Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 35 (6.9.1912)
- Date
- 1912-09-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Erik L. granffMer NrwckWHÄ FanMenblaÜ. Nr. 35 ,,Sch", tewe ArWaumP, HHne'iPchWftii -MGem) und Nur zum Nützen 8er ionberen W existieren scheinen. wird schwere, schwere Arbeit kosten, dis man die Völker än seWbewüßte, tüchgratstarke Jch-Juden grwöMen wird! Allerdings, iMMNtionale Zeitalter ist . dieser Wveit günstig. . v ■ - i i; (Fortsetzung folgt.). v A«s de» Sreig«iffett des Lases. 1. ZioniMsche Jahrerkouferenz. In Berlin tagte vom' 1.—4. September die . Fahreskonferenz der Zionistischen Organisation. Diese pflegt LekanMich stets In den kongreßlosen Jahren stattzufinden und Hellt gewissermaßen einen Keinen Kongreß dar. ' - Es ist nun bereits ein volles Jahr dcchingegangen, seitdem der letzte Kongreß die große Umwarückung in der Leitung der OrganisMion voll-, zjogen h!at, eine Umwandlungvon .der tzie einen ' alles Glück, die anderen. alles Unheil erwartet höben. Nun, da ein J ahr dah in istist Geleg enheit vorhanden, zu prüfen, ob die Hoffnungen, die Man auf die neue Leitung gesetzt hat, sich erfüllt haben. Und 8a wird man sagen müssen, daß die Stremen beider Richtungen innerhM .der Orgcvnisation enttäuscht worden sind' und die Erfahrung wieder einmal den ruhig, nüchtern, gemäßigt Denkenden Recht gegeben Kat. Weder hat die neue Leitung in diesem Jahre unerhörte Leistungen Mn ungewöhnlichem Erfolge fertig gebracht, wie ihre glühenden Anhänger hofften, noch, hat sie die Bewegung dem Nuin entgegengeführt, wie ihre erbittersten Gegner prophezeiten: wohl aber hat sie energisch, zielbewußt und geschickt gearbeitet,' und soviä sich beim normalen Gang der Dinge erreichen laßt, hat sie erreicht. Wenn man die interessanten Bmichte durchlieft, die von den einzelnen Mitgliedern der E. .A. C. erstattetwordensind, dann güvinnt man tzie UEerMgung, daß wohl hier und da Fehler gemacht worden sein mögen, — und wer wollte fchlerlos eine Organisation wie die zionistische leiten —, daß aber alles in allem tüchtig gearbeitet .und anerkennenswerte Erfolge erzielt worden sind) Die äußere Propaganda und eigentliche Organisationstatigkeit ist von.D.r,„ Hantke enmgisch geleitet und uMgestaltet worden, und abgesehenvon dem neu erwachten Achen, das im Zionismus verschiedener Lander zu bemerken ist, laßt sich der Ersatz auch rein zifffernmäßig an den bereits. eingegangenen SchLilim messen.' Die neue Leitung hat richtig erkannt, wie notwendig es ist, zwischen der Zentrale und...den einzelnen Landesorganisationen einen innigen KoMakt' herzustellen, und auch ihre -Methode, einzelnen Landsmannschaften zwecks Erweiterung ihrer Propagändaarbeit mit der Borstrecknng von Geldbeiträgen zu Hilfe M kommen, ist durchaus richtig und.'begrüßenswert. WA mün eine energische Agitation entfalten, so darf man vor. grölen .Ausgaben nicht zurückschrecken; für die Dauer rentieren sich diese schon von selbst; das hat das Beispiel bex deutschen LarGsmamffchaft bewiesen, und das - zetzt' bereits, die HeiiMltorganisation. Was die politische Arbeit anlangt, so erficht Man aus den Berichten Mit' Leichtigkeit, wie, lächerlich heute die althergebrachte Art der Unterscheidung in Politische und praktische Zionisten ist. Die Leitung, die doch durchwegs aus sogenannten „praktffchen - Zionisten" besteht, hat' mit allen Mitteln gesucht. Politisch Kl arbeiten, soweites in chren Kräften lag. Nun ist gewiß die politische .Arbeit die schwiertzste upd lcmgsanrste,und so darf 8er neuen Leitung kein' Börwurf' daräus gemacht werden, daß sie bisher noch keine greifbaren Erfotze auszuweisen hat. Das . eine Mitglied des E. A. C-., Dr. Facobsohn, hat in Konstantinopel gewirkt und Beziehungen zur Presse und -zu Politikern anzuknüpfen Vermocht und das andere, Nahum Sökolow, hat. in London die früher Vestaüdenen und inzwischen Vernachlässigten güten Beziehungen des Zionismus zur englischen Regierung wicher Herzustellen gesucht und dabei vollen Erfolg gehabt. Daß natürlich nhW Außergüvöhnliches in der politischen Arbeit geleistet werden konnte, ist Lar. Bon allem anderen abgeschen, schien hierzu schon die nötigen GÄüniÜel. . Auch die Innere politische Arbeit, tzie Verbreitung zzovistischer Ideen innerhalb .der o t tvm a nisch en In de «her t, Macht zusöheNds Fortschritte,. wenn auch hierbei die knappen Geldmittelsehr hemmend wirken. Die Nationalisierung der türkischen Judenheft nimmt sichtbar zu, und es ist zu Höffen, daß iM Falle der Bchchaffung reicherer Geldmittel auch hier noch Mchr geleistet werden wird- Am erfreulichsten aber gestaltet sich' der wichtigste Teil der zionistischen Ausgaben, die Palästinäarbeit. Vielleicht Merkt man dies jetzt nicht so schr nach außen, weil gegenwärtig stiller gearbeitet wird/ .AMrwer die einzelnen Leistungen überblickt, wird merken, baß wir langsam, aber stetig . Mrwärts kommen. Gerade in dieser Hinsicht stoßen ja die Gegensätze .innerhalb der Bewegung! am hef- -tigsten aufeinander, und auch auf der Fatzreskonferenz kam es seitens eines extremen Vertreters der „Politischen" Richtung, seitens Jacobus Kanns- Haag, zu scharfen Angriffen auf die Palästinaarbeit ' Marburgs, der erllebereilthöit, Leichtsinn und nicht genügende finanzielle Basierung vvrwirst. Diese Angriffe sind aber von verschiedenen Seiten nachdrücklWst widerlegt worden, und man darf ruhig -dje Meinung aussprechen, daß, abgesehen von einigen wenigen, das Gros der Organisation mft her Palästinaarbeit der neuen Leitung durchaus zufrieden nmr. . So zeigt die. Betractzüng der einzelnen Gebiete dasselbe Resultat, das wir zu Beginn feststellten: keine unerhörten, außergewöhnlichen Großtaten, aber durchaus zufriedenstellende, erfreulich,e Erfolge auf allen Gebieten. Gewiß wird manches ausznsetzen sein, gewiß wird es aus dem Kongreß zur Kritik kommen, und vielleicht werden sich! auch einige Aenderungen innerhalb der Leitung als gut erweisen, alles in allem hat die neue Leitung die Hoffnungen, die man auf dem Kongreß jit sie gesetzt hat, erfüllt, und ihr darf nun nach einem Jahre eifriger Arbeit die Zufriedenheit des üb'erwikgenden Teiles der Bewegung ausgesprochen werden. -Mag dies und jenes auf dem nächsten Kongreß geändert werden, das eine steht .für immer fest: Am neuen Kurs der Bewegung darf und wird nicht; gerüttelt werden. 2. DK etefung der neue« türkische« Regierung zum Llouismu». ' ' . Man liest es Und Will es schier nicht glauben: Der neue Pascha von Palästina hat einige Tage nach seinem Amtsantritt die jüd'ischje Kolonie besucht und dabei im Volkshaus von Risch'pw-Le- Zion eine Rede gehalten, die den Charakter einer offiziellen Kundgäse trägt. Darin hat er dass vollste Einverständnis der Zentralregierung in Konstantinopel Mit den Bestrebungen des Zionismus erklärt und dm jüdischen Kolonial: seine eifrigste Förderung und Unterstützung versprochen. Also berichten die Zeitungen, also berichtet auch der offizielle Vertreter des Odessaer Komitees, eine gewiß glaübenswürdige Bertrauensperson. An der Tatsache und an dem Inhalt der Rede des Paschas ist also kein Zweifel zu hegen; ftagt sich nur, welchje bleibende Bedeutung Hst KukonNnt.. Daß der in der Rede dargelegte Standpunkt eine völlige Wandlung in der Stellung der türkischen Regierung zNM Zionismus bedeutet, ist. Lar. Es war bis vor wenigen Wochen offenkundig, daß die Machthaber der jungtürkisHjen Partei zwar nicht ausgesprochen feindlich, so doch jedenfalls kühl dem Zionismus gegenüberstanden. Die Ursache hierfür lag allerdings fast ausschließlich in Mißverständnissen, in einer Verkennung der wahrhaft zionistischen Ziele urü> Absichten. Und so waren wir denn stets sicher, daß der Tag ko mmen muß, da sich die Mißverständnisse aufklären, die Verleumdungen in. Rauch. und Dunst zerfließen würden und die türkffche Regierung den Wert des Zionismus, für ihr Land erkennen werde. Mer niemand konnte rechnen und Höffen, tzaß dieser Umschwung sich so rasch vollziehen würde. Und er hätte sich auch nicht so rasch vollziehen könnm, wenn nicht auch die Türkei noch vorläufig ein Land der unbegrenztm Möglichkeiten wäre, in dem morgen bereits eingLstürzt wird, was heute erst erbaut ward. Daß die neue Regierung, die jetzt in der Türkei NM Ruder .ist, ihrem ganzen Programm nach dem Zionismus günstiger gesinnt sein muß, ergibt sich Mn selbst. Die zentralistische jungtürkische Regierung besah schier unbewußt eine Angst vor tzen zionistischen Bestrebungen, che auf tzie Schaffung eines nationalen jüdischen Zentrums in Palästina hinauslaufen. D ie Vertreter, der Dezentralisation) die jetzt die Türkei beherrschen, brauchen Lieft Angst nicht zu empfinden. Nun nüWen sich zwar zurzeit, da die .heute herrschende Partei noch in. der Minorität war, in derselben ab. und ,zu antisemitische Strönmngm bemerkbar, die sogar mit Hllfe des zionistischen Gespenstes tzie Regierung zu stürzen suchtm. Doch darf man annehMm, tzaß all diese Mittel nur in der Not, im Kiünps angewandt wurden, daß dieses Antisemiteln mehr Taktik als Prinzip war und so von selbst iw Momente geschwunden ist, da die Partei aus der Opposition an die Regierung kam. Man braucht also in den Worten des neuen Paschas noch gar keine.besondere Bevorzugung des jüdischen Elementes zu erblicken und kann sie ruhig als Ausfluß der allgemeinen Prinzipien ünsehen, nach denen die neuen .Männer überhaupt W regieren denken. Sollte die jetzt herrschende Partei ihre Herrschaft fest zu verankern vermögen, und sollte der Standpunkt der Regierung zum Zionismus für lange so bleiben, so wäre dies naturgemäß von der Mergrößten Bedeutung. Denn man braucht nicht in die speziellen Verhältnisse eingeweiht' zu sein, um zu verstehen, welche Schwiertzkeiten sich der .Arbeit in Palästina entgegenfiellen müssen, wenn Man bei der Regierung nicht nur nW Förderung, sondern sogar noch kühle Resistenz findet. Außerdem würde auch im Augenblick, da die türkische Regierung offiziell den Zionismus begünstigt, für die Jca der Grund wegfallen, mit dem sie ihre bisherige geringe Arbeit rn PMstina rechtfertigt. Die Frage ist also nur die, ob alles so bleibt. Dies In beantworten, wäre müßtz. Man! muß eben den wmf der Ereignisse ab'warten. Doch die eine Lehre kann und muß man schon jetzt aus.den Morten des Pascha ziehen: Mr Juden müssen den günstigen Moment benützen und mit vervielfachter Energie an die Arbeit gehm. Wer weiß, tvelchö Wandlungen sich vollziehen können. Ein kluges Volk weiß den guten.Moment auszunützen. Hoffen wir, daß wir Juden auch .in diesem Momente den Geboten der Klugheit Folge leisten werden. Angola r« der Beleuchtung einejüdische» Se»»erK. Durch die Tagespresse ging jüngst die Nachricht, daß .M eine jüdische Spedition nach Angola begeben höbe. Da ist es denn, uM allen Illusionen vorzubeugen, gut, das Urteil eines Minsker Juden — Me Rumanonw — zu hören, ddr jetzt nach 18jähvigem .Aufenthalte .in Angola Kurückgekehrt. ist und seine Beobachtungen im „Fraintz" .veröffentlicht. Er sch,reM: Angola ist ein aftikanisches Land. Die Hauptstadt LoreNso Markus, liegt an der Meeresküste und ist von Lffsabon über Neapel in! neun Tagen zu erreiche. . . . Trotzdem Portugal ein armes Land ist und die Portugiesen gern Ackerbau' trei-! ben, lassen sich nur selten Portugiesen in Angola nieder, das gutes, fettes, und dazu für 'portügiesische StaatÄürger kostenfreies Ackerland hat) Sit wandern lieber nach Brasilien aus) wvWy die Reise 22 Tage dauert. Die Bevölkerung Angolas besteht aus portugiesischen kriminellen Verbrechern und Negern. Außer den Verbrechern und den Beamten der Regierung sicht matt fast keine weiße Bevölkerung. Sogar Handel, .Gewerbe und.Industrie liegen, in den Händen der Verbrecher.' UUd, dabei sind 'die Portugiesen ein arbeitstüchtitzes, zähes' Volk,, das es furchtlos mit Schwierigkeiten aufniMmt. Die Ursachen für diese Antipathiie sinh sehr natürliche. Außer dem gelb'en Fieber und zahl-! reichen anderen Krankheiten wütet in Angola chne spezifische Krankheit, „Berbani" genannt. Ess: ist das eine Art Wasserkrarckheft im 'Unterleib und in den Geschlechtsdrüsen. Besonders der Europäer wird, leicht von dieser tätlich verlaufenden Krankheit befallen. Die „Berbani" trägt die Schuld daran, daß d'as ftuchtbare Land Menschenleer ist. Die Beseitigung der Sümpfe würde vielleicht die Folgen höben, die Epidemie Angolas verschwinden zu lassen. Mer eins ist sichet: die erste Generation, die Pioniere werden wahre Opfer .sein, wenn die Kolonisation Angolas durchgeWrt werden sollte.