Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1912-05-17 · Heft 19 (17.5.1912) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 19 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2692768-2692787--06948-2701992
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

t I Nr. 19 Selte n. ' ' " Frankfurter FftMitstHeZFpEielLlaL Und so zftht Ä sich durch. Äle' Manifestationen und Teilerscheimmgeu des Jud!entuM hindurch: überall wicker die Berbindimg, diese Synthese des Materiellen mit .dein Ideellen. Dies ist aber auch von Bedeutung sur die Auffassung des Judentums vom Wesen der nativnalen Besreiung. Ebenso tvie Pesachj ohne Schewucrus etwas Halbes, Unvollendetes gewesen wäre, so wäre Schewuaus ohne Pesach etwas Haltloses, .. etwas in der Lust Schwebendest Pesach muß Schewuaus vorangehen. Die politische Be- ° steiung muß als erste vor sich gehen, die geistige saun erst dann folgen. - Dies ist..scheinbar selbstverständlich!; — und doch! wenn man heute austritt und diesen ° alten, echt jüdischen Gedanken proklannert, setzt man! sich der Gefahr aus, von gewissen Kreisen als Ketzer verschrieen zu Werden, die eigenmächtig in das Walten Gottes eingreifen wallen. Erst — wird uns da ge-! predigt — muß Pas ganze Volk in seinem Geiste und synem Leben Wisch sein, dann darf man erst j an die politische Besteiung denken. i Meeschen von der ganzen praktischen Sinnj los^Deit dieser Anschauung, ist sie die dem wahrhaft s Mischen Stcmdpunkt radikal entgegengesetzte. Schei wuaus geht nicht Pesach voran, soildern umge- I kehrt. In Egypten, dem Lande 8er Knechtschaft, ist uns nicht die Thora verliehen worden; denn Egypten und die Thora, d'as Land der Knechtschaft und das | wahrhaft Wische Leben sind innere Widerspruche; jj. in Mypten war die Thora nicht erfüllbar, im f Gvluch ist ein wahrhaft, von seinen Wurzeln dis | in leine letzten Auszlveig ungen jüdisches Lcken un- L Möglich. Erst Muß ein neuer Pesach kommen, be- | vor wir ein neues Schewuaus' werden feiern können. § Erst muß das Volk politisch und materiell befreit! sein, dann erst kann an seine geistige, ideelle Be- E freiung, an seine völlige RüMhr pn Judentum gedacht werden. I Dies ist der einzig praktische, der einzig per- Mnftige, der einzige realisierbare und, — und dies ist .das wichtigste — der einzig Wische Weg, Wer aber anders, umgekehrt gehen will, wer die geistige Besteiung vor der politischen, wer Sche- Irmaus vor Pesach herbeisthren will, .handelt nicht nur inlpraktisch und unvernünftig, er handelt auch unWisch. 2. Führer und Masse«. Als vor wenigen Wochen zu Kiew Professor Mandelstamm starb, da ergriff die Trauer die - ganze osteuropäische Judeicheit, und Lei seiner Be- $ crbigimg folgten Zehntausende von Juden seiner R Bahre. . 8 Als vor zwei Wochen zu Lodz der große 1 Rabbiner Meisel dahinschied, trauerte auch das | ganze russische Judentum; und als Man ihn zu stMMe trug, schritten hmMerttausend Juden hinter R sttner Bahre Her. I Diese Zahlen sind naWrltch Von keiner mneren it Bckeutung. Sw bilden keinen Maßstab ftrr die M Größe dieser zwei Männer. Mer diese Zahlen gl sind charakteristisch und typisch. Diese Massen, die k da trauerten und zn Zehntausenden den Bähten D ihrer Führer folgten, geben eine Vorstellung pvn Ri der gewaltigen Popularität, deren sich! Viele Füh- W rer des osteuropäischen Judentums erfreuen. Hub |i blicken wir nach, Westeuropa hinWber, — welch! ein « anderes Bild! Wir suchen die offiziellen FKhrer dieses « westeuropäischen Judentums und finden sie . alt « grünen Tischen in weich gepolsterten Sesseln in schön dekorierten Konferenzsälen. Und Von irgend 8 Welchem inneren Konnex mit den Masten der Juden- R Hers ist keine Rede. U .Diese gegensätzliche Erscheinung von Ost Md H West lenkt den Blick des tiefer Denkenden ans. ein D äußerst gewichtiges Problem Mseres modernen jud. W LÄens: aus das Problem des Berhält- K Äissesder Fsthrer unseres Volkes zu Wdiesem selbst und, weiter gefaßt, auf das Ver- M hältnis der führenden Kreise des jüdrsckM Volkes 8 Au seinen Massen. 8 - Dieses Verhältnis' ist nicht nur bei uns, sonff dern bei allen Nationen von der weitgehWsten Bedeutung. Von ihm hängt es ab, ob die Ent- I Wicklung eines Volkes Normal oder anormal verläuft! Denn nur bei einem gesunden, harnwnischen Verhältnis von Volksftihrern und' Bolksmaffen, Mir da, wo Mischen beiden ein enger, iMerer, Ms - gkgenseftiges Vertrauen basierender Konpex . besteht, verläuft Hst Entwicklung Norm'al,gesund, .stuchtbar. Denn dann ftigt sich auf der eineil Seite, die Masse willig den Jnpülsen und Direftivdn der Führer, und auf der anderen Seite kennen die Führer durch ihre Verbindung mit. d-en Massen die Bedürfnisse des Volkes und! seine innersten Wünsche. So gibt ein jeder Faktor dem anderen, was er bedarf. Hört aber dieser Konnex auf, stehen sich Masse und Führer ftemd, ja feindlich gegenüber, dann hört die normale Entwicklung sofort auf; denn dann versagen die Massen , den Führern .ihr Vertrauen und ihre Gefolgschaft, die Führer aber 'stecken Ziele, die dem Wesen und.den BcWrftch'sen des Volkes nicht entsprechen, und die gewöhnlich^ Folge ist die, daß, twihrend die führenden Kreise, die Intelligenz, sich! ungehemmt durch tzen konservativen EinfluhJier Masten rastlos weiterentwickeln, die Masteil, der Impulse der Führer entbehrend, in ihrem Zustande Leharren; bei den einen tritt ein durch seine Schnelligkeit .ungesunder übertriebener Fortschritt, bei den anderen eine schädliche, verderbliche Stagnation ein. Auf die normale RegelMg dieses so Wichtigen Verhältnisses hoben unsere alten Ge setze slehrer stets den größten Nachdruck gelegt. Auf dev einen Seite haben sie dm Massm inmrer und immer wieder ihre Folgsamkeit den Direktivm ihrer Führer gegenüber zur Pflicht gemacht, und die Worte der Chachdmim fast denen der Thora gleichgestellt, auf der anderen Seite aber haben stö es den Führern zur Notwendigkeit gemacht, mit den Massen in stetem inneren Konnex zu bleiben, ihnen unausgesetzt die Worte der Thora zu predigen und sie so geistig zu beeinflussen. Und nur .diesem normalen Verhälntis ist es zu verdanken, daß einmal unsere Lehre, unsere Gesetzgebung so sehr volkstümlich!, in so Eminentem Maße den innersten Bedürsinissen des Volkes angepaßt ist und ferner — was nur die Folge davon ist—, daß die Massen diese Lehre treu befolgten und bewahrteil. Das Zeftalter der Emanzipation, das in so vielen Beziehungen einen Riß in unserer.nationalen Entwicklung bedeutet, hat auch diesem. normalen Verhältnis ein Ellde gemacht. Von rastloser Begierde getrieben, die Kultur der neuen Welt in sich aufzusaugen, Mrzte sich eilt großer Teil der Intelligenz des Volkes diesem Studium in die Arnte und verlor so den Konnex mit der Volksmcrsse. Diese aber, der diese neue, völlig anders denkende Intelligenz fremd war, versagte ihnen die Gefolgschaft und blieb, wo sie lvar. So hat sich denn der gefährliche Zustand heraüsgebildet, daß Intelligenz und Maste,. 'Führer und Volk sich ftemd, ja feindlich gegelWerstehen. Die unsäglich traurigen Folgen aber dieses Zustandes sind zn deutlich, sichtbar, als daß sie noch, besonders dargelegt zu werden brauchten. Daruln wirkt es so wohltuend und läßt neue Hoffnung "erstehen, wenn man wahrnrmmt, wie es in Osteuropa noch immer Führer gibt, die diesm Konnex mit den Volksmassen haben, und denen diese willig folgen. Und solche Erscheinungen, wie sie bei dem Dahinscheiden dieser zwei Volksftihrer zv- Tage getreten sind, lassen eine Besserung des allgemeinen Zustandes in dieser Beziehung" als möglich erscheinen, legen aber zugleich damit die Verpflichtung auf, fiir diese Besserung des Zustandes zu wirken. Diese Pflicht ruht aber in erster Linie bei den führenden Kreisen. Denn sie, die immer die Jinpulse, den Anstoß geben wollen und sollen, müssen es auch hier tun in ihrem Interesse, weil sie nicht eher wahrhaft wirken können, als bis sie das Vertrauen der Massen wiHergewonnen, W Interesse der Masten, die nicht eher sich normal weiterentwickeln werden, als bis' sie die Verbindung mit den Führern Wiedergefunden haben werden, im Interesse des ganzen Volkes, das erst all seine inneren Kräfte wird ausnützen können, wenn dieser Konnex von den Volkssührern und den Volksmassen wieder hergestellt sein wird. Aus olfev Mett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Das Programm der auf den 27 und 28. Mai nach! Kattolvitz einberufenen Konferenz zur- Begründung einer Weltorganisation der gesetzestrguen Jude n heit , sieht, für Montag, den 27. Mai, .von 3 Uhr an eine zwanglose ZusMiimenkunft der Teilnehmer 'int Sitzungssaale der Shnagogengemeindü Kattowitz vor. Die eigentlichen Beratungen beginnen Dienstag früh uni 9 Uhr in dem gleichen Saale. Die Tagesordnung lautet: 1. Begrüßung. 2. Bericht des „Provisorischen Komitees." 3. Generaldebatte. 4. Konstituierung der „Tlgud'aty Jisroel," Festsetzung der Vollmachten des „Provisorischen Komitees" und Beschlußfassung über Ort und Zeit der ersten Hauptversamniluiig. 5. Neuwahl des „Provisorischen Komitees," sowie Wahl . verschiedener Kommissionen für die Vorbereitung von Programm .und Statut, für die Propaganda in den einzelnen Ländern und für die zunächst in Angriff zu nehmenden Gebiete der praktischen Arbeit. Die gewählten Kommissionen treten sogleich zu ihrer Konstituierung und ersten Beratung zusmmnen. Das allseitige, zum Teil Mrinische Interesse für die Bewegung, das sich in allen Ländern kundgibt, und das dem „Provisorischen Komitee" zahlreiche Gesuche' um Zulassung zu der Konferenz brachte, hat das Komitee veranlaßt, aus den vertraulichen Charakter der Beratungen zu verzichten. Karten — sowohl für die geladenen Teilnehmer als auch' für die Zuhörer —, werden vom „Provisorischen Komitee" in Frankftlrt' a. M., Große Cschenheimerstraße 23, ausgegeben. Berlin. Der Hitssverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit der GroßlogL für Deutschland für die Juden in Fez als erste Rate 60000 Francs" zur Verfügung gestellt. 50000 Francs sind ^hiervon für den allgemeineir Hilfsfonds in Paris bestimmt. 10000 Francs lmrrden deni deutschen Konsul durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes überwiesen, nur den deutschen Schätzbefohleneil jüdischen Glaubens, die bei den .Unruhen in Fez zu Schaden gekommen lind, die notwendigste Hilfe zn gewähren. Berlin. Die Kommunalkommission des Herrenhauses hat die von der Berliner isr. Gemeinde beantragte Erhöhung der Zahl ihrer Vorstandsmitglieder und Repräsentanten in der Form des gegenwärtigen Gesetzentwurfes äb'gclchnt. Die Kommission fordert die Regierung auf, einen neuen Enttvurf vorzulcgen, der die Interessen der Berliner orthodoxen -Judenschaft besser berücksichtigt. Man sieht wieder einmal: Gegen die reaktionäre ' Machtpolitik der jüdischen Gcmcindegcwaltigen sind die preußischen Konservativen Liberale!! > Berlin. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 14. Mai stand der Gesetzentwurf hetresfciid die Vertretung der Berliner Synagogengemeinde auf der Tagesordnung. Die Kommission hätte ihn abgelehnt. Landeshauptmann a. D. v. Dziemb'otoski, der Referent, führte aus', daß die Reformb'edürftigkeit allgemein anerkannt werde. Die Wege der Abhilfe werden jedoch von den beiden innerhalb des' Judentums vorhandenen entgegengesetzten Richtungen zn verschieden beurteilt. Die Koinmission hat daher!nettere Erwägungen bei dieser unklaren Sachlage für erforderlich gehalten. Sie empfiehlt dem Hause, die Vorlage, die die Zahl der Vorstandsmitglieder der Gemeinde (jetzt sieben) auf höchstens fünfzehn, die der Repräsentanten auf höchstens 45 (jetzt 21) erhöhen will und bestimmt, daß die Borstandsinitglieder bis zir einem Drittel der Gesamtzahl gegen Besolduirg angestellt werben können, abzulehnen. -Die Regierung wolle in anderer . Weise ans die Beseitigung der Schwierigkeiten und Unzuträglichkciten, die hinsichtlich der Verivaltung und'' in sonstiger Beziehung durch .das starke Anwachsen der Gemeinde .herbeigefnhrt sind, Bedacht -nehmen und erwägen, ob ähnlich-e Maßnahmen auch für andere Synagogengemeinden geboten erscheinen. Die eingegangencn Petitionen sollen der Regierung als Material Werwiesen werden. Unterstaatssekretär Freund bittet, mit Rücksicht insbesondere auf eine Reihe von Petitionen, die Vorkage anzunehmen. - Gras von Zedlitz und'Trützschler: Däß ein Bedürfnis iiach Vermehrung der Vorstandsmitglieder und Repräsentanten der Berliner Synagogengemeinde vorliegt, erkennen wir durchaus an. Wir halten aber die Angelegenheit noch nicht für genügend geklärt. Ich bitte den Antrag, der Kommission anzuneh'men. Oberbürgermeister Bender beantragt, die Be-' sch'ränkung der Höchsttzahl der Mtglieder des Vorstandes und der Repräsentmitenversammlung anszuheben. Unterstaatssekretär Freund erklärt sich mit dem Antrag, einverstanden. Der Antrag Bender findet nicht ~ die erforderliche Unterstützung. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Der Gesetzentwurf ist Jomit^b ge lehnt. (L.) Posen. In den ersten Tagen des Monats Juni soll hier eine „Flug- und Sport-Woche" abgehalten worden. Für diese Veranstaltung wurde ein Ehrenausschnß gebildet, zu dem auch! Major a. D. Endell gehörte. Daraufhin haben 'sämtliche Posencr jüdischen Mitglieder dieses Ehrcnausschusses —.. Kommerzienrat Hamburger, Kommerzienrat Kantorowicz, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Placztzk und Bankdirektor Wolfs — ihre Namen zurückgezogen, da sie nicht mit Major Endell! zusammen einenr Ausschuß angehören wollen. Major Endell hatte nämlich unlängst in der »Deutschen Tageszeitung" eine Erklärung veröffentlicht, in der er seinen -Bundesbrüdern die folgende Wichtigkeit mitteiltö: „Ich kann mjch. j .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.