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Neue jüdische Presse · 1912-10-25 · Heft 42 (25.10.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 42 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. (fxamffitrtet NraelittscheS FmnWMvtair. Nr 42 Beratungen neue Kraft und neuen Akut für die weitere Arbeit zu Gunsten des.großen Werkes geschöpft chatten. *) Aus den Ereignifien des Tages. 3« de« Dmaawahle« in Rußland. Tie Wachten zur Duma sind bereits im Gange, das erste Stadium, die Wahl der Wahlmänner, ist beendet. Uebcrblickt man das Resultat, jo sieht man die Voraussagungen aller Kenner der Verhältnisse bestätigt: Tie neue Duma mird noch reaktionärer sein als die a l t e. Und damit ist die Bedeutung der neuen Duma. für die russisch: Judenheit schon genügend charakterisiert. Die beste Hoffnung, der man sich hingeben darf, ist höchstens dir, daß sie an den bestehenden furchtbaren Zuständen nichts vcrschlünmern wird, von einer Besserung kann' keine Rede sein. Was nun speziell die W a h l v o n jnbischen Abgeordneten betrifft, so läßt sichl auch jetzt noch nichts mit Bestimmtheit sagen. Der äußerst komplizierte Wahlmodus, die Tyrannisierung durch die Regierung (die ihr unangenehme Kairdidaten unter den nichtigsten Vorwänden einfach verhaften läßt) und dazu die Verwirrung und Uneinigkeit im jüdischen Lager machen cs unmöglich, ein klares Urteil zu fällen. Von feststehenden Tatsachen erfährt man bisher nur von dem bedauerlichen Entschluß Jabotinskis, der seine Kandidatur in Odessa zurückgezogen hat. Alle anderen Meldungen bestehen nur in Vermutungen und Möglichkeiten. Doch, ist anzunehmcn, - daß es gelingen wird, wenigstens einige jüdische Abgeordnete durchzubringen. Das gesamte Resultat der Wahlen enthält nur eine erfreuliche Tatsache: den Ausgang der Wahlen zu Warschau. Tort ist cs gelungen, der jüd. Kandidatenliste der Wahlmänner zum Siege zu verhelfen. Von 80 Wählmännern sind 21 Juden. Dieser Sieg hat eine zweifache große Bedeutung: Einmal ist damit die Wahl des offiziellen polnischen Kandidaten, eines ausgesprochenen Antisemiten, verhindert. Vielmehr haben es jetzt die Juden in der Hand, überhaupt einen jüdischen Abgeordneten zu entsenden. Dies werden sie nun allerdings vermutlich doch nicht tun und zwar aus der berechtigten Sorge, daß die Wahl eines jüdischen Ab^- geordneten in Warschau, der Hauptstadt Polens, die Polen sehr erregen und iroch mehr ins antisemitische Lager stoßen muß. So werden sich, die Warschauer Juden wahrscheinlich auf zweierlei beschränken: sie werden von den Polen für Warschau die Aufstellung eines von jeglicher antisemitischer Gesinnung freien Kandidaten fordern unb ihnen ferner das Versprechen abnehmen, in einer anderen Stadt einen jüdischen Abgeordneten zu wählen; wird dies beides durchgcsctzt, so bedeutet dies schon einen beträchtlichen Erfolg. Doch dieser jüdische Wahlsieg in Warschau . hat noch von einem anderen Standpunkt aus große und günstige Bedeutung: vom Standpunkt des inneren jüdischen Lebens. Es ist ja bekannt, daß in Warschau die Leitung der Gemeinde noch immer in den Händen der pol- . Nischen Assiniilationsjuden ruht. Tiefe polnischen Assimilationsjudcn stehen nun im ganzen Lager der jüdischen Assimilation auf dem extremsten Flügel; in ihrer sklavischen Sucht, alles den Polen recht zu machen, gehen sic so weit, selbst den Antisemitismus derselben zu billigen und mitznmachen. Und so haben sie bei diesen Wahlen die Parole ausgegcben: Unbedingtes Eintreten für die polnische Liste, aus der sich wütende Antisemiten befanden. Und man hatte — und mit Recht — befürchtet, daß die Ehassidim, die sonst mit der Assimilation Zusammengehen, auch, diesmal ihrer Parole Folge « leisten werden! Dies ist aber nicht geschehen. Die 'Ehassidim .sind diesmal strikt für die Liste der jüdisch-^nationalen Partei eingetreten. * Wenn man nun bedenkt, daß noch, vor einem halben Jahre, bei den Gemeind'ewahlen, die Chassidim den assimilatorischen Kandidaten zum Siege verholfen haben, wird man erkennen, daß in ihrem *) Die Würdigung der gegenwärtigen Situation in der Agudas Jisroel behalten wir uns' vor. D. Red. Lager sich ein radikaler Umschwung vollzogen hat. Unmittelbar nach dem unschönen Berhalteir der Ehassidim bei ,d:n Gemeindewahlen bereits hat in ihren Reihen eine heftige Opposition gegen die Diktatur der wenigen Führer eingesetzt, eine Opposition, die in erster Linie von der jungen Generation ausging. Tief: Opposition scheint nun ihre günstige Wirkung bereits getan und den Umschwung im Verhalten der Ehassidim herbeigeführt zu haben. Und dieser Umschwung macht vielleicht die bedeutsamste Seite des jüdischen Wahlsieges aus. Denn er gibt die Hoffnung, daß bald auch die Herrschaft der Assimilation in der Warschauer Gemcindestube gestürzt sein wird. Und so stellt sich dieser jüdische Wahlsieg in Warschau als ein großer, bedeutsamer Erfolg der jüdisch-nationalen Bewegung dar, ein Erfolg, dessen volle Konsequenzen noch nicht erschöpft sind und für die Zukunft gewiß noch von Bedeutung sein werden. Aus aller Wett. Deutsches «eich. Berlin. In der jüngsten Ausschuß-Sitzung des Deutsch -Israelitischen Gemeindebundes wurden u. a. ailch z w e i Z i o n i st e u in den Ausschuß kooptiert und zivar ,die Hcrreir Rechtsanwalt Victor-Wandsbek und Rechtsanwalt H autkc-Berlin. Auch mehrere streng gesetzeslrcne Herren wurden in den Ausschuß gewählt. Herli«. .Am 28 Oft findet hier im Logenhous Kleiststraße tv, die Gcneralversaimnlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt. Auf der Versammlung werden Dekan H o l derma n n - Roctleln über ,.Christliche Volks ultur und Anti-' seinitismus" und Rcichstagsabg. Dr. Ludwig Haas- Karlsruhe über „Deutschtum und Judentum" sprechen. Nürnberg. Auf dem Münchener Kongreß für Frauenstimmrecht ist eine Resolution gegen das Schächten gefaßt worden. D r. B a m b e r g e r, hier, wandte sich infolge dieses Beschlusses an Fräulein Lydia Gustaba Heymann in Hamburg, die von Geburt eine Jüdin ist und ans .dem Münchener Kongresse eine führende Rolle spielte. Auf sein Schreibe» erhielt er nun seitens des Agitation skomitecs der fortschrittlichen Frauenbewegung, unterzeichnet von Frl. Heymami, folgende Antwort: „Da ich in Vercinssachen und gcschästlich in den letzten Tagen sehr viel zu tun hätte, ivar es mir nicht möglich, Ihr Schreiben vo>n 7. Oktober früher zu beantworten. Daß Sic unserer Resolution gegen das Schächten nicht zustimnieii, tut inir aufrichtig leid, kann mich aber niemals verhindern, wo immer sich mir Gelegenheit bietet, mit aller Energie gegen diese grausame Tötung c i n z u t r e t e n. Ich kenne alle Schriften für und gegen das Schächten, ich habe und mit mir unzählige Franc», die Ucberzcugung gewonnen, daß wir cs hier mit einer unerhörten Grausamkeit zu tun habe»; gegen Grausamkeit, ob dieselbe gegen Mensch oder Tier angewandt wird, werde» wir mit aller Energie Front machen, gleichviel ob diese Grausamkeit aus religiösen oder wissenschaftlichen Gründen geschieht Religion ist Privatsachc und mir ist cs völlig gleich, welcher Religion ein Mensch huldigt, aber gegen religiöse Vorschriften, die eine Grausamkeit gegen die Tiere enthakten, muß jeder Kulturstaat sich durch Gesetze schützen. Unerfindlich bleibt es mir, wie man da von Rcchtsvertüinmerung reden kann. Biele Juden sind scharsc Schächtgegner, ich verweise sic auf die Verhandlungen des 5. Kongresses des Weltbundes gegen die Vivisektion, der vom 5. bis 10. August a. c. in Zürich stattfand und wo sich der englische Jude Dr. Levy mit großer Entschiedenheit gegen das Schächten ausgesprochen hat." — Wenn die Damen aus allen Gebieten einen solchen Mangel an jeglicher Sachkenntnis beweise» und einen solchen Leichtsinn in dem Fasse» bedeutungsvoller Beschlüsse an den Tag legen, wie es hier geschehen ijt, dann wehe unserer Frauenbewegung, die so viel Gesundes in sich trägt! Ganz besonders muß cs aber verwundern, daß sich eine fortschrittliche Frauenbewegung, zu der übrigens ein hoher Prozentsatz getaufter und nngetauftcr Jüdinnen gehört, zur Handlangcrin des Antisemitismus macht, denn die Vertreter der Wissenschaft haben die Schächtmcthodc als vollkommen ciiuvandssrei von Humanitären Gesichtspunkten aus erklärt. Ucbcigens — wer ist der unbekannte Dr. Levy? Und wieso ist der eine Dr. Levy der .Beweis für die ° unerhörte, aus der Luft gegriffene Behauptung: „viele Juden seien scharfe Schächtgegner"? Danzig. Dem Bericht des Ausschusses des Verbandes der w c st p r cu ß. Synagogengemeinden ist jolgendes zu entnehmen: Die Kommission für die Umgestaltung des Religionsunterrichts hat ihre Arbeiten noch nicht beendet. Die Bemühungen um Schaffung eines Bezirksrabbinats Briefen blieben erfolglos. Um auch die kleinen Gemeinden nicht predigtlos zu lassen, hat sich der Rabbiiicrverband bereit erklärt, seine Mitglieder gegen Entschädigung zum Ucbernehmen solcher Predigten zu veranlassen. Dem Wunsch des Rabbinerverbandes, dahin zu wirken, daß die Rabbiner in die Schuldeputationen gewählt werden, konnte nicht stattgcgeben werden, da das neue Schnlgesey für Westpreußen leine Geltung hat und nach der Schulordnung vom 11. Dezember 1845 die Zusammensetzung der Schuldeputation genau geregelt und für die Rabbiner darin ohne Aeilderung des Gesetzes kein Rauin ist. Auch der Wunsch, daß der Rabbiner zu den Inspektionen der Volksschulen zugelassen werde, konnte nicht erfüllt werden; es ist das Gesuch an die zuständige Schuldeputatton zu richten. Bad Dürrheim lBad. Schwarzwald). Mit großer Befriedigung kann das Fricdrich - Luisen - Hospiz aus die ersten Monate seines Bestehens zurückblicken. Die Anmeldungen waren so zahlreich, das; die Anstalt gleich nach ihrer Eröffnung Ende Juli dieses Jahres Bollbesetzuiig aufwies und daß es sogar nötig war, im August über die ursprünglich in Aussicht genominenr Höchstzahl der auszunehmenden Kinder etwas hinauszngchen. So sind bis Mitte Oktober bereits über 100 Kinder — nicht nur aus Süddeutschland, sondern auch aus Mittel- und Norddeutschland und der Schweiz — der Segnungen der Anstalt teilhaftig geworden. Trotz der ungünsttgen Witterung in den Soiiiniermonaten war der Gesundheitszustand ein vorzüglicher und der Erfolg, dec in Gewichtszunahmen bis zu 8 Kilo hervortrat, ein ganz ausgezeichneter, bei manchen körperlich zurückgrbttebencn Kindern ein geradezu überraschender. Viele Kinder sind schon jetzt für die Weihnachtsferien oder für den kommenden Sommer wiederum angemeldet. Das Hospiz soll das ganze Jahr hindurch offen bleiben, um auch zu den von den Aerzten so sehr empfohlenen Kuren im Herbst, Winter und Frühjahr Gelegenheit zu geben. In diesen stilleren Monaten ist es auch möglich, Heranwachsende Mädchen und erwachsene werbliche Personen, vor allem auch Krankenpslegerinnen, zur Erholung und Kur a u s - z u n e h m e n sowie den der Einzelpflege Bedürftigen besondere Sorgfalt zuzuwcndcii. Uni den Betrieb auch in den Nichtferienmonaten, die naturgemäß einen geringeren Besuch aufweisen, finanziell sicher zu stellen, ist die Gründung eines mnfassenden Vereins mit Jahresbeiträgen geplant. Oesterreich-Ungar». Lemberg. Am 1. Januar 1910 wurden in Galizien 872 975' Inden gezählt bei einer Gesamtbevölkernng von 8 029 387 Seclen. Drcioiertel der jüdischen Bevölkerung lebt im ruthenischen Ostgalizien. Frankreich. Paris. In der außerordentlichen Sitzung des Zentral-Komitee der Alliance I s r a e {i t e Universell e vom 16. Oktober wurden die folgenden Beschlüsse gefaßt: 1. Durch Zuruf wurde der ausscheidendc Vorstand wiedergcwählt, und zwar N a r c i s s c Leven als Vorsitzender, Dr. Netter und Eugene Säe als stellvertretende Vorsitzende, I. M a ch i e l s als Schatzmeister. 2. A it s A n t r a g d e r H e r r e n R a b b i n e r D r. Nobel und H. Gumpcrtz gibt das Zcntral-Komimitec nachstehende Erklärung ab: a) Das Zentral-Komitee hat seinen festen Willen kundgegebcn, einer unfruchtbaren Agitation, die nur allzulange gedauert hat, ein Ende zu mache» und solche Projekte ein für allemal zu verwersen, die nicht allein gegen die Statuten, sondern auch gegen den Geist der A. I. U. überhaupt verstoßen. I>) Das Zentral-Komitee würde jedes Projekt willkommen heißen, das auf Grund der Statuten .»nd der früheren Beschlüsse des Zentral-Komitees dahin gipfeln würde, ein engeres Zusammenwirken der Mitglieder der A. I. U. in Deutschland zu ermöglichen und daß das weitere Gedeihen des gemeinsamen zum besten des Judentums unternommenen Wertes zu fördern geeignet ' wäre. 3. Die Demission des Herrn Engen Fellhcim in Stuttgart, der sein Amt als Mitglied des Zentral-Komitees mit besonderer Bczugnahme auf seinen Gesundheitszustand niedcrlegt, wird angenommen. 4. Eine weitere Bewilligung von 5000 Francs wird zugunsten mehrerer jüdischer Gemeinden im russischen Ansiedlungsgebiet votiert, die von Brandkatastrophen hciingesiicht worden sind. Rytzland. Lodz. Nicht nur in Warschau, sondern auch hier haben die Juden die Mehrheit bei den Urwahlen zur Reichsduma gewonnen. Türkei. Saloniki. In Mazed onien gibt es 62 000 Juden, davon 55000 im Bilajet Saloniki. In Albanien wohnen etwa 11000 Inden. Palästina. Jaffa. Die Regierung hat dem hebräischen G y m näsium das Oeffentlichkeitsrecht verliehen. Die Abiturienten des Gymnasiums jinbett bamit bei jeder Universität im Türkischen Reiche Aufnahme. Aus S i ch r o n - I a k o b wird geschrieben: Das Gesamtresultat der Ernte ist eine Mittelernte- Zu nennen. Leider ist 'jetzt der Getreidemarkt äußerst flau. Der Getreidehandel liegt fast ausschließlich in arabischen Händen, ' woraus sich jiicf) icrw u tut er l'ielf inufi Iber cf}" iau chick euss jeie iel isch hilt iter erüi it esoi uuj >ic etei tait iciii ielcl dev weil toll: er jettf hafi 1 itse';ic ewi

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