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Neue jüdische Presse · 1912-10-11 · Heft 40 (11.10.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 40 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40. den verschiedenen: Staaten von.Australien -und- Hkeuseelaüd i» den Jahren 1901. und 1911: . - ' Maat 1901 1911 Neusüdwales 6447 7 660 Victoria , 5 907 6 270 -Queensland 733 673 Südaustralien 786 765 Westaustralie» 1269 1 790 Tasmania 107 130 insgesamt im eigentlichen Ausstralien 15 239 17 287 Neuseeland 1611 ■ 2128 zusammen 16 850 19 415 Der „Hebrcw Standard" (Sydney) gibt hierzu folgende Erklärungen: In Gesamt-Australien betrug die Zunahine der Juden in den letzten 10 Jahren 1028 männliche und 1020 iveibliche Personen, also nur 3048 Seelen, währand die jüdische Bevölkerung von Ozeanien um 2565 Seelen zu« genommen hat. Die einzige nennenswerte Zunahme ist die -von Westaustralien, nämlich! ca. ~40°/o, während die allgemeine. Zunahme sich nur auf 13<>/o in dan 10 Jahren Äläuft. Die Zunahme von Neusüdwales beschränkt sich nur auf Sydney, denn in den Landdistrikten ist -die Zahl der-Juden jetzt geringer als vor 10 Jahren. Persoiratte« » Kleine Mitteilungen. Berlin. Geheimrat Prolessor Dr. Hermann Munk, der berühmte Physiologe, ist —. 73 Uchte alt — verschieden. Munk war aus Posen gebürtig und Schwiegersohn des Kommerzienrats Samuel Jaffe-Posen. Sein wissenschaftlicher Ruhm knüpft sich namentlich an seine Studien Wer die Funktion der Großhirnrinde. Munk war Mitglied der Königl. Akademie der Wissenschaften. Gleiwitr. Mit dem Hinscheiden des Repiäientanten Emil Aufrecht verlor die hiesige jüdische Gemeinde ein ihrer angesehensten Persönlichkeiten. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 85 Jahren. Wiesbaden. Josef Baum, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheinl, erhielt den bayerischen Verdienstorden vom heiligen Michael. Posen. Geheimer Archivrat Prof. Tr Warschauer ist nach Mjähriger Wirksamkeit in Posen als Direktor des Wesdpreiirßi scheu Stacrtsarchives nach Danzig ichergesiedelt. Hamburg. Die letzte Volkszählung weist hi r 19 472 Juden nach gegen 19602 im Jahre 1905. Der, Anteil' der JWen an der Bevölkerung ist von 2,24 ans 1,92 Prozent gesunken. Halberftadt. Ein israelit. Alters- und Siechenhcim, das für zwölf Personen bestimmt ist, ist hier, Wilhelmstraße 15, seiner Bestimmung übergeben worden. Bnrgsiun (Bayern). Der 10jährige Max Heinemann, der ein dreijähriges Kind vom Ertrinken rettete, erhielt von der Regierung eine lobenswerte Anerkennung. Cöthen in Anhalt. Am hiesigen Polytechnikum habilitierte sich Prof. Dr. Otto Landsberg, Direktor des statistische» Amts der Stadt Magdeburg. Karlsbad. Unser berühmtes Wettbad hatte diesmal eine schlechte Saison, und cs kriselt daher an allen Ecken und Endon. Das alte und große jüdische Hotel Glattauer hat den Konkurs anmelden müssen: es soll in der diesmaligen Saison eine Mindereinnahme von 40000 Kronen gehabt haben. An dem Rückgang der Zahl der jüdischen Kurgäste, dürfte auch der in Karlsbad stark herrschende Antisemitismus schuld tragen. Budapest. P oseffor Dr. Julius Klein, Präsident der botanischen Abteilung und Redakteur des . amtlichen Fachblattes der Üngarländ. naturwissenschaftl. Gesellschaft, stierte sein 40jähriges Professorenjubikäum. Rom. 6ier «and die Enthütung des Denkmals des Generals Enrico Cialdini statt. Das Denkmal, ein Meisterwerk, ist von dem Mischen Bildhauer Dito Pardo in Padua geschaffen worden. London. David L. Alexander, Präsident des Board of Depnties, stierte den 70. Geburtstag. A«S der Lehrerwett. Berlin. Rabb. Dr. Adolf Rosenzweig — geboren 1850 in Tnrbossin (Ungarn) — stiert diese Woche sein 25jähriges Jubiläum als Rabbiner an der Berliner jüdischen Gemeinde. Rabb. Dr. Rosenzweig hat n. a. folgende wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht: Ueber das Jahrhundert »ach dem babylonischen Exil. —, Der politische und religiöse Charakter des Flavins Josephus. —Jerusalem und. Cäsarea. —> Das Auge in Bibel und Talmud., — Geselligkeit und Geselligkeitsfreuden in Bibel und Talmud. — Kleidung und Schmuck im biblischen und talmudischen Schrifttum. —s Zur Einleitung in die Bücher Esra und Nehemia. —* Zum 100. Geburtstag des „Nathan der Weise." —- Künstler und Jugendbildner. —! Schiller im Ghetto. ' Breslau. Salo Pionkowskh. Prediger an der Synagoge zum Tempel, ist verschieden/ ~ Esse«. Dr. Emil Cohn, bisher in Kiel, ist hier als zweiter Rabbiner feierlichst eingeführt worden. VoderSweier (Baden-. L. Mannheimer wurde zum Hanptlehrer befördert und nach- Kehl a. Rhein versetzt. Rappoldsweiler. Im 95. Lebensjahre verschied der Kultusbeamte Isaak Marx. Liffa t! Posen. Zum Probepredigen find nach hier berufen worden: Dr. Baß freund-Mime und Dr. Weyr-Czarnikau.. Frantfurter Israelitisches Famllienblatk. Seite 3 Bollweiler i. Elsi Wie wir soeben erfahren, ist unstrm hochverehrten scheidenden Rabbiner S. H- Schüler von Sr. Maj. dem Kaiser der Note Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Bis zur Regelung der Frage, ob das Rabbinat Voll« Weiler wieder besetzt wird oder nicht, ist dst Verwaltung desselben von Seiten des oberelsässischen Konsistoriums interimistisch Herrn Rabbiner C. Bloch in Mülhausen übertragen Worden. R. 2Bie.nl In „Blochs Wochenschrift", dem Organ der israelit. Knltusgemciiide, wird für die Erricht» n g jüdischer Volksschulen plaidiert, die im Interesse der Erhaltung des Judentums liegen. Wien hat 180000 Inden. Etwa 6000 jüdische Knaben, sind Volksschüler; doch gibt es nur eine jüdische Volksschule, die von 200 Knaben besucht wird. Sadagora (Galizen). Sonntag ist im Alter von 35 Jahren der Sada gor er Robbe, Rabbi Aron F r i e d m a n n, verschieden. Gleich seinem Verwandten dem Czortkower Rebbe hatte er sich des größten Ansehens bei-der orthodoxen Judenschüst von Galizien, Rumänien und der Bukowina zu erfreuen, und auch aus Wolhynien und Littauen strömten dem Verstorbenen zahlreiche Gläubige zu, nm seinen Rät zu hören. Als ein schweres.Leiden ihn befiel, suchte Rabbi Friedmann vergeblich Heilung in Wien. Monatelang hielt er sich in Wstner Sanatorien auf, -nur in Gesellschaft seiner Frau, einer eleganten Dame, und seines Sekretärs. Er empfing selten Besuche,; betete viel und diktierte seinem Sekretär ganze Tage lang Briest nn. seine Chassi« dim in der fernen Heimat, tröstende und ermunternde. 'Seines eigenen Zustandes war er sich bewußt. Er hatte einen schloeren Magen- und: Darmkatarrh, und später stellten sich bösartige Neubildungen ein. Eine Operation, die Hofrat v. Eistlsberg vornahm, brachte dem Patienten vorübergehende Besserung. Bald nach seiner Rückkehr in die Heimat verschlimmerte sich sein Zustand jedoch so sehr, daß er das Krankenlager nicht mehr verlassen konnte. Am Bersöhnungstage wurde der grüße Gottesdienst im Vorraum seines Krankenzimmers abgehaltvn und der Rabbi, der schon ganz entkräftet war, betete und fastete trotzdem den ganzen Tag. Die Chassidim Wer beweinten ihn schon an diesem Tage, denn diejenigen, die aus besonderer Gunst Zutritt zu seinem Lager erlangen konnten, sahen ihn langsam sterben: Sein Todeskainpf begann am Bersöhnungstag. Rabbi Friedmann hinterläßt fünf unmündige Kinder. Sein Nachfolger dürfte sein Bruder Rabbi Abraham Jakob Friedmann werden^ Sadagora (Galizien), tim- 11 Uhr vormittags bat die Beerdigung des Saösagorcr Rebbe stattgefunden. Ein tausendstimmiges Wehgeschrei dnrchzitterte die Luft, als der Zug der Leidtragenden sich in Bewegung fetzte. Sämtliche Geschäftslokale hatten zum Zeichen der Trauer die Läden geschlossen. Eine unabsehbare Menschenmenge folgte unausgesetzt jammernd und klagend dem Sarge. Kaum wiederzngeben sind dieSzenen, die sich am offenen Grabe abspielte n. Die verschiedenen Aenßernngen der Trauer und der Klage um den Verstorbenen spotten jeder Beschreibung. NewAork, Rabbiner Abraham Guranowskh, einer der besten Talmudkenner in Amerika, ist — 66 Jahre alt — plötzlichverschiede». I Normal School Bovano I Weserstr. 7. SpFaChBll-UBllBPSBtZUngBn. Tel. 12428.1 Privat-Zirkel- und KJassennnterricht. ■ Besondere Zirkel für Damen besserer Kreise. ■ Eigene Methode.— Probsstande gratis. W | Feuilleton. Bor de» Tore» Prags Historische Erzählung vou A. E. Brachvogel. (Fortsetzung.) Ehe Rachel indes antworten konnte, ösfnete sich die Tür des Vorgemachs völlig, und die greise Rebekka stand auf der Schwelle. „Also Deiner Mutter älteste Schwester willst Du nicht sehen und weißt doch nicht, ob Du sie wieder- - siehst, ehe sie stirbt?!" rief die alte Dame, um» schnell erkennend, Esther müsse wirklich nicht wohl sein,, trat sie völlig ein. „Ich lasse mich nicht so abweisen, wie däs arme Täubchen! Wenn Du nicht siehst und hörst, wie die Welt an allen vier Ecken brennt, wirst Du wohl noch gesund genug sein, mich zu hören, da Du Täubchen Caro nicht sprechen willst, die zumzweiten Male vor der Tür steht." „Wenn Du einmal dabist, Rebekka," entgegnete Esther gleichgültig und ohne 'ihre Stellung zu verändern,^ „kann Täubchen gewiß auch' zu mir. Laß sie herem- Rähel." — Mit dieser Weisung entfernte sich die Dienerin. „Du weiht wohl gar nicht," redete die alte Dame weiter, „daß ganz Prag aufrührerisch ist, weil jede Stunde die Schweden wieder hereinkommen können?" „Davon habe ich gestern schon genug gehört!" „Aber cs ist bei Dir zu einem Ohr herein^ -ij gegangen und zum andern wieder hinaus!" „Was habe ich mit den Schweden? Wenn ich zur i Linderung der Rot geben soll, werde ich es tun! ohne Dich; ich habe es dem Rabbi zugesagt. Was : willst Du noch?" ' :j „Was Du mit den Schwemm hast, Esther? — : Mein! — Was die Schweden mit Dir haben werden,: das sollst Du fragen! Ich habe schon innner gc .' wußt, daß Du kein Herz, kein richtiges, warmes Herz! hast! Dir muß cs ' selber erst auf'n Pelz brennen, ehe j Du wie andere Leute empfindest!" „Rebekka Löw, meiner Mutter Schwester sein, das | magst Du, meine Mutter aber bist Du nicht, die in mein Herz sieht! Was weißt 'Du, was drinnen ist? 1 — Bildest Du Dir ein, tvcil von Deinen zwei Söh- ■■ nen keiner — hinein kommt, es sei nichts drinnen?!" 4 Bei dieser treffenden Bemerkung fuhr die aste i Witwe, welche sich zu Esther neben den Diwan, gesetzt, j hatte, gereizt auf. „Ich bin nicht gekommen wegen j meines Aarons oder ocs Isaaks) die sind mit Dir ' fertig! Wenn ein Löw und 'ne Katz kein schönes Paar gibt, nu' vielleicht sind 'ne Katz und 'ne Ratz ein schöneres! Weil ich Dich voriges Jahr in meinem - Hause geschützt habe, und die Judenschast hat dem 1 Wrangel einhunderttausend Dukaten gezahlt, daß wir nicht geschändet und gebrannt und geplündert worden sind, wie die Gojim, darumalso bekümmerst Du Dich nicht, was werden ivird, ivenn die Schweden wicderkommen! Wir werden aber nicht mehr mit 'nem blauen Auge und schlaffen Geldsack davonkommen, wie damals. Ich werde nicht mehr der Narr sein. Dich auf eigene Gefahr zu behüten, damit Du noch , einmal meine Söhne beleidigen kannst! — Was die Schweden mit - Dir tun können? — Gott! Frage doch in der Stadt j bei den Gojim herum, was die Verderber den Weij 6cm und Mädchen getan haben, wie sie' gewütet haben ZI mit Mord, Notzucht uns Brand und gräßlichen Martern rings au Mann und Frau und unschuldigen Kindern! Würoen Dir die Haare zu Berge stehn und 's Herz zerbrechen in der Brust, weun's auch noch so hart ist! Haben sich nicht so viel unglückliche Weiber hernach vor Schande oas Leben genommen, sind nicht : so viele Leute verrückt geworden vor Gräm?" » Esther erhob sich rasch. „Was soll uns schützen, als daß wir uns wieder durch Geld loskaufen?" „Was? — Wenn wir, statt mit Lösegeld den Hals zu stopfen, als sie uns aus den Pelz kamen, das Gell» zur Sicherheit von Prag hergegeben hätten, ehe die - Wüteriche da waren, und die Hände nicht ln den Schoß gelegt hätten, dann wäre nicht so viel Blut und Herzeleid über die Stadt gekommen und die Schwüren hätten es eingetränkt gekriegt, daß sie 's Wieoerkommen jetzt vergessen hätten! Wer uns schicen soll, Mädchen? Run, schützen werden wir uns selber, unser Väter- Gott aber wird über uns sein! — Unsere Männer sind heute in sie Alt-Neuschul' zusammengerufen worden. Nach dem Gebet hat Rabbi Spira gesprochen: daß wie .Prag und der Kaiser uns geschützt hat-feit alter Zeit, wir Juden sie auch einmal schützen sollen, daß ihr Feind, die Schweden, unser Feind, ihre Rot unsere Not sein soll. Der Rabbi hat so gewaltig gesprochen wie ein Prophet, daß alle bewegt und außer - sich geworden sind, und Simon Spira hat sein Geld gegeben und sich zum Bettler gemacht, damit die Stadt nicht Not leide, und er hat seinen Sohn aufgeruse» und mit ihm alle. starken Männer, daß sie: ihr Bült für die Befreiung von Prag gegen des Kaisers Feinde bieten!" „Der Markus?! Markus Spira?! Rebekka?!" schrie Esther auffpringend und staunend die Hände erhebend. „Nimmermehr! Die Tage Gideons' kehren nicht wieder! Auf Spiras unreinen Sohn hat sich nicht der Geist des Herrn gesenkt! — Rede Du, Täubchen! Sage, daß Rebekka vom Alter blöde geworden und geträumt hat, was sie redet!" - Damit wendete sich Esther zu Täubchen Caro, ihrer Freundin, welche eingetreten war und die letzten Eröffnungen der Witwe Löw gehört hatte. „Sag' es ihr nur," entgegnete die Mte spitz, „Du hast es so gut gehört wie ich. Wenn Esther Koch auch - ihrer Mutter Schwester, der Witwe Lötvs, über dessen Zunge nur reine Worte gegangen sind,, nicht-glaube» will, erinnere Du Dich, ihre Freundin, daß, wenn Du auch arm bist. Du aus dem Geschlechte des großen Rabbi Avigdor Caro bist, dessen Blut nicht geringer, dessen Weisheit nicht trüber war als das 8er Kiche! Rede ihr nicht zum Munde aus falscher Demut, son- - Lern' was Dn vernommen hast!" ' „Esther, es ist wahr, was die alte' Rebetta redet.

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