Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 32 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Großrabbinat geeinigt/ nachdem sie ihre Hauptforderungen dnrchgesetzt hat, und ' der „Medschliß dschismani", das Konsistorium der Juden von Konstantinopel, ist so zusammengesetzt 'worden,' daß den verschiedenen. Richtungen eine entsprechende Vertretung gewährleistet ist. Palästina. Jerusalem. Es sind wieder mehrere neue gewerbliche Unternehmungen von hier zu melden.' Der 'bekannte Newyorker Philanthrop Nathan Straus, der unser Land vor einiger Zeit besuchte, hat die Errichtung einer Fabrik von Perlmutter- Arbeiten -veranlaßt. Bisher wurden diese Arbeiten nur von Christen, in Betlehem gemacht. Ein Antwerpener Zionist errichtet hier eine Diam a n t c n sch le ife re i und wird damit einigen Dutzend Juden Arbeit geben. Amerika. New-Aork. In The Awish Gazette" beschäftigt sich Israel Makranski mit' den / Leistungen der „Ica" in Argentinien. Er konstatiert Mangel an Zielbewußtheit. Man läßt die Praxis ausprobieren. In den ersten Jahren nahm man das Menschenmaterial ganz wahllos und bekam so zum Teil die ungeeignetsten Elemente. Dann nahm man russische Kolonisten, dann junge Leute, die schon einige Jahre in Kolonien gearbeitet hatten. Hrst jetzt — nach 21 Jahren Kolonisation — hat man 'für den Landkauf einen erfahrenen Agronomen (Herr Ettinger-, aus Rußland) angestellt. So wurde ungeeignetes Land' getauft und angebvtenes .geeignetes Land zurückgewiesen. Ein recht dreistisches Beispiel hierfür und für die Folgen dieser Unvernunft bietet ein Landtauf vvn"ZO 000 liä/-. ben die „Jca" vor einigen Monaten' gemacht''-Klt. Dieses^Terrain hätte die „Jca" vor 13 Jahren chrit 118 OOO'i'Pesas kaufen können, und jetzt bezahlte sie 3, Millionen Pesas dafür. Der gleiche ''Zickzackkurs zeigt sich in dem Ausbau der Kolonien (Gruvpei^won 3—1 Häusern oder Dörfern) und in der ZünilniE' des Landes an die einzelnen Kolonisten (50, IMp 150 ha). Doch all dasjeien — meint der Schreiber — noch kleine Probleme, .im Vergleich zu den Fragen des Kausscheins, der Kolonisierung der Kolonistenkinder und der Selbstverwaltung, — Fragen, die einer besonderen Erörterung bedürfen. New-Nork. Ter demokratische Präsidentschaftskandidat Wils o n hat in einer hiesigen ungarischen Zeitschrift einen Brief veröffentlicht, indem er versichert, daß er kein Gegner der Einwanderung sei. Wilson hatte sich nämlich vor Jahren in einem seiner Bücher gegen die Einwanderung aus Italien und aus den slavischen Ländern ausgesprochen, lieber sei ihm schon , eine Einwanderung aus China. Diese Aeußcrung hatte, ihm schon bei seiner Wahl zum Gouverneur - von Newyersey Schwierigkeiten gemacht, und man kann sich denken, daß er sie jetzt ungeschehen machen möchte. Der jetzige Artikel Wilsonshat die jüdische Oesfentlichkeit nicht befriedigt, denn er drückt sich nicht klar genug aus. Wilson wird sich daher noch zu bestimmten Versprechungen verstehen müssen. Afrika. Kapstadt. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Bloemfoun'tein, W. Ehrlich, hat nach Bloemfountein eine Konferenz der Delegierten aller Judengemeinden von Südafrika - und Rhodesien einberufen, um über die Gründung eines autoritativen Verbandes der jüdischen Gemeinden in Südafrika^und Rhodesien schlüssig zu werden. Wohl besteht bereits sowohl in Südafrika als auch in Rhodesien je ein Gemeindeverband, doch soll der große Gemeindebund der - beiden britischen Kolonien mit.der Autorität ausgestattet werden, die .gesamte Judenschaft der beiden Festländer bei der britischen Zentralregierung zu vertreten. Persorralte« u. Kleine Mitteilungen. Berlin. Die Fasanenstraße-Shnagoge — ein Prachtbau mit 2000 Plätzen und einem aufs vornehmste ausgestatteten, 80 gm großen Trausaal —. wird kurz vor den Feiertagen eingeweiht werden. —. Max Reinhardt, der Direktor des Deutschen Theaters, ist zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt worden. — Geh. Regierungsrat Prof. Proskaner erhielt das Ritterkreuz d,e.s sächsischen Albrechtordens mit der Krone und Geh. Sanitätsrat Dr. FerdinandStraßma.N1h»den.-preußischen KrvneNorden 3. Klasse. . Berlin Von IdiN' hicr in den letzten Wochen aus dem Iudentuin' ausgetretenen Individuen seien genannt: Kunstbildhaüer Julius Steiner, Juweliere Adolph und Gustav Belmvntc und Kaufmann Bernhard Seckendorf. Berlin.zD,Die Einweihung der Fajanen» stratze-Svnagva.e findet nächsten Montag, mittags 12 Uhr, statt. Als--Vertreter des Kaisers wird sein . Gene-raladjütänt Generaloberst von Kessel an .der Feier teilnehmen. Berlin. Bei der Prüsung der' Preisaufgaben am Friedrich-Wilhelms-Tag der Berliner Universität errang dem königlichen Preis der medizinischen Fakultät- (sind. med. Otto Strau.ß aus Marburg. Frankfurter Israelitisches FamslietchlaK. (Li Czarnikau. Der Bäckermeister Abraham Viktor bemerkte in seinem Hause Brandgeruch. Nichts'Gutes ahnend, ging er in das Zimmer der bei ihm wohnenden Händlerswitwe Johanna Seeliger, das er voll Qualm fand. Die 'alte, geistig nicht mehr normale Frau lag tot in ihrem Bett,' Twine und Körper trugen Brandwunden. Sie hatte die Gewohnheit, nachts ein Licht brennen zu lassen. Dieses hat sie wahrscheinlich im Schlaf umgestoßen, .wodurch das Bett in .Brand geriet und sie ihr Leben dadurch einbüßte. (L.) Posen. Auch in diesem Fuhre sind durch die Bemühungen des Gemeinderabbiners Dr. M. Lew in einige Zöglinge der israelit. Waisenknabew-Anstalt während der Ferien in.Familienpflege in Wreschen untergebracht worden. .. Albisheim «Pfalz). Unsere nur aus acht Familien bestehende Gemeinde ist von einem schweren Unglück heimgestrcht worden. Bei der Rückfahrt von einem Tranerbesuck in dem zu unserer Gemeinde gehörigen Gauersheim brach das Vorderrad der überfüllten Chaise, sodaß dieselbe umstürzte. Frau Michael.Mandel erlitt eine Gehirnerschütterung, der sie nach 2 Tagen erlag, Frau. Jacoh Fröhlich, Mutter von fünf noch unversorgten Kindern, trug einen Armbruch davon, zu. dem sich „Starrkrampf" gesellte, fodaß auch sie verschied.'-u Jesberg bei Marburg. Rentner 8 e v i K a tz feiert Samstags.seinen 90. Geburtstag. Wattenscheid. Der Rentner Siegmund Perl erlitt, während er in der Synagoge vorbetete, einen tödlichen Schlaganfall. Wien. In Brody (eiert am 15. Sing. Kultulpräsident und Handelskammerpräsident Lazar Bloch, Sohn des erst . im vergangenen Jahre verstorbenen Rektors des Budapester .Rabbinerseminars, seinen 70. Geburtstag.— M ichae lHeim, Richter an der kroatischen Banatstafel, wurde'zum Septemvir, J>. h. zum Mitglied des Obersten Gerichtshof in Kroatien, ernannt. Redakteur Philipp Löw und Juwelier Julius Bellak in Wien erhielten den Titel Rat. — Der berühmte Pianist Julius Epstein-, der beste Mozarb-Spieler, feierte dieser Tage den 80. Geburtstag. — Rudolf Schildkraut ist hier so schwer erkrankt — er hat infolge eines Nervenleidens die Sprache verloren —> daß die Möglichkeit seines Wiederauftretens seht fraglich erscheint. Klausenbarg (Ungarn). David Sebesthen. dr Präses der orthodoxen Gemeinde, ist in den Adelsstand erhoben worden. London. Lionel de Rothschild, der älteste Kabn Leopold de Rothschilds, hat sich mit Marie Louise Beer in Paris, einer Großnichte des Komponisten Meyerbeer, verlobt. Der Bräutigam ist 30, die Braut 20 Jahre alt. L verpool. Ratsherr Edmund <N. Jackson rettete unter großen Schwierigkeiten einen dem Ertrinken nahen Menschen. PinSk..Rußland). Im Städtchen Pohost Sago» rodni sind ca. 100 meist von Juden bewohnte Häuser hernntergebrannt. feiüffefoii. Der Bürgermeister als Rabbi. Bon S. Luß-Mannheim. (Schluß.) v ,Ach muß Sie -> unbedingt vor dem Beginn des Festtages sprechen; es hängt gar zu viel davon ab." „Gut, dann gehen Sie mit mir und' sagen Sie mir, was Sie wollen." Goldbaum drückte und murmelte, aber er konnte sich nicht entschließen, das zu offenbaren, was ihn zum Aufsuchen Salmes in dem seltsamen Zeitpunkt veranlaßt hatte. - ' „Höreck' Sie Einmal, verstören Sie mir meinen Jomtof Nicht," sagte Salme endlich ungeduldig, ».Sie stellen sich ja an, als ob Sie einen Menschen umgebracht hätten." „Ach, Herr Kitzinger, ich wende mich im unglücklichsten Augenblick meines Lebens gerade an Sie. Weil ich weiß, daß Sie einmal in derselben Lage gewesen sind, können Sie, nein, Sie müssen mir helfen." „Ja, was!wollen Sie'denn'eigentlich?" rief Salme,' blieb stehen und packte den verzweifelten Mann am Arme. „Jetzt keinen Schritt weiter! Sagen Sie, was Sie von mir wollen!" „Alle meine Sachen sind gepfändet, und morgen mittag werden sie versteigert!" „Mensch, und das sagen Sie mir 10 Minuten vor Jomtof? Was soll ich denn da machen?" „Sie haben sich doch schon selbst einmal geholfen, helfen Sie mir auch! Ich hatte nicht den Mut, jemanden gegenüber davon zu sprechen. Beim Bürgermeister war ich oft, aber er will den Versteigerungstermin nicht verschieben, der Rosche. Das einzige, was er mir versprochen hat, ist, er will die Sachen heute abend, wenn es Nacht ist, aus meiner Wohnung nach dem Versteigernngslokal jhringen lassen,, damit keiner Leite L von der Müschen Gemeinde merkt, daß die Versteigerung am Rosch Haschonoh ist." „Wer ist denn der Gläubigers „Der Apotheker." „Wieviel?" „Mehr cils 400 Mark." „Ui!" rief Salme und schlenkerte mit dem. rechten Arm. Aber nach kurzem Besinnen schien er zu einem festen Entschluß gekommen zu sein. „Gehen wir zur Apotheke," sagte er entschieden. „Das .kann nichts helfen, er hat die Rechnung an das Kreisamt abgegeben, und das Kreisamt ist der Betreibende." -'77 „So, dann gehen wir zum Bürgermeister." Unterwegs sann Sülme nach, und der Augenblick stand ihm vor Augen, woGoldbaums Schwiegervater ihm einst geholfen und ihm noch obendrein die Möglichkeit gegeben .hatte, sich Wieder in die höhe zu bringen. „Jetzt mußt Du Deinen Dank abstatten und seinem Schwiegersohn in derselben Weise helfen," schloß) er sein Nachdenken, „und wenn es auch nur noch wenige Minuten vor Jomtof sind, es muß geschehen." ,4?err Bürgermeister," sagte Salme kurz» als sie auf dem Amt ankamen, „kann der Termin nicht verschoben werden? Muß das gerade an unserm heiligsten Festtag sein?" ,Kch habe schon zehnmal vom Kreisamt die Auslage bekommen, die Versteigerung anzuberaumen, nnd jedesmal habe ich dem Herrn GolLbaum auf sein Bitten hin Ausstand gegeben." „Ist das ein Rosche?" Msterte Salme Herrn Goldbaum zu. - - „Jetzt hatdas Kreisamt selbst den Termin festgesetzt und mir eine Nase geschickt so lang wie unser Kirchturm. Ich kann also den Termin, den ich nicht selbst anberaumt habe, auch nicht verschieben, sondern nur aufheben, wenn bezahlt wird. An Ihr Neujahrsfest -hat das Kreisamt wohl nicht gedacht, sonst hätte es sicher einen anderen Tag festgesetzt, schon um mehr Bieter herbeizuziehen." „Wenn es nicht ein paar Minuten vor Anfang des Festes wäre, dann . . . Aber sagen Sie einmal, wenn ich nun Bürgschaft dafür leisten würdet „Ihre Bürgschaft wäre so gut wie Barzahlung. Aber Sie müssen gleich nach Neujahr bezahlen!" „Geben Sie her, ich unterschreibe! Das Gelb bekomme ich schon zusammen." - „Gott sei Dank," sagte der Bürgermeister, „es wäre mir gar ^u unangenehm gewesen, gerade am Ncujahrstage die Sachen eines Juden, von denen auch noch viele von meinem verehrten alten Machoel stammen, versteigern zu lassen. Jetzt, Herr Goldbaum, bitte» Sie .sich morgen bei Ihren Stammvätern Abraham, Isaak und Jakob recht viel Gutes ans: sie sollen ja keine Heiligen sein, das wollte der Machoel ja nie zugeben, aber ich glaube an das Verdienst der Vater, besonders an das )jon vem braven, alten Machock, 8er muß Ihnen .beigestanden haben, weil er selber Leuten in ähnlicher Lage willig geholfen hat. Ich glaube immer noch, daß das auch Sechus Owaus ist." „Was sagen Sie.dazu.?"-,: fragte Herr Goldbanm, als sie draußen vor der Türewaren. „Ich glaube, er hat . xecht! Ihr Schwiegckvaker hat mir geholfen, und sein' Sechus kommt auch Ihnen zu gut. Unser Bürgermeister könnte wirklich Rabbiner werden in der größten Gemeinde!" „Sie haben recht," stimmte Herr Goldbaum diesmal zu, ^,der Bürgermeister - ist wirklich mehr Rabbiner als Rosche." ' > . - flniBPifeanischBFits-n Pincensz Grosse Aaswahl in amerik. nnd deutscher Optik. J. W. Albert, Icke Nene lamrorctr. a. ffaiaframmtr. 11. I 1 ■U vs» t* ' I Schlafzimmer-Einrichtungen Betteniabrikation, Bett-Wäsche. Georg Aniendt. Xaelif. Die Generali«. Nach dem Russischen des Prnschansky von R. N. „Se. Exzellenz General Denisenko. wünscht den Besuch des Herrn Doktor!" Diese Meldung des stramm vor mir stehenden Ossi» ziersburschen setzte mich in Erstaunen. Wohl war ich. vor zehn Jahren in persönliche, recht ftxnnbliche.Be-