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Neue jüdische Presse · 1912-06-07 · Heft 22 (7.6.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 22 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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srs?r Seite a. ‘ Delegiertentag Larin bestand. Laß iyeser Kampf im Kleinen, auf dem Kongreß seinen Fortgang im Großen genommen hätte. Setzt, Lurch das Resultat des Posener Delegiertentages, ist diese Gefahr beseitigt. Man kann sagen: Durch den Posener Delegiertentag 'ist das Einigungswerk des letzten Kongresses erst eigentlich perfett geworden und die begründete Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß diese Einigung auf dem nächsten Kongreß nur iroch fester und inniger werden wird. Und es ist nicht leer? Prophezeiung, wenn man die Vermutung ausspricht, dich dies Resultat der Wahlen z,um Geschäftsführcnden Ausschuß in den Wahlen zum E. A. E. sich widerspiegeln werde. Die unmittelbare Wirkung dieses Friedensschlusses aber werden wir schon in Nächster Zeit wahrnehmen können, wenn im- September nämlich die Jahreskonferenz der gesamten zionistischen Organisation zu Berlin zusmnmentretcn wird. Gegenüber diesem wichtigsten prinzipiellen Resultat treten die übrigen zurück. Doch, sind auch sic von nicht zu unterschätzender praktischer Bedeutung. Daß eine Kommission eingesetzt worden ist zur Aufstellung von prinzipiellen Richtungslinien für die Arbeit der Zionisten innerhalb der Gemeinden eirtsprach nur einem dringenden Bedürfnis. Denn die zionistische Arbeit innerhalb der Genreinden hat schon überall eingesetzt und wird in Zukunft immer stärker und intensiver werden müssen. Dabei ist es denn unbedingt rrötig, daß, überall nach einheitlichen .Gesichtspunkten vvrgegangen wird und nicht in diesem so überaus wichtigen Teil der zionistischen Arbeit dem Einzelnen volle Freiheit und Willkür gelassen wird. Ebenso erfreulich ist die Fürsorge, die der Delegiertentag der Jugendpropagan- La gewidmet hat, gleichfalls einer der wichtigsten Punkte der zionistischen Arbeit, der auch, noch der systematischen Ausbildung und strafferen Zusammenfassung bkdarß. Erwähnen wir noch außerdem die Annahme des neuen Organisationsstatuts, so haben wir die wichtigsten Resultate des Delegiertentages aüfgezählt. Alles in allem: Man Lars auf den Verlauf des Posener Delegiertentages in allen Kreisen und Richtungen des deutschen Zionismus und darüber hinaus im gesamten Zionismus mit voller Befriedigung zurüäblicken. .Er hat -das, was man von ihm erhofft hat, in vollem Maße erfüllt. 2. Alls dem Srationalitätenstaate Oesterreich. In keinem Lande der Welt wird der Kampf uw die Anerkennung der jüdischen Nationalftät als existierend und gleichberechtigt in so scharfen For-, men ausgesuchten wie in Oesterreich. Die Ursachen hierfür liegen ja in dem zur höchsten Siedehitze gesteuerten Nationalitätenkampfe dieses Landes Lar Mtage. Wenn anderswo der Kanrpf der jüd. Bevölkerung gegen ihre Umgebung^ in erster, oft einziger Weise in der Defensive, in der Abwehr fremder Angriffe besteht, so begnügt sich! die österreichische national gesinnte Judenheit nicht' mit dieser Abwehr, sondern fordert ungestüm und energisch die positive Anerkennung .als Nationalität seitens der anderen Nationalitäten. . Sn diesem für die gesamte Judenheit im hoch-- sten Maße bedeutsamen Kampfe um die staatliche und politische Gleichberechtigung her jüd. Nationalität als solcher steht die akademische Jugend in vorderster Reihe, und ein guter Teil der Erfolge, die bereits errungen sind, ist. ihr zu verdanken. Die Kampfe, die diese jühischj-nationale akademische ' Jugend in Oesterreich ausficht, greifen daher an Bedeutung weit Wer den. Rahmen ihres studentischen Lebens hinaus und interessieren die gesamte österreichische, ja die ganze Judenheit überhaupt. Auch gegenwärtig befindet sich die jüd. Studentenschaft Oesterreichs oder — genauer gesagt — 'Wiens in einem solchen Kampfe. Es handelt sich dabei um nichts Geringerech als dem Zustande der Schutzlosigkeit, in dem sie sich jetzt befindet, ein Ende zu machen. Bekanntlich, hat ja die im Fahrwasser des rohesten Antisemitismus sich befindende deutsche Studentenschaft Oesterreichs in den Weiden- - Hofer Beschlüssen den ^jüdischen Studenten ihre Satisfccktionsfähigkeit abgesprochen und glaWte so ine Möglichkeit gewonnen zu haben, die jüdischen Studenten ungestraft beschiimpfen und beleidigen zu Wunen. Diese ergriffen dagegen die einzig mögliche Abtüehinnaßregel; sie' forderten jeden ihrer ßhmrkftrrter UrMWcheL DZamWenblatt. Beleidiger, und lehnte dieser unter Berufung auf die Weidenhofer Beschlüsse die Forderung ab, so suchten sie sich durch, -tätliche Reaktion sellbst ihr. Recht zu verschaffen. Was taten die deutsche-nationalen Helden? Sie denunzierten die jüd.'jchen Studenten beim akademischen Senat, und dieser, in seiner Majorität aus ehemaligen Genossen dieser Feiglinge zusammengesetzt, erklärte, über jeden jüdischen Studenten, der auf eine Beleidigung tätlich reagierte, die Relegation verhängen zu wollen — wie auch. in einem Falle bereits geschehen ist. Gegen diese unerhörte Haltung des Senats, der die jüdischen Studenten faktisch, für vogelsrei erklärt, entfaltete die jüdische Studentenschaft eine energische Gegenaktion, und es ist erftculich zu sehen, welche großen Sympathien sie dabei in allen jüdischen Kreisen Wiens gefunden hat, Sympathien, die in mächtigen Protestversammlungen ihren Ausdruck gefunden haben; zugleich mit ein Beweis dafür, wie dieser Kampf der jüd. Studentenschaft seine erzieherische Wirkung auch aus die nichtakademischen jüdischen Kreise ausübt. Natürlich handelt es sich, bei dem ganzen Kampfe nicht um die Satisfaktion als solche, wie mancher zu meinen geneigt sein wird. Das ganze Duellunwesen ist wahrhaftig nicht wert, solche Kämpfe zu entfesseln. Worum es sich dabei handelt, ist das Prinzip, die Gesinnung, die im Vorgehen der deutschen Studentenschaft und des Senates zum Ausdruck kommt, die Tendenz, die jüdisch? Nationalität auf der Universität zu entrechten. Nur darum hat dieser Kampf nicht nur jüdisch-studentisches,, sondern allgemein jüdisches Interesse. Diese allgemein jüd. Bedeutung.des Kampfes läßt sich noch an einem anderen Faktum wahrnehmen, das an sich fast so interessant ist, wie der ganze Kampf selbst: an der Hafttung der offiziellen Vertretung der Wiener Judenheit. Nachdem diese anfangs versprochen hatte, in der Protestversammlung gleichfalls zu erscheinen und sich aus die Seite der jüdischen Studentenschaft zu stellen, hat sie es in letzter Stunde doch vorgezogen, fernznbleiben, damit dokumentierend, daß sie für die Wahrung der jüdischen Ehre ebtn'iowenig übrig hat, wie für die Wahrung anderer jüdischer Interessen. Denn die Ausrede, mit der nachher das Fernbleiben entschuldigt werden sollte, daß die Repräsentanz bei den maßgebenden Instanzen noch nicht hätte prüfen können, ob die Angaben der jüdischen Studenten vollständig richtig seien, ist ja weiter nichts als eine— leere Ausrede. Bedarf cs bei einer so offenkundigen Vergewaltigung noch der formellen Bestätigung der maßgebenden Instanzen? Diese Haltung der Wiener Repräsentanz ist wichtig und darf nicht so bald vergessen werden. Denn die Sache, uin bie es sich handelt, ist. eine allgemein jüdische, sie hat nichjts mit Parteiinteressen zu tun, und das Beiseitestehen. der Repräsentanz bestätigt offenkundig, was wir immer behauptet haben, von Seiten der Assimilation aber immer bestritten worden ist, daß, abgesehen von allen anderen jüdischen Interessen, selbst die jüdische Ehre fiir die Assimilation ein Ding geworden ist, das sie um ihrer Zwecke willen ruhig besudeln läßt. Dieses Zugeständnis der Wiener Assimilation ist mit eines der wertvollsten Resultate des Kampfes der jüdischen Studentenschaft um ihre nationale Würde und Gleichberechtigung. Die „Agudath Jisroel"-Konferenz in -er Presse. Die Jüd. Volks stimme (Brünn) nennt die Konferenz eine imposante Kundgebung des thoratreuen Judentums, die nicht verfehlen wird, ans die breiten gesetzestreuen Massen von nachhaltiger Wirkung zu sein. Die Agudath Jisroel solle die tüchtigen Eigenschaften des orthodoxen Juden in das rechte Licht setzen und so sein Selbstbewnßtsein undseine Selbstachtung ganz enorm erhöhen. Wohl sei vorauszuseyen gewesen, daß die verschiedenen Schattierungen innerhalb der Judenheit, bedingt durch die Verschiedenartigkeit des sie umgebenden Milieus, sich zu Gegensätzen verdichten werden, wohl mußte es allen klar sein, daß dem so überaus rührigen provisorischen Komitee nicht Zaubermlltel zur Verfügung ständen, um mit einem Schlage alle die Hindernisse zu überwinden, die in beachtenswerter Zahl sich dem Projekte entgegcntürmten, — doch der Erfolg, daß, in den Hauptpmrkten völlige Einigkeit erzielt wurde, habe die Erwatrungen übertrvffen. Die Neue National-Ztg. (Wien) schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 160 bis 120 Personen, die anderen Nr. 22 400 bis 500 Personen seien Zuhörer gewesen. . Sie schreibt: „Peinlich wirkte allgemein : die .Ansprache des Dr. Breuer mit seinen Angriffen-wider die Alliance -Md den Zionismus; noch peinlicher die Erniedrigung, mit welcher er als Einleitung zu .einem -Hoch aus Kaiser Wilhelm II. die Loyalität und den Patriotismus der Juden in. der Weise zu unterstreichen für gut fand,!>aß er ihren Fortbestand auch für den Fall garantierte, wenn die Regierung den Inden (in Deutschland!) einen gelben Fleck anhesten oder sie auf dem Scheiterhäufen verbrennen sollte. Rektor Dr. Hosfmann trat ihm sehr wirksam entgegen, indem er jede Kampstendenz von der „Agudath Jisroel" ausgeschältet wissen wollte. Tie praktischen Ziele der Organisation wurden nur wenig betont... Die Versammlung wäre fast ohne Emotionen zu Ende gegangen, wenn nicht von einem Redner ein Thema in die Versammlung geschleudert worben wäre, das wie ein Blitzstrahl wirkte und die Gemüter aufs ' höchste erhitztet Die Kultnrsrage. Sie wurde, vom .Tarnotver Rabbiner Schnur angeschnitten. . . Herr Schnur verlangte recht bescheiden die Gründung .von Jeschibähs, in denen auch profanes Wissen gepflegt werden würde. Also, Gott behüte, keine profane Schulen, sondern bloß Profane Gegenstände in den Talinndshidien gewidmeten Anstalten. Aber das war den aus Galizien erschienenen Teilnehmern ein Verbrechen.' Sie lärmten, tobten und protestierten. Die deutschen Herren beeilten sich zu ertlären, daß es ihnen nicht einfalle, nach Galizien Kultur zu tragen. Im Gegenteil. Ihr Sprecher, Herr Rosenheim, machte eine tiefe Verbeugung vor den Idealen des Ostens und beteuerte, daß die „Agudath Jisroel" diese nach dein Westen tragen werde. Wenn diese Enunziation aufrichtig gemeint ist, dann steht der Allianz zwischen der Frankfurter Orthodoxie und dem osteuropäischen Chassidismus nichts mehr im. Wege." Der H a i n t (Warschau) konstatiert, daß die eigentliche Konferenz nur 6—7 Stunden gedauert hat, was genügte, da es nur die offizielle Begründung der Organisation galt, während in der Zeit bis zum 1. Kongreß zu voraussichtlich anfangs nächsten Jahres die Organisation mit allen ihren Ortsgruppen erst wirklich, geschaffen werden müsse. Die östlichen Teilnehmer hätten mehr von der Kallowitzer Konferenz erwartet und seien so enttäuscht gewesen. Auf die Frage, welchen Eindruck die Konferenz gemacht hat, antwortet der Haint: „Aus die Frage ist schwer zu antworten; weil das Bild zu verschiedenartig gewesen ist. Da war ein Panorama von verschiedenen Typen Rabbonim und frommen Juden, jede Gruppe von einem besonderen Zuschnitt. Es hat ' nicht viel 'dazu gehört, die tiefe Kluft zu sehen, welche zwischen einem ungarischen und einem russischen Raw, zwischen einem Rabbi Chajini Brisker und einem Dr. Breuer, zwischen einem Dr. Franck und einem Rosenheim besteht. Man hörte ver-1 schieden«: Stimmen, die eine ries zu Frieden und Einigkeit, die andere zu Krieg und Spaltung." Der Moment (Warschau) schreibt: „Die Frankfurter'Gründer sind große Politiker. Nicht! umsonst wird ihr Führer Rosenheim der orthodoxe Bismarck genannt. Das Frankfurter Kabinett hat wohl unter! sich das Programm ausgearbeitet, aber veröffentlicht hat! es nur Schlagwörter. Erst möge man in Kattowitz mit! einander bekannt werden, das andere komme später."! Rabbiner Dr. Breuers Worte über den Zionismus gibt der Moment wörtlich! wieder. Sie lauteten:! „Bald nach der Alliance Jsraelite Universelle ist eine zweite, eine noch gejährlichere Bewegung entstanden:! Die zionistische Bewegung, die anfangs ganz Israel umgekehrt und in tausende Herzen Gottesleugnung und! Unglauben gesät hat. Gegen diese gefährliche Bewegung! hallen die Gedaulei Jisroel den Krieg erklärt, und auch! ich habe meine Kräfte zu. ihrer Ausrottung angestrengt,! und noch bis zum heutigen Tage habe ich den Kampfs gegen sie nicht eingestellt." Aus aller Deutscher «eich. Berlin. Die soeben erschienenen „Mitteilungen des Verbandes der jüd. Jugendvereine Deutschlands" bringen von Nahida Ruth Lazarus einen Arllkel und einen Bries, die sich besonders mit der Notwendigkeit, die hebräische Sprache 511] erlernen , beschäftigen. In dem Brief heißt es: „. ich halte das. Erlernen der hebräischen! Sprache (aber von frühester Kindheit an!) für ein eminent wichtiges pädagogisches Heilmittel für die Heranwachsende neue Generation der Juden, aber ich! bezweifle, daß es anwendbar ist, ja, ich —, verzweifle s an jeglichem Erfolg. . . Die Miller sind nicht da, welche die Kinder lehren, sie e t n l e b e n in. diese Dinge. —> Kein Vorwurf und keine Krllik, nur meine Beobach-I tung: keine Frage ist den Frauen so wichtig als die! Toilettenfrage. Entschuldigen Sie, daß ich das kleinliche! Akwt »auch! nur hier geschrieben habe * aber das kleinliche Wort enthält einen Abgrund . . . oh, ich über-i treibe nicht. So lange das.wewliche Kind, kaum, daß! es stehen ..karm, schon von der Mutter zu Putz und! Eitelkeit verführt wird, und dieses beides ihm sein! Leben lang oie Seele und den Geist verflacht — istl das Judentum in Gefahr..." I «erlitt. .Die Repräsentanten der jüd. Ge-I mcinde haben sich wieder einmal mit einer „Wich-I Ligen" Angelegenhell befaßt, sie wollen nämlich die I Trennung der Geschlechter beim Gvttes-I dienst anjheben I und damit wieder eine Einrichtung jalten lassendie» di di de ui tä fit h° te G stc ni im Kr zu Enii ab fei nn Zl lui eil in de dü da du stan zu I" itc 3: lui tif Ri M ha Sft •o P> A im vo!Ei!L< i de lrc I' iw dil I Stc hei « uti hi lui bc klc bii dl fhi E I" Jc da crl 3 I er« let s-l tu« Gr dir zui lui 'eil >Gr »u UN >?lr die gu dci St Ar ein fiel!rel Ne

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