großem und genügendem Maße erteilt wird- und müssen mit aller Macht gegen die Anschauung ankämpfeu, die in einigen Kreisen von Lehren: und Elten: herrscht, als ob die hebräische Sprache in unserer Zeit gär nicht mehr nötig wäre, da sie. aufgehört hätte, eine lebende Sprache zu sein. In: Gegenteil, heute ist die hebräische Sprache sehr rutwendig, weil sie den Schülern Liäbc zu unserer Literatur einflößt und ihnen die Sprache der Väter geläufig macht. Alle Direktoren und Lehrer sind verpflichtet, die Bedeutung dieser Sache einzusehen." Wem: u:an dies zun: ersten Male liest, wird man von einen: Zweifel an der Echtheit dieses Zirkulars erfaßt. Die Alliance, die bisherige Gegnerin aller nationalen Bestrebungen, erkennt die große Bedeutung der Mräischen Sprache an? Und will den Schülern Liebe zu unserer Literatur einflößen? Es ist dies in der Tat eine Wandlung, die gar nicht genug erstaunen kann. Aber da die „Hazefirah" das Zirkular im Wortlaut veröffentlicht, wird wohl an seiner Richtigkeit kein Zweifel gehegt werden können, und man wird es als feststehend .betrachten müssen, daß die Alliance in ihrer Haltung zur hebräischen Sprache für die Zukunft wesentlich anders sein wird als bisher. Es läßt sich hier nur schwer sagen, wer undwasder unmittelbare Anlaß dieser Wandlung ist. Es ist vielleicht zu vennuten, daß die neu kooptierten Mitglieder des Zentralkomitees, darunter ja auch vornehmlich Frankfurter Persönlichkeiten, ihren Einfluß in diesem Sinne ausgeübt haben. Uebör all dies läßt sich aber, da der Verlauf der Sitzungen des Zentralkomitees ja nicht öffentlich bekannt g eigegeben wird, mit Bestimmtheit nichts sagen. Dies eine aber kann man wohl behaupten: Die wichtigste Ursache dieser Wandlung ist die scharfe Kritik gewesen, die die jüdische Oeffentlichkeit in der letzten Zeit an den: Schulwerk der Alliance gekcht und die ungestümen Forderungen nach Reformen, die sie erhoben hat. Mit diesen: Zirkular, das den wichtigste» Punkt dieser Kritik betrifft, scheint die Alliance in der Tat eine gewisse Reform- Mio:: nnternehuien zu wollen. Wie weit sich diese erstreckt, inwiefern sie alle berechtigten Wünsche der -Oeffentlichkeit befriedigen wird, wird ja die nächste Zukunft zeigen. Von dem Grade der Reformen wird cs abhängen, oh die .Alliance eine erneute i. iter be h noch >ig seit ldentum »ß und ie Wani ileiht u »ft diej nn dar :c letzte Der hr ges chncid In; r den mb) vo ancinde 5 Ehre: wohl yiihedril ez°Jsra ambasch iig mit n in L. 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