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Neue jüdische Presse · 1912-08-09 · Heft 31 (9.8.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 31 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Beite 4 ffnmffurtir Jjroe.'ttlscheS FamKienblatt. Nr 31. WktWpt'MiNaA». ‘ Dr: im Älter v on -S. Jahren v«storbewe Dörflicher der jüd. Gemeinde, Max Hirsch,, hatte' denBurenkrieg mitgemacht und es Lurch seine hervorragenden Leistungen zum Oberst. gebracht. Lönhmr. Der Pärlamentskorrespondüit des Londoner ,/DallY Telegraph" -meldet aus zuverlässiger 'Quelle, daß der gegenwärtige Staatssekretär für Irland demnächst zum Patt ernannt wird und an seinS Melle der gegenwättige PostminMr Herbert Samuel zumStaatsjekretür für Irland ernannt werden soll. Nen^Asick. Der Orden B'nai B'rith verlich dem PrLsiiMiten Taft die goldene Medaille. Der Beschluß, wird bannt gegründet, daß Taft bei derschicheiien Anlässen sich Lurch seine Gerechtigkeit uin die vitalsten Interessen der Juden verdient gemacht hat. Aus der Lehrerwett. Airchhntu. Am I. Oktober tritt Lehrer B. Bachenheinrer nach 46 jähriger Tätigkeit — wovon 41 Jdhre in rmserer Stadt — in den Ruhestand. Durch! sein srichliches, ruhiges Wesen, war er allgemein beliebt und - Die'Lehrerstelle in Halsdorf ist von König!. Rchierung Herrn Llebi, bisher in Lingen, übertcäßeh worden. Herr M. Blumenthal, der Hier 32 Jahre segensreich' gewrrll hat, ist in den Ruhestand getreten und hat seinen Wohnsitz nachj Marburg /^^chrer S. Katzenstein in Breitenbach ist »E Lingen (Hannover)-Lerchen worden. Der Bürgermeister als Rablii. Bön S. Luß -Mannheim. ' (Fortsetzung.) „Bitte sehr, er ist kein Rosche. Wie kommen Sie zu solch einer Behauptung?" Alfred Goldbaum erzählte. „Ach," lachte der Parnes, „Ihr Norddeutschen mit Eurer vornehmen Sprechweise versteht das nicht. Unsere Bauer» in Süddeuschland brauchen mehr jüdische Abdrücke als die Juden. Allerdings Sechus Owaus ist ein Wott, das nicht zum Repertoir der Bauern gehört; der Kuckuck weiß, wo er das anfgeschnappt hat, — und Laß er es so richtig anwerwet, wimdert mich> am meisten." Alfred Golbbllum fand bei..niemand! Mügefühl über - däsFehlschlagen seiner ersten Spekulation, obgleich man wußte, daß die paar hundert unnötigerweise ausgcgebenen Mark ihn drücken, mußten, und obgleich man sicher wußte, daß bei Kem herrschenden Aberglauben nie wieder jemand seinen Laden mieten würde, und wenn er ihn für 5 Mark geben wollte. „Wo der erste Mieter bankerott wird, da ist kein Segen," hieß es. Das Wiederumbauen zur Sukkoh unterließ Herr Goldbaum. Das. hätte wieder viel Geld gekostet, und -er hatte sein Geld nötiger, um noch andere spekulative Pläne mSznfuhren. In der jüdischen Gemeinde hatte Herr Goldbaum wenig Freunde erworben. Nichts war chm großartig genug, an alle» synagogalen Sitten und Gebräuchen hatte er zu mäkeln, jeden Tag machte er neue Berbefserungsvorschläge und stieß allen, die am Wen festhielteu, vor den Kopf. Auch im gesellschaftlichen Verkehr hatte e r gleich bei Beginn arge Verstöße gemacht. Er hatte nur die wohlhabenden Gemeindcmitgliedev besucht, und als der Parnes. ihn auf diesen Verstoß . gegen den in der Gemeinde herrschenden Sinn 8er brüderlichen Gleichheit aufmerksam machte, da antwortete er mit hochnäsiger Miene: „Soll ich vielleicht Herrn Salomon Kitzinger besuchen, dem erst vor kurzem der letzte überflüssige Stuhl versteigert wurde, und für den man in der ganzen Umgegend geschnorrt hat? Nein, »ein, LiS paßt mir nicht."- . In Wirllichkeü war Salme Kitzinger auf dem besten Wege, ein wohlhabender Mann zu werden. Um diese . Zeit hatten die Bauern einen Tierzuchtverein gebildet, an dessen Spitze der.Bürgermeister stand. Der neue .Tierarzt hatte sie veranlaßt, Smmenziegen und Schweizer Zuchtstiere einzuführen, und Salme Kitzinger hatte . man als Vereinsdiener angeworben. Die ersten Male -- reiste der Tierarzt in die Schweiz, und Salme reiste «nt und machte den Diener, indem er das gekaufte t Vieh an die Bahn transportierte und in die Waggons vwftld. Ms aber nach, einem Jahre es sich, zeigte, daß Salme die Vorzüge der zu erwerbenden Stammtiere so - gut zu würdigen verstand' wie der Tierarzt, und daß er gewissenhaft war, sodaß man ihm den Ankauf selbständig überlassen konnte, da spatten sie . die Spesen für den Ättzt und schMen Salme allein mü dm 5 oder 13000 Mark in die Schweiz, da man zu seiner -Ehrlichkeit vollstes Vertrauen hatte. Salme verdiente dabei reichlich durch die vom Verein gewährte höhere Vergütung, sodäß er nach einem Jahre neberr seiner Tätigkeü für den Verein einen Waggon Saanmziegen für eigene Rechnung einführen und einen schwunghaften Handel damit treiben konnte. Dabei überließ er dem Verein immer .das Vorrecht der Auswahl. Salme erwarb -sich, durch die Erfolge des Tierzuchtvereins bei den landwirtschaftlichen Ausstellungen in ganz Deutschland einm Namen als- Sachverständiger, und infolgedessen wendeten sich bald die großen landwirtschaftlichen Verbände, die Kreis- und Provin- .zialbehörden an ihn, wenn es sich um Anschaffung von Zuchttieren handelte. Man schickte.ihn als Sachverständigen in die Schweiz, man kaufte ihm die aus dem Import stammenden Tiere seines Stalles ab. Salnie Kitzinger wurde immer wohlhabender, konnte sich mü seinen Gläubigern, die früher einmal, als er pfändig gemacht wurde, an ihm verloren hatten, verständigen und sie nach und nach befriedigen, er konnte sich ein Häuschen bauen mü einem Stall, der seinem immer wachsenden Importgeschäft in Saänenziegen und Zuchtstieren genügte. Salme fing sogar an, in der Gemeinde eine Rolle zu spielen, er wurde zum zweiten Vorsteher gewählt. - Mit dem vornehm auftretenLen Herrn GoÜbaum war es gerade umgekehrt. Seine Vermögensverhältnisse verschlechterten sich von Jahr zu Jahr. Nach dem Umbau der Sukkoh ging er. an den Umbau des Wohn- und. Geschäftshauses. Großstädtische Erker ließ er brechen, Puppen, mü fettigen Herren- und Damenkleidern ließ er dann aufftellen, die, Spezereiwaren gab er ganz auf, der Handel mit so unbedeutenden, die Hände beschmutzenden - Dingen wart, ihm doch' zu wenig nobel; auch, die Kleinigkeiten an Kurzwaren schaffte er. ab. „Das soll mir einfallen," sagte er, „von meinem Sofa aufzustehen, um ein Pfund' Salz abzuwiegen oder um einer. Bauernttine für 3 Pfg. Stecknadeln oder eine Rolle Garn zu verkaufen! Das gönne ich anderen Leuten; ich bin zuftieden, wenn ich den Buckskin für die Männer, die Kleider für die Frauen liefern darf." Aber es kam anders, als Herr Goldbaum sich das vorgestellt hatte. Die Bauern kauften keine moderne Konfektion, und' d!a sie nun ihre Spezereiwarcn und ihren Bedarf an Kurzwaren bei anderen Geschäftsleuten kauften, so entnahmen sie auch ihre Kleiderstoffe, ihre Wäsche, ihr Leinen bei der Konkurrenz. Goldbaums Geschäft ging immer mehr den Krebsgang, sein Laden blieb so leer. Laß er nur noch selten durch einen Kunden veranlaßt wurde, vom Sofa auszustehen. Er hätte gern Haus und Geschäft verkauft, um wieder dahin zu ziehen, woher er gekommen war. War er doch der festen Ueberzeugung, daß die ländliche Beschränktheit allein schuld daran sei, wenn seine geniale Auffassung des kaufmännischen Lebens von seinen Mitmenschen nicht verstanden und gewürdigt wurde. Das Haus aber wollte kein Mensch kaufen. .Es hatte zwei moderne Läden, an denen kein Glück war, denn der eine stand seü Jahren geschlossen, der andere chatte keine Kundschaft^ Herr Goldbaum kam immer mehr in Geldverlegenheiten. Er sich von früheren Freunden und Bekannten und konnte das Geld zum versprochenen Zeitpunkt nicht znrückzahlen. Herr Goldbanm mußte sich bequemen, Geld durch Vermittlung für andere zu verdienen, aber dazu war er wieder nicht gerieben genug, war er zu vornehm-großstädtisch veranlagt. Es kam noch hinzu, daß Goldbaums Frau immer kränkelte, und daß auch seine Kinder stets leidend waren. Selbst wenn Goldbaum viel Geld, verdient hätte, würde cs kaum für Arzt und Apotheke, wie viel weniger, für die so notwendige Pflege und Kräftigung seiner Pattenten gereicht haben. Die Leute in der Gemeinde und der Umgegend sahen das ein und hatten schon längst die im Anfang von ihm ausgegangenen Verstöße vergessen. Man sandte erst zur Schonung seines Stolzes anonyme Unterstützungen, nach und nach ließ man die Anonymüät fallen und wendete ihm die Gaben offen zu. Herr Goldbaums Stolz verschwand so ganz nnd gar. Laß er Salme Kitzinger bat, ihn als Teilhaber aufzunehmen. „Wozu brauch' ich einen Teilhaber? Was sollen Sie mir helfen? Verstehen Sie, wie eine Saanenziege beschaffen sein muß, daß der gewiegteste Oekonom und der strengste Landrat .nichts daran aussetzen kann?" „Ich bin Kaufmann und Lachte .. . ." „Stuß! Kaufmann! Das brauch' ich nicht. Ich versteh' Ziegen, und wenn ein Landrat aus Pommern oder Westfalen oder sonst woher telegrafiert, ich soll ihm dreijährige Saanenböcke schocken, dann schicke ich tadellose Wäre genau nach Bestellung, und will er einjährige Ziegen, dann kriegt er einjährige Ziegen. Ich weiß ganz genau: wenn das geringste an der Sendung ' anszusetzen wäre, dann bekomme ich sie -auf meine Kosten zurück. Das sind die einzigen kaufmännischen Kenntnisse, die ich brauche." - Herr Goldbaum fühlte sich beschämt-, daß sogar der früher von ihm verachtete Salme Kitzinger ihn nicht als Teilhaber wollte. Es waren indischen 20 Ihre verflossen. Salme war ein wohlhabender Mann, Alfred Goljdmann c>in bemitleidenswerter, sehr bescheidener Mmosenempfänger geworden, der - aber trofcbem noch manchmal stolz von der hervorragenden Familie sprach der er angehörte, und der jetzt, sogar mü Vorliebe von dem braven, klugen, immer lustigen Schwiegervater sprach, von dem so Allgemein geachtet gewesenen alten Machoel. * ' ' .> Es war der Rüsttag zum Neujahrsfeste. Salme. Kitzinger, der sein Haus wegen der großen Mallungen draußen vor dem Städtchen erbaut' hatte, machte sich schon 10 Minuten früher äks alle andern auf, um zum Abendgottesdienst zu ellen. Er guckte noch einmal in den Stall, obgleich er schon den schwarzen Anzug angezogen und Len Zylinder aufgesetzt hatte. Dann nahm er den weißleinenen Beutel, der seine Sterbelleider enthielt und das Gebetbuch für Neujahr unter den Arm und' ging aus dem Hoftor, von wo er 'in zwei Minuten den Eingänge des Städtchens erreichen konnte. Da kam Alfted' Goldbaum' aus der Stadt auf sein Haus zu. V>v. ,Herr Goldbaum," rief Salme erstaunt, '!„wohin? Die Synagoge - liegt doch da hinaus." „Ick)! wollte zu . Ihnen," antwortete Goldbaum kleinlaut. „Zu mir? Jetzt? Morgen macht' man Besuche! Jetzt habe ich keine Zeit, jetzt, geh' ich in die Synagoge." •_(Schluß folgt.) flinBFifeanischBFits-uPincenez SuM^i:5-0 Grosse Answahl in amerik. und deutscher Optik. J. W. Albert, Ecke Hane Hametäk. n. ffemfraiieiistr. 11. Kojraanns Kotei Jato. f Einziges rituelles Hotel auf. Haus I. Banges, den Nordseeinaeln. 80 Zimmer. Massige Pensionspreise. Haiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. X. —— Gegen Gicht nnd BheumatisinuB bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Gflntheraburg-Allee 37. Tel.259 n. 714. Wochev-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 10. August (= 27. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt o. SOt 7 Uhr 20 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfutt a. M. 8 Uhr 45 Min. . in Berlin 8 Uhr 32 Min. Wochenabschinitt: Re-ei. 'Einleitend wird von den Segnungen, die vom Berge Gerts im aus, und von den Flüchen, welche vom Ebalberge aus erschallen sollten, berichtet. (Genaueres in einem. späteren Abschnitte.) .Es folgen Bestimmungen über Pflicht- und Privatopfer, über die als ,Heben" oder -Zehnten" zu entrichtenden Abgaben, die Pflicht, solche in Jerusalem zu verzehren. Das Verbot oes Blutgenusses von Vögeln und Säugetieren. (Daher unser Wässern und Salzen des Fleisches). Warnung vor solchen Propheten und Verführern des Volkes, die Einzelne oder eine ganze Stadt zum Abfall verleiten möchten. Wiederholung der im 3. Bchi M. enthaltenen Speisegesetze, hier in verkürzter Form. Den Schlnßteil der Sidra bildet das bekannte Festtägskompendium: Asser te-ässer. Inhalt desselben: Der Feldeigen-- tümer selbst hat einen Zehnten und zwar den Maaserscheini (2. Zehnten) in Jerusalem zu verzehren. (Sinn: Weihe des Genusses vor Gottes Antlitz!) Das Feld, der Weinberg hat im „siebten Jahre" brach' zu liegen. (Lehre daraus: Das Feld und der Weinberg gehören Gott; sie haben einen' „Sabbat"). Die Pflicht der Armenunterstützung, der Schuldenerlaß im „Brachjahtt, die Schonung der Waisen und Fremdlinge, Heiligung der Erstgeboren^,i veim Rind und Kleinvieh. - Die drei Wallfahrtsfeste Pesach, Schewuaus und Sykkaus nach ihrer Geschichte und den hauptsächlichsten gesetzlichen Vorschriften. — - Einsegnung des Neumondes Ellul, der auf Dienstag und Mittwoch fällt. Wochengottesdienste in Frankfurt.^' Morgens': 6 Uhr (Hauptsynagoge 7 Uhr, -Synagoge -Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). '? Abends: 7 Uhr (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge König- V steinerstraße 7 Uhr).

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