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Neue jüdische Presse · 1912-08-09 · Heft 31 (9.8.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 31 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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? -v _- -----— ^—7 - —•=»*• ‘- DasZgiWe PepsM tft; auf 5—6 Jahpe berechnet.; Die Uillerrichtsstmwen dehnensich gewöhnlich nicht s ^>uf mrchrlcllsLbrsll Stunden täglich aus. Es . absolvieren abex nicht mehr alle Schüler die Sch>ule, vielmehr scheiden schon viele aus der 3. oder 4. Masse üus, um in die Staats- oder Privatmittelschuleir oder in das ErweWWen einzutreten- : - Fast in jeder jüdischen Stadt Rußlands und Polens finden wir diese reformierten „Cheders", ßüch .wv es private "jüdisch^ Gymnasien gibt, wird auch dort der jüdische Unterricht nach ihrer Me- HWe betrichen. Die besten Schulen dieser Art befinden sich in Warschau. Besonders hervorgehoben WOWvLen weMent Ne Schule des hchräischen LHrers und Dichters S. L. Gordon (nicht M verwechseln mit I. L. Gordon). Es ist eine Freude, NesestWÄnn, der langereWit in Palästina: verlKte, chchräisch sprechen Kr hören. Ich! besuchte ihn auch ' -inseinem Haüse, und da war es mir ein Hochgenuß, zu hören, wie sich der Hausherr bei der Äüchlzeit. im fließerMn Hebräisch mit den Mit-, dern -seiner Familie unterhielt, an welcher Unterhaltung sogar das. kleine, schwarzäugige und sehr sscuhrige Töchtexchen Jüwimah sich: stark beteiligte. Ich sah vor mir ein Stück Palästina der Zukunft in.einer Sommerfrische bei Warschau. . Bei aller Berücksichtigung der unbestritten , -großen Bortelle des modernen „Ehedem der alten ÄSchÄe gegenüber Nnn ich dochlnicht umhin, auch seine Mängel einer Krllll zu unterziehen. Seine Mängel 'haben zür -Ursache einen Kardinalfehler, der -allen reformatorischen Unternehmungen im Judentum der Gegenwart an« haftet. Es ist die Loslösung vom Original-Jüdi- 'schäl, von -unserer.Eigenart und die Tendenz zur. -ÄichlchMung. Much im reformierten „Cheder^^ begegn«l wir; dem- Bestreben, es. der altzemeinen Schicke auf jeden Preis nach- Mtun und Ne dort Methode gewordene Unterrichtswesse ohnewelleres stwf wnseren Widen zu Überträgen. 'Mußte aber wirklich das alle System ganz über Boä> geworfen werden? Mar da nichts .zu rÄten und in geeiWieter Umarbeitung in die neu« Schule zu übertrage^? Es würde mich zu weit - führen. Wer die Frage zu erörtern, ob nicht die Einteilung der Schüler je nach'ihren Fähigkeiten und dje unbedingte Förderung selbständiger Gedankenarbeit, welche im alten „Cheder" Methode waren,. dem nivellirenden System der modernen Schule überlegen ist. Ich will nur von dem Unterricht der hckräischär Sprache im reformierten „Che- -der^<, welcher ja. den Hauptgegenstand des Unterrichtes bildet, sprechen. Dp wird die Hebräische Mirache nicht direkt aus der Urquelle, der Bibel, gelerrch sondern ' aus einem Lesebuch mit Musterstücken aus der neuHeNäischen Literatur, welches KMchte von Gordon, .Bialik und Auszüge aus den ErKWungen von Mapu, Schulmann, Mendeli, Jawitz und anderen Klassikern der neühebräischen Llleratur enthält. Erst nachdem Ne Schüler auf di^eWeise die Kenntnis des Neühebräischen sich erworben hoben, wird mit dün Unterricht in der KWH gewöhnlich äst in dm dritten Klasse,, begonnen. Wir Zöglinge des . alten „Eheder" gingen von der JBifiel zur neühebräischen Literatur ganz selbstchldig über, 'die Schüler der modernen : Schule aber müssen den umgekehrten Weg von der neuhHrässchen Literatur zur Bibel znrücklegen. Ist. es denn nicht richtiger, daß wir das jüdische Kind sofort in dic^^sgöttlichen Schönhellen des - Büch^ der Bücher einAhren, al§ feine jugendliche ' Seele an deren blassem Abglanz tveiden zu lassen? .Eine Zelle im Hötzllied wird doch den ganzen Bialik auftviegenl Unddüstzöttliche,sch!icht-anmnt'gePo7M - von „Ruth", —- äst es nicht mehr wert als die ganze neuhchräische Belletristll? Lassen wir das Kind doch ^IrKerMe „Schilp" prUwendig! lernen als dissGedichte, -von Kordon l Uebrigens haben wir in .der Bibel ''däs richtige Hebxässch, während wir von den neu- .HöbkAsschsrSchriftstellern, sogar ton den Klassikern, nicht immer behaupten' Wimen, daß sie' den. Messt "der HÄräischen Sprache rein" bewährt'haben. Wenn ' wir noch dabei bedenken, daß viele der Schüler die Mchüleschonnach der dritten Masse, verlassen, sie ' asso verlassen, ohrw mit den Propheten irgend welche Mekanntschastgemacht zu hoben, so ist eine solch e. Urnierrichtscheise geradezu eineSünde. Wie Kibü muß das A und Z des hebräischen Unterrichts bMben! - - - - - Frankfurter Israelitisches FamLiendlatk. Äuch das soll moch betont.werden, daß der Unterricht jn der Bibel auf religiöser Grundlage geschehen müß, und nicht , etwa nach dent letzten Wort der. modernen Bibelkritik, nach Wellhansen oder Renan, wie es leider im jüdischen'Gymnasium zu Jaffa geschieht. Das ist aber wieder einer der Mängel des modernen „Cheder", daß die. Religion bei ihm zu kurz kommt. - . All diese Mängel ließen sich aber nur dann abschaffen, wenn wir diese höchst wichtige Institution nicht den einzelnen Lehrern überlassen, von denen ein jeder ans eigne Faust arbeitet. — Vielmehr sollte eine eigens zu diesem Zwecke geschaffene Organisation joder in deren Ermangelung dje Kulturkommission der zionistischen Organisation oder des Misrachi sich der Sache annehmen und ein einheitliches Programm, von Fachmännern festgesetzt, im Geiste des Judentums und gechräh der Neuzeit nicht nur für Rußland und Polen, sondern auch, für die anderen ' Länder jüdischer Ansiedelung aufftellen. Tie religiös-nationale Erziehung der Jugend ist keine Privatsache, sondern eine der wichtigsten Angelegenheiten der Gesamtheit. Ans de» Ereignissen des Tages. 1. Die Liquidation der Allianceschulen in Palästina. Mus Palästina wird eine Nachsicht gemeldet, die die größte. Beachtung verdient. Die Alliance Jsraslite Universelle schickt sich an, ihr Schutwerk in Palästina zu liquidieren. Ihr Vertreter in Jerusalem, der bekannte Ante bi, ist bereits geangen, wie es heißt, im Unfrieden mit. seiner Vorgesetzten Leitung in Paris. Aus welchen Motiven aber auch er.seinen so lange, innegehjabten Posten aufgeg'eben haben.mag, jedenfalls ist es sichjer, daßNe Alliance nicht daran denkt, ihm einen Nachfolger zu geben. Auch Kat sie bereits die eine Abteilung ihrew Handwerkerschuile in Jerusalem ge-' schlossen, und die Schließung der anderen realen soll mit der Zell ebenfalls erfolgen. Ihre Häuser wlll sie — wie es Heißt — an den Hilfsverein verkaufen. Es ist noch nicht sicher festzustellen, ob die Sache bereits so weit gediehen ist, daß die 'Mliance ihre Schnlhäuser zu verkaufen gedenke. Jedenfalls steht es fest, daß.Ne Alliance nicht nur nicht ihr bestehendes Schuilwerk in Palästina weiter fortsetzen will, sondern sogar an seine Liquidierung schreitet. Diese Tatsache aber ist von doppelter erheblicher Bedeutung. Moralisch bedeutet sie vcr allem eine N iederläge d es Schulsystemsder Alliance und damit den Sieg des hebräischen Erziehung s systems des Hilfsv er eins. Als vor etwa 30 Jahren die Mliance ihr Schulwtzrk in Palästina zu errichten, begann,, war sie dieeinzige Organisation am’ Platzedie palästinensische Judenh'eit seW kannte keine . Schulein; uyd es war selbstverständlich, daß die Schulen der Alliance, Ne ihre Schüler auch materiell unterstützten und versorgten, einen raschen Aufschwung nähmen. Dies blieb so, bis die nationale Bewegung kam. Die Forderung , nach dem Hebräischen als Schulsprache, nach einer völligen Reorganisation der Schulen in dem Sinne, daß ihre- Schiller als Juden und nicht als Franzosen, für Palästina nutz nicht fürs Ausland erzogen tverden sollten, wurde laut erhöben; überall fanden Nese Forderungen Anklang und 'Verständnis, nur Ne Allianceleüer blichen taub. Da-, kam der H i l f sverein. Jung, energisch!, von. einem Männe wie Paul Nathan geleitet, kam er den Forderungen 'Der Zeit sofort entgegen und akzeptierte das Hebräische als seine Unterrichtssprache. Mit diesem Mvmälle wär schm eigentlich der Sieg des Hilfs- Vereins gesichert; es war nur noch' eine Frage! der Zeit, -wann er endgültig werden würde. Dank ihrer reicheren-Geldmittel konnte die Alliance sich zunächst noch hätten; mit der Zeit genügte auch das nicht, ihre Schulen gingen immer rascher und rascher ihrem Verfall entgegen, während die des Hllfsvereins .täglich wuchsen, und" nun ist es so weit gekommen, daß Ne Leitung der Mliance diese ihre Niederlage. eiNsieht änb zugebeu muß. Daraus abw. die -ÄchM W ziehech vermag sie nicht. Ihre französische Erziehüngsmsssion - will sie chicht aüfgeben.'. -Lieber liquidiert man das -ganze palästinensische - Nx 31 Schulwerk, als; daß Man dem verhastten . Nativ nausmus auch nur das geringste Zugeständyismache. So schließt nmn die ' Schulen und verläßt : das Land." ' " ' Dies die moralische Bedeutung. Praktisch' aber ist die Liquidation der Allianceschulen nicht minder wichtig. Denn dadurch wird das.jüdische Leben-Palästinas des starkstenAssimilationsfäktors, der in ihm gewirkt hat, entledigt. Das Schulwerk der Alliance war unbestreitbar das stärkste Hemmnis der nationalen Bewegung in Palästina, und nun, da es wegfällt, wird sich diese viel rascher und stärker verbreiten können. Denn das, eine darf wohl erwartet werden : Die Stelle der Älliänce wi'rd der Hilfsverein einnehmen. Ja,'es scheint mit Sicherheit aus den. Nachrichten, hervorzugehen, daß die Liquidation der .Allianceschulen nicht in Zank und Gegnerschaft zum Hilfsverein erfolgt, Laß vielmehr die Zurückziehung der Alliance aus Palästina aus eine vorherige Vereinbarung mit dem Hilfsverein erfolgt ist, wonach die Arbritssphären beider Organisationen abgegrenzt werden sollen, Und zwar so, daß der Hilssverein sich auf den Orient und Palästina konzentriere, die Alliance dagegen in Marokko ihr Arbeitsfeld finde. Marokko ist jä nun glücklich nominell französisch geworden; was aber uottut ist, jetzt das Land auch kulturell für Frankreich zu erobern. Me Alllance, in ihrem' französischen Patriotismus, sieht sich dazu in erster Reihe berufen und 'hofft, sich durchweine Konzentrierung ihrer Tätigkeit auf Marokko .den Dank der Männer am Quai dkOrsay, -deren-Gunst ssic ja schon lange besitzt, noch, in erhöhtem Maße zu erringen. - Wir können mitidieser Arbeitsteilung nur zufrieden sein. Der Schaden, den die .Alliance i,r Marokko stiften Nun, reicht bei weitem nicht an deb heran, den sie bisher in Palästina inngerichitet hat. Die Zurückziehung der Mliance aus Palästina bedeutet unzweifelhaft einen Sieg der nationalen Bewegung, mögen dies Ne Pariser Allianceleute öffentlich zugeben oder nicht. 8. Der Antisemitismus in Amerika. Das P r o b l e m d e s A n t i s e m i t i s m u s als der sichtbarsten Reaktion der Wirtsvölker auf die Existenz der Juden -hat immer einen der wichtigsten Streitpunkte der Anhänger der nationalen Idee und ihrer Gegner gebildet. Ist der Antisemitismus nur eine temporäre, aus wohl bestimmbaren Ursachen ökonomischer und politischer Natur hervorgegangenc, früher oder später zu verschwindende Strömung, wie die Antinationalsten aller Lager behaupten, oder ist er etwas konstantes, etwasdas so lange existiert, solange Minoritäten .von Juden unter Majoritäten WoN Nichtjuden leben und so lange existieren wird, solange dieser anormale Zustand währen wird? Dieses Problem gilt für viele als dasjenige, das über die Berechtigung der nationalen Idee entscheiden muß. Probleme wie dieses lassen sich nun aber' theoretisch nur sehr schwer lösen. - Ihre Domäne ist das praktische Leben, und die Erfahrung ist dabei das Entscheidende. Darum war die Beweisführung für die Anhänger der nationalen Idee so schwierig. In Europa-gibt es fast kein Land, wo der Antisemitismus, nicht m i t auf jenen ökoiwmischen Motiven beruht, die die Assimilation als die ausschließlichen ansieht. Das einzige Land, in dem dies nicht der Fall sst> ist Nor d a m e r i k a. Und so wurde bei der Erörterung des Problenis .fast stets Amerika als das wichtigste Beispiel heran- . gezogen. . ' - : Aus diesen Erwägungen heraus verdient, nun eine Aeußerung Hermann Strucks, der soeben. eine längere Reise in.Amerika beendet hat, lebhaftes Interesse. Hermann Struck will . kon- . stqtieren/ daß es'inÄ'werik'a nscht nubeinen. Ä n t i s e mr t.i s m u s geb e, s 0 n he r n da ß di eser sogar viel stärker unh krasser sei als in Europa. Wegen dieser Aeußerung wurde er von der amerikanischen Presse lebhaft angegriffen, und es ward ihm enkgegengehalten, daß er auf Grund eines kurzen Besuches in Amerika gar nicht ' in in der Lage sei, eine solche Behauptung >aufzustellen. DarausWn hat jedoch. Pr 0 f.-'Got t he i l, der -bekannte Gelehrte, ein gründlicher Kenner Amerikas, in einetn Interview mit dem „Jewish Chronicle" sein vollstes E i n v.er ständ.nls,m i 1

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