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Neue jüdische Presse · 1912-08-16 · Heft 32 (16.8.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 32 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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toreu-ZM Wch jeVNutliH« rNr HarpM Me ftmMvren m-oralffchen Schaden, Ne Hie Emigration nach Amerika für' UM Hat, erkMnen, uittfo größer und heiliger wird Ne Aufgabe, auf hie Mircherung dieser Emigration und ihre Ueberleitung nach PalMna hinzjuärbeiten. Denn alle Gefahren vermag unser Polk zu überwinden, ■ wenn es nur seine Moralische Stärke, sein sittliches Prestige bewührt. Dcymm sirü» für uns, Fälle, wie der Fall Posenthal, doppelt und dreifach betrübend, und urffere Pflicht, an^der Beseitigung. solcher Zustände W Mrken, K ungWtz Wher und. heiliger als die aller anderen. Das^M»lf, der EMk wiarenj wir stets ‘ gewesen;~ tvrin^'HiU 'das Geheimnis unserer NMt .and. mnserer SSbß der Ethik uEün wir auch' ttvig^VlHwen. 8 W« guter Rat. . - -/Und. bist du nicht wAlig, so brauch ich Gewalt.^ Dieser Satz rchrr und ist von jeher der LHffprwch aller der Parteien gewesen, die mit ihrer WeWeit zu Ende waren urchi Ne Mrcht ihren Händen entgleiten spürten. Gicht eH nicht mehr Lurch Üxberredungskunst, so greift man zur Vergewaltigung.^ Dieses' Verfahren macht sich in letzter Zeit auch bei einem Teile unserer „Liberalen" bemerkbar Das überall aufkomNtende Interesse für alles Jüdische bei breiten Schichten, Kerndeutschen Juden- M, die immer sinkende Indifferenz, nicht zum wmiFten Ne täglich wachsende nationale Strömung machen Ne Herrschaft der „Liberalen" in den großen jüdischen Organisationen sowie in den Gemeinden ivaflkend, und diese verspüren; Me sie langsam; icwer stetig, an Macht verlieren.. Eins Teil derschben, der klügere, ist so vorurteilslos. Ne Ursachen dies« Erscheinung zu erkennen und! will /lWgM.'anch''-^.vFw^er»»gk«. Nr Zeit Rechnung trvgml. Ein anderer Teil, Ne Heißsporne und! Fanatiker, wollen nicht um ein ,Jota> nachgeben und süid darum lieber bereit, zur Aufrechthaltung ihrer Macht sich der Gewaltzu bMenen^ aiP'auch'nurNe germgste, Konzession zu machen. Dies hat sich in letzter Zeit verschiedentlich gezeigt; wir wollen hier nur ^ins zwei Symptome dieser Gewaltpolitik hnweisen: auf.einen Artikel in der Allgemeinen Zeitung des Judentums: „Das Recht der Majorität und auf den Antrag des liberalen Giemeindevertreters Falk in Cvln, den ausländischen Juden das Wahlrecht in d er Gern eiadx zu entziehen. Der Autor des erstgenannten Artikels will entdeckt Haben, daß die Majorität der deutschen Juden voll einer schreierischen, Nuten Minorität vergewaltigt wird; und'so pudert er denn, daßdieMajorität sich auf ihr Recht Vesinne und 'der Herrschaft wicher sich bemächt-ige. Es ist. mützig, auf all Ne Unrichtigkeiten, ja auf die anH,Groteske streifende Behauptung des Artikels näher einMgehen; es genügt nur, daran zu erinnern, wie unerhört, bas Wahlrecht in den meisten Geweinöen ist, wie sich dje! Liberalen mit HäNNn unts Füßen dagegen strauben, es demokronscher) "moderner z>u gestalten, wie infolge dieses Wahlrechts eine kleine oligarchifche Schicht in den GemrinLestNben herrscht, cs genügt, nur daran zu erinnern, um einMsehen, daß die Liberalen gewiß nicht das'^Recht haben, sich ihrerseits über Vergewaltigung zu beklagen. Und es erinnert nur an die berühmte Geschichte voM DikH, der bei der Verfolgung sichjplötzlich nmwandte und aus Leibeskräften zu schreien.anfing: „Hilfe.! Hilfe! ein DiE, ein Diebes wenn Man liest, wie unsere Liberalen über Vergewaltigung, jamwern. Dm wahre Grund dieser Forderung des Artikelschreib^s der „Mlgem. Zeitz, des JuN" ist. der, daß die Opposition ihm, zu unbequem! wird,' und daß er deshalb aus Mangel an anderen Mitteln nichts öderes weiß, als sie vollends, ganz, undj gar. zu untmdrücken. - , . „ein WrunN^ ähnlicher Art jist es, der den nnmhöüen. Antrag Hall veranlag, hat. Auch hier erübrigt es" sich mit Argumenten logischer Art seine Ungerechtigkeit zu beweise^ zumal, da er ja zuw! Glück zurückgezogen worden ist. W.isteininteressantes Spiel des Zufalls, Haß -kurze Zeit nach der JaWunLertfeier der Em!anzipation, da Ne deutscher! Fud^-säbst erst aus. Fremden deutsche StachDürgerHurden, ein deutscher Jude zu Felde , H egen die Ausländer, gegen Ne Fremde. In HrWeft ist es eben - Neselbe Sache wie im! vörrgen^HaL Die AuÄänder stellen in den Gemein¬ Frankfurter Araelitffches FamWerchlall. Nr 32 den ein demokratisches, positiv jüNsches, .oppositionelles, nationales Element dar, und um sich' ihrer unbequemen Opposition zu entledigen, will Inan' ihnen das Wahlrecht entziehen. Und der dies beantragt, nennt sich noch stolz „liberal". Doch es ist vergeblich. Ebenso wie die Heydebrandsche Gewaltpolitik im Reiche eine Niederlage erlitten , hat, wird und muß auch, diese Gewaltpolitik unserer Liberalen zum Fiasko führen. Die auskommende nationale, positive Bewegung. wird durch solche Mittel nicht erschreckt werden. Für die Liberalen gibt es nur ^in Mittel, ihre Herrschaft zu bewahren: wahrhaft liberal sejn, d. h. den Forderungen der Zeit entgejgenkoMMen und sie befriedigen. Sich gegen den StyoMMr Zeit zu stem-- men, isf für die Daum unmöglich. Noch.ist es,.Zeit für die Liberalen, durch kluges?'Entgegenkommen wenigstens einen Teil ihrer Macht zu behalten. Versäumen sie den richtigen Moment, verharren sie in ihrer Gewaltpolitik noch, weiter,, dann wird bald, der Augenblick tznfmen, wo es)selbst.,'Hrm Nach-- geben zu spät ist. Je früher sie darum inft^ihrer Gewaltpolitik anfhören und weise nachgeben^ umso besser für sie. - : . Berbasd Der deutschen Juden. „Der Verband ist geschaffen worden, um eine einheitliche Vertretung der gesamten deutsch. Inden darzustellen. Nachdem er durch die satznngsmäßigc Grundlage, für dis Zusammensetzung seiner Hauptversammlungen und seines Ausschusses die Möglichkeit geschaffen hat, daß, alle, die gemeinsam ohne Unterschied der Einzelrichtung für die Interessen der Gesamtheit mitzuarbeiten willens sind, hierzu imstande sind, sucht er dieser seiner Aufgabe durch die Art seiner Arbeit gerecht zu werden. UÄber dieAnregnngen, die allseitige Vertretung der deutschen Judenheit im Verbände durch Veränderung der Satzung oder auf anderem Wege noch Mehr zu sichern, ist wiederholt beraten worden (vgl. Tagesordnungen im vorigen Geschäftsbericht); der Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung eine Kommission zur erneuten Prüfung dieser Frage gewählt." Mit diesen Worten leitet der Verband seinen Bericht über das 7. Jahr seiner Tätigkeit ein. Es sei hier diese Tätigkeit kurz in ihren Hauptmomenten skizziert. Das unter der Leitung Dr. Bernfelds stehende apologetische Archiv sammelt ständig das einschlägige Material. Leider mangelt es noch an der gerade bei einer solchen Institution erforderlichen freiwilligen Mitarbeit. Rabb. Dr. Baeck arbeitet im Aufträge des Verbandes an einem apologetischen Werke, das jetzt seiner Vollendung nahe ist. Bei der Regierung war der Verband wegen Staatszuschüsse zu jüdischen Kultuszweckenim Interesse des Schutzes des Schlachtens und wegen Milderung der Sonntagsruhe-Bestimmungen für die den Sabbäth feiernden Geschäfte bemüht. Der neue Entwurf der Regierung für ein Sonntagsruhegesetz sieht eine Arbeitszeit von fünf Stunden für orthodoxe Juden vor. Der Durchführung der Gleichberechtigung hat der Verband seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Eine gemeinsam mit dem Deutsch - Israelit. - Gemeindebund gebildete Kommission beschäftigt sich, mit der Herbeiführung einer Besserung in den Anstellungsverhältnissen jüdischen Lehrpersonals an öffentlichen Schulen. Die Zurücksetzung der Judenim Heeresdienst, als Schöffen und Geschworene, in amtsärztlichen Stellungen und als Hochschullehrer gab dem Verband gleichfalls Veranlassung zu entsprechenden Schritten. Auch beschäftigte sich der Verband mit den Schwierigkeiten, die Juden bei Erteilung von Pässen nach Rußland.,und beim Erwerb der Staatsangehörigkeit gemacht werdest. Die bisherigen Verhandlungen des Reichstags über das Staatsangehörigkeitsgesetz haben leider gezeigt, daß^nicht einmal das Mindestmaß der vom Verband geäußerten Wünsche durchgesetzt werden wird. ,? Ein Ueberblick über die Gesamttätigkeit, des Verbandes und deren Resultate erbringt den Beweis, daß diese intensive Arbeit doch Ms einigen Erfolg hat und daher notwendig ist. .... Aus aller Mett. Levis«-? «ei«. Kölu. Auf der Konferenz des Rhein. Rabbinerve r b ä n d s referierte Rabb. Dr. Kalischer -Bonn Aber die Errichtung eines judaistischen Lehrstuhls an der Bonner Universität. Er führte aus: Der Bonner Orientalisten-Berein hat in der Frage der Errichtung eines judaistischen Lehrstuhls bereits einen wichtigen Schritt getan, indem er dem Kultusministerium eine Petition unterbreitete, deren Abfassung ihm, dem Referenten, zufiel. In dieser ist hervorgehoben, daß die enge Volksgemeinschaft zwischen jüd. Und christl. Deutschen dem Staate die Pflicht auferlegt, zur Erforschung der jüd. Religionsquellen Ge- . legenheit zu schaffen. Die Lehrstühle für alttestamentliche WissensMft genügen da ni<Ä, denn grade der Talmud ist der Knotenpunkt für vas Verständnisdes Judentums. - Nichts nur die . vergleichende - Meligionstunde, sondern auch, manche Gebiete des Geistes und der Naturwissenschaften würden von einem solchen Lehrstuhl Vorteil .ziehen. Die Eingabe hat vonseit'en des Herrn Ministers eine Ablehnung mit der Begründung erfahren, daß - zunächst noch dringendere Wünsche zu erfüllen seien, Der Orientalistenverein bereitet, aber eine zweite Petition vor, gestützt auf eine große Anzahl von Zustimmungserklärungen. Der Referent hält -I die Sache für'aussichtsreich und bittet daher, daß die westdeutschen Juden und allen voran die Mitglieder des Rheinischen Rabbinerverbandes diese Sache zu der ihrigen machen und ihr jede Unterstützung angedeihen lassen. Das zweite Referat hielt Rabb. Dr. Samuel- Essen, einer der ' radikalsten Vertreter des liberalen Judentums. Er sprach über die Wendung in der Bibelkritik. Er führte aus, daß in jüngster Zeit besonders die Arbeiten von Rud. Kittel-Leipzig (Geschichte Israels und die Alttestamentliche Wissenschaft, 1912) ihn in der Ueberzeugung bestärkt haben, daß nachgerade eine , starke Abkehr von den Theorien und Hypothesen der Stade-W.ellhausenschen Schule zu bemerken sei. Die Ergebnisse der Ausgrabungen haben insbesondere die Ueberlegenheit der mosaischen Gesetzgebung..in allen Punkten erwiesen. Die jüdische Theologie sollte dieser Wendung gencäß wieder mit neuen, biblischen Studien auf den Plan treten. Reu-Strelitz Für einen rückständigen Mietsbeirag in Höhe von 100 Ji für das jüdische Betloral sind vor einer Reihe von Jahren hier zwei Thorärollen gepfändet worden. ' Die Wirtin des ehemaligen Betlokal^ beansprucht für die Herausgabe der Thorärollen"? jetzt 200 Mark, auf welchen Betrag inzwlsckM^ >die Schuld gestiegen ist. — Es wäre endlich.,.einmal an der Zeit, diesem Chillul Haschem ein Ende Machen. vesterreich-MMM Wien. In dem galizischen.KÄrorte Szczawn i c a herrschen, wie „Blochs Wochenschrift" von dort berichtet wird, ' ganz merkwürdige Sitten. Die zahlreichen Kurgäste, die zumeist aus Juden bestehen, dürfen wohl die teuren Mietpreise bezahlen, erhalten die Heilbäder und Mineralwasser aber nur dann zugewicsen, wenn sie ein ärztliches Zeugnis vorweisen, welches ihnen die Benützung dieser Heilmittel vorschreibt. Diese an sich ganz merkwürdige Verfügung der Kürverwaltung wird jedoch seltsamerweise nur gegen die jüdischen Kurgäste angewendet, während die übrigen von dieser Maßregel ganz unberührt bleibenl Ein angesehener galizischer Rabbiner, der sich darüber beschwerte, wurde von einem Polizisten deshalb gröblich mißhandelt. Dies war auch der Anlaß zu einer Protestversammlung der jüdischen Kurgäste, die vorige Woche stattfand und in welcher nach eingehender Besprechung der unglaublichen Zustände die folgende» Resolutionen gefaßt wurden: 1. Der Polizeimann, der sich gegen den Rabbiner so arg vergangen hat, soll seines Amtes enthoben werden. 2. Die unglaubliche Verordnung bezüglich der Ausfolgung der Mineralwässer, die sich ausschließlich gegen die Juden richtet) ist außer Kraft zu setzen. 3. An die Angestellten der Badeverwaltung soll der Auftrag ergehen, daß sie sämtlichen Kurgästen ohne Unterschied der Konfession eine gleich? menschliche Behandlung zuteil werden lassen. 4. Jnsolange die Verwaltung den jüdischen Kurgästen nicht volle Genugtuung verschafft, verpflichten sich die Kurgäste, sämtliche Einrichtungen der Kurverwaltung zu boykottieren. Budapest. Die jüdische Gemetn-de hat zwei Millionen Kronen für . ihre Wo h ltä t i g ke its a n st alte n geerbt. Der Testator ist der vor einigen Tagen im 83. Lebensjahre verschiedene Junggeselle Ignaz Hah, der stets aufs dürftigste lebte. Maramarofsciget. Am 5. dieses ist die Ortschist Falußlatina (Com. Maramaros) völlig niedcrgebrannt. 50 jüdische Familienmit mehr als 300 Seelen sind obdachlos geworden. Diese gehören der allerärmsten Klasse an. Es sind zumeist Taglöhner. Die Erwachsenen waren fern vom Hause, als das verheerende Feuer am. helllichten Tage ausbrach!, und so konnte nicht, einmal das Allernötigste gerettet werden. Die Häuschen, die aus Holz gebaut waren, sind samt der armseligen Einrichtung völlig eingeäschert. In Maramarossziget hat sich ein H ü l f s k o m i t e e gebildet mit dem Oberrabbiner Dr. Samuel Danzig an der Spitze, der Spenden entgegennimmt. Grotzbritauuiem ' - Londo«. Die Vorsteher der United,Synagague hak-en dem Minister des Aeußeren Sirs,Edward Grey ein Memorandum in der russirs-chen Paßfrage überreicht. Türkei. 21 Kouftantlnopel. Die hiesige 'Gemeinde 'befand sich seit längerer Zeit in einer Krise, weil zwischen dem Großrabbiner und der aschkenasischen Gemeinde ein heftiger- Konflikt ausgebrochen war. Nunmehr ist —. insbesönderedank der vermittelnden Tätigkeit der Loge „Bnö Berith" —i der Frieden wiederherge st ellt . worden. Die aschkenasische Gemeinde hat sich mit dem

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