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Neue jüdische Presse · 1912-06-21 · Heft 24 (21.6.1912) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 24 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24. FrattHurKr Fsraeliti^cheS KamilienAat^. ^eite tl. Wie aus Szabinar berichtet wird, ist der Groß- Pächter Jakob David auf einem Spaziergange das Opfer eines Raubmörders geworden. Im Spital der hiesigen israelit. Gemeinde waren im vergangenen Jahre von den 3429 Patienten des Spitals 30»/o Nichtsnden und von den 26 842 Patienten der Poliklinik 62°/o Nichtjuden. Amsterdam. Staatsminister T. M. C. As s er ist von der Berliner Universität der Doctor juris honoris causa verliehen worden. Die Ehrenpromotion ist, wie das Diplom bekundet, niit Rücksicht darauf erfolgt, daß er schon in jungen Jahren als Rechtslehrer, als juristischer Schriftsteller, als Berater seiner Regierung sich mit glücklichem Erfolge bewährt hat, daß er oftmals ans Staatenkongressen für die Erweiterung und ^Befestigung der völkerrechtlichen Beziehungen durch Abschluß von Staatsverträgen gewirkt hat; daß er mit höchstem Eifer fort und fort bemüht ist, durch rechtsetzende Konvention allgemein anerkannte Normen des internationalen Privat- und Handelsrechts herzustellen, daß er endlich sich als unerniüdlicher und besonnener Förderer der auf Vereinheitlichung der landesrechtlichen Wechselordnungen gerichteten Bestrebungen -betätigt. London. Der zum Mitglied des Kabinetts ernannte Sir Rufus Jsaacs ist 1860 als Sohn Joseph Jsaacs und Nesse Sir Henry Al Jsaacs, des Lord-Major von London, geboren. Er nimmt einen lebhaften Anteil an jüdischen Angelegenheiten. London. Anläßlich des Geburtstages des Königs ist das Parlamentsmitglied S t u a r t M o n t a g u S a m n e l, der Bruder des Postminislers, in den B a r o n e t t st a n d und Dr. Charles Wald sie in, Professor für klassische Archäologie, in den Ritterstand erhoben worden. Der neue Baron ist orthodox gesinnt, und der neue Ritter hat ein Buch „Die jüdische Frage und die Mission der Juden" verfaßt. Parts. Anatole Leroy-Beaulieu. Direktor der Ecole libre des Sciences Politiques, ist — 70 Jahre alt — verschieden. BreSlau. Bom 8.-26. Juli findet hier wiederum ein Ferienkursus in Religionswissenschaften statt. Es werden lesen: Prof. Dr. Lewy, Dozent Dr. B r a n n, Dozent Dr. Horovitz, Rabb. Dr. Deutsch und Kapellmeister Elsner. Auskunft: H. Moops, Breslau I, Ohlauerstr. 1. . Borke« i. SB. Lehrer a. D. Lebt Cohen und Frau begehen am 19. Juni die goldene Hochzeit. London. Dr. A. S. Rudels he im. Oberrabbiner von Friesland (Holland), einer der Kandidaten für den Chief Rabbi-Posten, ist hier eingetrofsen. Dr.SamuelDaiches, Dozent am Pew's College, kandidiert gleichfalls; er wird am 22. Juni in der großen Synagoge predigen. Eingesandt. In Nr. 23 dieser Zeitung ist eine Erwiderung auf meinen Aufsatz in Nr. 21 erschienen, worin der geehrte Opponent in einer sehr sachlichen Form sehr unsachliche Eimvände gegen meine Auffassung vonr Entwicklungs- S der jüdischen Nation erhebt. Daß jeder meiner zum Widerspruch heraussordert, wie der geehrte Opponent sich auszudrücken beliebt, ist nur allzubegreiflich, wenn man bedenkt, daß der Verfasser der Erwiderung auf einem ganz andern Boden steht, und die Dinge von einem ganz anderen Gesichtspunkte, betrachtet. Nun genügt cs offenbar nicht, die subjektive Tatsache des Herausgefordertwerdens einfach zu konstatieren, sondern es gilt vielmehr, die Widersprüche der bekämpften Auffassung aufzudecken und nachz „weisen. Hat es der geehrte Verfasser getan? Vermag denn die vom Herrn Opponenten betonte Tatsache, daß das jüdische Volk bereits in den. frühesten Stadien seiner Entwicklung ejnen von innen her gewonnenen, geläuterten Gottesbegrisf besaß, die von mir hervorgehobene Indifferenz dieses Volkes in Bezug auf die Verbreitung seiner Gottesidee nur einigerniaßen zu erklären? Ist nicht vielmehr an- Bom Wirken des Verbandes jnd. Frauen für Kulturarbeit in Palästina. ». Bild Stickerei. Der berühmte Gelehrte verdient bei uns Juden ein ehrendes Gedenken, denn er ist stets bereit gewesen, gegen den Antisemitismus sein Wort zu erheben. Wir erinnern hier an seine Bücher ,,Les juifs et l'antisömitisme" und „L'autiseniitiSme, l'antiprotestantisme, l'anticlericalisme". - Odessa. Menascheh Margulies. dessen 75 Geburtstag vor einigen Wochen die russische Judcnheit feierte (siehe Bericht in Nr. 20), ist plötzlich verschiede n. Rew-Nork (Amerika). Samuel Kobn. Teilhaber der Firma Kohn, Adler u. Co. in Philadelphia, hinterließ für jüdische Wohltätigkeitsaustalten 75 000 D y l l a r und für. »ichtjüdische Wvhltätigkeitsanstalten 15 000 Dollar. Bankier Sender I a r m u l o w s k y, einer der bekanntesten und angesehensten Juden des Ostends, ist — 71 Jahre alt — verschiede». Rew-Vork. Nach den nunmehr beendeten Nachforschungen . der . „Jüd. Emigrationsgesellschaft . von Amerika" verloren bei dem Untergang der „Titanic" 78 Inden (11 Passagiere 1. Klasse, 24 2. Klasse und 37 3. Klasse) das Leben. Aus Ver zionistischen Bewegung. Lemberg. Die vom Zentralkomitee der galizsichen Zionisten eingeleitete Sammlung für den B a u f o n d s des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem ergab bis jetzt 14 000 Kronen. Aus der Lehrerwett. Hannover. Die Israelit. Erziehungsanstalt zu Ahlem hatte Ende 1911 37 Schüler, 64 Lehrlinge, 22 Schülerinnen und 30 Haushaltungszögliuge. Die Auslagen im Jahre 1911 betrugen 127 500 Jk (Haushalt des Knabenhauses 56 300 rJk, Haushalt des Mädchenhauses 28500 Jk, Unterricht 18100 Jk 'usw.), die Einnahmen 125400 Jk (Erziehungsbeiträge 54 500 Jk, Jahresbeiträge 44 600 Jk, Spenden 9400 Jk', Simonsche Stifung 10 000 Markusw.). . - zunehmen, daß gerade diese „innere Erleuchtung", von der der Verfasser in seiner Erwiderung spricht, zugleich ein lebhaftes Verlangen entzünden mußte, die gewonnene Erkenntnis in-möglichst weite und 'entfernte,Kreise hineinzutragen, und mußte denn nicht dieses Verlangen um so lebhafter sein, je mächtiger die 'seele von der Erleuchtung ergriffen wurde? Mnß denn notwendig eine religiöse Propaganda Gewalt und Zwang ansüben, kann sie sich nickst auf friedlichem Wege vollziehen, durch unablässiges Predigen und Zureden, und kann es denn irgend welchen Eingriff in die „Freiheit" des Nächsten bedeuten, wenn man ihm die eigen: Gesinnung durch Bernunftgründe beizubringcn sucht? Der Verfasser der Erwiderung zitiert viele Stellen aus jüdischen Quellen, die zwar für seine Gelehrsamkeit. ein gutes Zeugnis ablegen, die aber mit dem Kern der Sache nichts zu schaffen haben. Die Art und Weise, wie die Propheten oder ein Gabirol die Gottes idee auffaßten, kann, wie gesagt, diese merkwürdige Zurückhaltung keineswegs rechtfertigen. Als ganz falsch aber muß es bezeichnet werden, wenn der geehrte Opponent den geistigen Leiter,r des Volkes eine gewisse philosophische Kühle zunmtet, mit der sie ruhig abgewartet hätten, bis die Menschen den nötigen Reifegrad sür die richtige Gotteserkenntnis erreichen würden. Wie? Haben Sie denn nicht selber gesagt, daß „die jüdische Gottesvorstellung, von der ein Abraham, ein Mose, ein Samuel, Leviten und Propheten durchdrungen waren", die „große Masse des Volkes" „nie ganz und gar" durchdrungen hat? Und haben denn etwa die Propheten ruhig zugesehen, wie diese große Masse in ihrer Un-> wissenheit verharrt, und geduldig abgewartet, bis sie den nötigen Reifegrad erreichen wird? Haben denn-nicht umgekehrt diese Propheten jede Gelegenheit ausgenutzt, um die große Masse zur wahren Gotteserkcnntnis zu bekehren? Hat sie denn die Reinheit ihres Gottesbegriffs daran gehindert, das Volk zu belehren? Und muß es nicht ausfallen, daß diese Eiferer eines geläuterten Glaubens, dies in Bezug auf fremde Völker zu tun unterlassen haben? Verstehen Sie jetzt, warum das Judentum, obwohl monotheistisch, keine Proselytenmacherei trieb? Weil dies eine Gefahr für den Bestand der jüdischen Nation im Gefolge haben könnte. - . Wenn der Verfasser ineint, daß „wer glaubt, daß nur sein Glaube selig macht, der menschliche Vorstellungen von Gott hat, und den Gott der Menschheit nicht erkennt", so hatten die Propheten sicherlich diesen Gott der Menschheit noch nicht erkannt, denn Jesajas z. B. hat den Glauben der Nachbarvölker an Götter aus Holz und Erz mit einer wahren Wut bekämpft und mit beißendem Spott und Hohn überschüttet. Ich empfehle meinem geehrten Opponenten die betreffenden Kapitel nachzulesen, um sich davon zu überzeugen. Wenn der geehrte Verfasser der Erwiderung sich zu einem derartig geläuterten Universalglauben emvorgeschwungen hat, daß an ihm nichts Irdisches und Menschliches mehr hastet, so macht es freilich der Subtilität seines Erkenntnisvermögens große Ehre, aber geschichtliche Tatsachen joll er nicht mißdeuten und ' den vom Prof. Cohen herausgetüstelten Gottesbegriff in die Denkart der Propheten nicht hineinlegen. Dr. ,R. Seligmann. Bunte Chronik. Die Juden auf Rhodos. Auf der Insel Rhodos, die die Italiener den Türken vorläufig weggenommen haben, leben seit jeher Juden. Schon lm ersten Buche der Makkabäer wird der Juden aus Rhodos gedacht. Der jüdische gleisende Benjamin de Tndela (12. Jahrhundert) hat anläßlich seines Besuches auf der Insel 500 Juden vorgefunden. Rottiers sagt in seinen „Jnscriptions et monninents de Rhodos", daß anläßlich einer Judenvertreibung aus.Spanien im Jahre 1280 Juden aus Tarragon nach Rhodos kamen. Elijah Capsali berichtet in seinem Geschichtswerke, daß der Großmeister der Johannesritter nach dem Mißerfolge Messif Paschas die Juden zwang, das Christentum . anznnehmen. Manche taten es; andere aber zogen den Tod vor und andere wiederum wurden als Sklaven verkauft. Letztere wurden später vom Sultan Suleiman, nachdem er die Insel erobert hatte, wieder befreit. Am 9. Januar 1502 vertrieb der Großmeister d'Aubusson die Juden unter dem Vorwände, daß sie die Jugend verdürben. Dieser Ausweisungsbefehl wurde jedoch nicht bis zu Ende durchgeführt, da d'Aubusson inzwischen starb. Unter der Herrschaft des Großmeisters Williers lebten die Juden der Insel in Frieden. Er war de» Juden sehr freundlich gesinnt und besuchte öfter ihre Synagogen. Nach einer auf der Insel noch heute fortlebenden Tradition, die von manchen Historikern als Tatsache verzeichnet wird» haben die Juden von Rhodos am Kampfe gegen die Türken teilgenommcn» indem sie eine Phalanx von 250 Kämpfern („die jüdische Phalanx") unter der Anführung des Simeon Granada bildeten. 'Nach Billioti handelte es sich hier uni jene Juden, die unter der Herrschaft d'Aubusson das Christentum zwangsweise annahmcn, nach dem Siege der Türken jedoch wieder zum Judentum zurück- ' kehrten. Von manche» Historikern wird behauptet, daß die Juden, nachdem Rhodos von den Türken eingenommen wurde, die Insel verlassen hätten und nach Italien ausgewandert seien. Andere Geschichtsschreiber wieder behaupten das Gegenteil, daß nämlich nach Errichtung der türkischen Herrschaft aus Rhodos italienische Juden dahin eingewandert wären. Es scheint, daß beide Behauptungen begründet sind, da es nachgewiesen ist, daß diejenigen Juden, welche an deni Kampfe gegen die' Türken teilgenommen hatten, nach der Niederlage ausgewandert sind, während andererseits die Juden, welche sich im türkischen Heere befanden und zumeist Freiwillige aus Italien waren, sich nach dem türkischen Siege auf der Insel niederließen. Benjamin Pontremoli berichtet, daß Sultan Suliman, der die Nützlichkeit der Inden erkannte, ein Dutzend jüdischer Familien aus Salonique auf die Insel brachte, und ihnen dort viele wertvolle Privilegien bewilligte. Unter anderem erhielt jede jüdische Familie ein Wohnhaus und während 20 Jahren Steuerfreiheit. Bom Jahre 1675 bis 1840 enthält die Geschichte der Juden aus Rhodos kein nennenswertes Ereignis. 1840 wurde gegen sie die Blntbeschuldigung erhoben. Der Gouverneur der Insel Jussuf Pascha ließ, vom griechischen - Klerus und einigen fremdländischen Konsuln aufgehetzt, am Vorabend des Purimfestes das Judenviertel umzingeln und den Grand Rabbin Jakob Israel sowie die Notaoeln der Gemeinde in den Kerker werfen. Dank der Intervention des Grafen Camondo sowie Cremieux' und Montefiores erließ der Sultan ein Dekret, das die Blutbeschuldigung als gegen den gesunden Menschenverstand verstoßend, erklärte. Drei Grieche,: und drei Juden wurden damals' nach Konstantinopel gebracht und dort vor ein Tribunal gestellt. Die Gerichtsverhandlung schloß mit dem Freispruch der Juden. Im Jahre 1851 hatte die jüdische Gemeinde in Rhodos viel unter den Folgen eines Erdbebens zu leiden. Sie entsandte damals ihren Rabbiner Rachamim Franco nach Europa, um für die Wiedererrichtung des Judenviertels Spenden zu sammeln. Die Sammlung ergab 40 000 Franks. Im Jahre 1855 wurde ein Teil der Judenstadt infolge der Explosion des Pulverturms zerstört. Die Juden von Rhodos besitzen zwei große berühmte Synagogen. Die eine wurde im Jahre 1440 von der Artillerie zerstört und später auf Befehl des Papstes Sixtus IV. wieder anfgebaut. Die zweite große Synagoge führt den Namen Kehillath Scholom. Sie wurde' im Jahre 1593 von Rafael Margola erbaut, und um das neunzehnte Jahrhundert von Mosche Menasche rekonstruiert. Eine dritte kleine Synagoge führt den Namen de Camonh», zum Andenken an den Grasen Abraham de Camondo, der sie erbauen ließ. Außerdem gibt es noch einige kleine. Bethänser. Die Inden w Irland. Unter den Irländern hat sich eine BolMegende erhalten/ wongch der Prophet Jeremias nach der Zer-

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