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Neue jüdische Presse · 1912-10-07 · Heft 39 (7.10.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 39 (7.10.1912)
Date
1912-10-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ceite 2. DMkfmcker gamWschkM. g^k Laufendes Semefftrsorfolgte auch! die schon seit viAen Semchter» geplante Anmeldung der B. J>'M..san der K. Um iv er sitLt München, welche ftüher'aüs dem 'Grunde nicht' geschehen war, weil man hierdurch eine Einschränkung der Rechte der „Alten Herren" befürchtete. Durch das Entgegenkommen des Umversüätsrektors der der Festsetzung der neuen Statuten konnten jedoch Lieft Bedenftn beseitigt weiden. Die ,/B. I. A." München ist somit der erste jüdische Stuben tenverein mit gesetzestreuer Tendenz an einer deutschen Universität. Oesterreich-Ungar». :i8rSmr. Die „Jüd. Bo US stimme" bringt über den ' MLckgäng des Judentums in Brünn folgendes: -'f^BSom ' #»8 *tOe jüdische Bevölftrnng an Sabbathen und sAdischeu -Festtagen ihre Geschäfte offen hielte ft war es doch Brauch, daß zumindest au cken Jomim Novoim - die jüdischen Geschäftsinhaber die Lokale ge» schlossen hatten. In Brünn, leider wo alles Jüdische ruinier mehr und mehr in Vergessenheit gerät, hat sich die Unsitte eingebürgert, am Roschhaschono den ersten Tag, eventuell überhaupt nicht zu sperren. Dies allein geMgte aber auch' nicht mehr unseren assimilatorischen Juden. Nein, es fanden sich sogar eine Anzahl Kcmfleute, die die Provokation begingen, auch am Jom Kippur offenzuhalten. Zu erwähnen wäre noch, daß ein großer Teil dieser Kaufleute Juden zu ihren Hauptkunden zählen. Jüdische Advokaten, die jüdische Klienten zu ihren Krücken zählen, glauben aucham Jom Kippur ihre Kanzleien offenhalten zu müssen. Di«kt lächerlich wirkte es, au einigen Geschäften Zetteln prangen zu sehen, mit der Ueberschrift „Um 4 Uhr geöffnet." Sollen nicht auch dft einzigen zwei Feiertage der Vergessenheit anheimfalftn, so ist es unbedingt notwendig, daß die maßgebenden Personen eine entsprechende Aktion einleiten, um dft jüdischen Kaufleute, Addokaftn, Industriellen an ihre Pflicht als Juden zu erinnern. . . ."- Großbritannien. , London. Die Deutschenfurcht zeitigt wunderliche Blüten. Dft „Times" bringt einen Artikel gegen den Zionismus; dieser vertrete die Jnftresftn Deutschlands in Palästina, und deshalb müsse England dort die Araber unterstützen. Eine Zeitung wft dft Times sollte wirllichl solche Dummheiten nicht schreiben. Rußland. «oSkau. Die Bereinigung der Favrikauten des Moskauer Rayons', eiste sehr bedeutende und angesehene Organisation, hat' sich in einer Eingabe an den Ministerpräsidenten gegen die Behandlung der Juden gewandt, dft ständigen Ausweisungen von Juden und dft Erschwerungen, dft ihnen beim Aufsuchen von Orftn außerhalb des Ansiedlungsrayons gemacht werden —- in Moskau z. B. dürfen sich! jetzt Juden noch, nicht mal einige Stunden aufhalten —. fügten Industrie und Handel MnÄg schweren Schaden zu. Wnrschau. Dft Wählen zur dritten Duma hatten bekanntlich in ganz Molen den Sieg des' ' polnischen Kolo ergaben. Alle elf polnischen Abgeordneten gehörten zu den Nakionaldemokraten, und es herrschft die trügerische Auffassung, als ob dft gesamft Bevölkerung der russischpolnischen Gouvernements nur engherzige polnische Natioruckijftn von anüftmüischcm Gepräge ins russische Parlament zu schicken bereit sei. Daß dem näht ft ist, dürsten dft diesmaligen Wahlen zur Duma beweisen. Denn neben den Nationaldemokaten kommt eine beträchtlich fortschrittlich Bewegung zur Geltung. Das polnische Kmo hat überhaupt durchs seine Haltung in der Duma von seiner früheren Popularität ft vftl eingebüßt, daß seine Position im Lande als. stark erschüttert gilt. Hinzugekommen ist nun noch, daß infolge mehrfacher Äftrschiebungen und anderer Wahleinteilungen dft Erckscheckung in den Städftn Lodz und Warschau au dft Ficken übergegangen ist. Empört darüber bläst nun das polnisch Molo offen ins antisemitisch Horn, während es früher nur vückappt antisemitisch gewesen war. Dft Zstcken von Warschau verzichten zwar auf das Warschuer Mandat, das ihnen leicht znsallen könnte, aber sie wollen sich nich wieder bedingungslos dem polnischen Vertreter ausliefern. Sft verlangen überhaupt wenigstens ein Mandat in ganz RussischPoftn und vom Warschauer Vertreter, daß er ihre Gleichberechtigung anerkenne, wenn sft stir ihn stammen sollen. Diese Forderungen sind ft selbstverständlich daß dft Juden gar nicht anders handeln können. Amerika. Rev-Kork. Richter Leon Sanders, Präsident der Hachnosach Orchim und' der Pewish Fnimigrant Aid Socrety, ftilft einem Interviewer über seine Europareise folgendes mit: Meine Europareise bezweckte persönlich Fühlnngmchme Mit den Vertretern der großen jüd. Organisationen. .Besonders wollft ich sft über dft Einwanderungsverhältmfte bei uns in Amerika informieren. Es muß alles aufgckoten werden, die tragischen Zurückschickungen unmöAich zu machn, denn dft Zurückgeschickten sind für ihr ganzes LÄen vernichtet. Ich konferftrft u. a. mit JsraÄ Zangwill und Leopold bt RiEchild in London, chm Präsidium der Alliance und Dr. Max Nordau in Paris uftd James Simon in Berckin. Voraussichtlich wird ein Komitee, bestehend aus den Dssl^ierftn het großen jüd. Organisattonen Europas, gegründet werden. Dieses Komitee' ftll dft Auswanderung an geregelte Bahnen leiten und dft wilde, ztveck- 'und grundlose Auswanderung verhindern. Perisonalie» tu Kleine MMeUnngen. Hamburg. Louis Frieden heim, langjähriges Mitglied des Zcntralaussch.usseö hambnrgischer Bürgerverein, hat anläßlich seines 70. Gelurtstgges für die Dammtor-Synagoge eine Sefer-Thora'schreiben lassen und gleichzeitig das gesaütte Silbergerät dazu geschenkt. Köln. Zum Leichenbegängnis von Frau Manny Wolfssohn waren neben den offiziellen Vertretern der Kölner jüdischn Körperschaften Delegierte zümimschr Organisationen und Freunde des Wolsssohn'schen Hauses erschienen. Das engere Aktionskomitee war durch Dr. L ewa'u vertreftn, die Zionistisch Vereinigung jür Deaitschland durch Dr. Haus Gideon Heymann. Ferner bemerkft mau die Direktoren der Jüdischn Nationalbank Jakobus Kanu-Haag, Joses Cowen-London, sowie Dr. Fr'rebemann-WresVaden, Dr. Leszrnsky, Dr. Zwirn-Berlin, Dr. Weinberg, Dortmund, Dr. GalWerg-Nenenahr, Dr. E p st e i u - D u t ä B u r g 'Hl . ü. m . Rabb. Dr. Rose Dtza k schilderte in ergreifenden Worten den großen VerlüW den die jüdisch Gemeinde in Köln erlitten hat. Unersetzlich 'aber sei der Verlust für David Wolffsohn, dem die Verstorbene in seiner mif» opfernden Arbeit für das gesamte Judentum fördernd zur Seift stand. Rabb. Dr. Hannover hielt einen warmherzigen Nachruf, den er hebräisch einleitete und gab, in Würdigung des zivuistischn Ideals, der Trauer um die Hgüngegangene beredten Ausdruck. , ijv. Dr. Schm aria Lew in sprach im Namen.des zionistischen Aktionskomitees hebräisch, David Wolffsohn, führte «r n. a. aus, der ft .oft einen Kampf nach außen führen mußte, hatte dft Genugtuung, daß ihvi ein Kampf in seinem Hause, de» vftle andere Zionisten für ihre Gesinnung zu bestehen haben, irspart geblieben ist. Seine Frau war ihm vom ersten Moment au eine treue Helferin und Stütze. D'r. Heymanu-Berlin sprach im Namen der Zionistischen Bereinigung für Deutschland und in Vertretung der 'Kölner zionistischen Ortsgruppe. Dr. Bodcnheimer sprach, namens des Nationalsonds und des Frauenverbandes für Kulturarbeit in Palästina, dem Frau Wolffsohn als Ehrenvorsitzende angehörte, und wies auf dftDiavid undFannyWolsfsohn-Stiftung hin, dft für Errichtung von Arbeiterheimstätten in Palästina bestimmt ist und ein ewiges Denkmal der treuen jüdischen Gesinnung der Verstorbenen bleiben loird. Dr Ad. Friedemann sprach im' Namen der persönlichen Freunde des Wolsssohn'schen Hauses, denen die Verblichene durch ihr freundliches nick entgegenkommendes Wesen in besonderer dankbarer Erinnerung bleiben wird. Kennzeichnend für ihre echtjüdische Gesinnung sei ihr aus dem Krankenbette in den letzftn Wochen innigst geäußerftr Wunsch, daß ihre irdischen Ueberreste nach'Erez-Jsrael überführt werden sollten. Kaiserslautern. Dr. Isidor. Dreh fuß ist zum Landgerichts- und Bezirksarzt in Frankenthal ernannt worden. ' Basel. Nach Verlesung dlsRegimentsbefehls, der dft Juden am Jom kipp ur vom Dienst befreite, erklärte ein Jude, er wolle nicht vom Dienst befreit sein. Diese Erklärung rief bei den jüd. Soldaten Empörung und bdi den christlichen Befremden hervor. —i - In der Synagoge zu Lausanne fiel ein großer Leuchter von der Decke herab. Glückttcherlveift war kein Gottesdienst. Prag. Buchhändler und Stadtverordneter Jakob B. Brandeis, eine der markantesten Persönlichkeiten des Prager jüdischen Gemeindelebens, ist in hohem Alter verschieden. Brandeis entstammte einer alten, angesehenen Prager Familft. Sein Vater Bermann Brandeis war Prokurist im Bank- und Großhandlungshause Simon Edler von Lämel in Wien, bezw. in dem dessen Sohnes Leopold Ritter von Lämel in Prag. Bon den zwei Brüdern seines Vaters war der eine russischer Hofrat nnd Protomedikns, der andere OLerstintendant in der französischen Armee. Jakob B. Brandeis widmete sich, frühzeitig der schriftstellerischen Tätigkeit. Er rcdigierft mehrere Zeitungen, u. a. „Dft Gegenwart" und die „Israel. Gemeiickezellung", er begründete den seinen Namen führenden illustrierftn israelittschen Vollskalender nnd schrieb einen „Naturwissenschaftlichen Leitfaden" sowie eine Reihe anderer selbständiger Schriften nnd Gedichte. Er veröffentlichte auch viele Arbeiftn in verschiedenen Tagesblattern und Jahrbüchern. Im Jahre 1880 errichtete er seine Buchhandlung, entfalteft als Verleger eine ungewöhnliche Rührigkeit; begründete im Jahre 1896 dft „Jüdische Universalbibliothek", in der er einige Aftisterwerkc dser jüdischen Literatur den weiten Kreisen des Volkes zugänglich, machte. Wett über hundert Werke, unter diesen manches aus seiner Feder, gingen ans feinem Berlage hervor, darunter die Volksausgabe des bekannten Sagenwerkes „Sippurim". Im Jahre 1899 errichftte er ein Zweiggeschäft in Breslau. Rastlos . tätig war er ans gemeinnützigem und humanttärem Gebieft. Iw Jahre 1870 wurde er in das Städtkolleginm gewähll. Der von ihm gegründete Verein zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Jugend „Chanuka", an dessen Spitze er volle 38 Jahre als Präsident stand, dankte seiner Organisation und Leitung einen ungewöhnlichen Aufschwung. - :! . . ' : , - l '.57! sI; „ Nr. 39 - WätttmkivS'&pßet Eine Prügelei am heiligen I o »kki p pn rerlebten wtt hier in der ^nagoge. Zwei Gemeindemitglieder prügelftn sich im Vorramu. und die Prügelei artete derart aus, daß die Polizei geholt werden mußte. Jerusalem. Hcrr Mankewicz aus Wilna lRußlaick) besucht jetzt zum vierten Male unsere Stadt. Er hat auck» diesmal' 'wieder größere Spenden gegeben: dem „Maschaw Seckeini'm" (AÜenheim) 6000 Rubel, der Jeschiwtth „Etz Chaftm" 1000 Rubel und für 64 Kinder der Talmud-Thora die Kleckmig. ' — ■ .... s Aus der Lehrerwett. Köln. Im 9?. Lebensjahr verschied Haupilrhrer a. D. Abraham Hermanns, der fast ein halbes Jahrhirndert an der hiesigen israelit. Elementarschule wirft«: nnd sich 'durch seine persönlichen Eigenschaften und sein Können allgemein der größten Achttmg erfreute! Stratzburg. Rabb. Dr. Josef Buttenwiel er feiert am 12. Oktober sein 25 j ä h r i g e s Ä m t s j u b i - läum. Auf Ersuchen des Festkömüees hat Rabb. Dr. Cohn-Basel die Festrede übernommen. — In den Jahren 1909—41 bildete die Js'raelit. Gewerbeschule 154 Zöglinge aus: Schneider 33, Tapezierer 24, Goldschmiede 14, Maler 14, Zahntechniker 10, Uhrmacher 9, Schlosser 8, Elektrotechniker ’8, Hemden. Zuschneider 7, Schriftsetzer 4, Bandagisten 4, Schreiner 3, Holzbildhauer 3, Schuster 3, Konditoren 2 re. Karlsruhe. Rabb. Tr Appel erhielt die Friedrich- Luisen-Medaille. Jerusalem. Rabbi Chajim Berlin, seit dem Tode Oberrabbiners Scckant, das Haupt der hftsigen aschkinesischen Jüdenheit, ist Errw Jonitow verschieden. ' Mit ihm hat das orthodoxe Judentum eine impönierende Persönlichkeit verloren. Ein ganz hervorragendes Thorawissen und wärme Liebe zur Jüdenheit und damtt ein reges, eifriges Interesse für alle Angelegenheiftn des jüdischen Gemeinwesens machten ihn dazu. Rabbi Chajim Berlin, war ein Sohn des Wons Rabbi Hersch Leib in Wolospin. In seinen jungen Jahren verfolgte er auch die Haskalahi-Ltteratnr und allgemeine Fragen und schrieb auch in hebräischen Zettschristen. Er amtierte jahrzeynftlang in Rußland (in Moskau, Eftftbethgrad und Kobrin). 11 leiiillßfoa. W Vor den Toren Prags. Historische Erzählung von A. E. Brachvogel. - (Fortsetzung.) Am Morgen des nächsten Tages zog ein finsterer Geists, durch das' alte Prag. Alle bürgerliche Hantte-- rnng .war eingestellt, jedermann trug Waffen, atmete Kampf und Verteckigung! Auf dem Roßmarkt in langen Reihen gebunden stand die Herde, welche Markus Spira während der Nacht eingetrieben hatte, und eine Menge Landvolk hatte diese Gelegenheit benutzt, mit seiner beweglichen Habe noch in die sichere Stadt zu kommen, bevor der Feind erscheine. Auf dem Mtstädker lvic Neustädter Ringe wurden Spießbürger gemustert oder Knechte bewaffnet und vor den Palästen Coloredos wie Kinskys und Czernins waren Kren Reisige auf ihrer Herren Wink gewärttg. In der JudenstM hingegen war alles noch still und tot, die Türen der Häuser geschlossen, nur der Synagogendiener ging von Tür zu Tür, um die Judenschast zu Gebet und Ratschluß. in die Alt-Neuschule zu rufen. In der. Wohnstube von Simon Spiras Haus stand der Rabbi — bereit, zu gehen — neben seinem' Weibe, und ihre Hand lag in der seinen. „Mag der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs über uns sein!" flüsterte er, als der letzte Schlag des Dieners an der Tür und sein melancholischer Ruf verhallt war. In diesem Augenblicke trat Markus ein, beugte vor den Eltern das Haupt, und leise segneten sie ihn. „Hast Du mit der Mutter und Schamech geredet? Habt Ihr nachgedacht über das) was' ich Dir gestern gesagt habe?" „Wir haben gesprochen nnd gedacht," sagte der Rabbi, „und sind zu dem Schlüsse gekommen, daß Du tun sollst, wozu Dein Gemüt und Gottes Wille Dich treibt!" „Markus," versetzte Sara bewegt, aber voll Inbrunst, „Der Geist, der Dich treibt und Dir ins Herz gegeben hat, zum Schwert zu greifen, ist ein guter Geist gewesen. Du bist für uns alle zum Beispiel auferweckt, und wenn meine! Augen Dich auch nicht Wiedersehen, ich will Gott danken und mich selig Preisen, daß ich so einem Sohne das Leben gegeben Habel Geht in Frieden! Rabbi Simon Spira wird das Äuge des Herrn und sein Sohn sein Arm sein, den Ber-' derber zu schlagen!" . .

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