Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 28 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seik"2. _" ginnt sich unerwartet rasch zu erMlen. Die „Allgem. Jüd. Ztg.", das Organ der ungarischen Trennungsorthodoxie, veröffentlicht einen Artikel des Neffen und Schülers von Rabbiner Dr. Breuer, Robb. Dr. Hermann Klein, worin dieser klipp und klar erklärt, daß für die ungarischen Separatisten die „Agudaß-Jisroel" nicht mehr existiert, nachdem das provisorische Komitee es gewagt habe, während der Abwesenheit und — wie Rabbiner Klein erklärt — gegen den Willen des Rabbiners Dr. Breuer eine Gründungsversammlung in Frankfurt zu veranstalten, an der dazu noch die Führer der geeinten Orthodoxie teilnähmen. Der Artikel ist von symptomatischer Bedeutung. Man hat das Rocht, in ihm nicht die subjektive Meinung eines einzelnen Outsiders^, sondern den Herrschenden Standpunkt der ungarischen Separatisten wie astch den des ihnen gleichgesinnten Rabbiners Dr. Breuer zu erblicken. So genommen zeigt e.r aber klar, daß die Richtung der Separatisten um jeden Preis nicht im geringsten gewillt ist, auch nur ein Jota von ihren Forderungen nachzugeben, sondern an ihrem alten Prinzip von der Unterordnung der Interessen von Gesamt-Israel unter ihre speziellen auch in der Agudaß-Jisroel weiterhin festzuhalten gedenkt. Damit wird die „Agudaß-Jisroel" gezwungen, rasch ihre innere Scheidung zu vollziehen und endlich einmal zu erllären, welchen Standpunkt sie einzunehmen gedenkt. Bisher zeugte ihre Leitung von einer Unsicherheit und Zwiespälligkeit der Stellung, die für die Agudah von Gefahr ist. Auf eine Konzession an die geeinte Orthodoxie folgte eine Verbeugung an die Separatisten der extremsten Art, und während man es auf der einen Seite mit den Ungarn nicht verderben wollte, nwchte man dych auch nicht die Gemeinde-Orthodoxie abstoßen. Dieser Zustand ist unhaltbar. Zu einem Ziele kann er doch! nicht führen und der Entwicklung der Agudah ist er von höchstem Schaden. Das Prinzip, das die Basis der Agudaß-Jisroel bildet, daß jeder Jude, der das traditionelle Judentum fördern will, vollwertiges Mitglied zu werden vermag, muß .endlich! durch gesetzt werden. Machen die Ungarn und andere nicht mit, dann lasse man sie gehen. Mit ihren Prinzipien, die ebenso engherzig wie unjüdisch sind, werden sie innerhalb der Agudah doch, nur eine zerstörende, negative Arbeit leisten können. Und von manchem ihrer Gesinnungsgenossen bei uns in Deutschland darf man annehmen, daß bei einer energischen Stellungnahme der Leitung der Agudah er Prinzip wird Prinzip sein lassen und dennoch! folgen wird. Die jüngste Vergangenheit hat das schpn einmal gezeigt. Bevor aber dieses klare Bekenntnis der Agudäh zum Prinzip von Gesamt-Israel erfolgt sein wird, ist diese noch etwas Völlig- Unfertiges und Haltloses. Mit denPrinzipienDr. Breuers und der Ungarn ist die Agudaß-Jisroel nicht einen Tag lebensfähig und wird nur ein totgebvrenes Kind sein können. Die Ueberwindung dieser Prinzipien ist die elementarste Voraussetzung für einen Bestand der Agudah. Dies weiß die Leitung der Agudah so gut wie wir und alle Welt. Warum also dieses Schwanken und Zögern? Sie hat doch. sonst so viel Energie an den Tag gelegt, — warum hier, in diesem wichltigsten Punkte, diese Schwäche? Sollte sie gemeint haben, dennoch die Ungarn halten zu können, so sicht sie doch, jetzt, daß das unmöglich ist, wenn sie sich nicht zu dm Prinzipien der Ungarn bekennen und damit sich den Todesstoß selbst persetzen will. Wir versichere es wohl, daß es der Leitung der Agudah peinlich.sein muß, dieses klare Bekenntnis äbzulvgen und den Schnitt zu vollführen. Aber? es ist unumgängliche nötig. Und gerade, wenn sie trotz der Peinlichkeit der 'Sache den Schnitt .kühn vollzöge, würde' sie ihre Größe und interessenlose Hingabe an die Sache der Agudah zeigen. Einmal muß.ja der Schritt getan werden; je früher darum, umso besser. Erst nachdem er getan sein wird, kann die Agudah sich! wirklich entfalten und entwickeln. Fvmckfsrter AsrnMksches FamMenbllltk. Die Stellung der «ugarischen Orthodoxie zur „Agudatz-Jisroel"-Orgauisatiou. Rabbiner Dr. Hermann Klein-Eisenstadt, Neffe Rabbiners Dr. Breuer-Frankfurt, veröffentlicht in der „Allg. Jüd. Ztg." folgenden Aufruf: Es war wohl kaum jemand unter den Wahr- Haft-Gesetzestrenen, der die Idee eines Zusammenschlusses aller wahrhaft orthodoxen Kreise zu einem großen Weltverband nicht .freudig begrüßt hätte. Es geschah dieses unter der Voraussetzung, daß in diesem Weltverband nur solche Personen Ausnahme finden werden,,die wirklich ans dem Böden unserer Emunoh hakdauschoh stehen. Wir in Ungarn hegten keinen Zweifel, .daß dem so sein werde, denn uns war der Name Rabbiners Dr. Breuer-Frankfurt Gewähr dafür, daß er das Eindringen von jüdischjunzuverlässigen Elementen in die Agudoh nicht dulden werde. Die. Versammlung in Kattowitz endlich, in der ausdrücklich .ausgesprochen wurde, daß die Bewegung nach Ausspruch der Gedaulei hatauroh geleitet werden wird, zerstreute auch! die Befürchtung derer, die der Bewegung zweifelnd gegenüber standen. Meine Wenigkeit jedoch traute der Sachje nicht recht, was mir die Rabonim Hagaunim bet Csornaer Mqchftkei Hadaß Chewrah bestätigen weiden. ' Ich habe auch an zuständiger Stelle in Deutschland meine warnend^ Stimme erhoben. Es ist mir eine traurige Genugtuung, daß ich! leider recht hatte. Das provisorische Komitee hat in Frankfurt gegen den ausdrücklichen Willen Rabbiners Dr. Breuer in dessen Abwesenheit eine Propagandaversammlung ab'gehalten, an der die führenden Kreise der pseudo-orthodoxen Gemeinde teilgenommen haben, diejenigen Kreise, die eine Trennung von den Minim und Apikorsim der Hauptgemeinde verwerfen, und. die die erbittersten Todfeinde der wahrhaft orthodoxen Gemeinde sind. Von dem Vorsitzenden des provisorischen Komitees wurde betont, daß in der Agudoh für alle Kreise, die noch! an Tauroh und Mizwaus festhalten, Platz.fei. 'Daß es an sich.schon eine fürchterliche Taktlosigkeit ist, gegen den ausdrücklichen Willen Rabbiners Dr. Breuer in dessen Abwesenheit eine Propagandaversammlung abzuhalten, will ich! nur nebenbei erwähnen. Aber daß sie dort ein Verbrüderungsfest mit Kreisen feiern, die die wahrhaft orthodoxe Sache mit allen erdenklichen Mitteln bekämpft haben und noch bekämpfen, das beweist, baß die Herren des provisorischen Komitees nicht gewillt sind, den Prinzipien der wahrhaft orthodoxen Kreise Ungarns und Galiziens Rechnung zu tragen, daß nämlich in der Agudoh nur solche Vereine Platz haben sollen, die ans dem Boden des Schulchan-Äruch stehen, der auch eine Trennung von Minim und Apikorsinr zur religionsgesetzlichen Pflicht macht. Für uns inUngarn.ist also die Idee der Agudaß-Jisroel als gescheitert anzusehen, umsomehr, als wir nicht dein Rufe der Neologen gefolgt sind,i indem wir nach Kattowitz gingen. Uns veranlage ausWieUich das - Vertrauen, das wir Rabbiner Dr. Breuer entgegenbrachten, zur Teilnahme an der Bersantmlung. Da aber die Herren vom provisorischen Komitee gegen Rabbiner Dr. Breuer Stellung nehmen, so ist wohl für uns in Ungarn und wahrscheinlich für alle Jere»m des Auslandes die Teilnahme an der Agudoh zur Unmöglichkeit geworden, es sei denn, daß die Herren des provisorischen Komitees einlenkten und die Agudoh wirkliche al taheras haukedesch einrichten werden. Zum Schluß will ich. nur noch! bemerken, daß ich von meinem hochverehrten Omel und Rabbi, Rabbiner Dr. Breuer, zu der Erklärung ermächitigt bin, daß er unter gar keinen Umständen'an den Arbeiten der Agudoh.teilnehmen wird, .insolange das Prinzip nicht zur Geltung gelangt, daß Mitglieder der Agudoh.nur solche Kreise sein können, die ans dem Boden des wahrhaft orthodoxen Judentums stehen. Es,- ist wirklich'! höchst beschämend, daß.der Aufruf der Berliner Ortsgruppe der Agudaß-Jisroel auch von einem Dozenten des Maybännt'schen Gottesleugnungs-Seminars und von Rabbinern der Berliner Hauptgemeinde unterzeichnet ist!! Nr. 28 Die Zeit, da der Wolf mit dem Lamm weidet, ist noch nicht gekommen, meine Herren! Wir sind um einen. schönen Traum atmet, um eine Erfahrung reicher geworden. Nicht uns und nicht ihnen steht es zu, das Haus Gottes zu bauen. Eisenstadt. , Rabbiner Dr. Herm. Klein. Das jüdische Technikum in Haifa. Ueber diese auf seine Anregung gegründete Institution berichtet der Hilfsverein der d e u t sch e n I u d e n in seinem soeben erschienenen Jahresberichte wie folgt: Fm Dezember 191t ist durch ein Jrade des Sultans der Bau des Instituts in Haifa genehmigt tvorden. Mit her Banerlaubnis ist gleichzeitig auch die Erlaubnis zum Betrieb der Schule und der Werkstätten gegeben worden. Sofort, nachdem auf diese Weise die legalen und formalen Schwierigkeiten beseitigt waren, setzte eine rege Bautätigkeit ein. Bor einigen Wochen ist der Grundstein zur Mittelfchlule des Technikums gelegt worden, und in ganz kurzer Zeit wird auch der Bau des Hauptgebäudes, des Technikums und der Werkstätten ..begonnen werden. 'Am die Bautätigkeit und. die ordnungsmäßige Ausführung der Arbeiten zu überwachen, ist das Mitglied des Kuratoriums, Dr. Schmarja L e v i n, nach, Haifa übersiedelt. Es ist zu hoffen, daß in 1 Vs bis 2 Jahren die Eröffnung d e s I n st i t u t s stattfinden und der Unterricht in allen Teilen erfolgen kann, wenn nicht, was kaum zu befürchten, die kriegerischen Verwicklungen der Türkei zu Störungen führen. Dann wird der Orient das erste und bisher einzige 'Technikum besitzen, das jüdische Hochherzigkeit und jüdische Weitsicht .geschaffen haben, an dem die jüdische Jugend, in treuer Liebe zum Stamm und Glauben der .Väter sich jene technische Bildung aneignen kann, die nötig ist, um mitzuarbeiten" an der Entwicklung des Orients. Selten hat ein jüdisches Werk die Gunst der gesamten Judenheit sich .so rasch erobert, wie das nun im Bau begriffene Technikum in Haifa.^ Mit Spannung wird in Wr sOeffentlichkeit das Fortschreiten der ^Arbeiten beobachtet, mit Genugtuung die baldige Verwirklichung des Planes begrüßt. Bei der regen Anteilnahme, die man in allen Ländern diesem Werke entgcgenbringt, ist auch! zu hoffen, daß die nötigen finanziellen Mittel, die zur Durchführung des Unternehmens erforderlich sind, nicht 'fehlen werden. Für die Ausführung der Baulichkeiten, die in ihrer Gesamtheit (Mittelschjule, Technikum, Werkstätten, Lehrer- und Beamtenwohnnngen).mehr als eine Million Mark erfordern, find die nötigen Summen noch nicht völlig aufgebracht. Was bisher Vorhänden, haben in großherziger Weise Jakob H. Schiff in New Dork, Dr. FamesSinton und die Famllie Wissotzky beigesteuert. Ersterer stellte 100,000 Dollar und 'Dr. Simon 100,000 Mark zur Verfügung, ferner der Nationalfonds 100,000 Francs. Die Familie Wissotzky auS1 Moskau, die mit 100,000 Rubeln gleich, int Anfang den Grundstock des Unternehmens bildete, hät es durch! .eine neue in diesen Tagen gegründete Stiftung von 100,000 Rubeln, die dem Andenken Hes verewigten Wolf Wissotzky gewidmet ist, übernomnten, das fiir das Institut nötige Internat' zu errichten. Bis heute stehen für den Betrieb aus Beiträgen und Zinsen ca. 60,000 Mark zur Verfügung, davon durch! die Bemühunge.n Dr. Levins 37,000 Mark ans Amerika. Ohne Zweifel wird sich die Zähl der opferwilligen Freunde des Instituts, je näher der Tag der Eröffnung rückt, erheblich! vermchren, sodäß man wohl zuversichtlich in die Zukunft blicken darf. Das Kuratorium hielt jetzt auch! die Zeit für gekommen, nachgeeigneten tüchtigen Lehrkräften Umschau zu halten. Mit einer hervorragenden Persönlichkeit, die sich in der Praxis seit langen Jahren trefflich bewährt, sind Verhandlungen angeknüpft worden, um sie zur Uebernahme des Direktorpostens zu veranlassen. Die Verhandlungen stehen dicht vor dem Abschluß, sodäß b-ld eine Kraft gewonnen werden wird, die schon beim Bau