Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 40 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 2. Mankfurter N««WWeS MrnWeMLa. Nr. 40 mehr der jüdisch-nationalen Idee entgetzenkommen und Kmmer mehr und mehr das anfgeztvnngene Kleid der Assimilation Mn sich abstreifen. Dann nrird die Situation wirtlich klar sein. Dann erst werden Mir wissen, wer für uns und damit für die Zukunft des Judentums noch, zu haben und wer für sic verloren ist. Je rascher dann diese Entvncklung vor sich Acht, kmso Resser Meß'. Drohen Mreen und Benutzungen tut nichts so not wie die Klarheit in der Stellung der Zeitgenossen zu ihnen. Nichts bedarf der Zionismus so dringend wie «ollste Klarheit in der Stellungnahme der Jüdenheit zu ihm und seinen Postulaten. Die Entscheidung in der deutschen Aüiarree. Berlin, 8. Oktober. Die Pariser Leitung hat bekanntlich die deutsche Konferenzgemeinschaft aufgelöst. Am 7. Oktober saird nunmehr die Generalversammlung der Berliner. Miance-Mitglieder statt. Der Leitung gehören an resp. Zeigten ihr Interesse durch Teilnahme an den Beratungen: Prof. Silbergleit (Leiter des städtischen statistischen Amtes), Gieheimrat Professor Landau, Justizrat Fuchs, der ückannte Krebsforscher Prof. Lewin, Stadtrat Giewkicwicz, frof. Mosse, der Kunstmaler Struck, Professor alischer, Professor Horowitz, dann der Bor- Wende des Centralvereins Justizrat Horowitz, 9£otai Schachtel und viele andere bekannte Stadt- Äerordnetc, Universitätsprofessoren ic. Einstimmig wurde die Meinung vertreten {iiidjt ein Redner hieß die Pariser Rich? tmng gnt oder auch nur angängig), daß die Heute in Paris herrschenden paar Herren den demokratischen und jüdischen Geist der Miance ständig verletzen und daß ihr Vorgehen den Frieden im Fudemtum gefährdet Eine Reihe der Redner hat mit den Pariser Herren zu tun gehckbt, und alle hatten densckben Ettldruck. Die paar französischen Juden, die ürapp 1000 Mitglieder der A. I. U. hinter sich hckbdn, legen absolut Lein Gewicht auf die Mitarbeit der großen jüdischen Massen. Sie haben durch, den ^kannten Wcchlrechtsraub die, 17,000 deutschen Mitglieder gröblichst entrechtet. Durch das brüske Zurückweiseu aller, auch der Frankfurter Frickrensvorschläge, 'haben sie die deutschen Mitgljchrer hinauszudrängen gesucht, um allein f ju herrschen und noch weniger sä« Kritik zu dulden. ist zur Sprache gebracht worden, wie statt jüdischer Interessen nur national-französische Ideen die Miance Mit« beherrschen. Und es war erfreulich, daß in Berlin vvn den nach Tausenden zählenden Miance-Mitgliedorn nicht ein einziger sich einsand, um sich mit der Miance zu. identifizieren. Trotz des Fernbleibens der Zionisten (cs wirren nur 3—4 bei der Versammlung anwesend) 'herrschte unter der Versammlung eine allgemeine Begeisterimg, der jüdischen Sache in der A. I. U. zum Siege zu verhelfen. Die deutsche Konferenzgemeinschaft wird nun gegen die Erlaubnis der ässinnlierten französischen Jemen weiter bestehen, wie es dem demokratischen Geist und den Satzungen der Miance entspricht und wie es die AuÄreitung der Miance erfordert. Sie wird kämpfen, daß, wie im HÜfsverein der deutschen Juden,, das Interesse aller religiösen Gefühle im Judentum nicht verletzt wird, daß keinerlei fremdnationale Ideen zu schr in den Vordergrund treten, wo sie nicht am Platze sind. @§ war eine erhebende Tat, als die bekanntesten -Männer der großen Berliner jüdischen Gernemve nach stundenlanger ernster Beratung einstimnng den Entschluß faßten, die deutsche Konferenzgemeinschast zu erhalten und Len Kampf mit Paris "nunmehr offen auszutragen, bis die Pariser Leitung dm feste Gewähr gibt, daß der jüdische und demokratische Geist gewahrt bleibe, daß nicht nur eine Handvoll Pariser Juden, die absolut keine Fühlung nrit dem Mischen Leben mchr haben, sondern die Mitarbeit aller bedeutenden Inden ein wahrhaft großzügiges Hllsswerk gewährleisten. Daneben wirb die Konfcrenzgemeinschaft, der Mon heute große Mittel zur BerMung gestellt sind, .auch jetzt .in Deutschland für die Not der Durchi- ,wand«cnden, für Naturalisationen rc. Wicken. Es ist Kr die Konstrenzgsmeinschast zwar wichtigaber nicht ausschlaggebend. Laß die früheren Mitglieder der A. I. U. zu ihr znrüiKehren, da eine starke Agitation die Lücken bald ausfüllen wird. Mer es wird sicherlich ein guter Teil der deutschen Juden nicht willens sein, sich der Pariser Leitung, die sie so mit Füßen ttitt, mrzuschließen. Bon den deutschen Orthodoxen ist es ja sechstvtzrstündlich, aber auch die Führer der Frankfurts Miance haben sich in einem Expose vom August dieses Jahres verpflichtet, im Falle der ^Ablehnung der Friedensvorschläge, hie glatt von Paris abgewiesen wurden, mit Paris nicht mehr zu arbeiten. So ist denn zu hoffen, daß das Vorgehen der Berliner Alliance-Mitglieder eine lebenskräftige neue Miance zuwege bringen wird, welche bald an Zahl. die 1000 französischen und die übrigen etwa 10,000 Anhänger, die die A. I- U. noch besitzt, schlägt. Es wird dann der Ä. I. U. nichts anderes übrig bleiben, als einen Frieden zu schließen, welcher die Garantiere für einen volkstümlich jüdischen Geist in der A. I, u. verbürgt.*) —r. Aus aller Weit. Demfches Reich. Berlin. Die Berliner Alliance-Mitglieder waren am Sonntag zn einer Generalversammlung zusammengetreten, nm Stellung zn nehmen zu den Beschlüssen des Pariser Zentral-Komitees, welche d«nr Frieden abgelehnt haben. In der Diskussion stellten sich, s ä mtli ch c Redner der sehr zahlreich besuchten Versammlung (u. a. waren anwesend Geheimrat Landan. Professor Kalischer, Professor Silbergleit, Stadtrat Stranz, Professor Dr Carl Lewin, Professor Horowitz, Rechtsanwalt Dr. Münz, Instizrat H o r - witz, Stadtrat Gimkiewicz, Stadtrat Rechtsanw. Schachtel, Sanitätsrat Fraenkel, -L-tadtverordneter Max Salinger, Instizrat Bernstein, Chefredakteur Landau, Instizrat Pinner, Dr. Plotke, Jos. Chaim, Instizrat Max Fuchs und etwa 200 Mitglieder) auf den Standpunkt, daß man gegenüber den unerhörten Herausforderungen von Paris an der Organisation der deutschen Mitglieder festhalten müsse, nm auf deutschem Boden den Allianzgedanken zn erhalten und dichenigen statutenmäßige Zwecke zu erfüllen, welche die deutsche Organisation bisher erfüllt' habe. Es müsse entschieden die Ansicht des Pariser Komitees bekämpft werden, daß die Allianz nur dazu da sei, französische Politik und französische Interessen zn fördern. Eine Organisation der deutschen Alitglieder habe wichtig«« und näherliegende Aufgaben zu erfüllen und müsse diese erfüllen, mich ohne daß das Pariser Komitee sich dareinzumischen habe. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig folgende Entschließung an: „Die Generalversammlung der Berliner Alliancemitglieder hält nach, wie vor an der Organisation des deutschen Landes-Komllees als der berufenen Vertretung des Alliancegedankens in Deutschland fest. Sie ersucht den Vorstand des Landeskomllees, die Organisation unverzüglich derart auszngestalten, daß das Landeskomitee in der Lage ist, die Aufgaben zu erfüllen, die es sich bisher gemäß dem Geist und Worllaut der Alliancsatzungen gesetzt hat, insbesondere unbeschadet etwaiger Friedens- Verhandlungen eine energische Agitation für Werbung neuer und Erhaltung aller Mitglieder der Ai. I. U. zu entfallen.". Heidelberg. Mit Beginn des Wintersemesters eröffnet das Talmudische Seminar wieder seine Pforten, um unter der rühmlichst bekannten Leitung des Herrn S. B. Rabinkow seinen Hörern Gelegenheit zn geben, sich mit den verschiedensten Gebieten jüdischen Wissens, vor allem dem Talmud vertrant zu machen. Es werden Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene eingerichtet werden, sodaß jedem Einzelnen die Möglichkeit gegeben sein wird, sich mit den Quellenschriften des Judentums vertraut zu machen. Die alten Arennde des Heidelberger Talmiwischen Seminars werden mit neuer Begeisterung zu dem ihnen lieb gewordenen Kreise zurückkehrem,' und die, die sich! chm zum ersten Mal anschlicßen, werden sich bald an dieser Stätte des Torastndiums heimisch fühlen. Zu jeder näheren Auskunft ist gerne bereit: Dr. I. Simon, Weberstzraße 6. Nürnberg. Als ein Beitrag zur Einigung ist folgendes zn verzeichrren. Hier sollte Ende des Jahres eine gemeinsame Ver» emlnng ves „Vereins für die Gesetzestreuen in ern" und des,^Vereins der Sabbatfreunde" stattfinden. Nun hat bekannüich erster« Vereinigung in ihren Satzungen einen Passus, daß ihr Gegner der Revisionsbewegung in Bayern nicht angehören können. Deshalbhat der geschäftsleitende Vorstand der „Sabbatfreunde", wohl mit Rücksicht «ruf antirevisionistische Rabbiner, eine *) Wir werden auf vorstehende Ausführungen noch zurückkommen, da uns manche Schlüsse unseres Berichterstatters noch nicht genügend, geklärt erscheinen. D. Red. Teilnahme abgelehnt und es unterbleibt die Versammlung. — So spricht man in Nürnberg. Ploni. Stuttgart. Die israel. Oberkirchenvehörde hat durch Erlaß vom 18. Sept. das Verbot v. I. 1895 betreff. Feuerbestattung aufgehoben .und folgende Aendernngcn erlassen: . 1. Die Mtwirkung bei einer Feuerbestattung (auch im Krematorium) sowie bei der Beisetzung von Aschenresten auf einem israel. Friedhof, wo ein solcher vorhanden ist> wird in das Ermessen des einzelnen Rabbiners oder Vorsängers gestellt. 2. Versagt der zuständige Rabbiner oder Vorsänger ans religiösen Bedenken seine Mitwirkung, so hat er eineni hiezu bereiten württcmbergischen Kollegen die Erlaubnis gebührenfrei zu erteilen. 3. Die Beisetzung der Aschenreste auf einem israel. Friedhofe ist unbedingt zulässig. Sie hat in einem rituellen Sarg und in einem besonderen Grabe zn erfolgen. Oesterreich-Ungaru. Wien. In den fünf Jahren 1906—1910 hat die Wiener Jüdenheit g 2818 Personen durch den Austritt ans demK Judentum verloren. Hierbei sind die Kinder unter sieben Jahren nicht mitgerechnet, die durch den Religionswechsel der Eltern von selbst ausgetreten sind. Die Tausbewegung hat in den letzter: Jahren nachgelassen. Wie«. Zu den widerlichen Spieleroffären der letzten Zeit ist in der vergangenen Woche eine neue hinzugekommen. In einem Wiener Kaffeehause wurde ein Nest von Hazardspielerinnen ausgehoben. Zirka 20 Teilnehmerinnen wurde«: erwischt, fast ausnahmslos Jüdinnen, der sogenannten guten Gesellschaft angehörig, Frauen und Töchter von Advokatei:, Acrzten, Baumeistern und gutsituierten Kaufleuten, Dieser Vorfall beweist, daß es höchste Zeit ist, ein Uebel, welches schon lange an einen: groß««: Teile des jüdischen Mittelstandes frißt und wertvolle jüdische Volkskräfte zu zerstören droht, frank und frei zu besprechen. Die Tüchtigkeit, Klugheit und.Opferwilligkell der jüdischen Frau und Tochter bilden "eines der stärksten Fundamente des jüdischen Volkstums. Diese Eigenschaften sind allgemein anerkannt und haben viel dazu beigetragen, die in .den elendsten Verhältnissen lebenden jüdischen Massen vor dem gänzlichen wirtschaftlichen und moralischen Ruin zn bewahren. Die erhaltende Wirkung des guten weiblichen Einflusses ist besonders in den Kreisen des Keinen jüdischen Mittelstandes und der gänzlich verarmten Masse des Ostens zu konstatieren. Ft: den Kreisen des jüdischen Reichtums und des roirtschaftlichi gut situierter: Mittelstandes, insbesondere des großstädtischen, liegen die Dinge wesentlich anders, man kann hier schon vielfach von einem verderblichen Einfluß des weiblichen Elementes sprechen. Hier reißt der folgenschwere Unfug ei,:, das Weib als Luxusgegenstand zu werter: und zu behandeln, inan huldigt denr amerikanischen Schlagworte: „Die persönlichen Bedürfnisse des Weibes allezell voran!" in der ausschweifendsten Wnse. Die Jour- und Kaffeehäusjüdin, srüher eine Einzelerscheinung im Milien der oberen Zehntausend, wird nachgerade zum Typus'. Ein beschäftigungsloses Wese«, das die Besorgung des Haushalbes und die Erziehung seiner Kinder bezahlten Kräften überläßt, mll dem Drange, „sich ausznleben." In Wirklichkeit richtet sich dieser Drang, welcher als gehelligtes Mysterinrn respektiert wird, nach absolut nnmysteriösen Dingen, als da sind: Reiherfedern, Pokerpartien, alpinen Hotelpensionen, Karuso, Esplanadenflirt nsw. Als Begleiterscheinung der jüdischbürgerlichc Mnsterchegattc und Familienvater: Er ist eine ausgemergelte, abgebrauchte Verdienmaschine, deren Daseirrszweck sich in der Begleichung von Hotel- und SchneiderräHnüngen erschöpft. Die grobe Genußfreudigkell seiner Familie absorbiert ihn völlig. Die Sorge un: die Badereisen und den Kleiderkram lassen ihn ein forciertes.Arbeitstempo eirsichlageri, jagen ihn irr aufregende Spekulationen hinein. Es sind das absolut keine Uebertreibnngen. Es ist zur Allgemeinerscheinnng im jüdischen Mttelstande geworden, daß der vom weiblichen Teile der Familie getriebenes Aufwand einen ganz nnverhältnismäßigen Teil des Gcsamteinkominerrs absorbiert. .. .. „Jüd. Ztg. Frankreich. Paris. Unter dem Namen „ässveiation ckes jsnnss juifs" hat sich eine Vercinignng der jüdischen Jugend in Frankreich gebildet, die alle diejenigen jungen Judan zum Anschlüsse auffordert, die „wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum« zu leiden hatten/ Das Programm dieser Vereinigung gipsell in dem I folgenden Punkte ihres Ausrufes: ,Jrrdem wir vor chlem unsere nnverbrüchlichie Loyalität zu dem republikanischen! Frankreich feierlich zum Ausdrucke bringen, wollen wir alle jungen Juden zum Zwecke der gemeinsamen Verteidigung gegen das' .Unrecht nnd zur! gemeinsamen Förderung der Erziehnngl der jüdischen Jugend vereinigen und zusammenschließen." Australieu. Svdney. Die Steuer-EinsckrätzungSvogen für 1911| weisen einige interessante Zahlen bezüglich dev jüdischen Bevölkerung, in Australien auf. Folgende Tabelle enthält drc Zahl der Juden in I