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Neue jüdische Presse · 1912-08-09 · Heft 31 (9.8.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 31 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Frankfurter JfraelitWeä FamNieröblaÜ. Seite 3 Ztrucks Behauptung erklärt und sie durch cinfB AnKaU Beispiele noch bestätigt. Und aus dem, Ms Diese beiden Persönlichkeiten aWfüh'ren, geh't mit Evidenz hervor, t»aß. in Mnerika ein Untisemitisbrus krassester Art existiert. All die ökonomischen Ursachen fallen aber dort fort. Mas äußert sich in der Tatsache, die dem Gangen erst die eigentliche Bedeutung gibt, daß die niederen Schichten des Volkes viel weniger vom Antisemitismus befallen sind... als gerade die höheren, und daß.auch die niederen Schichften der jüdischen Bevölkerung diel weniger unter demselben Fu leiden haben als gerade die Wcheren. - Der Antisemitisnius in Amerika ist fast ausschließlich gesellschaftlicher Na- ' t ur. Darum macht er sich nach außen so wenig -bemerkbar, daß man meinen könnte, Amerika sei von diesem Uebel frei. Innerhalb der amerikanischen Gesellschaft jedoch, ist er viel stärker als bei uns. Es gibt ganze Bäder, in denen Juden keine Wohnungen mieten können, große, vornehme Hotels, die völlig judenrein sind, ja große Schiulen, die üur von, der Aristokratie besucht werden, iin denen kein Jude Aufnahme findet. Und all das ohne irgendwelche ökonomische Ursachen, die ja für diese Millionärkreise der amerikanischien Gesellschaft gar nicht existieren,. sondern einzig und allein aus — aus, ja, man suche welche Gründe man auchwill, Man wird keinen anderen finden als die i n st i n k - t i v e Abn e i g u n g. gegen den Juden. Wer n'ün noch, nach diesem eklatanten Beweis, daran zweifelt, daß es eine solche instinktive Abneigung gibt, dem ist. nicht zu helfen; der will nicht sehen. Für alle klar Sehenden aber fleht es fest, daß die letzte Ursache des Antisemitismus'nicht temporäreökonomische oder politische Ursachen sind, sondern eine instinktive Antipathie des Nichts uden tzegejn den Juden, die ihrerseits wieder in unserer anormalen Lage ihre Ursache hat. Die Beseitigung dieser anormalen Lage ist daruim auch das alleinige Mittel zur Beseitigung des Antisemitismus. Aus alter Mett. Deutsches Reich. Memel. Es ist angebracht, die weitere jüdische Oeffentlichkeit auf das hiesige jüdische Krankenhaus hinzuweisen. Da das Krankenhaus nämlich zahlreiche Patienten aus Rußland .aufnimmt, verhindert es diese. . loeiter nach Deutschland hineinzugehen. Die Jndenheit Deutschlands hat so die Pflicht, das hiesige jüdische Krankenhaus nach Möglichkeit zu fördern und für seinen Ausbau Sorge zu tragen. Leider mangelt es in dieser Hinsicht noch sehr, und das Kuratorium deß Krankenhauses Hut alle Kraft anzustrengen, damit die Einnahmen und Ausgaben nur einigermaßen balanzieren. Das -Kuratorium besteht aus folgenden Herren: Tobias Abelmann', S. Ch. Bernstein, Dr. med. Max Hnrwitz, Jakob Lippmann (Aachen). Rabb. Dr. Stein und .Landgerichtsrat Wechselutann. Oberin ist Fräulein Therese Markus. Neustadt 1. Hessen. Die hiesigen Juden begingen am 26., 27. und 28. Juli das 25jährige Jubiläum ihrer Synagoge. Zu dieser Mer hatte sich auch eine große Anzahl auswärtiger Gäste eingefunden. In der ganz renovierten und geschmückten Synagoge wurde Freitag Nachmittag . ein Festgottesdienst abgehalten, bei dem Provinzialrabbiner Dr. Mnnk-Marburg die Festpredigt hielt und Lehrer Markus der Gründer in einer Ansprache gedachte. Nach einem Zug durch die in Festesschmuck prangende Stadt, fand im Saale des „Deutschen Haus" ein Kommers statt. Samstag Morgen sprach Lehrer Markus noch ans Anlaß eines von einem Gemeinde- Mitglied gestifteten Ner-Tomid. Mit Konzert und Tanr fanden die Festlichkeiten ihren Abschluß. Oesterreich-Ungarn. Wien. Zu der Frage der Notwendigkeit ciner Reichsorganisation der Juden Oesterreichs schreibt die „Jüd. Ztg.": . ,,Jn Pxag werden, jetzt die Verhandlungen betreffend den deutsch-tschechischen Ausgleich geführt. Die Anzahl der' strittigen Punkte ist nach vielen Fährnissen, auf drei- Punkte, reduziert worden, welche alle die Zweisprachigkeit Prags betreffen. Die Deutschen wollen dieses Postulat unter' keiner Bedingung fallen lassen und stützen ihre Forderung hauptsächlich darauf, daß in Prag 20 000 Deutsche leben. Nun sind aber von diesen 20000 Deutschen ungefähr 13030 Juden, welche durch ihre Betriebsamkeit und ihre Intelligenz im wirtschaftlichen Leben der böhmischen Landeshauptstadt eine große Rolle spielen. Und dieselben deutschradikalen, antisemitischen Abgeordneten Deutschi-Böhmens, welche im Parlamente für die Resolution Schnrid und gegen den, Antrag . . .* - ' ■ Smeräl gestimmt haben, erheben jetzt auf 'Kosten der Juden deutsch-nationale Ansprüche. . Diese den Inden gegenüber in Böhmen praktizierte Methode steht nicht vereinzelt da. JnGalizien läßt sich dasselbe Schauspiel wahrnehmen. Die Polen zwangen die- Juden, sich zum Polentum zu bekennen, and - erlangten dann, gestutzt auf die durch die erzwungene Zuzählung der Juden zur polnischen Nation erreichte Majorität, im Lande die Alleinherrschaft in Galizien. Aber gleich den Deutschen betreiben auch die Polen eine die Juden schädigende antisemitische Politik. In Böhmen und Galizien sind die Folgen für die Juden dieselben. In Böhmen entläd sich, der Haß der Tsch«hen, in Galizien der der Rnthenen gegen die mißbrauchten Inden. Dieser Parallelismus in den politischen Erscheinungen im Westen und Osten Oesterreichs beruht auf demselben Mißstande: nämlich auf der Tatsache, daß die Inden nicht' die Gleichberechtigung als Nation haben. Und dieses Recht ist zweifellos die Voraussetzung einer großzügigen,, im Dienste des jüdischen Volkes zu leistenden Arbeit. Die Erreichung dieses Rechtes muß darum von einer bewußten jüdischen Politik in ganz Oesterreich angestrebt werden." Krakau. Angesehene Persönsichkeiten der galizischen Judenheft veröffentlichen gegen den Luxus auf Hochzeiten folgenden Aufruf: „Wegen der schlechten Zeiten, in denen sich heute die jüdische Bevölkerung befindet, möge sich jeder möglichster Einfachheit und Bescheidenheit in der Lebenshaltung befleißigen.. In einer hier abgehaltenen Versammlung, die von fünfhundert Personen besucht war, waren wir alle .darüber . einig, daß die Neigung zum luxuriösen Leben Schuld an dem wirtschaftlichen Niedergange der jüdischen Bevölkerung ist, auch daran, daß sich die Verheiratung, der Kinder - Immer schwieriger gestaltet. In einem Komitee, dem 10 angesehene Persönlichkeiten angehören, wurden daher auf Grund der vielfachen vom Publikum gestellten Anträge folgende 7 Bestimmungen getroffen: 1. Der „Streimel" (Kopfschmuck) des Bräutigams darf nicht mehr als 100 Kronen kosten, die der Vater des Bräutigams zu tragen hat, während der Scheitel vom Vater der Braut bestritten werden muß; 2. die zwischen dem, Brautpaare gegenseitig ausgetauschten Geschenke dürfen 10 Prozent der Mitgift nicht überschreiten; 3. Es darf der Braut ein separates Kleid zum Zwecke der Trauung nicht angefertigt werden. - Ebenso darf die Braut am Träuungstage keinen Schleier tragen: 4. man soll auch ferner keinen Badchon (Lustigmacher) - mehr bei Hochzeiten anstellen. Die Hochzeitstafel soll so znsammengesteflt sein, daß große Ausgaben für Küchen- und Servnrungspersonal vermieden werden; 5. Frauen dürfen nicht mehr mit Hüten in der Synagoge oder im Vereinshause erscheinen; 6. auf einem „Sochor" darf kein Bier serviert werden: 7. beim sog. Chasuna Kiddusch (an dem der Hochzeit vorangehenden Sabbath) sollen die Gäste nur mit Zuckerkuchen und Erfrischungen bewirtet werden. Nachmittags soll der Bräutigam nur von jungen Leuten besucht werden." Rußland. Petersburg. In den Sommerwohnungen bei Smolensk sind 53 Inden verhaftet worden, weil sie auf den Dörfern kein Wohnrecht haben. Aus dem Gouvernement C he r s o n sind in den letzten Tagen mehr als 100 jüdische Familien, die aus den Dörfern ausgewiesen wurden, nach Amerika ausgewandert. Petersburg. Massenhaft werden jetzt die Juden aus den Dörfern mehrerer russischer Gouvernements verjagt. Am schlimmsten geht es jedoch augenblicklich im Gouv. Cherson zu, wo laut einem Zirkular des rücksichtslosen lokalen Gouverneurs Tausende von diesem Schicksal getroffen werden. Wie es dabei zugeht, erzählt recht eindringlich der Korrespondent der Odeßkija Nowosti: Im Dorfe Bolgarka — berichtet er u. a. — haben der Urjadnik und .die Polizisten in der letzten Zeit zu den Juden von der bevorstehenden Ausweisung gesprochen. Dem und jenem bestimmten sie sogar „die äußersten Termine." Sonnabend, den 20. Juli, begannen dann die Polizisten um 8 Uhr morgens an die Fenster und Türen der „Gewarnten" zu klopfen und sie zur Polizei zu zitieren. Nun setzte eine sehr begreifliche Panik ein. "Die Juden, die eben aufgestanden waren, befanden sich gerade in Sabbatstimmung, und da wurden sie plötzlich nach dem Polizeirevier gejagt, wo man ihnen in aller Eile den Ausweisungsbefehl mitteilte und mit Hinauswurf .ihrer Habseligkeiten auf die Straße, ja mit gewaltsamer Entfernung aus dem Dorfe drohte, falls sie nicht sofort den Ort verließen. Augenzeugen schildern, welch tiestraurige und abstoßende Szenen sich an dem Tage abgespielt haben. Den Juden Golubow, der bereits seit einigen Wochen an Typhus schwer krank darniederlag, zerrten die Polizisten auf die Straße, aber er konnte nicht stehen uno fiel hin. Da mußte man auf seinen vorläufigen Transport verzichten. . . Was in Bolgarka passierte, ist typisch. In allen Dörfern des Ansiedlnngsrayons herrscht jetzt unter den Juden große Sorge. Niemand ist mehr des morgigen Tages sicher. Sind doch nicht einmal die strengen Gesetzesvorschristen maßgebend, und allein die Willkür ist. Trumpft WUua Das Gouvernement har die Polizei cm,gefordert, die 300 Rubel-Strafe von allen Inden einzuziehen, die. als nächste Verwandte von Juden in Frage kommen, die sich niM zum Militär gestellt haben. Es handelt sich um 1570?ersonen, also um einen Gesamtbetrag von fast einer alben Million Rubel. Diese nur für uns Inden geschaffene, in der Geschichte der Menschheit wohl einzigartige Erpressungssteuer ist das Unglaublichste was es gibt. Wenn einer s. B. einen Vetter hat, dessen nächster Verwandter er ist, und der sich durch Auswanderung — das sind die meisten Fälle — naturgemäß nicht zum Militärdienst hat stellen können, dann muß er die 300 Rubel- Strafe zahlen, auch wenn sein ganzes Hab und Gut dabei drauf geht. Großbritannien. London. Auf Veranlassung Rabbiners Dr. Jung fand eine Konferenz der Vorsteher der Federation of Syna— gogues statt, umhegen der Errichtung einer technischen Schule für jüdisch« Knaben zu beraten. Rabb. Dr. Jung führte aus, daß nach seiner' Meinung der beste Weg zur Stärkung des Judentums' in London der wäre, sich um die Knaben nach Lene Verlassen der Schule zu kümmern, und da könnte eine technische Schule, in der gleichzeitig hebräische jüdische Geschicke und Religion gelehrt wird, sehr wertvoll sein. Einer der Hauptgründe zu seinem Vorschlag sei die Tatsache, daß eine große' Anzahl der schulentlassene» Knaben sich heutzutage veranlaßt sieht, den' SaMäk, zu entweihen. : Dem Referat schloß sich eine eingehende Disbffsian an, die fortgesetzt werden wird. Hoffentlich verwirklicht, sich das ProjeÜ, denn wenn bei der Jugend noch einige Jahre mehr auf ihre jüdische Erziehung verwenhet werden können und sie erst dann in-bas Berufsleben tritt, wenn sie auch schon gefesteter ist, kann das nur von Vorteil sein. Auch gewährt die Erwerbung technischer Kenntnisse größere Aussichten im Fortkommen, was gleichfalls für ine Beobachtung des Sabbat von Bedeutung ist. Amerika. Philadelphia. „The Iewish Exponent^ schreibt beglich der Agudaß Jisroel: „Es gibt gegenwärtig in den Bereinigten Staatenviele orthodoxe Juden und noch mehr solche, die sich orthodox nennen, ohne es zu sein. Es ist keine Frage, daß ihr Anschluß an eine Organisation wie die „Agudaß Jisroel" den orthodoxen Interessen -der amerikanischen Jndenheit nur zum Vorteil - gereichen kann. . . . Besonders die Aufgabe der Rabbiner dürfte es sein, sich ernst mit der Organisation zu beschäftigen." Personalien «. Kleine Mitteilnugen. Berlin. Behennrat Sigmund Lautenburg erhielt den Kronenorden 3. Klasse. —t — In Kosel ist durch ein 100000 Mark-Vermächtnis des Kaufmanns Fedor Ring eine interkonfessionelle Mtersversorgungs- und Siechenanstalt ihrer Bestimmung übergeben worden. Berlin. In der Nacht zum Sonntag haben Diebe den jüdischen Friedhof in Weißenfee heimgesucht. Sie brachen Bronzeketten von Erbbegräbnissen ab. Stuttgart. Heinrich Sontheim, der berühmte Tenorist, ist —i 92 Jahre alt — verschieden. Sontheim bildete mit Niemann und Wachtel das glänzende Tenoristen-Dreigestirn, das während der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die deutsche Bühne beherrschte. Diesem gottbegnadeten Künstler war es alljährlich eine reine Freude; ^n seiner kleinen Heimatgemeinde Jebenhausen an den hohen Feiertagen vorzubeten. Emmerich. Anläßlich des 100jährigen Bestehens der Synagoge fand ein Fcstgottesdienst statt. Kismarto« (Eisenstat t). 5 Ang. Soeben langt hier die Trauernachricht von dem frühen Ableben, eines hoffnungsvollen jungen Mannes, des Sohnes des Wiener Schfffschulrabbiners Sigmund Fürst, Rabb. M. Aron Fürst, an. Der Verblichene, ein Kind unserer Gemeinde, wo er bei feinem Großvater, dem Oberrabb. Sal. Kutna. seine Jugend und Erziehung genoß zeigte schon, in früher Kindheit Spuren großer. .Gelehrsamkeit und rednerischer Tüchtigkeit, die er in den letzten Jahren in zwei orthod. Synagogen Wiens sowie in mehreren jüd. Kultus vereinen betätigte.- " Ein tückisches Leiden vernichtete aber leider bald, Me auf ihn gesetzten Hoffnungen. Sein Leichnam' wrrd hierher überführt »ick an der Seite seines Urgroßvaters 3t. Gottlieb Fischer, seines Großvaters und seiner Mutter beigesetzt werde». Buüapeit. Die Bankdirektoren Fellner u. Philipp von Weiß erhielten das Ko nrthurkreuz des Franz Josef-Ordens mit dem Stern-, und Bankdirektor Bruno Balogh-Blus wurde in den Adelsstand erhoben. . Budapest. Der König bat dem Direktor des RochuS- Spitals, Professor Dr. Emanuel Herczel, die Baronie verliehen. Herczel ist einer bex bedeutendsten Chirurgen in Europa. An dem jüdischen Leben in Ungarn nimmt er lebhaften AMeil. Budapest. In der Dorfgemeinde Jloncza (Komitat Bereg, Ungarn) sind 40 Familien von der griechischkatholischen Religion zum Judentum über getreten. Petersburg. Aus Kursk wurden zehn jüd. Familie» ausgewiesen, die sämtlich dort schon länger als dreißig Jahre wohnen. —• In Warschau starb FrmrHannaR abrnnMitfch; die Mutter des bekannten hebräischen Dichters Scho.lenk Aleichem. < . ,;. . .

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