Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 45 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2692297-2692768-2692813--07301-2702370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Serk 4 schlossen, der Repräsentanz' sür den Oberrabbinerposten Dr. Heinrich Brody, Direktor der Talmud-Thora- Schule und Oberrabbinerstellvertreter, in .Vorschlag zu bringen. ' , Dr. Brody wurde 1868 in Ungvar geboren und besuchte dort das Gymnasium, dann die Jeschiwah in Preßburg und daun Las Rabbinerseminar und die Universität in Berlin. Seine amtliche Laufbahn begann er als Sekretär des hebräischen Literaturvereins „Mekize Mrdamim", als welch«: er in dem British Museum -zn London und in der Bodleiana zu Oxford arbeitete. 1896 begründete . er die „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", 1898 wurde. er als Rabbiner nach Nachod berufen und 1905 nach hier als Direktor der Talmnd-Thora-Schule. Einen Ruf an das Berliner Rabbinerseminar lehnte er auf Beranlassung der hiesigen Gemeinde ab. Literarisch ist Dr. Brody sehr tätig. - Wir nennen die von ihm bearbeitete Ausgabe des „Diwan des Jehuda Halewi" und die Gebicfte des „Samuel Hanagid" und ,.Salomo ibn Gabirol." 1888 erschien ans seiner Feder die Broschüre „Widerspricht.Ler Zionismus unserer Religion" (2. Auflage 1911), in der er die von orthodoxer Seite gegen den Zionismus erhobenen Einwände zurückweist. Rom. Oberrabbiner Dr. Colombo -Livorno ist zum Kavaliere des Kronenordcns ernannt worden. Bor den Tore« Prags. Historische Erzählung von A. E. B r a ch v o g e l. (Fortsetzung.) „Der alte Rabbi aber hat kein Aergernis geben Wollen. Er hat seinen einzigen Sohn darum Wach Spanien geschickt, Esther. Ms Markus nach zwei Jahren aus der Verbannung zurück wollte, well er geglaubt hat. Dein gutes Herz würde ihm endlich vergaben, ist er den Schweden in die Hände gefallen und hat drei Jahre lang ein Mordknecht sein müssen, bis er ihnen hat entspringen können. Seitdem aber hat er nicht mehr das göttliche Wort studiert, hat keme Ruhe mehr im Elternhause gehabt. Aus dem frommen Gelehrten ist — ein Viehtreiber geworden! Esther, Esther, — ist das nicht Rache genug für Dich, nicht Vergeltung genug für einen einzigen Kuß, den Du ihm nicht einmal gegönnt hast?" Esther endtwand sich Täubchen halb unwillig, halb bestürzt. „Ich weiß nicht, was Du meinst mit solchem Gerede." - Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Täubchen Caro ließ sie los und setzte sich ihr gegenüber. „Esther," sagte sie, „Du hast Dich geirrt mit Markus! Er hat Dich geliebt, unsinnig geliebt, und er liebt Dich noch wie ein Verzweifelter! Er hat den Harnisch angelegt und die Judenschaft zum Kampfe gerufen, weil er lieber in Ehren für Prag sterben will, als daß er ohne Dich leben will: So wahr, wie die einzigen Lebendigen hier unter den Toten sitzen, — er hat vait Gewalt nicht gedacht, ihn hat nur die Liebe übermannt! Wenn Du den Markus so gern haben ivürdest, daß Du seine Frau werden möchtest, — wäre denn ein Kuß .dann Sünde?!" Esther hatte das Haupt mit dem Tuch verhüllt, und ihr Zittern und Schluchzen verriet, daß sich ihr Herz von Tränen entlade. „Weine Dich aus, Kind, hier ist der Ort dazu," sagte die Freundin sanft. „Ich werde warten, bis Du Dich erholt hast. Dann kannst Du mir sagen, >vas Du noch zu sagen hast, und' was Du -mit der Rolle tun willst." Beide schlviegeu. Esther kämpfte mit Mühe ihr Weh, ihre Verzweiflung und ihre Tränen nieder, dann zog sie das Tuch von ihrem schmcrzerfüllten Gesicht. „Ich bin fertig mit mir, Täubchen, ganz fertig! Ich habe einen schrecklichen Kampf gekämpft seit vorgestern, -und jetzt hast Du mir den Rest gegeben! Ich bin verurteilt!" „Esther?!" „Schweig, Mädchen, höre mir zu! — Wie der Markus vorgestern nach Prag zurückkam, hat er starr zu meinem Fenster hcraufgcblickt. Ich bin zur Sara gegangen und habe ihn aus Aerger und Wut wieder verklagt. Sara aber hat mir gedroht, mein Haß gegen Markus niöchte sich in Liebe verkehren, ich aber habe mich verschworen, eher müßte aus dem Viehtreiber Markus ein Held werden!" „Dir hast solch' einen Schwur getan? — Isaak und Jakob! und der Schwur fängt an, sich zu erfüllen! Markus wird ein Held werden, und seine Liebe zu Dir hat ihn dazu gemacht!!" „In meiner Gemütsbewegung habe ich zu Hause dann die Rolle nieiner Väter prophezeien lassen, was meine Erleuchtung sein solle in dieser Finsternis." „Was hat das heilige Buch gesagt?" Ni. 45 1 UM „Weib voll Dünkel und Weisheit — Du bist ein« Närrin!" „Esther, liebe — arme Esther!!" „Bist Du ein Weib, strebe nach Güte. Vor allem sollst Du Liebe haben, sie ist das Höchste!" „Das — das sagte Dir die wunderbare Schrift?!" „Die Schrift aus denr brennenden Tempel des Herrn zu Jerusalem! — Ja, wunderbar ist sie! Ich bin stolz auf sie und auf meine Weisheit gewesen, ich habe mich vornehmer und gelehrter gedünkt 'als alle und habe doch nicht einmal^ gewußt, daß eine weise Frau eine Närrin ist und/die Liebe das Höchste! Ich habe denken wollen und gelehrt sein wollen lvic ein Mann und habe vergessen, gut zu sein und zu lieben, wie es einer Frau geziemt. Du hast mir völlig die Augen aufgemacht, Täubchen." Sie erhob sich langsam, und die Freundin folgte ihrem Beispiel. „Deshalb," sprach Esther weiter, „tvill ich tun, woran ich schon gestern gedacht habe. Ich will begraben, was mich zum Hochinut verführt hat. Ich tvill begraben die heilige Rolle zu Sara, meiner Ahne, dem, ich habe das einzige aus ihr gelernt, was niir nutze tvar, nämlich, daß ich der Weisheit nicht würdig bin! Bringe die Schippe!" „Aber Esther, das heilige Buch?" „Bringe die Schippe!" sagte Esther scharf und schnitt ihr jede Erwiderung ab. Täubchen zog das Instrument unter dem Gestrüpp hervor. Esther nahm cs, kniete neben dem Grabe Saras nieder und grub bei dem Denkstein ein Loch von mäßigen! Unifang, sodaß die eingenähte Rolle in. ihm Raum fand. Dann scharrte sie die Erde darüber. „Hier sollst Du ruhen, Wort der Weisheit," sagte sie bebend, „ruhen für ewig, oder bis der — Mann Dich an das Licht zieht, den der Herr bestimmen wird, Dich zu verkünden!" Daniit verbarg sie die kleine Schaufel daneben ins Gebüsch und erhob sich. „Du willst die Schippe nicht mitnehmen, Esther?" „Nein, damit sie der brauchen kann, dem das Buch bAimmt ist. Du wirst' nicht verraten, wo es liegt, der alten Sara Grab aber rührt niemand an." „So. wahr ich leben will, ich werde schweigen!" m an zu D an l« N Si I' di sü ge di di re w A te de de S fe K te A P g. ei l° w di n 2 i o wohlfeile 7age! Beginn: Samstag, den 16. November. Auf unseren leisten Einkaufsreisen hatten wir Gelegenheit, grosse Partie-Posten für alle Läger weit unter Preis zu erwerben. — Diese Waren gelangen zu Extra-Preisen während der wohlfeilen Tage zum Verkauf und möchten wir dadurch unsere werte Kundschaft veranlassen, schon jetzt ihren Weihnachtsbedarf zu decken. — Die Besichtigung der Artikel ist ohne Kaufzwang gern gestattet und sind die Preise auffallend billig. Gelegenheits - Posten zu Extra,-Preisen! Kleiderstoffe Seidenstoffe Weisswaren Waschstoffe und Baumwollwaren Damenu. Kinder-Wäsche Hausu. Küchen-Wasche , Winter-Trikotagen, Schürzen, Taschentücher etc. Teppiche, Tischdecken, Coltem Damen-, Herren- und Kinder-Konfektion alle Saison-Neuheiten zu billigsten Preisen! . ' * a g s. >l % ri q V ' g g is V d g ■C \ d 11 fl c ■j