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Neue jüdische Presse · 1912-11-22 · Heft 46 (22.11.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 46 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. erstcre betrifft, so braucht hierüber nicht die geringste Besorgnis zu herrschen. In: politischen Leben Amerikas spielt der Antisemitismus GoÜlob noch teure Rolle, und die ans Ruder gelangt« demokratische Partei vertritt in Theorie und Praxis ebewsv die Gleichberechtigung der Anden, wie die Republikaner es tun. Die Zwtsache, daß für den Gouverneurs- Posten in Newyork, dem bedeutsamsten Amt« nach der Präsidentschaft, die Republikaner einen. Juden — Oskar Straus —, die Demokraten einen ausgesprochenen und! bekannten Judenfreund — Sulzer —, de.r in der Paßangelegenheit sich groß« Verdienste um die amerikanische Judenheit erworben hat, aufgestellt haben, zeugt ja zur Genüge von der unbedingten Gleichberechtigung, deren sich die amerikanische Judenheit politisch erfreut. Und darin wird der Präsidententvechsel nicht die geringste Aenderung bringen. - Anders verhüll sich die Sache in Bezug auf die jüd. Einwanderung. Hier ist die Stellung des neuen Präsidenten durchaus nicht so ohne weiteres Lar. Bevor er als Kandidat aufgestellt war, .in seinen wissenschaftlichen Werken, hat Wilson sich .mehrmals für das Prinzip des Nationismns, das heißt für das Vorrecht der in Amerika Gekwrenen und gegen die Einwanderung ausgesprochen. Als er dann zum Kandidaten nominiert wurde, hatte er naturgemäß nichts Eiligeres zu tun, als diesen Standpunkt zu korrigieren, um nicht die zahlreichen Stimmen der Eingewanderten zu verlieren. Natürlich kann aber einer aus taktischen Gründen erfolgten Korrektur keine allzugroße Bedeutung beigelegt werden. (Somit wäre die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß mit der Amtsperiode Wllsvns etwa eine Verschärfung der Einwanderungsgosetze erfolgen könnte. Doch ist diese Befürchtung vorderhand nur eine stark hypothetische. Für die allernächste Zeit ist jkdenfwlls nichts zu befürchten. Vor allem: Der neue Präsident wird unmöglich so rasch seine im Wahlkampfe gegebenen Versprechungen umstoßen können, ohne an seinem moralischen Ansehen starke Einbuße erleiden zu wollen; zudem gilt er überhaupt äls sehr vorsichtiger, besonnener und langsamer Politiker, der mit der Vorsichtigkeit und Abgemessenhell eines Gelebten an jÄe Aktion herantritt. Und endlich: Wilson hat soviel der Unterstützung der Emigrierten, vor allem derjenigen der jüdischen Führer — wie Schiff und Marshall — zu verdarcken, daß anzunehmen ist, er werde von einer Verschärfung der Einwanderungsgesetze Abstand nehmen. Denn diese sind' ja schon jetzt so scharf und! rigoros, daß ein Ueberhchämehpwn der Einwanderung durch sie verhindert wird. Aus all diesen Gründen braucht man wegen der Wahl Wilsons nicht trüb in die Zukunft zu sehen und eine baldige Verschärfung der Einwanderungsgesetz«, die einer Schließung Amerikas für dir jüdische Emigration gleichkame, zu erwarten. Die amerikanisch« Judenhell ist stark genug, um auch in dieser Hinsicht einen maßgebenden Einfluß ausüben und all« rigorosen Bestimmungen verhindern zu können. Im Anschluß an die Präsidentenwahl ist cs geboten, auch auf die gleichzeitig erfolgte Besetzung Sei Newyorker Gouverneurpostens einen Blick zu werfen, zumal sich dabei ein Ereignis! vollzogen hat, das nicht uiibesprochen bleiben darf. Zu diesem Posten, dem bedeutendsten in Amerika, war bekanntlich von den Republikanern O s k a r.S t r a u s, von den Demokraten Sulzer ausgestellt. Gewählt worden ist Sulzer, und zwar zum großen Teil dank der Unterstützung seitens der jüdischen Führer. Das klingt unglaublich, wenn man es hört, ist aber so. Jakob Schiff und Louis.Marshall haben einen Ausruf veröffentlicht, in dem sie die jüd. Wähler aufforderten, für Sulzer einzutreten, der sich um die am«rifaitifdjc Judenheit große Verdienst« erworben hat. Die Juden dürfen nicht darauf sehen — erklärten sie —, ob ein Kandidat Christ oder Jude sei; auch wie nichtjüdischen Wähler nLhinen darauf keine Rücksicht, und so fei es Pflicht der Juden, Sulzer zu wählen, der sich ihrer so warm angenommen hat. Dieser Aufruf hat starkes Auffehen hervorg«- rnfen, und mit Recht. Denn wenn auch das Prinzip, von dem Schiff und Marshall ansgehßn, daß hei der Wähl die Frage, ob Jude oder Christ, nicht die entscheidende sein darf, durchaus' richtig ist, so lag doch in diesem Falle die Sache ganz Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ■UltHU Nr. 46 Nr. anders. Hier stand einer der hervorragendsten. Juden Amerikas zur Wahl, der sich um das Judentum znm mindesten die gleichen Verdienste erworben hat wie Sulzer. Und außerdem kommt noch ein anderes gewichtiges Moment in Betracht, das von den Anhängern Straus' mit Recht geltend gemacht wurde: Straus ist ein alter .Mann, der wohl nicht iwch einmal als Kandidat zum Newyorker Gouverneursposten aufgestellt werden wird, und es auch schon djarum verdient hätte, seine politische Laufbahn mit diesem höchsten Posten zu krönen. Sulzer hingegen steht noch am Beginn seiner politischen Karriere, und es wäre so für die Juden noch genug Gelegenheit da, ihm bei anderer Gelegenheit ihren Dank für sein warmes Eintreten in ihrem Interesse abzustatten. Dieser Altersunterschied ist ein persönliches Moment und kann deshalb natürlich nicht allgemein von entscheidender Bedeutung sein. Aber da hier die beiden Kandidaten in ihren Qualitäten durchaus gleichwertig waren, hätte auch dieses Moment Berücksichtigung verdient. Es scheint aber, als ob die von Schiff und Marshall angeführten Gründe nicht ihre letzten waren. Vielleicht spielte nämlich bei all«dem das Motiv als Hauptgrund mit, den Mchtjuden zeigen zu wollen, wie objektiv die jüdischen Wähler seien, und wie unbedingt sie das allgemeine Interesse über ihr jüdisches Sonderinteresfe stellen. Denn da Schiff und Marshall zu den Demokraten übergegangen waren, mußten sie schon aus Parteidisziplin für Sulzer eintreten. Welches aber die eigentlichen bestimmenden Motive auch sein mögen, dioses Vorgehen der angesehenen jüdischen Führer kann nicht gebilligt werdend ste hätten in diesem Falle unbedingt für den jüdischen Kandidaten, ziumal da er ein Jude und ein Politiker vom Range eines Oskar Straus ist, eintreten müssen, ohne daß sie hierdurch ihre Pflichten gegen die Gesamtheit irgendwie verletzt hätten. Erklärung. Die von der „Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands verfaßten und von der „Bereinigung für das liberale Judentum" herausgegebvnen „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum" enthüllen das auf orthodoxer Seite längst erkannte Wesen der Neolvgio als eine völlige Abkehr von den Prinzipien des überlieferten Judentums und stellen eine systematische Formulierung der Grundsätze des Reformjudentums dar. Tie „Richtlinien" leugnen den göttlichen Ursprung der Thora und die ewige Verbindlichkeit des jüdischen Religionsgesetzes. Fundamental« Bestimmungen des jüdischen Lebens, wie Heiligung des Sabbaths und der Festtage, Beobachtung der Chegesetze werden von den „Mchtlinien" der persönlichen Wlllkür anheimgegeben. Die „Richtlinien" stehen somit in einem unüberbrückbaren Gegensatz zum Lehrinhält der jüdischen Religion. Dieser Gegensatz muß umsomehr als endgültig festgelegt erachtet werden, als die „Richtlinien" das Ergebnis „jahrelanger ernster Arbeit" sind, in welcher „jedes Wort auf die Wagschalc gelegt, jeder Gedanke hundertfach geprüft und erwogen" wurde.. (Liberales Judentum IV, 195.) Für das Verhallen zum liberalen Judentum ergibt sich daher folgendes: 1. Religiöse Entscheidungen und Autorisationen liberaler Rabbiner haben keinen Anspruch auf Gültigkeit. 2. Ein Zusammenwirken des überlieferte und des liberalen Judentums in religiösen Dingen ist nicht denkbar, weil die Behauptung einer „religiösen Einheit des Judentums" (Richtlinien XII) den Tatsachen nicht entspricht.. 3. Zum Schutze der Reinheit des jüd. Familienlebens müssen Maßnahmen getroffen werden, die in jedem Einzelfalle den Nachweis aller vom Religionsgesetz geforderten Vorbedingungen ermöglichen. Der Vorstand des Verbandes orthodox er Rabbiner Deutschlands. Rabbiner Dr. Breuer, Frankfurt a. M., Vorsitzender. Distriktsrabbiner Bämberger, Würzburg. Provinzialrabbiner Dr. Bämberger, Hanau. Rabbiner Dr. Bondi, Mainz. Distriktsrabbiner Dr. Breuer, Aschaffenburg. Provinzialrabbiner Dr. Cahn, Fulda. Großh. Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen. Rabbiner Dr. Kahn, Wiesbaden. Großh. Rabbiner Dr. Marx, Darmstadt. - Die Grundanschauungen des liberalen,Judentums, wie sie in den „Richtlinien" formuliert sind, haben durch die „Erklärung" des Vorstandes der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands vom 13. Nov. ds. Js. keine Aenderung erfahren. Die Erklärung, daß „die Schaffung eines neuen Bekenntnisses, die Aufhebung religiöser Grundlehren und die Schaffung eines neuen Schulchan Aruch" nicht beabsichtigt war, ist angesichts der vollzogenen Tatsache völlig bedeutungslos. „ Das „konservative" und das „liberale" Judentum sind nicht zwei „Richtungen"; sie stellen vielmehr zwei Religionssysteme dar, die jeder prinzipiellen Gemeinsamkeit entbehren. Von einer „Verständigung" kann schon aus dem Grunde nicht gesprochen werden, weil für das überlieferte Judentum die Normen des Lebens durch die schriftliche und mündliche Lehre als göttliche ein ,für alle Mal gegeben, während sie nach Ansicht des liberalen Judentums dem Wandel der Zeit unterworfen sind. Ter Vorstand des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands. Erklärung. Die von der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" Unterzeichneten „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum" leugnen den göttlicherr Ursprung der schriftlichen und mündlichen Lehre sowie die ewige Berbindilichkeit der in ihnen enthaltenen Religionsgesetze. Die Richtlinien zerstören demnach die Grundlagen der Religion des Judentums. Die Richtlinien unterscheiden willkürlich zwischen „unerläßlichen Forderungen" ..und anderen:, was dem religiösen Empfinden des Einzelnen überlassen wird, und nehmen so dem größten Tell der Religionsgesetze die Autorität unbedingt geltender- Gebote. Sie setzen ausdrücklich eine große Reihe von Vorschriften der Thora äußer Kraft, unter ihnen wesentliche Bestimmungen der Sabbäth- und Ehegesetze, die das Judentum zu seinen heiligsten Institutionen zählt: Die Veröffentlichung der Mchtlinien zwingt uns —. auch nach der neuerdings erfolgten, Erklärung des Vorstandes der Vereinigung der liboralen Rabbiner Deutschlands — Folgendes bekannt zu geben: Religionsgesetzliche Entscheidungen und Autorisationen von solchen Rabbinern, welch« sich zu den in Vorstehendem als destruktiv bezeichnten Grundsätzen bekennen, sind als gültig nicht anzuerkennen. Insbesondere können Ehescheidungen, welche nach ihrer Anordnung vollzogen sind, für eine' Wiederverheiratung der Geschiedene:: als ausreichend nicht erachtet werden. Ein im Sinne der „Richtlinien" ertellter Religionsunterricht bedeutet eine Gefahr für die silbische Jugend. Gegenüber den verhängnisvollen Konsequenzen, die sich für das jüdische Familienleben aus gesetzwidrigen Eheschließungen ergeben, werden Maßnahmen getroffen werden. Der Vorstand der Vereinigung traditionell - gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. Es haben bereits 87 Rabbiner ihre Zustimmung gegeben, deren Namen wir nächste Woche veröffentlichen. _ Erklärung. Wir haben begründete Veranlassung zu der Ueberzeugung, daß die zweite Erklärung der Ver-. einigung liberaler Rabbiner eine Aufhebung der Richtlinien bedeutet. Die tiefgehenden religiösen Verschiedenheiten mit ihren praktischen Konsequenzen zwischen der liberalen und der traditioneill-gesetzestreuen Richtung bleiben wie bisher zu Recht Recht bestehen. Die Notwendigkeit eines Schisma ist nicht gegeben. Frankfurt a. M., 21. Nov. 1912. Rabbiner Dr. I, Horvvitz, Provinzialrabbiner Dr. Munk- Marburg, Rabbiner Dx. M A. Nobel, Jacob S. Posen, Liepman Phil. Prins. Rabbiner Dr. Cohn-Jchenhausen, Weitere Unterschriften folgen. Sr wird i Dc wie Urii die U« stanz : Annahi bedeute habe, ob Nid Wahlrc bestimn viclmel Wohno ange 1!l n g a nicht i Rat r daß egesetzlü biinsche Sc K omr hiesige Ehrcnr gelegen ich mi Schäle! gionsu! die Ir darauf die I keine Es fol fmnc mich i Seite bitte <! zustelle mir d auf W Schritt Uiianw des S D- A: ich Jh merk auf d: so tat gcina einer gestellt beantw Vorgai nicht < Häusel: richtig, natürli I« werden stellen, Erinne vergesst ^11 gezeigt Bcine ich. . Ha r a ch i- Lic ei Porwui M a t e Organ i ferenz Rabbin beschim parlam die Au! waren, hat je! wiederx üblich, den ei zur Pi können Preßko der so Ha eine 2) Dl Konnte fahr, wenige die Kr Bezug erlegt gliedere Jisroel Die i vühlui her ve wirtW

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