Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 32 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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EeÄe 4 ■ . ■ zichimgen zu - dem Generäl getreten, Loch Liese Beziehungen waren plötzlich brüÄ abgSrochen worden, — und stttdem kannten wir uns nicht mehr. Bor zehn Jahren machte ich die Bekanntschaft des Generals in einem Badeorte. Er war schwer erkrankt und ließ Zürich mitten in der Macht rufen. Nur langsam besiegte er die Krankheit. Ws er dann lmeder gesund war, waren wir gute Freunde geworden. Der General war ein kluger Mensch von offenem Wesen; nur eines fehlte ihm: die Güte des' Herzens. - Der General lebte auf großem Fuße. Er suchte zu schr die vornehme, gewichtige Persönlichkeit herauszustreichen, — unb deshölb glaubte man's ihm nicht recht. Auch offenbarte sich gelegentlich einer Meinungsverschiedenheit .sehr schnttl seine' Herkunft aus mederen Kreffen. Dann schtzig er erbost auf Len Tisch. Im vertrauteir Familienkreise schien das sehr häufig vorzukommen, wollte man aus dem verschüchterten Wesen seiner Frau, die — nebenbei bemerkt — in ihrer Jugend eine hervorragende Schönheit gewesen sein mußte, schließen. Eines Tages kam unser Gespräch aus. die Juden. Ich war erschreckt, welcher abgrundtiefe Haß da aus ihm hervottodette. Es war, nß hätte er alle Juden am liebsten in einem Augenblick hingeschlachtet. Sein Verstand, sein sonst starkes Gerechtigkeitsgefühl, alles stockte vor diesem Haß. Ich widersprach, zuerst ruhig, dann heftiger und heftiger. Die anfangs akademische Unterhaltung nahm so : sehr schnell persönliche Formen an, sodaß der General wutentbrannt rief: ' „Wie können Sie dieses jüdische Gesindel verteidigend „Nicht sie, sondern mich verteidige ich!" schrie ich,. „Was, Sie sind. Sie sind . . ." ,Sa, ich bin Jude, ich gehöre zu jenen, denen Sie Ehre, Gewissen, menschliche Gefühle absprechen!" Der General verstummte. Peinliche Verlegenheit spiegelte sich in seinem Antlitz wieder. Als er die Herrschaft über sich wieder gefunden hatte, sagte er begütigend: „Na, vergessen Sie die. Lmnme Geschichte! Mir bleiben Freunde!" - Ich nahm schnell Abschied, — und wir sahen uns nicht wieder. . . _/ * Man wird es also begreiflich finden, daß ich über die plötzliche Einladung nach zehnjähriger Pause verblüfft war. . „Ist jemand krank?" ftagte ich den Burschen. '»Th« Exzellenz Alexandra Petrowna." „Kommt der Hausarzt?" ' „Ja, zweimal am Tage." :,Mozu .bi» ich dann nötig?" ,Sch weiß cs nicht. Aber ich soll bestellen, daß { sder General selbst sehr dringend um Ihren Besuch! bitten läßt.-" Was sollte ich tun?Mcin Pflichtgefühl als Arzt entschied, und ich. persprach, zu kommen. > * - Eine Stunde später hielt meine Droschke vor dem Hause des Generals. Eine'Mibarc Stille empfing mich, als ich das Haus betrat. Es,Mar jene Stille, die so häufig das Herannahew- Lfs Meisters Tod kündet. Der Diener. meldete Mir,: daß der General .seine Abwesenheit entschuldigen ^stusse, eine dringende Ängegelegenheft habe ihn plötzlich fortgerufen. Ich betrat das Krankenzimmer. Die Krankenschwester erhob sich sofort, um sich mft stummem Gruß zu erftfernen. Ich stand allein vor einem schneeweißen Bett and sah aus einem blutleeren Gesicht zwei Augur mir sehnsüchtig entgegenleuchtcn. als ein- , zigc Zeugen des noch nicht erloschenen Lebens. ,Klch, Herr Doktor, wie froh bin ich, daß Sie gekommen sind!" Doch die Hand, die sie mir reichen wolltt, siel bcaftlos zurück. -LJch nahm die Hand, um - gleichzeitig den Puls zu Mmfen. Ein Lächeln huschte, als sie das Anfassen Wangen der Kranken. ^^Nützt nichts, Herr. Doktor. Ich-sterbe." ~ '->2ch wollte ^trösten» wollte ausinuntern. Doch sie we^L' . Ä. ' „Neigen Sie mir lieber Ihr Ohr näher, daß ich mit Ihnen sprechen kann! Nur um mft Ihnen zu sprechen, habe ich Sie herbftten lassen." Dann schwieg sie,, und ich hatte Muße, die Arzneien zu betrachten. Ich erkannte sie als die bekannten Mittel für den Fall, haß nichts mehr HUst. ‘ Mich einer Weile sagte die Kranke: „Ich hatte Angst, Sie würden nicht kommen. Denn ich weih, was .vorgefallen ist." Frankfurter Fsraelitifches FamklienblaÜ. Nr 32. - Sie schwieg wieder. Dann: „Sagen Sie, Doktor, Sie sind doch Jude?" „Ja, ich bin Jude." . . Entschuldigen Sie,. ein richtiger, - oder . . ." Sie stockte. „Ein richtiger," erwiderte ich lächelnd. ,^fch habe es mir gleich gedacht, weil ein richtiger Jude offen und gerade ist. Er fürchtet sich nicht vor dem Gedanken, daß man diese oder jene Aeußerung von ihm übel aufnehmen könnte. Ich hätte viel darum gegeben, auch so leben" zu dürfen." „Sie?" ,,'Fa, ich/.— jAuchich Mn Jüdin, aber keine richtige." Jetzt wurde mir manches llar. Jetzt sah ich auch die charakteristischen Augen der Jüdinnen tn ihrem sonst durchaus unjüdischen Gesichte. - Ihre Geschichte war eine einfache. Sie wollte-nicht sterben, ohne sie .einem Jnhen'gebeichtet zu haben. So hätte ich denn folgendes: „Mein Vater war ein gesetzestreüer Jude, aber kein Feind einer allgemeinen BÄduftg. Er war .sehr reich nnd ich sein von chm abgöttisch geliebtes, einziges Kind. War es da nicht naheliegend, daß ich eine moderne Erziehung genoß und auch in christlichen Kreisen bekannt wurde? ' . In der Garnison meiner Heimatstadt diente damals ein Unterleutnant Denisenko. Wir gewannen uns lieb. Es gab einen schweren Kampf für mich. Die Liebe zu dem jungen Manne siegte. Ich ließ mich taufen, doch dieses Opfer für den Geliebten kostete mir den Vater: ein Schlaganfall tötete sein Leben, als er die Mittellung von meinem Schritte erhielt/^ ,_. (Schluß folgt.)_ SCHMIDT & SCHIEFER Telephon 13430. Im Trutz 88. Telephon 13430. Gas-, Wassernnd Heizungs-Anlagen. —Moderne BSder nnd Closets. Reparaturen prompt hei zivilen Preisen. Bunte Chronik. Meyerheims Raffe. Alfred Kerr schreibt im „Pan": Wenn ein Maler Siebzig wird, gilt es, den Knoten zu entwirren, ob - seine verstorbene Frau Arierin gewesen. Es handelt sich um Paul Mcyerheim, der als zoologischer Maler den Redakteuren der Deutschen Tageszeitung Anteil einflößt. Sie versichern, daß ein rein germanisches' Wesen aus dein Werk und' dem Menschen spreche. »Leute können wir nun auf Grund einer Mitteilung—von Herrn Professor Meyerheim selbst feststellen, daß er wie seine Gemahlin rein germanischer Abstammung sind." Gott sei Dank. Man hätte sonst nicht einschlasen können. Aber die ^Behauptung ist unwahr. Da Mcyerheim nicht schwindelt, liegt abermals eine Schwindelei des Schollenblattes vor — oder ein mitleidweckendes Aufdenleimgehen. Die taktvoll herangezogene ^(verstorbene) Frau des Jubelmalcrs, eine Jüdin, hatte nur mesopotamisches Blut. Den Rassenkomikern sollte bekannt sein, daß beinah alles, was Lehfeld, Lewald, und manches, was Lehmann heißt, vormals Levi geheißen hat. Die (verstorbene) Frau des verdächtigen Siebzigers war bestimmt eine Germanin von dem Stamme -jener Lewi. -Die Schriftleiter des Landblattes haben, von Rassendingen soviel Witterung und Wissenschaft wie eine Hebamme von Brahmsschen Quintetten. Ob aber nun Meyerheims Tiere noch gut getroffen sind? Französische Grabungen tm^atten Babylon. Eine französische wissenschaftliche, Expedition hat eine Unmenge alter Tontaseln und''^Donfigurrn, religiöse Texte, Privatbriefe und Votivgegenstände darstellend, aus-. gegraben. Elf große Kisten voll dieser'Gegenstände konnten in das Aluseum von Stambul gebracht werden. Aber wichttger als diese Funde ist die Aufdcckung..eu;es großen Tempels mit sehr interessanter ornamentaler ^Architektur. Dieser Fund wurde in der Nähe einer alten Burg gemacht, und die ganze Struktur ist einem Turme ähnlich wie dem von Birs-Nimrond, den der Volksmund den Turm von Babel nennt, mit dem, Unterschiede, jedoch, daß Der. neue Fund bedeutend besser konserviett ist. EineSefer Thora ans China in der Wiener Hofbibliolhek. In der Wiener T. k. Hofbibliolhek befindet sich eine Thorarolle, welche aus Kai-fang-fu in' China stammt und vor mehreren Jahren von hem bekannten Reisenden Dr. Karl Scherz.er erworben würde. lieber die Art der Erwerbung berichtete Dr. Schcrzer das folgende: - Während meines Aufenthaltes in Peking kamen eines Morgens zwei Juden in das Hotel der britischen Gesandtschaft und boten mir eine riesige Thorarolle zum Verkaufe an. Die beiden jüdischen Abkömmlinge trugen chinesische Tracht, glichen aber in ihren Zügen weit mehr Mohammedanern als Chinesen, was wohl hauptsächlich! daher ^kommen mochte, daß dieselben mehr mft dpn ersteven als mit den letzteren sich! . vermischten. Ihr Gesicht war oblong, die Augen waren nicht geschlitzt, sondern' gerade und tiefliegend, die Nase etwas gebogen, der Haarwuchs am Kinn' und an den Backen sehr reichlich Sie kamen aus Kai-fäng-sti, einer ehemaligen Judenkolonie, welche etwa um das Jahrtausend nach Beginn der jetzigen Zeitrechnung von den gus Samarkand und Buchara eingewanderten jüdischen Handelsleuten gegründet wurde, allmählich aber ganz verarmte und schließlich in der eingeborenen Bevölkerung völlig aufging. Gegenwärtig sind davon nur mehr wenige Spuren in verfallenen Häusern und in Trümmern der einstigen Synagoge übrig geblieben, während die Nachkommen ' sogar die Sprach: ihrer Eltern'- vergessen haben. . . Für ihre Einwanderung aus Bockhara spricht namentlich auch der Umstand, daß sie aus jener Stadt ihre Schriften sowie ihren ' Rabbiner kommen ließen. Als aber vor ettva 150 Jahren ihr" Rabbiner - starb, besaßen sie nicht mehr die Mittel, um einen Ersatz aus Bockhara sich zu verschaffen. I Nach Ansicht des Dolmetsches der britischen Gesandtschaft in Peking, Doktor Edkins, wurde die obenerwähnte Thvrarolle vor ungefähr 200 Jahren vom vorletzten Rabbiner in Kai-fang-fu geschrieben. Es sollen in China im ganzen nur 13 Abschriften der fünk Bücher Moses vorhanden gewesen sein, von welchen sechs nach England und zwei nach Nordamerika wandelten, während eine Abschrift angeblich, in einer Moschee in Peking aufbewahrt ist.' Außer dem mir zum Ankäufe angebotenen Exemplare, von welchem die Besitzer, wie sie sagten, nur sehr schwer und aus dem Grunde sich trennten, um die Rückreise in ihre' Heimat bestreiten zu können, gibt es in China nur noch drei Exemplare von Thorarollen. Taschentücher II empfehlen in grosser Auswahl nnd' allen Preislagen II F. 6. Strubberg & Co. I 25 Nene Mainzers trasse 25. || Kunst und Literatur. Die jüdische Gemeinde von Elephantine und ihre Beziehungen zAm.Alten Testament von Dr. Phil. AntonWirku in Rostock. 32 Sellen. 50 Pfg. Gr. Lichterftldc-Berlin, Edwin Runge. , Dieses. Büchlein aus der Feder eines auf der bibelkrittschen Methode fußenden christlichen Gelehrten zeigt so recht die ungemeine Bedeutung der .Ausgrabungen im Orient für die geschichtliche Authentizität' unserer Bibel, denn selbst die größten Zweifler müssen heute ihre geschichtliche Authentizität anerkennen. So kommt Jirku infolge des Fundes in Elephanttnc zu folgendem Ergebnis: „Namen, die uns aus den alttestamentlichcn Schriften bekannt sind, lesen wir in den aramäische» Sapyrus von Elephantine wieder, und die Echtheit von christstücken der Bücher Esra und Nehemia, die bislang stark angezweifelt wurde, wird durch gleichartige aus derselben Zeit neuerlich erhärtet. Das 19. Kapitel des Jesajabuches hat durch die Funde von Elephantine eine neue Beleuchtung erfahren und zwar in der Richtung, daß an dem jesäjanischen Ursprünge desselben heute nicht mehr gezweifelt werden darf. ..." Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a> M. ——- Gegen Gicht nnd Bhenmatlsmns bewShrt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankfurt a. M., Güntherabnrg-Allee 37. TeL259 n. 714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Losch.) Samstag, den 17. August (--- 4 Mul: Sabbat-Anfang iik Frankfutt a. M. 7 Uhr 10 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfutt a. M 8 Uhr 30 Min. in Berlin 8 Uhr 20 Min. Wochenabschnitt: Schau ft im. Zunächst wird die Einsetzung gerechter Richter gefordert. (Aehnliches im 2. Dch. M,, Kap. 22.) Kein göttlicher Verehrung geweihter Baum soll angepflanzt werden. Verbot, Tiere mit Lcibrsfehlern zum Opfer zu bringen., Bestrafung von Götzendienern, ebenso von deren Verleftern. Einsetzen des höchsten Gerichtshofes in der „auserwählten Stadt" (Jerusalem). Einsetzung eines Königs in Israel. Dessen Rechte und Pflichten als Vater des Volkes. Verschiedene Abgaben an. Priester. Heidnische Bräuche und Unsitten aus Israels Akitte fernzuhalten. Verhalten gegenüber den wahren und falschen Propheten. Wiederholung der Vorschrift, sechs Zufluchtsstädte einzurichten für den Fall eines unabsichtlich! begangenen Mordes. Währe und falsche .Zeugen vor Gericht. Bestrafung Meineidiger. Aufmunterung zum Kainpf bei einer Mobilmachung von Israels Streitkräften.' Dispensierung verschiedener Kategorien der. männlichen Bevölkerung durch den „Kriegsminister" Weschnlfth Milchomoh).r Verfahren "mit einer zernietten und vkmpiettcn"'StadtH vor und 'nach der Kapitulation. (Dabei die AnweisungT^keinen Fruchtbaum zu zerstören!) Verantwortung uftL"tSühine des jüdischen Gerichtshofes bei einem Mordfalle: bei dem die Recherchen erfolglos bliebe». i . Wvchengottesdienste Morgens: 6-Uhr (Hauptsynagoge Synagoe Königsteincrstraße 7 Uhr 30 Min.^* Abends: 7 Uhr (Hauptsynagoe -4 Uhr). ... Offenbach er Druckt uffe - Anlage Offenbach a. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). 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