Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 45 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 3 Är. 45 den Glauben halben durfte, den B r i sker Raw für sick> gewannen zu haben, — als dann aber später dem Brisker Raw das Konzept für den Antrag an den „Wäad gedanlei hatauroh" vorgclegt wurde, da hat er. die Unterschrift verweigert. Stns diesem Hergang ist ersichtlich, dag Herr Ääbb. Dr. Breuer nicht gut von einem „Psak" des Brisker Raivs, der ihm als größte rabbinisch? Autorität der Jetztzeit natürlich ein sehr, wichtiger Bundesgenosse iväre, reden kann. Berlin. lieber die Schrecken des Krieges und die Leiden, die der Krieg besonders auch über die Juden auf dem Balkan gebracht hat, gibt nachfolgender Brief, der noch vor dem- Malle Salonikis an ei» Vorstandsmitglied des Hilfsverei u s d e r Deutsche n I üben gerichtet worden ist, beredte Ausinnst: „ . . . . Die Worte fehlen mir, um Ihnen die Schrecken und die Not der Zeiten, die wir durchleben, zu schildern. Saloniki niacht den Eindruck einer Stadt in Trauer. Unsere Gemeinde, die durch die ökonomische Krise Aller ihrer Mitglieder seit dem türkisch-italienischen Kriege bereits verarmt ist,, befindet sich jetzt, scitdein der Balkankrieg mit all seinen Greueln zum Ausbruch gekommen ist, in der allerelendesten Lage. Die Stadt selbst sieht-aus wie ein großer Friedhof. Wir Juden stehen vor der ungeheueren Aufgabe, solidarisch Hilfe zu .'leisten, und sind doch' völlig unfähig, sie zu erfüllen. Es handelt sich zunächst um die Familien der israelitischen Soldaten, die ohne Mittel zurückgeblieben sind, und die buchstäblich Hungers sterben müssen, wenn ihnen nicht Hilfe gebracht wird. Dazu kommt-die große Schar eingewandertcr Inden, die vor dem Kriege ans dem Innern geflohen, sind und nrit jedem Zuge ankommen. Es sind Arme, Greise, Frauen, Kinder, Kranke, ganze Familien aus - Karaferia, Jstip, Ueskiib usw., die ihr Hab und Gut im Stiche gelassen haben. Es ist ein namenloses Elend mit seinem ganzen Gefolge von Schrecken, Trauer und Hilflosigkeit. Wir bringen sie in den Schulen unter, ' Man muß Tag für Tag für ihre Bedürfnisse sorgen. Und es kommen alle Tage mehr. Wir sind schon überschwemmt; das Publikum gibt; es opfert sich dabei, auf,, denn cs leidet gleichfalls unter der schrecklichen Krise. Weinend schreibe ich diese Zeilen nieder, denn ich mache mich darauf gefaßt, daß wir nicht lange mehr aushalten. könne», so groß ist die verzweifelte Lage der ganzen Bevölkerung. Wie ungeheuer muß die Hilfe sei», die hier. zu leisten ist. Die Tränen stürzen mir aus den klugen, wenn ich daran denke, daß aus Mangel an genügender Hilfe diese Aermsten ohne Linderung ihres Elends bleiben und Hunderte von Familien buchstäblich dem .Hungerto.de preisgegeben sind.! Ist diesen Zeiten der Angst und des Schreckens wende ich'meine-Blicke zu Ihnen nach Deutschland um Hilfe und Rettung. Ich flehe Sie inbrünstig an, unter den Juden Ihres Landes und bei den großein jüdischen Gesellschaften eine solidarische jüdische Hilfeleistung anzurcgen, wie es leider schon so oft geschehen mußte. iJm Namen so vieler tausender Unglücklicher flehe ich ISie um Ihren Beistand an. Besonders schnelle Hilfe Itut not, denn die Tage, die wir noch anshalten können, Isind gezählt."' I Infolge der immer neuen Schreckensmcldunge», die laus allen Teilen der Krieg führenden Staaten kommen, lljat der Hilfsverein gemeinschaftlich mit der Äroßlogc ■für Deutschland 11. O. B. B. die erste Rate für Ibas Hilfswerk auf 25 000 Francs zu erhöhen beschlossen. I Gegenüber der Größe des Elends, das von Tag Izn Tag wächst, ist auch diese Summe nur sehr gering- I sügig; daher sind reichliche Spenden nötig. Die I Geldsendungen sind zu richten an: Kommerz- und Dis- I konto-Bank, Depositen-Kasse 6, Berlin, Chärlottenstr. 47 lobet an den Vorsitzenden des Hilssvereins der Deutschen I Juden, Herrn Dr. Ihmes Simon, Berlin, Tiergarten- I straße 15a und den Präsidenten : der Großloge für I Deutschland U. O. B. B., Herrn Gehrimrat Timendorser, I Berlin, Taübenstraße 16—18. I Berlin. Deutsches Landeskomlteeder All- Igcmeinen Israelitischen Allianz. Die in der I Tagung vom 23. Oktober gewählte Statuten-Kommission I hat in der. Sitzung vom 11. Nov. ihre Arbeiten I beendet; das neue Statut wird dem Deutschen I Landeskomitee in der nächsten Woche zur Beschlußfassung Ivorgclegt werden. Die Kommission legt Wert ans die I Feststellung, daß das Deutsche Landeskomitee den in der I Presse erwähnten I Verhandlungen mit Paris f e r n st e h t, I »nd daß die Verhandlungen nicht in dessen, «lustrage ge- I sührt worden sind. I München. Auch hier veranstaltete dieser Tage die I Redaktion von ,/Ost und West" einen I jüdifchen Volksliederabend, I der sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte, i Gar vielen Besuchern/sind hier wohl erstmals diese chassi- I bischen Melodien und jargonischen Volkslieder zum Gehör »gekommen, und die Beifallsbezeugungen haben auch beiwiesen, daß die Melodien und Gesänge nicht nur verstan- Iben, sondern auch gefühlt wurden. » Der zahlreiche Besuch war um so erfreulicher, als les hier das erste Mal lvar, daß man es gewagt hatte, »mit einer solchen Veranstaltung .vor die Oeffentlichkeit zu »treten. Wenn auch langsam, bringt man doch' nach und Inach in der Metropole Bayerns jüdischen Darbietungen Immer mehr Interesse entgegen, — unbestreitbar ein Ber- Idienst des Zionismen. I München. Ein Vorkommnis in Bayern bildet seit I einiger Zeit Besprechung in weiteren Kreisen. I Aus der Luitpold J u b i lä n m s - S p'e n d e, »welche alljährlich: vom Regenten ans dem' s. Z. ge¬ Frankfurter Israelitisches Fämilienblatt. bildeten Fonds, zu. dem mich Juden /beigesteuert haben — nach Vorschlag des Hofmarschallamts — verteilt wird, wurden auch jüngst 237 000 Zuwendungen an Vereine gemacht. Hierbei gingen die -jüdischen Vereine leer ans. Ans mehrseitige Anfrage» hi», bemerken die „M. Reuest. Nachr.", daß diese Vereine deshalb übergangen wurden, weil sie sich nicht meldeten, es sei herkönimlich, „daß die reflektierenden Vereine eil, Ansuchen stellen." Oesterreich-Uugarn. Budapest, lieber die hier avgehaltenen Sitzungen des 11 n i f i k a ti o n s ko m i t ees und des orthod. Exekutivkomitees schreibt die „llngarl. Jüd. Ztg.": „Die 11 n i f i k a t i o n s s i tz n n g hatte im wesentlichen die Erklärung znm Inhalte, daß auch die Kongreßpartei bereit sei, dem Schulchan-Aruch als Basis des religiösen Lebens eine statuarische Sicherheit einzuränmen. Die praktische Arbeit der Sitzung hingegen' bestand in der Einteilung der Komiteemitglieder in verschiedene Sektionen. Die so rasch und ohne Widerspruch erfolgte ^Anerkennung des Schulchan - Arnchs ist rein objektiv aufgefaßt, eine Errungenschaft des Konservatismus, des verstärkten Zusammengehörigkeitsgefühles. In anderen Ländern würde», die konservativen Kreise ein derartiges Zugeständnis mit großer Begeisterung entgegennehmen. Hierzulande aber, wo die Gesinnung nicht so niassw hergestellt ist, wird diese Konzession ebenso leicht genommen, wie sie gegeben ist. Eine taktisch? Erwägung hat die Kongreßkreise bewogen, sich unter die Souveränität des Schulchan-Aruch zu begeben, „nd taktische Erwägungen sind es wieder, die die trennungsorthodoxe Leitung zur Geringschätzung dieses jedenfafls wichtigen Zugeständnisses nötigen... Das orthodwxe Exekutivkomitee hat die Frage des Anschlusses an die orthodoxe Weltorganisation mit „Ja" und „Nein" beantwortet. Die Entscheidung 'wurde nochmals auf die lange Bank des Hunderterkomitees geschoben. Freilich ist es eigentümlich genug, daß die „Aguda"-Leitu»g, die doch bei ihrer Grürünmg ihre demokratischen Grundsätze betonte, es dem Belieben einiger Herren freistellt, ob es in Ungarn eine Aguda .geben soll oder nicht." Prag. Der Borstand der Israelit. Kultusgemein de i» Komotan hat bei Aufstellnng des Budgets auch den, Jüd. N a t i o n a l f o „ d s 50 St. zugewiesen. Nun fanden sich 'aber im Kultusvorstand Herren, welche gegen diese Spende protestierten, und da sie überstimmt wurden, brachten sie eine Beschwerde bei der Bezirkshauptmannschaft ein. Diese gab der Beschwerde statt, jedoch die Statthalterei, die höchste Behörde, hob die Entscheidung der Bezirkshanptmannschaft als einen ungesetzlichen Eingriff in die Anton,ie der Knltusgemeindei« auf. Italien. Rom. Die Periode des vollständigen Jndifferentismus scheint in der italienischen Judenheit überwunden, denn es sind mehrere Anzeichen für die Hebung des jüdischen Interesses vorhanden. So spricht nian jetzt viel von. de», demnächstigen Kongreß in Torino, wie die Organisation der Jugend besprochen werden soll. A v o c at o Pa cifi ei-Florenz schlägt in der jüdische» Presse die Gründung eines Stipendiums vor, durch das junge Leute nach Palästina geschickt iverden, um dort die hebräische Sprache zu lernen und sie dann zu unterrichten. Es sind bereits Beiträge zur Verwirklichung dieses Vorschlages eingclaufen. A.R. Rom. Die Regierung hat dem Ove,rabbiner Dr. M a r g n l i e s in Florenz als Obmann des Falascha- Komitees mitgeteilt, daß sie in Eritrea kostenlos ein Terrain zur Erbauung der Falascha-Schnle zur Verfügung stellt. Ä. R. Rußland. Moskau. Die hiesige Gesellschaf, der Fabrikbesitzer N n d G r o ß i n d n st r i e l l e hat sich an den Rat der Konferenzen der Vertreter von H a „ d e l und Industrie mit dem Ersuchen gewandt, ans die nächste Tagesordnung die Frage einer Revision der d.ie Inden betreffenden Gesetze zu stellen. Die Gesellschaft begründet ihren Vorschlag ausdrücklich damit, daß die Beschränkungen der Inden im Wohn-'und Handelsrecht die Interessen des russischen Gesamthandels aufs äußerste schädigen und darum ausgehoben - werden müssen. Besonders verderblich für den - Handel seien d,c häufigen Maßnahmen der lokalen Gewalten gegen die Juden, die nicht einmal gleichartig wären. Der Rat der Konferenzen hat nun den Beschluß gefaßt, zu diesem.Zwecke eine besondere Beratung einznverüsen, an der sowohl die Vertreter der Moskauer Großindustriellen „nd Kaufleute als auch der sonstigen Handelswelt des Reiches teilnehmen sollen. Dieser Beschluß ist besonders im jetzigen Augenblick, da sich hier der Monstrevrozeß gegen dreihundert jüdische Dentisten abspielt, zeitgemäß. Was den betreffenden Angeklagten zur Last gelegt wird, ist ja, daß sie unter Umgehung verschiedener Formalitäten es vcrstaiwen haben, zu den zahnärztliche», Prüfungen zugelassen zu werden, um nach Erlangung der entsprechenden Atteste das allgemeine Wohnrecht zu erhalten. Die Beschuldigung selbst ist ein Verdammnngsnrteil über die bestehende Judenausnahmegesetzgebung, welche zu derartigen ungewöhnlichen Selbsterhaltungsmitteln - Anlaß gibt- Warschau. Bisher find in die neue Reichsduma ' - drei jüdische Abgeordnete gewühlt worden. In K o w n o wurde der frühere jüdische Abgeordnete Friedman,, wiedergewählt. In Kurland wurde Dr. Gurewitz und in Lodz Dr. Bo-, m a s z gewählt. Die letztgenannten zwei Abgeordneten sind in der breiten jüdischen Oeffentlichkeit wenig bekannt, haben sich aber im jüdischen Leben ihrer Wohnorte erfolgreich betätigt. Alle drei jüdischen Abgeordneten wer-' den sich voraussichtlich der konstitutionell-demokratischen Partei anschließen. Bulgarien. Sofia. Der Krieg hat die bulgarisch: Judenheit in großeNot gebracht. Alle wehrfähigen Männer sind in den Krieg gezogen. Dazu kommt die wirtschaftliche Krise, die durch das allgemeine Moratorium für die Geschäftsleute noch vergrößert worden ist. In Philippopel sind z. B. über 200 jüdjsche Familien fast ohne das tägliche Brot. Serbien. Belgrad. Die 6000 Juden Serbiens beteiligen sich in einer Weise am Krieg. wie sie aufopfernder nicht gedacht werden kann. An 800 Männer, also alle kampffähigen Juden, sind eingerückt (darunter 1 Hanptmann und 15 Reserveoffiziere). 21 Juden befinden sich als Aerzte anf dem Schlachtselde. Dir spaniolische Gemeinde Belgrads hat 20000 Kr. für Spitäler ec. gespendet, die deutsch-jüdische hat ein Spital mit 20 Betten errichtet. Palästina. Jerusalem. Die Rabbiner haben ein besonderes Gebet für den Sieg der osmanischen Waffen verfaßt und auch eine besondere Andacht für die Wohlfahrt des Vaterlandes veranstaltet. In Jaffa kam auf Anregung von Frau Dr. S ch a m a i eine Besprechung jüdischer Frauen zustande, in welcher beschlossen wurde, zur Hilfeleistung für die verwundeten türkischen Soldaten nach de», Ätnster des Roten Halbmondes eine», „Roten Mogen-Dvvid" zu begründen. Fortgesetzt ziehen junge Soldaten, anch Juden darunter, an die Grenze. Die jüdischen Aerzte Dr. R e n m a n n - Jerusalem und Dr. M o y a l - Jaffa haben sich freiwillig zur Fahne gemeldet. Der Kolonistensohn E i s e n b e r g aus Rechoboth, der vor kurzem die Militärschule absolvierte, ist ebenfalls bereits ins Feld gezogen. Personalien «. Kleine Mttteiluuge«. Stettin- Der hier verstorbene Direktor Earl D i e d e r i ch s hat den Armen der hiesigen jüdischen Gemeinde 10 000 J£ ver n, a ch t. Ans -er Lehrerwelt. Breslau. Obeikantor Hermann Rose nt hat tritt demnächst in den Ruhestand. Deffau. Lehrer und Kantor Weill begeht am 1. Dezbr. sein 25jähriges' Amts'jnbilänm. Köln a- Rü. Der „Zweiaverein Rheinland des Bundes gesetzestreuer jüd. Lehrer Deutschlands" hält hier am 20. November — nachmittags 3 Uhr in, Hotel „Goldener Stern" — eine Versammlung ab. Hamburg. Dr Jos. Gold schm i dt. von 1876—80 Lehrer an der israel. Realschule in Frankfurt a. M. „ich seitdem Direktor der hiesigen „Talmud Thora"- Realschulc, feiert an, 16. No'vbr. den 70. Geb u r ts ta. g: K>el. Nach hier wurde Rabb. I. Nobel-Filehne berufen. Heinebach jKr. Melsungen). Die Israel. Volksschule ist wegen der geringen Kinderzahl vom 1. Okt. d. I. ab aufgelöst worden. Kattowitz. Kan or W e i ß - Emden ist hier als Oberkantor gewählt worden. Pieschen. Hier dürste voraussichtlich Dr. Bruno S i lb e rb e r g - Breslau zum Rabbiner gewählt werden. Emden. Der neue Landrabbinrr, Dr. Hofsmann, hielt letzten SamStag vor überfüllter Synagoge seine Antrittspredig t. Die „Ostsries. Ztg." gibt den Inhalt dieser Predigt sehr ausführlich wieder. Budapest. Obe rabbiner Dr. Alexander Büchler in Keszthcly hat einen Ruf nach Stockholm erhalten. — In Dissöszc » t in a r t o n verschied — erst 48 Jahre alt — der Kreis-Oberrabbiner Mordechai Chain, Z w i Marion, einer der gebildesten Rabbiner Ungarns. Budapest. In Dicso-Szt. Marton ist im,Altcr von 47 Jahren der dortige Rabbiner Miksa Marton verschieden. Die Gemeinde beschloß in Rücksicht aus die unversorgt zurückgebliebene Familie, den Rabbiner anzustellen, der die Tochter des Verstorbenen heiratet. Lemberg. Ende Oktober d. Js. wurde hier das vorr der „Organisation hebräischer Schulen in Galizien und der Bukowina (Histadruth Bathc-Sepher)" ins Leben gerufene hebräische Lehrerseminar eröffnet. Die Anstalt ist mit einem Internat verbuiüren, in dem 20 Lehramtskandidaten wohnen. Der Lehrplan sieht folgende Unterrichtsgegenstände vor: Bibel, Talmud, hebräische Sprachlehre, hebräische Literatur nach Abschluß des Talmuds, Pädagogik, Arithmetik, Geometrie, Physik, Geographie, jüdische und allgemeine Geschichte, Turnen und Musik, ferner als fakultative Lehrfächer deutsche und polnische Sprache und Literatur. Prag. Wie üie ..Selbstwehr" erfährt, hat die vo« der Repräsentation eingesetzte Kommission einstimmig be-