Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 24 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte 4 . . Frmttfmet «r. M. Das provisorische Komitee der „Agudas Jisroel" ersucht uns um Abdruck folgenden Aufrufes: „Unter . persönlicher Teilnahme von nahezu 300 Männern aus allen Ländern Europas, darunter führenden Rabbinen und hochangesehenen Persönlichkeiten des praktischen Lebens, getragen von den schriftlichen Sympathieerklarungen vieler Hunderte von Gesinnungsgenossen und Körperschaften diesseits und jenseits des Ozeanes, ist am 12. Siwan (28. Mai) in Kattowitz die Agudas Jisroel gegründet worden. Ueber den Verlauf der Kattowitzer Versammlung hat die gesamte jüdische Presse ausführlich berichtet und, von vereinzelten gegnerischen stimmen abgesehen, unser Werk mit Enthusiasmus als die eigentliche Notwendigkeit der Stunde für Kelal Jisroel begrübt. Ist es ja seit Jahren die Sehnsucht unserer weitblickendsten Führer in. allen Teilen der Welt, wie der breiten jüdischen Bolksinassen .im Osten, dass endlich' einmal eine umfassende, auf dem geschichtlichen Boden der Thora ruhende Organisation «Gehen möge, die, von dem Vertrauen der Millionen treugebliebener Söhne und Töchter des jüdischen Volkes getragen, sich der Lösung .der vielgestaltigen praktischen und relihiöscn Aufgaben der jüdischen Gesamtheit, wie sie jede Zeit neu hervortreibt, im Geiste der Thora widme. In einhelliger Begeisterung hat die Kattowitzer Versammlung folgende Resolution gefaßt: „Die heute in Kattowitz versammelten Vertreter der traditionell-gesctzestreuen Judenheit aus allen Ländern der Diaspora erklären nach Anhörung des vorgetragenen Referates die „Agudas Jisroel" für begründet und verpflichten sich, für den Aufbau der Organisation mit allen Kräften zu arbeiten. Die Agudas Jisroel dient der Förderung aller jüdischen Interessen auf religiöser Grundlage, unter Ausschluß jeder politischen Terwenz." So rst Ler Keim in die Erde gesenkt, de» rüstige Arbeit zum Lichte empvrführen, der Rahmen geschaffen, den die tätige Mithilfe mler Schelumei Emunei' Jisroel mit lebendiger Wirklichkeit erfüllen kann. Auf denn zur Werbe-Arbeit! - Es ist die große Masse der chrer historischen Ausgabe treu gebliebenen jüdischen Gesamtheit, die wir gewinnen und organisieren müssen. Vor allem gill es, allüberall Mitglieder in möglichst großer Zahl zu werben, als Grundform der Organisation Ortsgruppen ins Leben zn rufen, aus denen später die Landesorganisationen und die auf allgemeinen Delegiertenwahlen beruhende erste Hauptversammlung (Knessia gedola) der Agudas Jisroel .hervorgehen können. Dieser Hauptversammlung bleibt cs Vorbehalten, über Statut, Organisationsform, Arbeitsgebiete und -Methoden, endgültig zu befinden, nachdem die vorliegerweu Entwürfe der öffentlichen Kritik unterbreitet sein werden. Ihr Brüder auf dem weiten Erdenrunde, in deren Brust noch Liebe und Treue zu Israels Heiligtümern wohnt, sammelt Euch um das Panier der „Agudas Jisroel." Schließt Euch unserer Organisation an und —; vor «Ilcnt — widmet ihr tatkräftige, werbende Arbeit! Wer bereit ist, in die persönliche Werbearbeit für die „Agudas Jisroel" in seinem Kreise einzutreten, wolle uns*) seinen Namen und seine Adresse miüeilen. damit wir ihm das nöttgc Propäganda-Material zur Verfügung stellen können." Kraukfurr a. M. Der in Kattowitz, unter dem Namen „Agudath Jisroel" begründete Weltverband der Orthodoxie, hat bei den Lettern der Neologie jene Wirkung gehabt, die man voraussehen konnte. GeheimratLudwig Geiger fordert bereits in seiner „Allgem. Ztg. d. Indent." zum „Zusammenschluß der Freisinnigen aller Länder" auf, und sein Appell wird in den leitenden Kreisen der Neologie sicherlich den gewünschten Wiedcrhall finden. Doch fast ausschließlich nur bei den „leitenden" Kreisen — und nicht bei der Masse, denn die Neologie hat Generals aber keine Soldaten. Immerhin dürfte schon der energische Versuch!, zu sammeln und jüdisches Interesse zu wecken, gewisse positive jüdische Resultate zeittgen. Im gegenwärtigen Augenblicke, da alle Kräfte der. OrLhodoxie — unbeschadet chrer besonderen jüdischpolitischen Anschauungen — vereint werden sollen, hat weitere Kreise ein Artikel im „Israelit" recht eigentümlich berührtda der eigentliche Leiter, dieser Zeitschrift einer der Leiter der Agudath Jisroel ist. Es beginnt da nämlich' in der letzten Nummer eine Artikelserie des Dr. öfaac SSreuer über die Austrittsfrage, dessen ^Tendenz in der folgenden Stelle angegeben sein dürfte. „Die Austrtttsfrage ist heute so akut wie nur je. Das ihr zu Grunde liegende Prinzip ist bas cntschewende Kriterium, .wonach sich auch heute noch) ja heute erst recht, die gesamten Richllinien der. Enüvicklung des deutschen Judentums bestimmen lassen. Es war kein leeres Phantom, dem die Väter nachgejagtt Sie wußten, wofür sie . ihre ganze Persönlichkeit einznsetzen hatten. Wir nur wissen cs nicht." Berlin. Ueber die Ergebnisse der 10. Vorstandssitzung des Verbandes der jüdischen Ingendvcreine Deutschlands ist folgendes zu berichten: *) Adresse: Prov. Comitö der Agudas Jisroel, Frankfurt a.M., Gr. Eschercheimerstr. 23. Frmrffrrrter NraelitWheS FamNievblaÜ. Nr. 24 ~ 1. Antrag desVerbändes der deutschen Jüdeu, der Jugendverband möge eine Organisation für den Vertrieb apologetischer Schriften schaffen. Zwecks Prüfung der einschlägigen Verhältnisse wird eine Kommission -7- Dr. Ist Kahn, Dr. Regensburger, K.-R. Stein — gewählt. Hingegen wird einer Anregung des Rabbiners Dr. Ziegler (Karlsbad), die von ihm geplante terausgabe anfllärender jüdischer 'Schriften zu fördern, ine Folge geleistet. 2. Dr. Apfel berichtet über die Lage der Vereine Kattowitz, Posen, Breslau, Hamburg, Neukölln, Magdeburg uiä» Hannover, die er in den letzten Monaten besucht hat, sowie Wer die Tagungen des westdeutschen und desimitteldentschenBezirksvcrbandes. 3. Zur Frage der Organisation der weiblichen .jüdischen Jugend werden u. a. folgende Thesen einstimmig angenommen: „Bei Neugründungen von Jugendvereinen durch den Verbandsvorstand oder einen der Bezirksverbände ist die weibliche Jugend mit zu berücksichtigen." ,Ob die weibliche Jugend innerhalb der bestehenden Jugendvereine oder in besonderen Vereinen zu organisieren ist, kann nur unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse entschieden werden. Es. ist aber daraus hinzuwirke», daß 1. in den gemischten Vereinen für die weibliche Jugend 'in gleichem Maße gearbeitet wird wie für die männliche» 2. daß die besonderen Mädchenorganisationen in festem Zusammenhang mit der Gesamtbewegung arbeiten." 4. Zur Zeitungsfrage liegen Anträge auf Ermäßigung des Äbonnementspreises für die „Mitteilungen" vor. Diese läßt sich zur Zeit nur in der Weise ermöglichen, daß vom 1. Januar 1913 ab der Bezugspreis sür diejenigen Vereine, die das Abonnement für ihre sämtlichen Mitglieder obligatorisch machen, auf 1 JL pro Jahr und pro Exelnplar (statt bisher 1,20 JL) herabgesetzt wird. 5. Die nächsteDelegiertenversammlnng, die im Jahre 1913 i n Frankfurt a. M. stattfinden wird, wird sich, voraussichtlich mit folgenden Gegenständen befassen: 1. Organisation der weiblichen jüdischen Jugend. 2. Förderung der hebräischen Sprache. 3. Körperliche Ausbildung der Mitglieder. 4. Die Berufswahl der jüdischen Jugend. 6. Folgende Vereine sind in den Verband ausgenommen worden: Kiel, Schneidenrühl, Heilbronn, HWesheim, Filehue, Plauen, Posen, Gaudenz, Hagenau, Marburg, Wesel, Kreuznach) Mülheim a. d. Ruhr sowie die Mädchenvereine Aachen -und Nordhausen. Der Verband besteht somit aus 86 Vereinen. 7. Die Zentrale soll mit möglichster Beschleunigung alles Material über die sogenannte vffiz ielle Jugendfürsorge (Jngendausschüsse usw.) und Jngendwehren, Jungdentschumd, Wandervogelvereine n. dergl. sammeln, dainit der Vorstand den Berbandsvereinen Richtlinien sür ein zweckentsprechendes Verhalten geben kann. 8. Der Heidelberger Verein hat beschlossen, Angehörige studentischer Korporationen als Mitglieder in Zukunft nicht inehr aufzunehmen. Dieser Bekchluß sollte aber keine. rückwirkende Kraft haben. JU diesem Vorgehen erblickte der Bund Jüdischer Korporationen eine Maßnahme, die nur bezwecke, die Ungehörigen der B. I. St.-Verbindung „Jvria" in Heidelberg auszuschließen; cs liegt eine diesbezügliche Beschwerde des B. I. C. vor. Ueber diesen Fall berichtet Dr. Regensburger an der Hand der vom Heidelberger Verein eingeforderten Erllärungen. Es ergibt sich folgender Sachverhalt: Als der Heidelberger Verein seinerzeit begründet wurde, bestund er nur aus Kaufleuten, sMer trat die Heidelberger K. C.-Berbindung „Bavaria" in corpore dem Verein bei. Im Wintersemester 1911/12 stellte auch' die neugegründete Verbindung des V. I. St. „Jvria" ihren Beitritt in den Verein in Aussicht: Es war jedoch zu befürchten, daß durch das Vorhandensein von Korporationen, die aus verschiedenem Standpunkt stehen, das Vereinsleben getrübt werden würde; es hatten sich, bereits an den Vereinsabenden die Anwesenden in drei Gruppen geteilt: die K. C.-er, die V. I. St.-er und die Kauslente. Es waren ernste Differenzen zn erwarten. Der Verein Heidelberg wandte sich! deshalb an die K. C.-Verbindung „Bavaria" mit dem Ersuchen, wieder aus dem Verein auszutreten. Dies taten denn auch! die K. C.-er. Hierauf hat der Verein Heidelberg den Beschluß gefaßt, inkorporierte Studenten überhaupt nicht, mehr auszunehmen, gab aber diesem Beschluß keine rückwirkende Kraft mit Rücksicht ans einen Studenten, der seit der Begründung des Vereins für die Jugendbewegung tätig war; dieser Student ist ein Angehöriger der Verbindung „Jvria." Der Verbandsvorstand ist der Ansicht, daß eine Zusammenfassung möglichst aller Schichten der jüdischen Jugend in den Verbandsvereinen zu erstreben sei. Er sieht -sich' jedoch nicht in der Lage, in die internen ^Verhältnisse eines Vereins, der sich' auf Grund' triftiger Erwägungen lokaler Natur im Interesse einer gedeihlichen und friedlichen Arbeit zunächst nur auf die kaufmännische Jugend stützen will, einzugreifen, zumal eine Verletzung der gebotenen Neutralität nicht in Frage kommt. 9. Es wird betont, daß die Vereine mit Nachdruck darauf achten müssen, daß man ihre Veranstaltungen nicht lürn Tum me lplatzstudentis cher Kontroversen macht. Vor allem möge man solchen studentischen Korporationen gegenWer wachsam sein, deren Mttgliä>er zu bestimmten Zwecken (Wahlen, Generalversammlungen) abkoimnandiert werden, ohne sich sonst irgendwie am Bereinsleben zu beteiligen. Kattowitz. Trotz der schweren, ungewohnten und gefährlichen Arbeit in den Kohlengruben hat die Nachricht von dem. Berg Werksarbeiter-Projekt-der Agudas Jisroel' bei tausenden Juden- Rußlands, und Galiziens freudiges Echo erweckt, — fo groß ist das Elend in der östlichen Judenheit. Eine 'Anzahl jüdischer Arbeiter kam — ohne nähere Veröffentlichungen abzuwarten — sofort hier angefahren. Doch hier wurde ihnen der Bescheid, daß sic erst in einigen Monaten Arbeit Haben können. Man hat sie jedoch in die Myslowitzer Gruben derselben Gesellschaft geschickt. Dort aber wartete ihrer eine zweite große Enttäuschung: statt 4—6 JL erhalten sie 2 bis 8,50 JL Lohn und müssen Samstags arbeiten. Nach Rußland können sie nicht zurück, weil ihnen ohne den Besitz eines ausländische» Passes der Uebertritt über die Grenze verweigert wird. Rutzlauv. Z B Kiew, 13. Juni. Die gestrigen Veröffentlichungen im konservativ-antisemitischen Blatte „Kiewljanin" zur Mordaffäre Jnsch'tschinski, nach! denen nunmehr feststeht, daß. dieser das Opfer einer Verbrecherbande wurde, die seine Mitwissenschaft fürchtete, sind von ungeheurer Bedeutung für den Fortgang der Sache und für die Aufklärung der.Wahrheit. Daß zum Journalisten Brasul-BruschkowskH sich! nunmehr der ehemalige Kriminalbeamte! Krassowski gesellt hat, ist schon für die Hetzer ein schwerer Schlag. Wirkungsvoller ist aber der Umstand, daß der .„loyale" und „patriotische" Kiewljanin des durch feine Polen- und Judenbekämpfung genügend bekannten Reichsratsmitgliedes Pichno butt den neuesten Enthüllungen kommt. .Die Verteidiger des Angellagten Beilis .haben der! Staatsanwaltschaft eine neue Eingabe überreicht, in der sie auf Grund der neuen Enthüllungen um eine Revision des schwebenden Prozeßverfahrens gegen Beilis.: bitten. Zugleich erneuerte der Verteidiger Margvlin sein Gesuch uni vorläusige Haftentlassung des Angellagten Beilis gegen Erlegung einer angemessenen Kaution. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft gegen einen der Verteidiger Beilis, den Rechtsanwalt Grigvrowitsch- Barski, das Disziplinarverfahren ein geleitet, weil er den Protest gegen die Ritualmordbeschuldigung mitunterzeichnet hatte. Die Kiewcr Mordaffäre beschäftigte auch die Reichsdnma in einer ihrer letzten Si^mgen. Die.oppositionellen Parteien stellten nämlich den Antrag, die Duma sollte mit Rücksicht auf die neuesten Enthüllungen Brasuls und Krassowski in eine Besprechung der vor einem I halben Jahre eingebrachten Interpellation der rechten! Parteien betreffs des Kiewer Knabenmordes cintreteu! Die Rechte mußte diesem Antrag, der ihr eigenllich sehr! wider den Strich ging, notgedrungen zustimmen, und so! wurde denn die Beratung der betreffenden Interpellation! auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen! gestellt. Palästina. Jassir. Der Herzlwald in Hulda litt an Wasser! Mangel. Der' palästinensische Brnnnenbohrer gelangt^ nur bis 93 Meter und' fand kein W asser. Jetzt haben amerikanische Unternehmer in einer TieftI von 180 Metern Wasser gefunden. Durch! eigenen Druck! ist dann das Wasser bis auf 100 Meter unter der! Erdoberfläche gestiegen. . I Dieses Auffinden von Wasser ist eine befreiend!! Tat, da man jetzt bei dem Brunnen einen Motor mit! Röhren ausstellen und so das Wasser leichter ans den! Wirtschaftshof und die Gärten in Hulda wird letten! können. - I Bemerkenswert ist, daß dieser Brunnen von 180 Meter! Tiefe der erste seiner Art in ganz Palästina ist. Bisher! waren hier Bohrungen über 100 Meter unmöglich, weil! man keine Jnstumcnte dazu hatte. So hat der Jüdische! Nationalfonds auch auf diesem Gebiete ein Stück Pivmer-s arbeit geleistet. Sased. Demnächst wird das; jüdis che Krankenhaus mtt Dr. H. Josse, bisher in Sichron-Jakob, als! Oberarzt und Dr. David als zweiten Arzt eröffnet! Das Kranhnihaus erhalt auch eine eigene Apotheke mit | einem in Europa diplomierten jüdischen Apotheker. Amerika. New-Uork. Jakob H. Schiff hat durch Vermittlung! des hier weilenden Berliner Kunstmalers Hermann! «strnck für den . | Banfonds der Jafsaer Tachkemonischnle 2000 JL gespendet. , Auf einem Bankett, das der Newyorker Misrachil Herrn Struck zu Ehren veranstaltete, wurden für den! gleichen Ztveck 1200 JL gesammelt. Aus de« Vereine«. Gailiuge«. Das Friedrichsheim versendet seine"! Geschäftsbericht pro 1911. Die Zahl der Ber«! einsmitglieder hat sich von 1188 aüf. 1611 gehoben.! An Spenden hingen insgesamt 9977,55 JL ein, an» Mitgliederbeiträgen 10 508,40 JL, an Verpslegungsbei-I trägen 10 710,05 JL usw. Ende des Jahres 'befanden! sich 43 Insassen im Asyle. , - _ 1 SCHMIDT & SCHIEFES«! Telephon 13430. Im Trntz 88. Telephon 13430. DI Gag-, Wasser- und Heizungs-Anlagen. —Medeme MI Bäder und Closets. , 1 Reparaturen prompt hei zivilen Preisen. I i