Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 33 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«vte 4 , - ' , Mew. Es^ heißt mit BestimmthÄt, daß Beilis in . diesen Tagen die Freiheit erlangen würde. Alst ihm zugleich pnirde auch Krassowski, der kühne und geschickt Ehemalige Kriminalbeamte -und Hauptenthüller im Falle Juschtschinsti, freigelassen werden. Denn sämtliche Zeugenvermchmungen haben das Bild bestätigt, das vor einigen Wochen durch die sensationellen Enthüllungen ' der Ocffentlichkejt übermittelt worden ist. Namentlich die Aussagen der Dia kv n o w a, die unmittelbar nach der Ädordtat das Haus der Tschcberjak betreten hatte, sind für den Kreis/ der Tschcberjak so gravierenden Natur, daß der Untersuchungsrichter Maschke witsch sich ih'rerWucht nicht entziehen kann. Zuletzt kommt ~ noch das reichhaltige Material hinzu, das Brasnl-Bruschkowski, der spiritus rector der privaten und erfolgreichen Recherchen^ dem Untersuchungsrichter bietet. Maschkewitsch hat keinen anderen Ausweg: er muß endlich' Beilis freilasse» und die Schuldigen hinter Schloß und Riegel tun. Und doch heißt cs, daß er nur -halbe Arbeit zu tun geneigt ist. Zu viel Staub tviirde die Aufrvllung der aÜiven Seite des Verbrechens austvirbeln. Man würde die Frage nicht umgehen können, warum seine Vorgänger den richtigen Spuren nicht iiachgegangen, warum sie die Schuldigen haben laufen lassen und einen Unschuldigen eingesperrt haben. Und nun noch' das Geheul de Pogromspezialisteu, das der Untersuchung gegen Tschcberjak und Genossen unausgesetzt auf / dem Fuße folgen würde! Portugal. Lissabon. Die bedeutende Zeitung ,Diario de Noticias" wendet sich' gegen eine etwaige Ansiedlung jüdischer - Massen in Angola. Die hohen Interessen des Ansehens und' der souveränen Integrität eines Größer-Portugal würden gegen eine Massenansiedlung dieser intelligenten, arbeitssamen, entbehrungsjähigen und bewunderungswürdig widerstandsfähigen Menschen sprechen, da sie aus europäischen Ländern, konnne» und so der Einfluß der Großmächte in der portugiesischen Interessensphäre wachsen könnte. Bitlgarien. * Sofia. Die Festgottesdienste in den Synagoge» des Landes anläßlich des 25jährigen Rcgierungsjubiläums des Zaren Ferdinand nahmen einen glänzenden Verlauf. , In der hiesigen spaniolischen Hauptsynagoge waren beim Festgottesdienst u. a. der armenische Bischof, der Regierungsvertreter Dimitrow und Armcekommändant Oberst Jeljawski anwesend. Die Rede des Großrabbiners Ehrenpreis war fein pointiert und machte sichtlichen Eindruck. In den nächsten Tagen wird eine jüdische Deputation dem Zaren das Andenken uberreüh'en, das aus Anlaß des Jubiläums vorbereitet wurde, nämlich! eine prächtige Thvrarolle mit den dazu gehörigen, wundervoll ziselierten Silbergeräten. Amerika. Rew-Nork. Der älteste Enkel des bei der „Titanic"- Katastrophe umgekommcnen Isidor Strauß richtete ftrlgendes interessante Gesuch an das Gericht: „Ich beabsichtige meinen Namen in Isidor Strauß nmzuändern, weil mein Vater der älteste Sohn des verewigten Isidor Strauß ist, und ich! bin sein'ältester Enkel. Die Mitglieder der Familie des Heimgegangenen Isidor Strauß haben den sehnlichsten Wunsch^ daß der Name des Isidor Strauß in der Familie ununterbrochen fvrtbestehe, und jetzt von seinem , ältesten Enkel getragen werde. Der Bittsteller ist überzeugt, daß diese Namensänderung chm wesentlich zu Nutz und Frommen^ dienen - werde, da er das 'Andenken au seinen verstorbenen Großpater so hoch in Ehren hält, daß schon die Tatsache allein, daß er einen solchen Namen trägt, für ihm ein Ansporn sein wird, diesen Namen bis an sein Lebensende in Ehren und unbefleckt zu erhalten. Jesse I. Strauß." . Frankfurter Berichte. Am 11. August veranstaltete der „Montefiore"- . Verein in den von kunstbegabten Mitgliedern festlich geschmückten Vereinsräumen sein Sommer fest. Kaum konnten die Räume die zahlreich! erschienenen Mitglieder fassen. . Bon den Mittvirkeuden zeichneten sich! ganz besonders die Herren Levi, Mesfinger, Roseuthal und Penas durch gesangliche, rezitatorische und musikalische Darbietungen aus, — Reichen Beifall ern- . teten die Damen Frl. Bodenheimer, Eisenmann. Goldberg und Simon mit ihren graziös durchgcführten Phantasietänzen. — Den Schluß des offiziellen Programms bildetete die Wiedergabe der Operette ,Öpern- . schwürmer", in der sich! die Herren Faust, Simon und Wolfs gesanglich und darstellerisch bewährten. Die Klavierbegleitung hotte ' in liebenswürdiger und formvollendeter Weise .Frl. Sachs übernommen. ' "Nach! - Schluß des unterhaltenden Teils, .war die Stimmung äußerst angeregt, und ein fröhlicher Tanz hieltdie Teilnehmer noch lange beisammen. Am 18. August fand unter reger Beteiligung ein Ausflug des „Montesiore"-Bereius durch's Köppener Tal über Fvrsthaus Winterstein nach Nanheim- ^Wmrkfirrter JsraÄMscheS FamiriienvllM. Friedberg statt. Dr. I. He ine »ran» hatte in liebenswürdiger Weise auch diese Führung übernommen. In Friedbcrg zeigte Lehrer Ehrmann die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Von besonderem Interesse wären für die Teilnehmer das Judenbad und die aus dem frühesten.Mittelalter stammenden Ritualgegenstände und Machsorim. „Mo nies io re" -Be re in. — Am Sonntag, den 25. August findet eine Besichtigung der Stadtbibliothekansstellung (Hebraica) unter bewährter Leitung Dr. A. Freymann's' statt, zu der Mitglieder und deren Angehörigen eingeladen sind. Zusammenkunst 10% Uhr vor der Stadtbibliothek. Eine Beleidigungsklage des Deutsch- Nationalen H an d ln n g s gehi lfe n v erb and s Hamburg, vertreten durch seine Vorstandsmitglieder Bechly und Dr. Roth, gegen Dr. Mainzer, den Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, stand Mittwoch vor dem hiesigen Schöffengericht zur Verhandlung. Die Ortsgruppe des Zentralvereins hatte bei den Kaufmannsaerichtswahlen zwei von Dr. Mainzer Unterzeichnete Flugblätter gegen die Kandidaten des.Deutschnationalen Verbands versandt. I» diesen Flugblättern waren Ausdrücke vorhanden wie „ivildeste Judenhetze", „antisemitische Drahtzieher", „Es kann Ihnen, als Juden nicht gleichgültig sein, ob Sie event. Leute als Richter haben, die von dein gehässigsten antisemitischen Geist durchdrungen sind." Dr. Mainzer ließ vor Gericht verschiedene Stellen aus Schriften des Verbandes zur Verlesung bringen. „Der Uebermut der Inden", der „Keine Cohn", „Deitsche", „deutsche" Kauflcute und ' dergl. Ausdrücke finden sich darin. Besonders widerwärtig ist das Kommerslied „Der Reichste", das, eine Parodie des Gedichtes „Preisend mit. biel schonen Reden", den Juden als den reichsten bezeichnet, der siebenmal im Jahre Konkurs gemacht lieft. Der Gerichtshof versagte Dr. Mainzer die Wahrung berechtigter Interessen, da Kläger in diesem Wahlkampfe antisemitische Umtriebe nicht geleistet habe, verurteilte ihn zu dreißig Mark Geldstrafe und sprach Kläger die Publikationsbefugnis des Urteils zu. —, Mit bet Begründung des Urteils vermögen wir nicht einzustimmen. Unseres Erachtens ist cs eine Wahrung berechtigter Interessen, wenn ein Jude seine ganze Kraft gegen die Kandidatenliste einer antisemitisch gesinnten Organisation aufbietet, .— und daß der Deutschj-Nätionale Handlungsge'hilfcnverband antisemitische Allüren hat, wird ja nicht bestritten. Wenn der Verband in seinem Frankfurter Wahlkampfe es aus Wahlinteressen für gut fand, seine antisemitischen Wlüre» fein sorgsam zu verdeckcn, so ist das eben eine besondere Sache. Personalien u. Kleine Mitteilungen. vresla«. H-ehmann Jarilowsky verschied im 100. Lebensjahre. Breslau. Geh. Regierungsrat. ordentlicher Professor der Mathematik Dr. Jakob Rosanes feierte seinen 70. Geburtstag. (L.) Pose«. In Garne beging das Isaak Schwersenski'sche Ehepaar die goldene Hochzeit und in Hohensalza feierte Rentier Moritz Dvbrzynski den 90. Geburtstag. Posen. Landgerichtsrat Dr. Bielschowskh ist zum Obcrlandesgerichtsrat Hierselbst, Gerichtsassessor Citron zum Amtsrichter in Kostenernannt worden. Geistingen bei Siegburg. Die hiesige Gemeinde feierte unter allgemeiner Beteiligung das 50jährige Bestehen ihrer Synagoge. Ettenheim (Baden). Bel seiner Anwesenheit in unserem Orte besuchte unser Großherzvgspaar auch die Synagoge. Aken. Levy Kottschalk, seit fast 50 Jahren Vorsteher unserer Gemeinde, feierte dieser Tage den 80. Geburtstag. Wien. Der Großindustrielle. Kaiser!. Rat Moritz Dvctor wurde vom Kaiser in den Adelsstand erhoben. — Im 93. Lebcnsjalfte verschied Josef Saborsky, -Begründer Und Seniorchef der bekannten Firma Josef Saborsky u. Söhne. Prag. Im 60. Lebensjahre verschied Advokat Dr. Ludwig Pick, Vorstandsmitglied des Zentralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, des Tempels in der Geistgasse usw. ,i New-Uork. Rechtsanwalt Rufus Lewis Perry, einer der bekanntesten-Neger des Landes, ist nach! jahrelangem Studium der Bibel zum Judentum übergctreten. Aus der zionistischen Bewegung. Berlin. Das Zentralkomitee der zionist. Organisation hälft hier vom .1. bis' 4. September seine Jahresversammlung ab. Bern. Die Leser des „Franks. Israel. Familienbl." werden sich noch erinnern, baß Mer, im März eine Organisation zionistischer Studenten aus Osteuropa begründet wurde. Auf der Gründungs- Konferenz, die damals in Bern drei Tage hindurch tagte, und zu her sich! Delegierte aus Liege, Nän'ch, München, Lausanne, Basel, Genf und Bern eingefunden hatten, wurde auch beschlossen, «ine hebräische Zeitschrift herauszngeben. Nun ist das auch geschehen. Bor mir liegt die erste Nummer des ,Hechaw er" — so heißt die Organisation selber wie auch ihr Organ —, der vorläufig zweimal im Semester erscheinen soll. Für denjenigen, der sichfür die Bestrebungen der .jüdischen Studentenschaft interessiert, bietet der ,iHcchawer" des Interessanten, genug, -wie bereits der nachfolgende Inhalt der ersten Nummer zeigt.- 1.' Unser Programm, 2. Die Aufgaben unserer Organisation in der Palästinaarbeit, 3. Zur Frage einer jüd. Universität in Palästina, 4. Aus dem Leben der „Kolonien" (gemeint sind die Kolonien der osteurop. Jude» in der Schweiz), 5. Organisierung .von' Ztveigvereinen, 6. Protokoll der Konferenz, 7. Welt der jüd. Studenten, 8. Bibliographie, 9. Feuilleton. Interessenten mögen sich an M. Brand, sind. Phil., Schopenhauerstraße 19, Frankfurt - a. M. wenden. Die Numinrr kostet 30 Centimes. Tarnopol (Galizien). Die Genre in der als Wahlen endeten mit einem vollen Siege der oppositionellen zionistisch-ruthenischcn Liste. Der Sieg ist umso höher einzuschätzen, als die Polen und Assimitanten im Gefühle ihrer Ohnmacht Wahlabstincnz proklamierten und der Kandidat, gegen welchen sich die Gegnerschaft am stärksten richtete, Dr. Israel Wald mann, während der ganzen Wahlkampagne krankheitshalber abwesend war. Warschau. Ein geradezu iürstlichks Begräbnis ist dem in einem Frankfurter Sanatorium verstorbenen Ingenieur Jan Kirschrot geworden, denn Tausende erwiesen ihm die letzte Ehre. sch BC-n i\i i nchi tiffc ton' in )i»! mr nun tat luti nse lidji »an Aus der Lehrerwelt. Tilsit. D. I. Rösel, ein Schüler des Birlincr Räbbinerseminars, ist als Rabbiner »ach- Mer beruscn worden. Willmars. Die isr. Kultusgemeinde gab dicken Samstag ihrem nach Burgprcppach! versetzten Lehrer Levi einen Abschied und überreichte ihm als Zeichen der Anerkennung für seine elfjährige Wirksamkeit einen prächtigen silbernen Tafelaufsatz. Auch die übrigen hiesigen Vereine erfreuten ihn durch hübsche Abschiedsgeschenkc. Adrianopel. Großrabbiner HaiIN B e j ä r a n o, einer der gelehrtesten Rabbinen des Orients, erhielt den Me djid i e-O rden 3. Klasse. Jaffa ,Palästina'. Der Lehrer-Fortbildungs» Ku.r s u s in der Kolonie Sichrön Jakob war von 57 Lehrern und 20 Lehrerinnen besucht. Er umfaßte folgende Fächer: Hebräisch, Geologie, Botanik, Agrikultur. Physik, Hygiene, Zeichne», Gesang und Turnen. c„, i»cgi imb 3« Mi mti er Sin >a i imb :mr Die Generalin. . (Schluß.) Nach einer Panse der Erschöpfung fuhr die Gencraiin fort: „Meine Mutter war bereits gestorben, und so erbte ich mehrals eine Million. Diesem Gelde verdankte mein Mann sein schnelles und glänzendes' Avan-> cement. Doch ich war nicht glücklich. Mit dem Tode meines Vaters kamen die ersten Gewissensbisse. Und dann — nach zweijähriger Ehe — beim ersten Streit das Wort „Jüdin". Das ärgste Schimpstvort hätte mich nicht so gepackt wie dieses -Wort. Nie mehr schwand cs aus mcinent Gedächtnis. Wo ich war und wohin ich ging,' nie verließ es mich. Die glücklichsten Stunden mit meinem Mann wurden von der „Jüdin" vergiftet, vor der ich immer und überall zitterte. Und in einer 30jährigen Ehe fällt auch manchmal ein hartes Wort, — und stets, wenn er mich kränken wollte, schleuderte er mir die „Jüdin" ins Gesicht. Mein Judentum war -cm Verbrechen, dä» trotz aller Opfer, die ich gebracht hätte, nicht verziehen wurde. Schweigend mußte ich den größten Schmerz, den man mir zufügen konnte, über mich ergehen lassen. Wenn in meiner Gegenwart noch so sehr über die Juden geschimpft wurde, ich durfte mit keiner Miene verraten, was ich dabei empfand. Dulden mußte. ich es .sogar, daß .meine Kinder zu Judenfeinden erzogen wurden ...." . Hier konnte die arme Frau mit den Tränen nicht mehr zurückhalten. Langsam glitten die Zeugen menschlichen Wehs und Jammers über das Gesicht und sanken in das weiße Linnen. , „Entschuldigen Sie," sagte sic dann, „daß ich. Sie mit meinen Angelegenheiten anfhalte. Aber ich bin froh, nach einem Leben des Schweigens noch wcnigstens in meiner letzten Stunde sprechen zu dürfen. Ich bin ja in meinem eigenen Hause, Kinder, Verwandte, und Freunde umgeben mich, — und doch war ich stets so einsam wie keiner meiner Dienstboten. Hier ist kein Mensch, der mich, die Jüdin Rcbecka Perlstein, verstehen will. Hier kennt man nur dic Gcneralsfrau Alexandra Petrowna. Wohl lieben mich meine Kinder. Aber könnte cs für sie eine größere Beleidigung geben, als. ihnen z» | jagen, ihre Mutter sei eine Jüdin? >en Im Uni nid; |iic int >ci dies tnti nas um inij nac i|i gcr gen mti tur mti Ü’’ k ic-li Sei Gr (loi IMl zie tue Dc Ha mii me